Schloss Neersen - LinkFang.de





Schloss Neersen


Schloss Neersen

Alternativname(n): Rathaus der Stadt Willich
Entstehungszeit: vor 1371
Burgentyp: Niederungsburg, Motte
Erhaltungszustand: Erhalten
Ständische Stellung: Reichsgrafen
Ort: Willich
}}

}}

Höhe: 44 m ü. NN

Das Schloss Neersen ist ein Schloss mit allgemein zugänglicher Parkanlage in Neersen, einem Stadtteil von Willich am Niederrhein. Es befindet sich auf einer Höhe von 44 Metern über NN.

Geschichte

Burg Neersen

Das Schloss Neersen war bei seiner Erbauung noch eine Wasserburg am Fluss Niers. Die Burg war als steinerne Niederungsburg (Motte) auf einer Donk inmitten der von Bruchwald geprägten Landschaft errichtet worden. Sie lag unmittelbar an der Niers, die den Burggraben speiste und bis zu ihrer Begradigung im Jahr 1930 direkt an der Burg bzw. dem späteren Schloss vorbeiführte. Aller Vermutung nach rührt aus diesem Umstand der Name Neersen.[1] Heute ist die Niers etwa einen Kilometer vom Schloss entfernt.

Neersen war im Mittelalter Zentrum einer Erbvogtei, die als kurkölnisches Lehen erstmals im Jahre 1263 urkundlich erwähnt wurde. Damals hatten die Ritter von der Neersen die Vogtei inne. Das Neersener Gebiet war wohl unter dem Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg im 12. Jahrhundert zu Kurköln gelangt, es ist aber unklar, wann Neersen zu einer eigenständigen Vogtei erhoben worden war. Als 1371 der Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden, Heinrich (IV.) von der Neersen mit der Vogtei belehnte, wurde auch die damalige Burg Neersen ausdrücklich urkundlich erwähnt. Die Burg lag unmittelbar am Ostufer der Niers, die die Grenze zwischen dem Kurfürstentum Köln und dem Herzogtum Jülich bildete. Die von den Vögten verwaltete Burg wurde im Kriegsfall mit einer kurkölnischen Garnison belegt und sollte die Niersübergänge verteidigen. Der genaue Grenzverlauf zwischen Kurköln und Jülich war umstritten, jedenfalls ließen sich die Vögte von Neersen zumindest Teile ihres Neersener Lehens regelmäßig auch von der jülich'schen Mannkammer in Heinsberg bestätigen[2].

Die Ritter von der Neersen versuchten im 14. Jahrhundert vergeblich, ihre Vogtei zu einer eigenständigen Herrschaft aufzubauen. 1487 starb mit Heinrich VI. von der Neersen die männliche Linie der Familie aus, und das Erbe fiel durch Heirat von dessen Schwester Agnes von der Neersen an Anton von Palant.[3] Der hessische Ritter Ambrosius von Virmond zu Nordenbeck heiratete deren Erbtochter Agnes von Palant und begründete damit 1502 in Neersen eine neue Linie derer „von Virmond“.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Familie Virmond durch Kriegsbeteiligung im Ansehen gestiegen. Johann von Virmond war für seine Verdienste in der Schlacht am Weißen Berg von Kaiser Ferdinand II. 1621 zum Freiherrn erhoben worden. Zudem war die Burg Neersen baufällig, und man wünschte einen standesgemäßen Neubau. Die dafür benötigten Gelder entstammten seit Johanns Herrschaft unter anderem aus Zahlungen des Kölner Kurfürsten für die Bereitstellung bewaffneter Kräfte, aber auch der Erpressung von Steuern und Kriegsabgaben von der Bevölkerung.[4]

Schloss Neersen

Unter Adrian Wilhelm von Virmond wurde die mittelalterliche Wasserburg 1661 bis 1669 mit dem damals beachtlichen Aufwand von 18.139 Reichstaler und rund zwei Millionen Ziegelsteinen in ein dreiflügeliges, barockes Schloss mit vier Ecktürmen umgebaut. Trotz des Rückbaus der mittelalterlichen Wehranlagen blieb die Schlossanlage mit ihrem Vorfeld aus Gräben und Palisaden verteidigungsfähig, bei einer Inventar-Aufnahme im Jahre 1765 waren noch 15 metallene Kanonen und ein Mörser vorhanden[5].

1706 wurde Damian Hugo von Virmond von Kaiser Joseph I. zum Reichsgrafen erhoben. 1720 ließ Ambrosius Franz von Virmond das Schloss weiter ausbauen, so wurde unter anderem der Mittelbau des Schlosses um einige Meter zum Innenhof hin vergrößert, wodurch Platz für die Treppenhäuser gewonnen wurde.[6] Mit dem Tod ebendieses Ambrosius Franz von Virmond starb die Familie 1744 im Mannesstamm aus. Seine kinderlose Witwe trat Neersen nebst Anrath und Schloss nach langem Rechtsstreit schließlich 1763 für 110.000 Gulden wieder an das Kurfürstentum Köln ab, das einen Amtmann in Neersen einsetzte.

1766 war der kurkölnische Amtmann Weydenhorst Verwalter Neersens. 1767 wurde der kurkölnische Hofkammerrat Johann Gottfried Mastiaux de Namay vom Kurfürsten zum Verwalter des Schlosses Neersen bestellt. In einer Urkunde vom 8. Oktober 1770 wurde er zum Administrator Generalis der Herrlichkeit Neersen ernannt. Mittlerweile verwitwet erhielt er 1776 das Rittergut Haus Neuenhofen in Bockum vom Kölner Kurfürsten als Lehen. Danach erscheint er in Urkunden unter dem Namen Mastiaux auf Neuenhoven anstatt wie vormals de Namay. Das Reichritterstandsdiplom wurde ihm verliehen am 23. Februar 1780, durch welches er mit dem Prädikat Edler von Mastiaux auf Neuenhoven in den Ritterstand erhoben wurde. Mastiaux trat 1780 seine Amtmannsstelle in der Herrschaft Neersen gegen eine Abstandszahlung von 5000 Reichstalern an Josef Lendors ab.[7]

1794 wurde Neersen während des Ersten Koalitionskriegs von französischen Revolutionstruppen besetzt und 1798 im Rahmen der Säkularisation endgültig von Kurköln getrennt. Nach der Franzosenzeit kaufte der letzte kurkölnische Amtmann von Neersen, Josef Lenders, das Schloss. 1852 pachtete der Gladbacher Fabrikant Felix Wilhelm Hüsgen das Gebäude von Josef Lenders' Erben und richtete dort eine Wattefabrik und Baumwollweberei ein. Durch einen Brand in der Nacht vom 28. auf den 29. März 1859 wurde das Schloss bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

Neuere Geschichte

Das beschädigte Schloss ließ der Enkel Josef Lenders', Hugo Lenders, 1894 versteigern. Den Zuschlag bekam der Krefelder Fabrikant Gustav Klemme, der seit 1866 in Neersen eine Velvetfabrik betrieb. Er ließ das Schloss mit Ausnahme des Westflügels bis 1896 wiederherstellen. 1928 erwarb es der aus Viersen stammende Privatmann Emil Crous.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte dort die 5th Armored Division der United States Army vorübergehend ihren Sitz. Dieser wurde dann aufgegeben und das Schloss über den Kreis Kempen-Krefeld dem DRK übergeben, das es als Erholungsheim für Kinder nutzte.

1970 wurde Schloss Neersen von der neu gegründeten Stadt Willich, in welche die Gemeinde Neersen eingegliedert wurde, gekauft. Um das Schloss als Rathaus zu nutzen, wurde 1973 die Renovierung und der Wiederaufbau des Westflügels beschlossen. Die Arbeiten dazu wurden 1982 beendet.

Im Rahmen der Euroga 2002 war es ein Teil der überregionalen Landesgartenschau Nordrhein-Westfalens. Zu diesem Anlass wurden die Außenanlagen nach Vorbildern des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt. Im Park befindet sich der Park der Sinne mit verschiedenen Stationen wie Labyrinthe usw.

Alljährlicher Höhepunkt sind die Neersener Schloss-Festspiele, die seit 1984 im Schlossinnenhof unter freiem Himmel stattfinden.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Zur Namensherleitung siehe Artikel Neersen.
  2. Johann Peter Lentzen, Franz Verres: Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath. Lentzen, Fischeln 1883, S. 89.
  3. Gisela Meyer: Die Familie von Palant im Mittelalter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004. S.196ff
  4. Westdeutsche Zeitung vom 16. August 2007: Geschichte: Mit Kriegsgewinn Schloss gebaut , Zugriff am 6. Februar 2009.
  5. Johann Peter Lentzen, Franz Verres: Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath. Lentzen, Fischeln 1883, S. 86.
  6. Johann Peter Lentzen, Franz Verres: Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath. Lentzen, Fischeln 1883, S. 244.
  7. www.digitalis.uni-koeln.de/Mastiaux

Literatur

  • Peter Vander: Schloss und Herrschaft Neersen. (Schriftenreihe des Kreises Viersen, 25) Kempen 1975. ISBN 3931242072.
  • Generalvikariatsprotokolle Erzbistum Köln
  • Rheinische Geschichtsblätter des Jahrgangs 1897, Zur Geschichte der Familie Mastiaux von Dr. Paul Kaufmann
  • Rheinische Geschichtsblätter des Jahrgangs 1901, Zur Geschichte der Familie Mastiaux (Fortsetzung)von Dr. Paul Kaufmann

Weblinks

 Commons: Schloss Neersen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Rathaus in Nordrhein-Westfalen | Wasserschloss in Nordrhein-Westfalen | Schloss im Kreis Viersen | Bauwerk in Willich

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss Neersen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.