Schraubverschluss - LinkFang.de





Schraubverschluss


Ein Schraubverschluss dient dazu, Behältnisse wie Tuben, Kunststoffdosen, Konservengläser und Getränkeflaschen luftdicht zu verschließen, die hierfür mit einem Gewinde an der Öffnung versehen werden.

Fertigung

Die Schraubverschlusskappe (umgangssprachlich auch Kapsel) besteht entweder aus elastischem Vollmaterial (z.B. PE/PP) oder aus Metall, meist Aluminium (für Flaschen) oder Stahlblech (für Schraubgläser). Das Gewinde der Kunststoffkappe entsteht bereits bei deren Herstellung.

Dichtung

Die Dichtung besorgt eine aufgeschäumte flüssig eingetragene oder als Folie oder Formling eingesetzte Dichteinlage. Für die Einlage in Aluminiumkappen stehen verschiedene Materialien wie z. B. PE, Saranex (PVdC) oder Zinnfolie zur Verfügung. Flüssig aufgeschäumt und mit Weichmachern eingetragene Einlagen werden heute nur noch für Weithalsflaschen und Schraubgläser verwendet.

Verschließen

Zum späteren Verschließen wird der Kunststoffverschluss auf das Gewinde des Behälters „geschraubt“. Im Gegensatz dazu wird die Metall-Schraubverschlusskappe ohne Gewinde gefertigt. Beim Verschließvorgang wird sie zunächst von oben an die Dichtfläche gepresst, danach wird das Gewinde seitlich „angerollt“, wobei quasi eine Kopie des Gewindes vom Behälter in die Kappe geformt wird.

  • In Deutschland ist der MCA-Verschluss weit verbreitet. (Metallverschluss aus Aluminium) [1]
  • Der BVS–Verschluss (Bague Vin Suisse) ist noch nicht genormt[2], eine entsprechende Norm liegt als Entwurf vor.[3]

Durch das Anrollen von Aluminiumkappen auf Flaschen mit bereits beschädigtem Gewinde, sowie durch falsch eingestellte Maschinen, können Splitter vom Flaschenhals gelöst werden (knirscht beim Öffnen). Solche Flaschen sollten an den Händler zurückgegeben werden.

Verschlüsse für Lebensmittelflaschen

Schraubverschluss bei Wein

Traditionell wurden nur einfache „Schoppenweine“ mit dem Schraubverschluss abgefüllt. Durch die Anhäufung von Korkschmeckern (wegen TCA) werden immer mehr und auch höherwertige Weine mit dem Schraubverschluss verschlossen. Im Gegensatz zum Verschluss mit Naturkorken gibt es bei der anschließenden Lagerung nur noch geringe geschmackliche Veränderungen. Die kostengünstigeren Varianten des Schraubverschlusses haben jedoch eine erhöhte Sauerstoffdurchlässigkeit und eignen sich daher nur wenig für lagerfähige höherwertige Weine. Seit Anfang der 1970er Jahre sind die sog. Long-Cap- und Stelvin-Cap-Verschlüsse in Australien und der Schweiz im Markt eingeführt. Diese Verschlüsse haben eine Dichteinlage aus Polyvinylidenchlorid (PVdC), welches in der hochwertigen Ausführung zusätzlich mit einer aufkaschierten Zinnschicht versehen ist und eine Sauerstoffdurchlässigkeit (0,0002 bis 0,0008 cm3 O2 pro Tag) gewährleistet. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Lagerung in Hinblick auf Frische und Haltbarkeit.

Mittlerweile verwendet ein großer Teil der australischen und neuseeländischen Weinindustrie Schraubverschlüsse. Auch in anderen Weinregionen der Welt wird zunehmend umgestellt. In Europa sind insbesondere die Schweiz und Deutschland Vorreiter beim Einsatz von Schraubverschlüssen für qualitativ hochwertige Weine. Auch in Österreich wird seit der Jahrtausendwende ein zunehmender Anteil besonders von weißen Qualitätsweinen in Schraubverschlussflaschen abgefüllt. Einige Winzer verwenden Schraubverschlüsse parallel zu Naturkork für dieselben Weine und bieten diese alternativ an. Ein wichtiger Grund dafür ist die mangelnde Akzeptanz des Schraubverschlusses in der gehobenen Gastronomie, die zum Teil nicht auf das Öffnen der Flasche vor dem Kunden mit einem Sommeliermesser verzichten will.

Die Verwendung von Schraubverschlüssen ist Gegenstand kontroverser Diskussion. Zum Beispiel liefern in Deutschland Vergleiche von Weinen, die 25 Jahre unter Kork- oder Schraubverschluss lagerten, eine Überlegenheit des Schraubverschlusses in puncto Frische und Haltbarkeit. In Frankreich kommt ein ähnlicher Vergleich zum genauen Gegenteil.

Ein Forschungsprojekt der Forschungsanstalt Geisenheim zum Thema Kork- und Mufftonproblematik im Wein zeigt, dass diese Problematik auch bei Wein in Flaschen mit Schraubverschluss zutreffen kann.[4]

Schraubverschluss bei Bier

Ende der 1980er Jahre kam der wiederverschließbare Bügelverschluss für Bierflaschen wieder in Mode. Diese Alternative zum Kronkorken forderte die Brauer heraus, die Vorteile der Wiederverschließbarkeit im Hinblick auf den Komfort mit modernen, maschinengeeigneten Verschlusssystemen zu erzielen. Auch hier bot sich der Schraubverschluss als Lösung an und wurde seit Mitte der 1990er Jahre als Standardverschluss eingeführt.

Schraubverschluss bei Erfrischungsgetränken

Bei Limonaden-, Saft- und Mineralwasserflaschen haben sich Schraubverschlüsse aus Kunststoff etabliert. Das perforierte Frischesiegel bleibt nach dem Öffnen am Schraubverschluss abstehend hängen. Die Innenseite kann für verschiedene Sammelaktionen oder Gewinnspiele z. B. mit farbigen Knibbelbildern oder Codenummern auf dem Dichtungsgummi bedruckt werden. Pfandflaschen sollten immer mit Verschluss zurück zum Getränkeunternehmen, da so das recht stoßempfindliche Gewinde beim Rücktransport geschützt ist.

Schraubverschluss bei Tetrapaks

Auch bei Tetra Paks werden Schraubverschlüsse verwendet. Mit einer Umdrehung der Schraubkappe wird das Frischesiegel durchtrennt und gleichzeitig die Frischefolie der Tetra-Pak–„Decke“ durchstochen und aufgeschnitten.

Nockendrehverschlüsse für Konservengläser

Für industriell verarbeitete Konservengläser werden mehrheitlich Gläser mit Nockendrehverschluss für Nockendeckel verwendet. Nockendeckel werden nach DIN EN ISO 9100 ausgeführt. Dort wird jeweils je Mündungsdurchmesser ein Teilwerk der Norm veröffentlicht. Nockendeckel werden auch als Twist-Off Schraubdeckel bezeichnet. Gegenüber Schraubdeckeln bewirken die nach dem Schließen unter Federspannung stehenden Nocken einen besonders festen Verschluss der Behältnisse. Twist-off Deckel oder Nockendeckel werden meist aus Weißblech hergestellt und bedruckt oder lackiert. Zur Abdichtung ist im Deckelbereich gegenüber dem Mündungsrand des Glases meist eine Dichtmasse aus Kunststoff eingespritzt, die auch als ESBO (epoxidiertes Sojabohnenöl) bezeichnet wird.

Verschlüsse für Laborflaschen

Die Gewinde von Schraubverschlüssen bei Laborflaschen werden nach den Normen DIN 168-1:1998-04 und ISO 4796-1:2000-04 ausgeführt. Die Verschlüsse besitzen teilweise spezielle Dichtungen, die weitaus chemikalienresistenter sind als das Material der Schraubverschlüsse. Als Beispiel seien Silikondichtungen genannt, auf die eine dünne PTFE-Folie aufgebracht wurde, die zum Flascheninhalt zeigt.

Durchlässige Verschlüsse

Während die meisten Schraubverschlüsse auf Dichtheit des Deckels ausgelegt sind, gibt es auch solche mit Öffnungen im Deckel:

  • Der Salzstreuer dürfte das bekannteste Beispiel dafür sein.
  • Die Babyflasche besitzt einen Schraubverschluss, der einer Überwurfmutter gleicht.
  • Keimsprossen werden in Gläsern angezogen, bei denen der Schraubverschluss ein Sieb enthält, welches das Ausgießen des Wassers ermöglicht, ohne jedoch die Sprossen freizugeben.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. MCA steht für Metal Closure Aluminium lwg.bayern.de Verschluss im Weinbau PDF
  2. Das Flaschen-Mundstück BVS (Bague Vin Suisse) entspricht dem Mundstück der Europäischen Norm G.M.E. 30.06 bis auf einige Ausnahmen, wie z.B. den Abstand zum Gewindeanfang von 2,8 mm statt der üblichen 1,65 mm. BVS-Mundstücke sind noch nicht genormt, lehnen sich aber weitestgehend an die CE.T.I.E. GM 30.06 10/01 an.
  3. Beuth Verlag: Norm-Entwurf DIN EN 16293:2011-05
  4. Forschungsanstalt Geisenheim: Kork- und Mufftonproblematik im Wein

Kategorien: Verschluss (Abfülltechnik)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schraubverschluss (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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