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Schloss Würting


Das Schloss Würting liegt in der Ortschaft Würting der Gemeinde Offenhausen in Oberösterreich. Es geht auf das 9. Jahrhundert zurück.

Geschichte

Schloss Würting wurde erstmals 814 als romanischer Schankhof (actum ad wirtingen) im Besitz eines Grafen Richarius urkundlich erwähnt.[1] [2]

Im 11. Jahrhundert gehörte die Herrschaft den Grafen von Wels-Lambach, deren letzter männlicher Vertreter Bischof Adalbero von Würzburg 1056 das nahe gelegene Benediktinerstift Lambach gründete.

Im Jahre 1220 kaufte der Babenberger Herzog Leopold Würting, die Herrschaft ging damit an die Herzöge von Österreich, die sie zu Lehen weitergaben. 1380 belehnte der Habsburger Herzog Albrecht III. Jörg Rathalminger mit Würting, das damals bereits eine respektable Wasserburg war.

Susanna Rathalminger brachte die Herrschaft 1422 in ihre Ehe mit Jörg II. von Perkheim ein. Das Geschlecht der Perkheimer (unterschiedliche Schreibweisen) stammte ursprünglich aus Salzburg. Eine Linie wandte sich dem Land ob der Enns zu und besaß hier viele Herrschaften und Sitze gleichen Namens (Sitz in Timelkam, Oberbergham bei Gaspoltshofen, Schloss Bergham bei Linz, Burg Bergheim bei Geboltskirchen, der Perkhaimerhof in Ebelsberg oder Schloss Bergheim bei Feldkirchen an der Donau). 1499 wurde Kaspar von Perkheim durch Kaiser Maximilian I. zum ersten Vizedom im Land ob der Enns ernannt. Bereits 1460 hatte er aber seinen Hauptsitz nach Würting bei Offenhausen verlegt, das inzwischen zu einem stattlichen gotischen Wasserschloss umgebaut war. 1534 erreichte Jörg III. von Perkheim bei König Ferdinand I. auf Verlangen der Einwohner von Offenhausen und seine Fürbitte für das ihm untertänige Dorf die Erhebung zum Markt.[3] Dieses hatte sich zu einem regionalen Zentrum von Handel, Gewerbe und Handwerk entwickelt. Mit dem kinderlos verstorbenen Jörg III. († 1559) starb das Geschlecht der Perkheimer im Mannesstamm aus und der Besitz ging über die letzte weibliche Erbin Christina in den Besitz ihres Gatten Georg Achaz von Losenstein[4], Herr auf Schloss Weidenholz (Waizenkirchen), und schließlich in fremde Hände über.

Von 1604 bis 1617 gehörte das Schloss dem wohlhabenden Welser Handelsherrn und Burgvogt Christoph Weiß. Seine Gattin war Felicitas von Alt, eine Cousine der berühmten Salome Alt von Altenau. Weiß hoffte in den Freiherrenstand erhoben zu werden und baute das Schloss großzügig im Stil der Renaissance aus. Bis 1610 ließ er das Schloss um einen „Gaden“ aufstocken, nach Osten und Süden erweitern und das Innere „mit fürstlicher Pracht“ ausstatten. Zahlreiche Stuckarbeiten und Deckengemälde wurden in dieser Zeit im Schloss angebracht, darunter ein künstlerisch bedeutender allegorischer Gemäldezyklus, der Claude Aubertin oder Pieter Isaacsz[5] zugeschrieben wird und in dem Christoph Weiß seinem Gönner Kaiser Matthias huldigte, dem er seinen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte.[6] 1612 besuchte Kaiser Matthias Schloss Würting auch persönlich. Jedoch wurde erst Weiß' Enkel, Johann Christoph, bereits völlig mittellos 1651 von Kaiser Ferdinand III. zum Freiherrn von Weißenberg erhoben.

Im Zeitraum 1648 bis 1650 ging das Schloss von der Familie Weiß in den Besitz der Grafen von Seeau über.[7][8] Nach einem langwierigen Kridaprozess kaufte Elias von Seeau das Wasserschloss Würting schließlich 1650 von einem Verwalter. Das Vermögen der Familie Weiß war unter der langen Vormundschaft über Johann Christoph Weiß von Würting aufgezehrt worden. Über seine erste Frau, Susanna Magdalena Alt von Altenau, war Elias von Seeau mit den Weiß von Würting verschwägert. Die Grafen von Seeau hielten Schloss Würting bis ins 19. Jahrhundert, nahmen jedoch keine wesentlichen baulichen Veränderungen vor.[1]

Nach Erlöschen der männlichen Linie der Seeauer verkaufte die letzte Erbin Mathilde Földvary von Földvar Schloss Würting 1860 an den Bürgerlichen Johann Grillmayer, den Gründer der Spinnerei Kleinmünchen (heutige Linz Textil AG).[9] Grillmayer und noch mehr sein Sohn Johann Karl setzten viel Engagement in die Erhaltung des Schlosses. Er ließ zahlreiche erste Photographien des Gebäudes anfertigen und schuf selber eine Chronik zur Aufarbeitung seiner wechselhaften Geschichte.[10] Es erfolgte eine detailgetreue Restaurierung in das Erscheinungsbild der Renaissance. Der Ostturm konnte jedoch nicht mehr gerettet werden. Er stürzte 1877 ein, da seine Piloten durchgefault waren, und wurde nicht mehr aufgebaut.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der gesamte Grundbesitz des Schlosses schrittweise verkauft. Nach mehreren Besitzerwechseln geriet das Gebäude in immer schlechteren Zustand. 1921 kaufte der Wiener Bankier Heinrich Gutmann das Schloss für seine Frau Stefanie, woraufhin es eine erneute, kurze Blütezeit erlebte. Das Schlossgebäude wurde renoviert und mit wertvollem Mobiliar und Gemälden ausgestattet, darunter Ölbilder des Malers John Quincy Adams, des ersten Mannes von Stefanie Gutmann.

Schloss Würting war in dieser Zeit für der Familie Gutmann befreundete Denker, Künstler und Philosophen ein Rückzugs- und Schaffensort. So lebte der Schachspieler Arthur Kaufmann, enger Freund des Dramatikers Arthur Schnitzler, ab 1923 für etwa 10 Jahre als Gast der Familie Gutmann auf Schloss Würting. Ein solches Gastrecht genoss auch der Gründer der Paneuropa-Union, Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi.

1923 verfasste Coudenhove-Kalergi in angeblich nur drei Wochen auf Schloss Würting sein programmatisches Buch Pan-Europa. Die Monografie, in der der Graf seine Ideen eines vereinten Europa beschreibt, gilt als Beginn der Paneuropa-Union.[11][12]

Im August 1929 wurde ein Werk des Komponisten Armin Kaufmann (op. 14, 3. Sonate für Violine und Klavier) auf Schloss Würting uraufgeführt.[13]

1938 ging das Schloss zu einem Bruchteil seines Wertes an den Reichsgau Oberdonau.[14] Die wertvolle Einrichtung wurde verkauft oder verschwand auf unbekannten Wegen, in das Schloss zog eine SA-Schule ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dort für kurze Zeit Flüchtlinge untergebracht. 1952 erhielt Stefanie Gutmann das stark in Mitleidenschaft gezogene Anwesen zurück, verkaufte es aber umgehend. Erneut folgten mehrfache Besitzwechsel.

1971 starb der letzte Besitzer Rüdiger Rogalla und die bedeutenden Deckenbilder wurden in einer Blitzaktion außer Landes gebracht. 1994 konnten diese — bereits verloren geglaubt — vom Verein „Denkmalpflege Oberösterreich“ mit Hilfe des Landes und des Bundesdenkmalamtes durch einen Rettungskauf sichergestellt werden. Nach aufwendiger Restaurierung sind sie seither im Schlossmuseum Linz ausgestellt.[6]

1975 ging das Schloss an den Künstler und Paläontologen Herbert Schaffer[15], der dort seine paläontologische Sammlung unterbrachte.

Trotz Unterstützung durch die öffentliche Hand ist das Schloss heute in schlechtem Zustand. Das Anwesen ist nicht öffentlich zugänglich.

Weblinks

 Commons: Schloss Würting  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Angabe der Stiftung Seeau , abgerufen am 28. Juni 2016.
  2. Historische Kommission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen, S. 351. Wien: k.u.k. Hof- und Staatsdruckerei, 1851.
  3. Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins, Band 96, S. 89, Linz 1951 , abgerufen am 28. Juni 2016.
  4. Biographie auf der Webseite des Vereins „Rund um die Burg“ e.V. , abgerufen am 28. Juni 2016.
  5. Juliette Roding, Marja Stompé: Pieter Isaacsz (1569-1625): een Nederlandse schilder, kunsthandelaar en diplomaat aan het Deense Hof, S. 31. Hilversum: Uitgeverij Verloren, 1997. ISBN 978-9065501455.
  6. 6,0 6,1 Presseinformation des oö. Landesmuseums vom Juni 2007 zur Präsentation der „Würtinger Tafeln“ im Schlossmuseum Linz , abgerufen am 28. Juni 2016.
  7. Stammbaum lt. Stiftung Seeau , abgerufen am 28. Juni 2016.
  8. Johann Georg Adam von Hoheneck: Die Löbliche Herren Herren Stände Deß Ertz-Herzogthumb Oesterreich ob der Ennß, Als: Prälaten, Herren, Ritter, und Städte Oder Genealog- und Historische Beschreibung, Von deroselben Ankunfft, Stifft, Erbau- und Fort-Pflantzung, Wapen, Schild, und Helmen, Ihren Clöstern, Herrschaften, Schlössern, und Städten [e]tc., [e]tc, Band 2, S. 832 bis 834. Passau: G. Mangold, 1747.
  9. 175 Jahre Linz Textil, 1838-2013
  10. Johann Karl Grillmayer: Chronik des Schlosses Wirting beim Markte Offenhausen, Linz: Wimmer, 1903.
  11. Dirk Hermann Voß: Bis hierher und weiter Gedenkartikel zum 90. Jahrestag der Paneuropa-Union , abgerufen am 28. Juni 2016.
  12. Hartmut Wagner: Die Vereinigten Staaten von Europa Gedenkartikel zum 110. Geburtstags Coudenhove-Kalergis 2014 , abgerufen am 28. Juni 2016.
  13. Werkverzeichnis , abgerufen am 28. Juni 2016.
  14. Daniela Ellmauer et al: „Arisierungen“, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Oberösterreich, S. 400f. Berlin: Oldenbourg, 2004, ISBN 978-3486567793.
  15. Angabe zu Schaffer bei Chello.at , abgerufen am 28. Juni 2016.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss Würting (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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