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Schmackostern


Schmackostern (auch Schmagostern) – in Norddeutschland auch Stiepern genannt – ist ein Element von Frühlingsfeiern, in diesem Fall besonders zu Ostern.

Dieser Brauch, insbesondere junge Frauen im Zuge von Frühlingsfeiern mit der Lebensrute zu schlagen, ist speziell in Mittel- und Ostdeutschland sowie Schlesien ein Ritual des Osterfests. Er stammt vielleicht aus vorchristlicher Zeit. Zumindest ist es analog zu Fruchtbarkeitsritualen zu verstehen, mit denen das Wiedererwachen der Natur nach dem Winter gefeiert wird.

"Am Ostermontag gingen die jungen Burschen schon früh zu ihren Mädchen, damit sie diese möglichst noch im Bett antrafen und gaben ihnen mit Birken- und Weidenruten leichte Schläge auf die unbedeckten Arme und Beine. Durch das Schlagen sollten nicht nur die Fruchtbarkeit (Arme und Beine als Ersatz für andere Körperteile), sondern auch die Kraft und Tüchtigkeit der zur Arbeit unentbehrlichen Glieder gefördert werden. Anschließend bewirteten die Mädchen die zum Schmeckostern gekommenen Burschen mit Osterkuchen, Osterschnaps und Likör. Am Osterdienstag durften sich die Mädchen revanchieren und zu den Burschen Schmeckostern gehen." [1]

In Ost- und Westpreußen heißt schmackostern der "Schlag mit der Lebensrute", der am Ostermontag, selten am Karsamstag oder Ostersonntag erfolgt. Das Wort wird von polnisch smigac, smagac (peitschen) oder von niederdeutsch smack = Schlag abgeleitet.[2]

Die Germanisten und Historiker beschreiben diesen Brauch folgendermaßen: "schmeckôstern, schmagôstern, schmigôstern. Mit einer geflochtenen Weidenpeitsche die Langschläfer am Ostermontage nach uralten Brauche hauen. - Das Wort ist eine Ableitung aus schmecken, schmacken: hauen, peitschen, und kommt außer Schlesien vor in Nordböhmen, der Oberlausitz, Oberhessen und Ostpreussen. Mit Ostern (pascha) hat die Ableitungssilbe nichts zu thun". [3]

Bezeichnenderweise wird er in Thomas Manns Erzählung Die Betrogene geschildert, wo das Thema Frühling und Fruchtbarkeit aber mit dem Tod eng verflochten ist.

Ähnliche Bräuche sind auch etwa aus der römischen Antike überliefert (vgl. Faunus).

Praxis

Üblicherweise wurde das Schmackostern am 2. Ostertag praktiziert. Zur Vorbereitung hatte man lange vor Ostern in der warmen Stube lange dünne Wacholderzweige ("Kaddickhusch", beim Schmackostern) oder Birkenreiser (beim Stiepern) zum Grünen gebracht. Mit diesen Ruten zog man frühmorgens von Haus zu Haus und teilte an die einzelnen Hausgenossen leichte Streiche aus. Nach Möglichkeit schlich man sich zu den noch Schlafenden, hob die Bettdecke hoch und teilte die Hiebe auf den nackten Po. So suchten die Kinder speziell ihre Eltern heim und die jungen Männer die jungen Mädchen.

Für das Schlagen mit der Lebensrute existieren verschiedenste regionale Bezeichnungen wie z. B. fitzeln, frischschlagen, fudeln, fuen, futteln, gesundschlagen, kindeln, pißnen, schapen, schapruatn, zempern.

Die regional variierende Praxis des Schmackosterns geht einher mit einer gewissen Vielfalt der sogenannten “Heischesprüche”, die dazu aufgesagt wurden. Beispiele sind:

Ostre, schmack Ostre, gren Ostre, fif Flade, sesz Eier e Stöck Speck, denn gö öck glik weg.
Schmack Ostern, Grün Ostern, fünf Eier, Stück Speck, vom Kuchen 'ne Eck, 'n Dittche för Beer, dann komm' ick nich mehr!
Schmack Ostern, Grün Ostern, fünf Eier, Stück Speck, vom Kuchen eine Ecke, eher gehen wir nicht weg.!
Oster, Schmackoster, Stück Kuchen, paar Eier, Stück Speck, sonst gehn wir nicht weg.
Oster, Schmackoster, gib Eier und Speck, sonst gehn wir nicht weg.
Oster Schmackoster ist hier! Drei Groschen zum Bier, drei Bier und ein Stück Speck, dann gehen wir weg!
Eins, zwei, drei, hier kommt die Futtelei. Gibst du mir kein Osterei, schlag ich dir das Hemd entzwei!
Zum Schmackostern komm' ich her, ich wünsch' euch "guten Morgen", gebt mir die bunten Eier her, mag sein, wie sie wollen: blitzblau, donnergrün, kreideweiß; ich nehm' sie all' mit Dank und Fleiß.

Indessen mussten sich die Peiniger beeilen, denn: Waren die Leute erst einmal aufgestanden, entwanden sie die Ruten und schlugen nun ihrerseits auf die Eindringlinge ein.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gottwald, Adolf / Rössler, Helmut: Freudenthal und seine Kreisgemeinden. Dokumentation eines Landkreises im Ostsudetenland. Esslingen 1990.
  2. Sartori, Spalte 1235.
  3. Weinhold, Karl: Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. In: Forschungen zur Deutschen Landes- und Volkskunde. Band 2. Stuttgart 1887, S. 157–244.

Kategorien: Kultur (Schlesien) | Feste und Brauchtum (Deutschland) | Ostern | Kultur (Ostpreußen)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schmackostern (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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