Schloss Winsen - LinkFang.de





Schloss Winsen


Das Schloss in Winsen (Luhe) im nördlichen Niedersachsen ist das bedeutendste profane Bauwerk der Stadt. Das zum Teil über 700 Jahre alte Gebäude beherbergt heute das Amtsgericht.

Geschichte

Das Schloss entstand aus einer Burg an einem Übergang der Luhe und wurde erstmals 1315 urkundlich erwähnt.[1] Eine andere Urkunde aus dem Jahr 1277 deutet aber darauf hin, dass das Schloss wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt bereits existiert hat.[2][3] Zu Beginn des Lüneburger Erbfolgekrieges 1371 war Herzog Magnus II. gezwungen, die Großvogtei Lüneburg nach Winsen zu verlegen. Das Winsener Schloss diente fortan als Großvogtei Winsen und verwaltete die welfischen Güter im Nordteil des Fürstentums Lüneburg, das ein Teilfürstentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg war. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Schloss samt den dazugehörigen Ländereien durch die Herzöge mehrfach verpfändet. So gehörte es 1374 bis 1389 dem Rat der Stadt Lüneburg, ging 1396 an Hamburg und Lübeck, war von 1434 mit Unterbrechungen wieder im Besitz von Lüneburg und ging von 1493 bis 1523 sogar an die Kurfürsten von Sachsen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war das Schloss Schauplatz mehrerer Hexenprozesse.[4] Schulz-Egestorf beziffert die Zahl der in Winsen in den Jahren 1611-1614 „vom Richter zum Feuertode“ verurteilten und schließlich vor dem „Luhdorfer Tore“ verbrannten „sogenannte[n] Hexen“ auf dreißig[5].

Von 1593 bis 1617 wurde das Gebäude durch Dorothea von Braunschweig-Lüneburg, der Witwe Wilhelm des Jüngeren als Altersitz bewohnt. In dieser Zeit, in der Dorothea die Verwaltung des Amtes Winsen übernommen hatte, fanden die oben genannten Hexenprozesse statt.[6] Sie ließ den Umbau der Schlosskapelle im einzig erhaltenen Turm des Schlosses vornehmen. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurden die Befestigungsanlagen des Schlosses verstärkt, 1628 diente es kurze Zeit als Hauptquartier für Tilly und seinen Stab. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss nur noch als Sitz der Amtmänner des Amtes Winsen genutzt. 1852 zog das Amtsgericht in die Räume, ab 1885 beherbergte das Schloss auch die Kreisverwaltung des Kreises Winsen bis zur Kreisreform 1932, wo der Kreis Winsen in den Landkreis Harburg aufging und der Sitz der Kreisverwaltung in die Kreisfreie Stadt Harburg ging.[7] Durch die kriegsbedingte Zerstörung des Landratsamtes in Harburg, wurde die Kreisverwaltung 1944 wieder in das Winsener Schloss und in vier Baracken im Schlosspark verlegt.[8] Dort blieb die Kreisverwaltung, bis sie 1961 in einen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses zog. Für einige Zeit verblieb das Katasteramt noch im Schloss, bis es in den neunziger Jahren in ein eigenes Gebäude umzog. Heute ist das Amtsgericht Winsen alleiniger Nutzer des Schlosses.

Architektur

Das Schloss, obwohl von seinen Befestigungsanlagen befreit, hat bis heute seinen wehrhaften Charakter behalten. Die vorhandenen Bauteile entstammen zu einem Großteil der Renaissance. Der Bau aus Backstein mit Fachwerkelementen steht innerhalb eines aufgestauten Teichs an der Luhe und besteht aus einem unregelmäßigen, dreiflügeligen Baukörper mit einem offenen Hof. Der Hof wurde einst von einem vierten Flügel geschlossen, dieser wurde jedoch bereits um das 18. Jahrhundert abgebrochen. Die Schauseite des Schlosses zur Stadt wird vom Kapellenturm und dem Tor betont, die übrigen Außenfassaden sind relativ schmucklos.

Die langwährende Bautätigkeit am Schloss lässt sich noch heute in vielen Baudetails nachvollziehen. Im Kellergeschoss hat sich ein gotisches Sterngewölbe aus der Zeit um 1500 erhalten. In der Renaissance wurde das Schloss dem Zeitgeschmack angepasst, eine Galerie in den Hof eingezogen und verschiedene Verschönerungen vorgenommen. Da das Schloss lange Zeit als Amtssitz diente, fanden sich schon früher weniger höfische Repräsentationsräume als mehr Verwaltungszimmer in dem Gebäude. Lediglich unter Dorothea wurde im Schloss länger Hof gehalten, wovon unter anderem die Ausstattung der Schlosskapelle kündet.

Heutige Nutzung

Besitzer des Schlosses ist heute das Land Niedersachsen. Es ist Sitz des Amtsgerichts Winsen. Von 1995 bis 2006 wurde das Schloss umfassend saniert, seit 2008 ist ein kleines Museum im Schlossturm eingerichtet. Bedingt durch die Nutzung des Schlosses als Gerichtsgebäude sind die Räume in der Regel nicht zu besichtigen, Ausnahmen finden unter anderem am Tag des Denkmals statt. Auch an anderen Aktionstagen gibt es gelegentliche Führungen, die über das benachbarte Museum im Marstall erfragt werden können. In der Schlosskapelle finden verschiedene kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte statt, auch kann sie für Trauungen gemietet werden.

Kanone im Hof

Die im Hof befindliche Kanone diente nie zur Verteidigung des Schlosses. Sie wurde 1863 im belgischen Lüttich hergestellt und wurde vom damaligen Landrat Friedrich Ecker 1917 als Dekoration aufgestellt.

Umgebung

Der Schlosspark und der Hof sind für Besucher frei zugänglich. Die ehemaligen Befestigungsanlagen wurden nach deren Abbruch in einen Landschaftspark umgewandelt. Der Schlossgarten wurde 2006 in die Winsener Landesgartenschau mit einbezogen. In Sichtweite des Schlosses befindet sich das große Gebäude des in Fachwerk errichteten Marstalls. Dieser beherbergt heute die Stadtbücherei, die Tourist-Information und ein Museum.[9]

Literatur

  • Ernst Andreas Friedrich: Das Schloß Winsen (Luhe), S.166-168, in: Wenn Steine reden könnten, Band III, Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1.

Weblinks

 Commons: Schloss Winsen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. H. Sudendorf, Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande Band I (Hannover 1859), Nr. 279, Urkunde vom 28. November 1315
  2. W. F. Volger, Urkundenbuch der Stadt Lüneburg bis zum Jahre 1369 (Hannover 1872), Nr. 122, Urkunde vom 10. April 1277
  3. Flyer über die Stadt Winsen (Luhe), Touristinformation .
  4. Schlossgeschichte auf der Homepage der Stadt Winsen
  5. Heinrich Schulz-Egestorf: Chronik von Sahrendorf im Kreise Harburg. Geschichte der unter der Grundherrschaft des Michaelisklosters in Lüneburg stehenden Höfe (= Veröffentlichungen des Helms-Museumserein Naturschutzpark e. V. Nr. 15). Selbstverlag, Hamburg-Harburg 1963, S. 32.
  6. Dorothea von Dänemark (1546–1617)#Witwenschaft
  7. Dirk Stegmann (Hrsg.) - Der Landkreis Harburg 1918-1949, Kapitel III, 2, Kreisreform 1932 von Autor Günter Könke, Seite 84, Christians Verlag
  8. Dirk Stegmann - Der Landkreis Harburg 1918-1949, Kapitel XIII, 2, Der Landkreis Harburg im Zweiten Weltkrieg, Seite 425, Christians Verlag
  9. Ilona Johannsen - Der Marstall und seine Nutzung, Niedersachsenbuch 2008 Winsen (Luhe), Nieders. Ministerium für Inneres und Sport, S. 32, 33.


Kategorien: Renaissancebauwerk in Niedersachsen | Schloss in Niedersachsen | Bauwerk im Landkreis Harburg | Winsen (Luhe)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss Winsen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.