Schmetterlingstaler - LinkFang.de





Schmetterlingstaler


Der sogenannte Schmetterlingstaler (Schreibweise auch Schmetterlings-Taler) und dessen Teilstücke sind Gedenkmünzen[1] des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken (1694–1733) mit einem Schmetterling auf der Rückseite und einem gekrönten Monogramm auf der Vorderseite. Sie stammen aus der Zeit seiner Liaison mit der Gräfin Cosel. Die sehr seltenen Talermünzen mit der im Kurfürstentum unüblichen Wertangabe in Groschen wurden ohne Jahreszahl und Münzmeisterzeichen geprägt.

Münzgeschichtliche Zusammenhänge

M. Michael Conradi erwähnte 1799 in seinem Buch Lebens- und Regierungsgeschichte Friedrich Augusts des Ersten, …, nach Medaillen und Münzen den Jahren nach beschrieben, dass die Reichsgräfin von Cosel bei einem Ball in der Maske einer Fledermaus erschienen sei, und bringt die Ausgabe der Schmetterlingsmünzen in Verbindung damit.[2] Auf den Münzen ist jedoch zweifellos ein Schmetterling zu sehen. Da dieser Schmetterling drei statt zwei Flügelpaare hat, könnte der Stempelschneider oder Auftraggeber dieser Prägungen angedeutet haben, dass die Rückseite der Münze keinen real existierenden Falter zeigt. Die tatsächliche Bedeutung der von Walter Haupt unter „Gedenkmünzen Friedrich Augusts I.“ erfassten eigentümlichen Gepräge (Schmetterlingstaler zu 32 Groschen, ½-, ¼-, ⅛ Schmetterlingstaler und Schmetterlingsgroschen) ist jedoch bis heute unbekannt.

Anna Constantia (Konstanze) Gräfin von Cosel (Cossell), geborene von Brockdorff, geschiedene von Hoym, wurde 1706 nach ihrer Scheidung im selben Jahr als Mätresse Augusts II. von Polen vom Kaiser zur Reichsgräfin von Cosel erhoben. Die Gunst Friedrich Augusts nutzte sie zur Ansammlung eines großen Vermögens. Durch ihre Einmischungsversuche in die Regierung machte sie sich die Minister, insbesondere Jacob Heinrich von Flemming, zu Feinden.[3] Ihre Herrsch- und Eifersucht sowie ihre politischen Einmischungsversuche führten zu ihrem Sturz.[4] Der König ließ sie 1716 als Staatsgefangene nach Stolpen bringen. Auf der Burg Stolpen in komfortabel eingerichteten Räumen blieb sie bis zu ihrem Tod 1765 in Haft.

„Sie war unzweifelhaft eine der schönsten und geistreichsten Frauen ihrer Zeit, hochgebildet und besonders in der französischen Literatur sehr bewandert, welche ihr in ihrer Gefangenschaft fast den einzigen Genuss gewährte.“[5]

Im Roman Gräfin Cosel von Józef Ignacy Kraszewski über ihr Leben findet man am Ende des Buches einen Bezug zu Talern, die von der Gräfin beim König durchgesetzt wurden. Angeblich sind das Münzen mit ihrem Wappen und dem des Königs, die man nach ihrem Tod in den Polstern ihres Sessels fand. Es gibt jedoch weder Münzen mit dem Wappen Augusts und seiner Mätresse noch Medaillen zu Ehren der Gräfin Cosel.[6] Die sogenannten Schmetterlingstaler sind die einzigen Talergepräge, bei denen ein Bezug zur Geliebten Friedrich Augusts denkbar ist. Sie werden in älterer und neuerer Literatur[7][8][9] als Schmetterlingstaler oder Schmetterlingsmünzen Friedrich Augusts aus der Zeit der Gräfin Cosel bezeichnet, weil sie sein Monogramm tragen und die Rückseite einen großen Schmetterling zeigt, der die gesamte Seite der Münze einnimmt. Andererseits sind die in einer sehr geringen Auflage hergestellten Gepräge mit anderen Gedenkmünzen des Königs, die alle auf einen bekannten Anlass Bezug nehmen, weder im Münzbild noch in der Wertangabe vergleichbar. Da die Münzen ohne Wappen, Umschrift, Prägejahr und Münzmeisterzeichen geprägt wurden, ist es erklärlich, dass sie bis etwa zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch für Spielmarken des Dresdner Hofs gehalten wurden.[10]

Michael Lilienthals Beschreibung der Talermünzen, die relativ kurz nach deren Prägung im Jahr 1747 erfolgte, besagt wozu sie „eigentlich“ gebraucht worden sein sollen. Er ordnet sie aber den Talermünzen zu:

„Ein sonderbarer Thaler des Königs […] [mit einem] Papillon oder Schmetterling, mit sechs ausgebreiteten Flügeln. […] Sie sollen eigentlich bey einer gewissen Gelegenheit zu Spiel-Marquen gebraucht worden seyn.“[11]

Tadeusz Kalkowski schrieb 1974 in seinem Buch über die tausendjährige Geschichte Polens, dass die undatierten Schmetterlingstaler aus dem Jahr 1708 stammen, aus einer Zeit, als die Cosel bereits „am Ruder“ war.[12] Aktuell wird meistens 1709 als Prägejahr angegeben. Als Münzstätte kommen beide sächsischen Staatsmünzen in Frage, die Münzstätten Dresden und Leipzig.

Bekannt sind auch die sogenannten Coselgulden[13] aus der Dresdner Münze. Das sind ebenso wie die Teilstücke des Schmetterlingstalers nach dem Leipziger Münzfuß geprägte Talermünzen. Sie haben jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Gräfin nichts zu tun. Der mit der Cosel in Verbindung gebrachte Punkt zwischen den beiden sich überschneidenden Wappen der Rückseite wurde wohl zuerst 1734 von Johann Christian Kundmann als Zentrierpunkt gedeutet.[14]

Auch die sogenannten Coseldukaten werden mit der Reichsgräfin in Verbindung gebracht.[15] Diese Gepräge sind jedoch im Vergleich zu den Schmetterlingsmünzen eindeutig so obszön, dass August der Starke oder die Gräfin Cosel ihre Ausgabe nicht veranlasst haben können.[16]

Beschreibung der Münzen

Auf der Vorderseite der Schmetterlingsmünzen ist ein gekröntes Monogramm mit den miteinander verbundenen Buchstaben AR (Augustus Rex) zu sehen. Für die im Abschnitt vorhandene Wertbezeichnung der Talermünzen in Groschen wurde die für den Schriftverkehr übliche Abkürzung verwendet. Auf der Rückseite befindet sich ein Schmetterling mit je drei ausgebreiteten Flügeln. Der Schmetterling wird in Münzbeschreibungen meist als Roter Apollo bezeichnet, obwohl er so nicht existiert.[17]

Die Münzserie besteht aus den Nominalen:

(Umrechnung der Nominale des Reichsmünzfußes in Nominale des Leipziger Münzfußes nach Paul Arnold.[18])

  • 32 Groschen = 1 Speciesreichstaler = 1 ⅓ Kuranttaler (nicht geprägt) = 2 Gulden
  • 16 Groschen = ½ Speciesreichstaler = ⅔ Kuranttaler = 1 Gulden
  • 8 Groschen = ¼ Speciesreichstaler = ⅓ Kuranttaler = ½ Gulden
  • 4 Groschen = ⅛ Speciesreichstaler = ⅙ Kuranttaler = ¼ Gulden
  • Groschen (=124 Kuranttaler)

Münzausbringen

Der Schmetterlingstaler ist ein nach dem Reichsmünzfuß geprägter Speciesreichstaler (= 32 Groschen, Gewicht nach Reichsmünzfuß = 29,23 g, Feingehalt 14 LotGrän = 888,89/1000). Die Ausprägung der Teilstücke erfolgte nach dem Leipziger Münzfuß, der Groschen (124 Taler) nach dem Torgauer Münzfuß. (Der Kuranttaler zu 24 Groschen war eine Rechnungsmünze, die bis auf wenige Ausnahmen nicht geprägt wurde.)

Nachprägung

Vom Schmetterlingstaler sind auch Nachprägungen bekannt. Sie werden als „schwerer späterer Abschlag von Originalstempeln“ bezeichnet.[19] Das Gewicht dieser Prägung beträgt etwa 35,37 g und ist ein Unterscheidungsmerkmal zu den leichteren Speciesreichstalern. In der Beschreibung der „Sammlung Otto Merseburger“ unter „Münzen aus der Zeit der Gräfin Cosel“ von 1894 waren Nachprägungen bereits bekannt, da die dort angeführten Schmetterlingsmünzen mit der Bemerkung „Original“ im Münzverzeichnis zu finden sind.

Eine Nachprägung mit den Originalstempeln des Schmetterlingstalers in Gold, ein „Goldabschlag zu 11 Dukaten“, ist in der Künker-Auktion vom 16. März 2016 als „vermutlich Unikum“ angeboten worden. In der näheren Beschreibung ist erwähnt, dass lt. Paul Arnold, langjähriger Direktor des Münzkabinetts in Dresden, die Prägewerkzeuge heute noch im Stempelarchiv des Münzkabinetts erhalten sind. Mit diesen Stempeln erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert offizielle Nachprägungen. Auf die Originalgepräge wird in dieser Beschreibung ebenfalls Bezug genommen. So wird zum Forschungsstand angegeben, dass zeitgenössische archivalische Dokumente zu den Schmetterlingsmünzen bis heute nicht ermittelt werden konnten. Es wird aber auch eine weitere Variante für die Deutung des Münzbildes nach eigenem Ermessen genannt. Demnach ist die „Rückseite mit einem Emblem versehen, das eine politische Botschaft verklausuliert. […] Die drei Flügelpaare könnten ein Synonym für das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen sowie für Kur-Sachsen darstellen.“

Bei sämtlichen Gedenkmünzen Friedrich Augusts sind jedoch die Anlässe bekannt. Es fällt auch nicht leicht, einen Sinn in einer verklausulierten politischen Botschaft auf den sehr seltenen Talermünzen des „starken Augusts“ zu erkennen, wenn auch eine Zeit lang der polnische Thron verloren war.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Walter Haupt: Sächsische Münzkunde, Deutscher. Verlag der Wissenschaft, Berlin 1974, S. 245
  2. Helmut Caspar: „Geheimnis“ des Schmetterlings-Talers bisher ungelüftet, in Numismatische Beiträge, Heft I 1979, S. 33, Beleg 4
  3. Cosel (Cossell) Anna Konstanze, Gräfin von …, in Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage 1885–1890
  4. Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, Leipzig 1911, darin: Cosel, auch Cossell, Anna Konstanze, Gräfin von…
  5. Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, 1885–1890
  6. Helmut Caspar: „Geheimnis“ des Schmetterlings-Talers bisher ungelüftet, in Numismatische Beiträge, Heft I 1979, S. 31
  7. Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung, Dresden 1888, S. 304
  8. Otto F. Müller: Sammlung Otto Merseburger umfassend Münzen und Medaillen von Sachsen, Verkaufskatalog, Leipzig 1894, S. 70
  9. Heinz Fengler; Gerd Gierow; Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976 (unter Schmetterlingsmünze)
  10. Eduard Maria Oettinger: Narrenalmanach für 1843, Leipzig 1843
  11. Michael Lilienthal: Vollständiges Thaler-Cabinet, das ist: Historisch-Critische Beschreibung […], Königsberg und Leipzig 1747, S. 200, Nr. 563a: „Ein sonderbarer Thaler […]“
  12. Helmut Caspar: „Geheimnis“ des Schmetterlings-Talers bisher ungelüftet, in Numismatische Beiträge, Heft I 1979, S. 32, Beleg 5
  13. acsearch: Friedrich August I., sogenannter Coselgulden 1707 ILH, Dresden
  14. Helmut Caspar: „Geheimnis“ des Schmetterlings-Talers bisher ungelüftet, in Numismatische Beiträge, Heft I 1979, S. 32, Beleg 3
  15. acsearch: Coseldukat, Gewicht 3,44 g, ein Spieljeton aus der Zeit der Gräfin Cosel. Im Münzbild zwei schnäbelnde Tauben, Hahn tritt Henne auf der Gegenseite.
  16. Helmut Caspar: „Geheimnis“ des Schmetterlings-Talers bisher ungelüftet, in Numismatische Beiträge, Heft I 1979, S. 32
  17. Die Serie der Schmetterlingsmünzen. In Künker Auktion 189 (2011), S. 135. (Anmerkung: Das 32 Groschen-Stück ist kein Kuranttaler wie hier angegeben, sonder ein Speciesreichstaler, das 16 Groschen-Stück ist kein ½ Kuranttaler, sondern ⅔ Kuranttaler. (1 Kuranttaler hatte einen Wert von 24 Groschen, nicht 32 Groschen.))
  18. Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763. Schweizerische numismatische Rundschau, Band 59, 1980, S. 86
  19. Künker Auktion 127, 2007

Kategorien: Währungsgeschichte | Numismatik | Gedenkmünze | August II. (Polen) | Deutsche Münze | Historische Währungseinheit (Deutschland) | Silbermünze | Sächsische Geschichte

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingstaler (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.