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Schauspielhaus Graz


Das Schauspielhaus Graz ist ein österreichisches Sprechtheater. Es ist Teil der Grazer Stadtkrone und steht im ersten Gemeindebezirk Innere Stadt.

Geschichte

„Ein wohlgeordnetes Schauspiel sei eine wahre Schule der Sitten, Höflichkeit und Sprache“, heißt es in einem Appell des Grafen Orsini und des Polizeipräsidenten an die steirischen Stände im Jahr 1770. Nach längeren finanziell bedingten Komplikationen wurden die Bauarbeiten für ein neues Grazer Theatergebäude am 24. Oktober 1774 in Angriff genommen. Nach einer Bauzeit von nicht ganz zwei Jahren wurde das neue Theater am 9. September 1776 eröffnet. Es handelte sich um ein landständisches Theater, das vom damaligen Grazer „landschaftlichen Maurermeister“ und späteren Hofbaumeister Joseph Hueber geplant und errichtet wurde. In dieser Zeit zählte auch Emanuel Schikaneder für eine Saison zum Ensemble.

1791–1797 stand Joseph Bellomo (1753–1833)[1] dem Grätzer Ständischen Nationaltheater als Direktor vor, 1823–33 Johann August Stöger. Das Theater brannte Weihnachten 1823 bis auf die Haupt- und Mittelmauern völlig aus[2], wurde jedoch nach den Plänen des Hofbaumeisters Peter von Nobile wieder aufgebaut.[3] 1825, am Geburtstag Kaiser Franz I., konnte die Bühne als Landestheater (auch: Landschaftliches Theater) wieder eröffnet werden (Adresse ab 1838: Franzensplatz; ab 1918 bzw. 1938: Freiheitsplatz 7). Berühmtester Schauspieler in dieser Ära des Neubeginns war Johann Nestroy, der in der Grazer Elisabethstraße verstarb.

1887 wurde das Haus in Stadttheater umbenannt, nach Eröffnung des neuen Stadttheaters 1899 in Theater am Franzensplatz,[4] nach dem Ersten Weltkrieg in Schauspielhaus Graz.

1953 wurde das Haus aus baupolizeilichen Gründen geschlossen. Nach Umbauten unter Wahrung des historischen Baubestandes und mit einem Neubau des Bühnenhauses wurde es 1964 mit „Hamlet“ – die Hauptrolle verkörperte Helmuth Lohner – wiedereröffnet. Seither ist das Schauspielhaus dem Sprechtheater verpflichtet und fixer Bestandteil der steirischen Kulturszene. Die letzte große Erneuerung der gesamten Bühnentechnik wurde in den Sommerpausen 1999 und 2000 durchgeführt. Sukzessive passte man in diesen Jahren auch das architektonisch erneuerte Foyer den Gegenwartsbedürfnissen an. Neben Haus Eins (Hauptbühne) mit über 550 Sitzplätzen werden auch Haus Zwei (ehem. Probebühne, ca. 100 Sitzplätze) und Haus Drei (ehem. Ebene 3, ca. 50 Sitzplätze) bespielt. Im Schauspielhaus gibt es auch den Redoutensaal als Veranstaltungsort.

Von 2000 bis 2006 stand das Schauspielhaus Graz unter der Leitung von Schauspieldirektor Matthias Fontheim, ab der Saison 2004/05 war er Geschäftsführender Intendant. Matthias Fontheim wechselte anschließend an das Staatstheater Mainz. Ab der Spielzeit 2006/07 bis zur Spielzeit 2014/15 war die Theaterregisseurin und bisherige Generalintendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses, Anna Badora, Intendantin in Graz. Unter Badora wurde das Schauspielhaus Graz 2008 als einziges österreichisches Theater in die U.T.E. (Union des Théâtres de l’Europe) aufgenommen.

Mit der Spielzeit 2015/16 übernahm Iris Laufenberg als Geschäftsführende Intendantin die Leitung am Schauspielhaus Graz. Seit dieser Spielzeit ist das Schauspielhaus Teil der UTC (European Theatre Convention), die Bühnen wurden in HAUS EINS, HAUS ZWEI und HAUS DREI umbenannt. Das Programm ist reich an Themen, Spielweisen und Ansätzen. Es reicht vom monumentalen Drama zur klassischen Komödie und vielfältiger zeitgenössischer Dramatik.

Architektur und Gestaltung

Der dreigeschossige Baublock hat eine spätklassizistische Fassadengestaltung mit zweigeschossigen Pfeilerarkaden und gusseiserne Masken der Komödie und Tragödie neben einer Lyra an der Seite zur Hofgasse. Die West-Seite zum Freiheitsplatz ist mit einem Frontispiz und einem Altan versehen. Zusätzlich gibt es eine Bauinschriftstafel, datiert mit 1776, und fünf Sandsteinreliefwappen des Landeshauptmanns und einiger Verordneter: Propst von Stainz, Graf von Trauttmansdorff, Graf Herberstein, Graf Inzaghi und Edler von Lendenfeld.[5]

Im Foyer sind Kunstwerke: ein Metallblock von Franz Rogler, ein Wandteppich (1964) nach einem Entwurf von Dina Kerciku und eine Bronzebüste Max Mells (1976) von Ilse Balzar-Glaninger erwähnenswert. Im Stiegenaufgang hängen Gemälde von Alfred Wickenburg und Rudolf Szyszkowitz. Der klassizistische Zuschauerraum der Hauptbühne hat den Typus eines Logentheaters.[5]

Gegenwart

Besonderheiten

Namhafte Regisseure wie Peter Konwitschny, Stephan Rottkamp, Sandy Lopicic, Viktor Bodó, Claudia Bauer, Christiane Pohle, Lily Sykes, Götz Spielmann, Sandy Lopicic, Theu Boermans, Franz Wittenbrink, Elmar Goerden, Markus Bothe, Yael Ronen, Bernadette Sonnenbichler u.v.m. und ebenso prominente Schauspieler wie Barbara Petritsch, Peter Simonischek, Johannes Silberschneider, August Schmölzer, Udo Samel, Helmut Lohner, Christoph Luser, Michael Ostrowski, Martina Stilp, Andrea Wenzl, August Zirner, Hans Peter Hallwachs arbeiten immer wieder am Schauspielhaus Graz.

2010 erfolgte die Einladung zum Berliner Theatertreffen für die Produktion Die Stunde da wir nichts voneinander wussten. Ferner gastierte das Schauspielhaus am Theater in der Josefstadt, sowie in Bukarest, Parma, Bozen, Budapest und Moskau. Die Stunde da wir nichts voneinander wussten wurde außerdem als beste ausländische Produktion 2010 mit dem russischen Theaterpreis, der „Goldenen Maske“, prämiert.

Die Produktion Der Fall Dorfrichter Adam (Regie: Boris Nikitin) wurde 2011 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und dort am 5. Mai 2011 aufgeführt.[6] Ebenso 2014 folgte eine Einladung nach Heidelberg für Yael Ronens Niemandsland, das sie gemeinsam mit dem Ensemble entwickelte. Im Jahr 2014 war Boris Nikitins Grazer Uraufführung Sei nicht du selbst am Ersten Schweizer Theatertreffen und Oliver Klucks Bearbeitung von Andreas Altmanns Biografie Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend wurde 2015 bei den Autorentheatertagen in Berlin gezeigt.

In den neun Jahren Intendanz Badora kamen 175 Inszenierungen auf die Bühne, wovon 111 zeitgenössische Stücke (uraufgeführt / geschrieben nach 1945) waren.

Merlin oder Das wüste Land, die Eröffnungsproduktion der Intendanz Laufenberg, wurde 2016 zu den Internationalen Maifestspielen an das Hessische Staatstheater Wiesbaden eingeladen.

Nestroy-Preis

Das Schauspielhaus Graz war in den letzten Jahren einige Male mit Nominierungen und Gewinnen beim Nestroy-Preis vertreten.

Jahr Name Inszenierung Kategorie Gewonnen Nominierung
2008 Andrea Wenzl Alice Beste Schauspielerin X
2008 Viktor Bodó Alice Beste Ausstattung X
2009 Viktor Bodó Die Stunde da wir nichts voneinander wuten Beste Regie X
2009 Verena Lercher Baumeister Solneß Bester Nachwuchs X
2009 Peter Simonischek Baumeister Solneß Bester Schauspieler X
2010 Martina Stilp Peepshow Beste Schauspielerin X
2010 Raimund Orfeo Voigt Verbrennungen Bester Nachwuchs X
2011 Claudius Körber Hamlet & Peer Gynt Bester Nachwuchs X
2011 Viktor Bodó Der Meister und Margarita Beste Bundesländer-Aufführung X
2012 Johannes Silberschneider Geister in Princeton Bester Schauspieler X
2012 Steffi Krautz Geister in Princeton Beste Schauspielerin X
2012 Daniel Kehlmann Geister in Princeton Bestes Stück - Autorenpreis X
2012 Anna Badora Geister in Princeton Beste Bundesländer-Aufführung X
2012 Claudius Körber Publikumspreis X
2013 Yael Ronen Hakoah Wien Beste Bundesländer-Aufführung X
2014 Birgit Stöger Niemandsland Beste Schauspielerin X
2014 Johannes Silberschneider Holzfällen Bester Schauspieler X
2014 Krystian Lupa Holzfällen Beste Regie X
2015 Nikolaus Habjan Das Missverständnis Beste Bundesländer-Aufführung X

Literatur

Weblinks

 Commons: Schauspielhaus Graz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kurzbiografie Bellomo bei graz.at
  2. Robert Engele: Das Theater brennt bei Austria-Forum
  3. Stögers Zwischenlösung nach Brand in: Wiener-Moden-Zeitung, 1824 bei Google Books
  4. Graz: Schauspielhaus . (englisch). In: andreas-praefcke.de, abgerufen am 18. April 2013.
  5. 5,0 5,1 Schweigert: Dehio Graz. S. 56.
  6. Boris Nikitin: Porträt , auf der Webpräsenz des Goetheinstituts

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Schauspielhaus Graz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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