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Seelow


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Seelow (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Märkisch-OderlandVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 52 m ü. NHN
Fläche: 42,73 km²
Einwohner: 5387 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 126 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15306
Vorwahl: 03346
Kfz-Kennzeichen: MOL, FRW, SEE, SRB
Gemeindeschlüssel: 12 0 64 448
Adresse der
Stadtverwaltung:
Küstriner Straße 61
15306 Seelow
Webpräsenz: www.seelow.de
Bürgermeister: Jörg Schröder (SPD)
}

Seelow [ˈzeːloː] ist die Kreisstadt des Landkreises Märkisch-Oderland, Land Brandenburg, Deutschland.

Geographie

Seelow liegt am Westrand des Oderbruchs, an der Bundesstraße 1, der ehemaligen Reichsstraße 1 von Aachen nach Königsberg. Die Entfernung nach Berlin beträgt etwa 70 km, die Entfernung zur Grenze nach Polen etwa 20 km.

Stadtgliederung

Zur Stadt Seelow gehört der Ortsteil Werbig mit den bewohnten Gemeindeteilen Werbig, Alt Langsow, Neulangsow. Daneben gibt es noch die Wohnplätze Zernickow und Seelower Loose.

Geschichte

Im Jahr 1252 wird das Dorf „Villa Zelou“ in einer Urkunde des damaligen Erzbischofs von Magdeburg, Wilbrand von Käfernburg, als Besitz der Lebuser Stiftskirche erwähnt.

In den Jahren 1630, 1788 und 1809 gab es große Stadtbrände.

In den Seelower Höhen fand 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, eine der größten Schlachten zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht statt – die Schlacht um die Seelower Höhen. Nach hohen Verlusten auch auf ihrer Seite konnten sich die sowjetischen Streitkräfte den Weg nach Berlin freikämpfen und die damalige Reichshauptstadt schließlich einnehmen. Seelow wurde bei den Kämpfen stark zerstört, vor allem durch einen Luftangriff am 17. April 1945, danach auch durch Brände bei Plünderungen.

Seelow gehörte seit 1816 zum Landkreis Lebus im Regierungsbezirk Frankfurt in der preußischen Provinz Brandenburg. Das Landratsamt befand sich seit 1863 in Seelow. 1950 wurde der Landkreis Lebus in Landkreis Seelow umbenannt. Von 1952 bis 1993 war Seelow Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Bezirk Frankfurt (Oder).

Eingemeindungen

Am 26. Oktober 2003 wurde Werbig in die Stadt Seelow eingegliedert.[2]

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 3 618
1890 3 334
1910 2 961
1925 3 066
1933 3 165
1939 3 082
1946 2 757
1950 3 253
1964 4 500
1971 4 740
Jahr Einwohner
1981 5 441
1985 5 669
1989 5 583
1990 5 487
1991 5 473
1992 5 361
1993 5 240
1994 5 168
1995 5 167
1996 5 237
Jahr Einwohner
1997 5 248
1998 5 380
1999 5 381
2000 5 412
2001 5 371
2002 5 316
2003 5 995
2004 5 896
2005 5 776
2006 5 736
Jahr Einwohner
2007 5 688
2008 5 599
2009 5 575
2010 5 540
2011 5 445
2012 5 464
2013 5 465
2014 5 366

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[3][4], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Religionen

Evangelische Kirche

Seelow ist Sitz des Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Oderbruch, der am 1. Juli 1998 durch den Zusammenschluss der früheren Kirchenkreise Seelow und Bad Freienwalde gegründet wurde. Die Stelle des Superintendenten hat einen Dienstumfang von 50 %. Zur anderen Hälfte erfüllt er die Aufgaben eines Pfarrers im Sprengel Seelow. Der Sprengel besteht aus den drei Gemeinden Seelow, Friedersdorf und Langsow mit zwei Gemeindekirchenräten (in Friedersdorf und Seelow) und vier Predigtstätten. Alle drei Kirchengemeinden verfügen über einen gemeinsamen Haushalt.

Katholische Kirche

1946 ließ sich der aus Küstrin kommende Pfarrer Alois Pech in Seelow nieder und richtete eine katholische Notkapelle ein. 1962 wurde die bisher angemietete Kapelle von der Kirchengemeinde gekauft, ausgebaut und geweiht. Sie erhielt als Patrozinium den heiligen Klemens Maria Hofbauer.[5] Ende 2003 wurde die Kapelle geschlossen und zum Verkauf angeboten.[6] Heute gehören die Katholiken in Seelow zur Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Frankfurt (Oder), zu der auch die nähergelegene Kirche in Golzow gehört.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung von Seelow besteht aus 18 Stadtverordneten sowie dem hauptamtlichen Bürgermeister.

SPD Die Linke CDU FDP Offensive D FWG Seelow WG Freiheit, Arbeit, Werte WG Heimat-Kultur-Sport Gesamt
2003 7 6 3 1 1 18
2008 5 7 2 2 1 1 18
2014 5 6 2 1 2 2 18

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[7]

Bürgermeister

Jörg Schröder (SPD) wurde in der Bürgermeisterwahl vom 27. September 2009 mit 50,7 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 63,2 %).[8]

Wappen

Das Wappen wurde am 12. Februar 2002 genehmigt.

Blasonierung: „In Blau zwei schräggekreuzte goldene Bootshaken; in den Winkeln: oben eine goldene Mitra, vorne ein aufgehender silberner Halbmond, hinten ein gekerbtes silbernes Tatzenkreuz und unten ein goldener Stern.“[9]

Flagge

Die Stadt Seelow führt eine Flagge mit drei Streifen in den Farben Blau-Silber (Weiß)-Blau und im Verhältnis 1:3:1 mit dem Stadtwappen im Mittelstreifen.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmale in Seelow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Museen

Gedenkstätte Seelower Höhen (Sturm der Roten Armee auf Berlin über die Seelower Höhen, 1945) mit Monumentalplastiken von Lew Kerbel

Geschichtsdenkmale

  • Friedenswald, 1991 auf Initiative des Bürgermeisters Gernot Schmidt, des Schriftstellers Martin Stade, des Journalisten Eberhard Grashoff sowie des Aktionskünstlers Ben Wargin zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges und der Vertriebenen auf dem Krugberg in der Nähe der Straße nach Werbig gepflanzt.[10] Dort befinden sich auch 13 Skulpturen als Ergebnis eines Bildhauersymposiums als „Zeichen für den Aufbau eines gemeinsamen Hauses Europa“.
  • Mahnmal von 1968 (nach anderen Angaben 1972) für die Opfer des Faschismus im Park vor der Grundschule an der Straße der Jugend
  • Zwölf Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, wurden 2011 verlegt.[11]

Kirche

Sehenswert ist die restaurierte und 1997/98 durch den Wiederaufbau ihres Turmes komplettierte klassizistische Stadtkirche, erbaut 1830–1832, ein Werk des Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Sport

Seelow besitzt eine Rennstrecke am Stadtrand, auf der jährlich ein Lauf der FIA Autocross Europameisterschaften ausgetragen wird. Der Veranstalter ist der örtliche Motorsportclub MC Seelow.

Neben der Rennstrecke am Sender hat Seelow noch zwei Fußballplätze zu bieten, einer davon befindet sich in der Sparkassenarena, dem früheren Oderbruchstadion Seelow. Die Anlagen werden vom SV Victoria Seelow sowie für den Schulsport genutzt. Direkt an dem Stadion befindet sich auch eine Kegelhalle mit 4 Classic-Kegelbahnen, welche vom Kegelverein 1. KSC 1959 Seelow genutzt werden.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr gibt es drei große Veranstaltungen in Seelow. Den Auftakt bildet seit dem Jahr 2011 das Maifest zum 1. Mai, welches das ursprüngliche „Sport- und Spielfest“ des SV Victoria Seelow nach seinem 20-jährigen Bestehen abgelöst hat. Inhalte des Festes, welches auf dem Gelände der Sparkassen-Arena stattfindet, sind das traditionelle Aufstellen des Maibaumes zum Abend des 30. April mit anschließendem Fackel- und Fanfarenumzug sowie Auftritte von Bands. Des Weiteren finden der jährliche Nachtpokallauf der Feuerwehren als auch Fußball-Freundschaftsspiele des örtlichen Fußballvereins statt.

Das frühere Spiel- und Sportfest, welches vom SV Victoria Seelow vorbereitet und mit Hilfe anderer ortsansässiger Vereine durchgeführt wurde, hatte neben diesen Elementen über viele Jahre eine Tombola zu bieten. In dieser konnten Sachwerte, die als Hauptpreis bis zu einem Auto reichten, gewonnen werden. Das Fest startete bereits in den Vormittagsstunden und lud zu sportlichen Aktivitäten ein und hatte insgesamt einen sportlichen Hintergrund, der nun in dieser Form nicht mehr vorhanden ist.

Am ersten Septemberwochenende findet das Seelower Stadtfest statt. Neben Bühnenprogramm und zahlreichen Bierausschänken sollen Fahrgeschäfte wie Autoscooter u.ä. viele Besucher anlocken.

Der „historische Weihnachtsmarkt“ am Wochenende zum dritten Advent bietet neben Ausstellungen, weihnachtlichen Programmen in der Stadtkirche auch das Anschneiden eines möglichst großen Weihnachtsgebäckes, etwa eines Weihnachtsstollens oder Dominosteins.

Kulinarische Spezialitäten

Als einzige Stadt im gesamten Land Brandenburg besaß Seelow auch nach 1990 eine industrielle Käserei. Dort wurde zusammen mit anderen Käsesorten seit 1974 der Blauschimmelkäse „Blue Master“ produziert. Nach dem Konkurs des Unternehmens erwarb im Jahre 2000 die Ziegenkäserei Zimmermann aus Falkenhain den Betrieb, jedoch wurde die Produktion nach Sachsen verlegt und lediglich der Reifeprozess sowie die Verpackung des Käses erfolgte in Seelow. Nachdem zu Beginn des Jahres 2004 das Produkt bei mehreren Handelsketten ausgelistet worden war, wurde der Betrieb in Seelow komplett stillgelegt. Derzeit findet die Produktion des „Blue Master“ in Falkenhain statt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Der Bahnhof Seelow befindet sich an der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder). Der Bahnhof Seelow-Gusow befindet sich im Nachbarort Gusow-Platkow an der Ostbahn BerlinKostrzyn.

In Seelow kreuzen sich die Bundesstraßen 1 und 167.

Öffentliche Einrichtungen

  • Die Stadt ist Sitz der Verwaltung des Amtes Seelow-Land sowie der Hauptsitz der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland.
  • Stadtbibliothek „Ulrich Plenzdorf“ Seelow

Bildung

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Mit dem Ort verbunden

Literatur

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 390–381.

Weblinks

 Commons: Seelow  – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Seelow in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  3. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland . S. 34-37
  4. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  5. http://www.cuestrin.de/religion-kirche-synagoge/roemisch-katholische-gemeinde-kuestrin.html?showall=&start=1
  6. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/neuer-eigentuemer-plant-abriss-des-hauses-zur-schuldentilgung--erzbistum-verkauft-wilhelmshorster-kapelle,10810590,10148476.html
  7. Amtliches Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  8. Amtliches Ergebnis der Bürgermeisterwahl vom 27. September 2009
  9. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  10. Werbiger Friedenswald wird 20 Märkische Oderzeitung, 26. Januar 2011, abgerufen am 21. Juni 2013.
  11. Verlegung der Stolpersteine sind abgeschlossen

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