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Schielo


Schielo
Höhe: 363 m
Fläche: 19,77 km²
Einwohner: 510 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 2009
Postleitzahl: 06493
Vorwahl: 039484

Schielo ist ein Ortsteil der Stadt Harzgerode im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Geschichte

Am 21. August 1430 wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt und hat auch im Jahr 1488 noch bestanden. Anschließend fiel Schielo wüst und wurde erst während der 1530 begonnenen Rekolonisierung[1] im Jahr 1546 erneut besiedelt.[2][3] Nach der Wiederbesiedelung gehörte der Ort zu Anhalt, zum Justizamt Harzgerode. Die Bewohner betrieben Ackerbau und Viehzucht, ein weiterer Erwerbszweig war das Holzhauen. Auswirkungen des Dreißigjährigen, des Siebenjährigen Krieges und des Napoleonfeldzuges, insbesondere durch Plünderungen und die Verpflichtung, große Truppenkontingente durchziehender Krieger (so biwakierten im Jahr 1806 in Güntersberge 30.000 französische Krieger) zu verpflegen sind für Nachbarorte, nicht aber für Schielo selbst überliefert.

In den Anfängen des 19. Jahrhunderts blühte in der Gemeinde das Korbmacherhandwerk. Zu dieser Zeit sicherte sich ein erheblicher Teil der Einwohner mit der Fertigung von jährlich ca. 25.000 Körben ihren Lebensunterhalt. Im Jahr 1833 wird von einem Jahresumsatz von ca. 3500 Talern in der Korbmacherei (im Vergleich: ca. 2000 Taler durch Holzhauen) berichtet. Durch die zunehmende Fichtenanpflanzung kam es zur Verdrängung der im Unterholz vom Laubwäldern gedeihenden Haselsträucher, die als Rohmaterial für die Körbe dienten.[4] Verschiedene Eingaben und Forderungen der Korbmacher Mitte des 19. Jahrhunderts zur Eindämmung des Fichtenanbaus bei Forstamt und Landtag blieben allesamt erfolglos. Immer mehr Korbmacher wurden zu Landwirten oder arbeiteten bei Bauern in der Umgebung als „Harzmäher“[5]. In den 1920er Jahren verschwand die Korbmacherei endgültig aus Schielo.[6] Aus dem Korbmacherdorf wurde ein Bauerndorf.

Im Oktober 1905 wurde einige Kilometer außerhalb des Ortskerns von Schielo eine Tuberkulosenheilstätte mit 80 Betten eröffnet. Diese diente in den beiden Weltkriegen als Lazarett.[7][8] Bis 1952 wurde die Kapazität auf 200 Betten erweitert, 1975 kam eine Abteilung für Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen hinzu.[9] Nach dem Umbau im Jahr 1998 dient die Klinik nun als Wohnheim für Menschen mit Behinderungen (seelisch, geistig und durch Sucht). Ein erheblicher Teil der Einwohner von Schielo (Stand 2016: mit 155 gemeldeten Bewohnern knapp 1/3) wohnen in dieser Einrichtung.

Im Januar 1944 wurde die in Schielo wohnende Jüdin Philippine Mansfeld, geb. Israel in das Ghetto nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 31. Oktober 1944 ermordet wurde.[10] [11]

Für erhebliche Unruhe im Ort sorgte ab Anfang 1958 die mit Nachdruck verfolgte Umstellung der Landwirtschaft auf die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Typ 1 Einigkeit Schielo“. Lautsprecherwagen fuhren durch den Ort und riefen die Namen von Bauern, die nicht unterschreiben wollten. 18 Funktionäre waren damit betraut, die 21 Schieloer Bauern zum Beitritt zur LPG zu bewegen.[12]

Im Jahr 1979 wurde in Schielo ein spätmittelalterliches Münzdepot gefunden, das um 1380 dort angelegt wurde.[13]

Am 1. August 2009 schloss sich die Gemeinde Schielo mit den Städten Güntersberge und Harzgerode sowie den Gemeinden Dankerode, Königerode, Siptenfelde und Straßberg zur neuen Stadt Harzgerode zusammen.[14]

Wappen

Das Wappen zeigt die Linde, die zum Ende des Dreißigjährigen Krieges mitten im Ort auf dem Hutberg gepflanzt wurde und noch heute Wahrzeichen und Denkmal ist. Im Siegelbild der Gemeinde wird die Linde seit Jahrzehnten geführt. Der Korb steht für die Bedeutung des Korbmacherhandwerkes in der Geschichte des Ortes.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Berg eine grüne Linde, der Berg belegt mit einem geflochtenen silbernen Henkelkorb.“[15]

Das Wappen wurde am 13. März 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Flagge

Die Flagge ist weiß - grün (1:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.[15]

Namensherkunft

Schielo, noch 1562 „Schuelo“, nach anderen Urkunden „Schulde“, „Suhle“ oder „Schulo“, mundartlich „Schiele“, hat seinen Ursprung möglicherweise im Slawischen und bedeutet „Ort zwischen den Sumpfwiesen“.[16] Eine andere Erklärung ist die Abstammung von dem Mittelhochdeutschen Wort „Schielôh“ mit der Bedeutung „Zahnpfahlgehölz“ (vom Mittelhochdeutschen „Schie“ = Zahnpfahl).[17]

Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung Schielo[18]
Jahr Einwohner Häuser Haushalte
1562 - - 37
1600 (ca.) - - 42
1773 - - 66
1795 426 78 -
1833 525 92 -
1865 496 108 -

Gedenkstätten

In der Nähe der Ortslinde befindet sich ein Denkmal mit den Namen von 58 Menschen, die während des 2. Weltkriegs im Notlazarett von Schielo (eigentlich Tuberkulosenheilstätte) verstorben und am Hutberg beerdigt worden sind.[19] Auf dem Ortsfriedhof liegen zwei im März 1945 angelegte Grabstätten für namentlich bekannte sowjetische Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter.[20][21] In der Nähe der Kirche befindet sich die Peterseiche, die anlässlich der Beendigung der Kriege mit Frankreich im Jahr 1871 dort gepflanzt worden ist.

Verkehr

Schielo liegt abseits der Hauptverkehrsadern nördlich der Bundesstraße 242, die zwischen Harzgerode und Klostermansfeld verläuft.

Als öffentliches Verkehrsmittel steht der Bus 34 der Harzer Verkehrsbetriebe zur Verfügung, der die Gemeinde mit Harzgerode verbindet und im Ortszentrum hält.

Freizeit und Tourismus

In Schielo gibt es einige Anbieter von Ferienapartments und Ferienhäusern. Der Naturlehrpfad am Eichenberg informiert über die heimische Flora und Fauna. In Schielo gibt es Gelegenheit zum Reiten, in unmittelbarer Nähe zum Angeln und Kegeln.

Söhne und Töchter des Ortes

  • Karl Blossfeldt (1865–1932), Fotograf, der besonders durch streng-formale Pflanzenfotografien bekannt wurde. Er gilt fotokünstlerisch als Vertreter der Neuen Sachlichkeit.
  • Johann Ernst Sander (1718–1772), anhalt-bernburgischer Amtmann, Pächter des Ritterguts Osmarsleben, Großvater von Friedrich Ludwig Sander, Urgroßvater von Enno Sander.

Sonstiges

Der Fantasy-Roman „Der Schlüssel von Schielo“ erzählt eine Hexengeschichte aus dem Harz.[22] Im Buch „Goethe“ von Hans Gerhard Gräf findet sich ein Kapitel „In Molmerschwende und Schielo - Ein Reiseabenteuer“.[23] Im quarzhaltigen Schieferboden von Schielo konnten Anfang des 20. Jahrhunderts Graptolithen nachgewiesen werden.[24]

Siehe auch

Liste der Kulturdenkmäler in Schielo.

Einzelnachweise

  1. Harzmuseum Wernigerode: Der Harz, Bände 2-12, 1979, Seite 69
  2. Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde, Band 8, 1875, Seite 220
  3. Zeitschrift des Harz-vereins für Geschichte und Altertumskunde, Eduard Jacobs: Altertumskunde, Bände 67-75, 1934, Seite 40
  4. Chronik Schielo: "Kampf gegen Hochwald und Fichtenwald."
  5. Chronik Schielo: "Harzmäher." Beschreibung der Arbeitsweise von Landarbeitern in Schielo.
  6. Staatliche Museen zu Berlin: Forschungen und Berichte, Bände 15-16, Akademie-Verlag 1973, Seite 222
  7. Metall und Erz, Band 12, Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute, Metall und Erz, Gesellschaft für Erzbergbau, Metallhüttenwesen und Metallkunde, Gesellschaft Metall und Erz, Fachgruppe Metallerzbergbau, Verband der Metallerzberg, Fachgruppe Metallerzeugende Industrie, 1915, Seite 128
  8. Unser Harz: September 2013
  9. Andreas Jüttemann: Die preußischen Lungenheilstätten 1863-1934, Berlin 2015, Seite 165
  10. Recherche Bundesarchiv.de (abgerufen am 8. Juli 2016)
  11. Holocaust.cz (abgerufen am 7. Juli 2016)
  12. Archiv Schielo: Als die LPG begann.
  13. Hans-Dieter Dannenberg: Die Denare der Nachbarn Brandenburgs im 13. und 14. Jahrhundert: Anhalt, Sachsen-Wittenberg mit Brehna, Magdeburg : Typenkatalog, Prägezeiten, historische Zusammenhänge, Numismatische Gesellschaft zu Berlin, 2000, Seite 79
  14. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste
  15. 15,0 15,1 Amtsblatt des Landkreis Nr. 4/2009 Seite 21
  16. Chronik Schielo: "Das alte Schulde."
  17. Gustav Hey, Karl Schulze: Die Siedelungen in Anhalt: Ortschaften und Wüstungen mit Erklärung ihrer Namen, Verlag Waisenhaus, 1905, Seite 130
  18. Chronik Schielo: "Bewohner, Dienste und Entwicklung."
  19. Mitteldeutsche Zeitung: Einweihung des Denkmals (abgerufen am 9. Juli 2016)
  20. Bundeszentrale für politische Bildung: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus Band II, Bonn 1999, ISBN 3-89331-391-5, Seite 584
  21. Vor Ort konnten am 4. Juli 2016 trotz Suche und Nachfragen die beschriebenen Grabstätten nicht aufgefunden werden.
  22. Hans-Joachim Wilder: Der Schlüssel von Schielo, Prolibris Verlag, 2014, ISBN 978-3-954-751-075
  23. Hans Gerhard Graf: Goethe, BoD – Books on Demand, 2015, ISBN 978-3-846-082-393, Seite 431ff
  24. Geologischer Dienst Berlin, Preussische Geologische Landesanstalt, Germany. Reichsstelle für Bodenforschung, Geologische Landesanstalt Berlin: Abhandlungen, Germany. Reichsstelle für Bodenforschung, Akademie Verlag 1929,

Kategorien: Ort im Landkreis Harz | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Harz) | Harzgerode

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schielo (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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