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Saffig


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-KoblenzVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Pellenz
Höhe: 130 m ü. NHN
Fläche: 6,97 km²
Einwohner: 2163 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 310 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56648
Vorwahl: 02625
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 096
Adresse der Verbandsverwaltung: Breite Straße 40
56626 Andernach
Webpräsenz: www.saffig.de
Ortsbürgermeister: Dirk Rohm (CDU)
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Saffig ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Pellenz an, die ihren Verwaltungssitz in Andernach hat.

Geographie

Saffig liegt in der Landschaft Pellenz im linksrheinischen Teil des Neuwieder Beckens.

Geschichte

Die Pellenz im äußersten Osten der Eifel ist ein uraltes Siedlungs- und Kulturgebiet. Erste Spuren des Menschen führen bis in die Altsteinzeit (vor rund 200.000 Jahren) zurück. So entdeckten Forscher auch auf den Wannen sowie den Wannen- und Eiterköpfen bei Saffig alt- und mittelsteinzeitliche Siedlungsplätze. Tierknochen und Steinwerkzeuge beweisen, dass Neandertaler dort das in der Ebene erlegte Wild (u. a. Hirsch, Ren, Pferd, Esel) verwerteten. Grabfunde deuten auf eine kontinuierliche Besiedlung von der Jüngeren Bronzezeit und Urnenfelderkultur (um 1250–um 750 v. Chr.) über die eisenzeitliche Eifel-Hunsrück-Kultur (um 750–um 500 v. Chr.) bis zur Spätlatènezeit hin.

Der Ortsname „Saffig“ ist nach jüngsten sprachwissenschaftlichen Untersuchungen keltischen Ursprungs und weist möglicherweise auf eine Gewässerstruktur hin. Im Neuwieder Becken lagen die am weitesten nach Osten vorgeschobenen Siedlungen der keltischen Treverer, die in der Zeit des Gallischen Krieges (58–50 v. Chr.) von Caesar unterworfen wurden. Die Römer nutzten die Pellenz zur Ansiedlung landwirtschaftlicher Betriebe sowie als Baustofflieferant (Basalt, Tuff) für zivile und militärische Projekte. So wurden in Saffig verschiedentlich Überreste von Landvillen („villae rusticae“) mit dazugehörigen Wasserleitungen entdeckt. In einem römischen Brandgrab des 2. Jahrhunderts n. Chr. fand man u. a. ein Kultbrot, das damit zu den ältesten Gebäckfunden Deutschlands gezählt werden muss. Aufbewahrt wird diese kulturgeschichtliche Besonderheit im Pellenz-Museum in Nickenich.

Die Bimsindustrie war und ist für die Archäologie in der Pellenz Segen und Fluch zugleich; viele Funde wurden durch sie erst möglich, nicht wenige aber auch zerstört. Ein positives Beispiel ist die Freilegung eines fränkischen Reihengräberfeldes 1980/81. Am Westrand von Saffig war man zufällig auf diesen Friedhof der Merowingerzeit gestoßen. Von ursprünglich wohl einmal 350 Gräbern konnten 250 systematisch untersucht werden. Neben zahlreichen Grabbeigaben (Schmuck, Keramik, Waffen) fand man auch Grabsteine aus Tuff, von denen einige unzweideutig christliche Symbole aufweisen. Die Größe des Gräberfeldes und der hohe Anteil an Kindergräbern deutet auf eine benachbarte Siedlung hin, deren Tote hier von der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts bis zum Ende des 7. Jahrhunderts bestattet wurden. Vermutlich rekrutierten sich die Christen dieses Dorfes vor allem aus der romanischen Restbevölkerung. Die frühmittelalterliche Siedlung darf man nahe der Quelle des Burbachs (heute im ehem. Schlosspark) annehmen, eines Zuflusses der Nette. Noch heute befindet sich hier der Ortskern. Die Ausgrabungen erlauben es, die Anfänge einer Saffiger Dorfgemeinschaft um rund 700 Jahre zurück zu datieren, denn urkundlich erwähnt wird die Gemeinde als „Saffge“ erst 1258.

Damals war Saffig bis 1481 als kurkölnisches Lehen in der Hand der Herren von Kempenich. Die Patronatsrechte lagen bis 1725 beim adligen St.-Cäcilien-Stift in Köln. 1725 gelangten sie durch Karl Caspar III. von der Leyen (1655–1739, Regierungszeit 1687–1733) an die Saffiger Pfarrei und damit auch das Patrozinium der römischen Märtyrerin Cäcilia mit der Abgabe des Kirchenzehnten – übrigens das einzige in der Diözese Trier.

Über Peter von Schöneck und Simon Mauchenheimer von Zweibrücken kam die Saffiger Herrschaft schließlich 1481 als Lehen in die Familie von der Leyen. Georg von der Leyen hatte Simons Tochter Eva geheiratet. Bis zum Ende des Alten Reiches blieb fortan die Geschichte des Ortes Saffig aufs Engste mit der des bedeutenden mittelrheinischen Adelsgeschlechtes verbunden. Johannes Butzbach (1477–1516), auch Piemontanus (Miltenberger) genannt, seit 1501 im Kloster der Benediktinerabtei Laach Novize, seit 1507 dort Prior und ein bedeutender Humanist seiner Zeit, erwähnte in seinem „Wanderbüchlein“, wie er im Dezember 1500 auf dem Weg ins Kloster im „Haus des hochedlen Herren Georg von der Leyen“ in Saffig Station machte. Georgs I. Sohn Simon (* 1471) amtierte zu dieser Zeit als 22. Abt in der Abtei Laach (1491–1512). Ebenfalls in diesem Zeitraum kam um 1490 ein Mann namens Peter Breisiger (oder Briesger) in Saffig zur Welt, der später einer der renommiertesten Orgelbauer der Renaissance wurde. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Instrumente in Maastricht, Tongern, Koblenz, Andernach sowie die Trierer Domorgel (1537).

Als im Jahr 1703 mit dem Tod des Freiherrn Karl Kasper die Saffiger Linie von der Leyen erlosch, fiel die kurkölnische Herrschaft – neben Hauptsitz in Koblenz – an den älteren gräflichen Zweig. Saffig wurde nun zu einer repräsentativen Dependance (Niederlassung) ausgebaut. Im Mittelpunkt standen das Grafenschloss und die 1739–1742 nach Plänen Balthasar Neumanns von seinem Schüler Johannes Seiz erbaute Kirche. Franz-Karl von der Leyen (1736–1775) verlegte 1773 seine Residenz nach Blieskastel im heutigen Saarland, womit Saffig seinen Residenzstatus verlor. Für das Dorf war der Verlust der Residenz und damit des Arbeitsplatzes der vielen an die Residenz gebundenen Handwerker eine Katastrophe.

Nach Annexion der linksrheinischen Gebiete durch Frankreich im Ersten Koalitionskrieg (1792–1797) wurde der von Napoléon Bonaparte 1806 in den Fürstenstand erhobene Philipp von der Leyen rechtsrheinisch entschädigt und Mitglied des Rheinbundes. Saffig erhielt den Status einer „Mairie“ im Kanton Andernach, zu der die Nachbargemeinden Plaidt, Kruft und Kretz gehörten.

Die preußische Verwaltung machte die Gemeinde Saffig zu einem Teil der Bürgermeisterei Andernach. Seit 1992 gehört die Ortsgemeinde Saffig der Verbandsgemeinde Pellenz (bis 31. Dezember 1991 Verbandsgemeinde Andernach-Land) an.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Saffig, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 479
1835 772
1871 847
1905 1.182
1939 1.306
1950 1.528
Jahr Einwohner
1961 1.983
1970 2.121
1987 1.944
1997 2.164
2005 2.162
2014 2.163

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Saffig besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[3]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 9 7 16 Sitze
2009 9 7 16 Sitze
2004 2 9 5 16 Sitze

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: „In Blau eine gekürzte, eingeschweifte, silberne Spitze, darin ein wachsender roter Vulkangipfel mit schwarzem Rauch, vorne balkenweise drei sich verjüngende silberne Orgelpfeifen, hinten ein leicht geneigter silberner Palmenzweig.“

Der rote Vulkankegel mit der schwarzen Rauchwolke in der Spitze im Schildfuß verweist auf die ehemaligen Vulkane der Vulkaneifel, die in Saffig durch Lava und Bims Landschaft wie örtliche Industrie als Haupterwerbszweig prägte, die silbernen Orgelpfeifen und der silberne Palmzweig sind einem alten Schöffensiegel von 1784 entnommen, das die hl. Cäcilia als Patronin der Pfarrkirche von Saffig darstellt, in der rechten Hand trägt sie eine Orgel als Symbol der Kirchenmusik, in der linken einen Palmzweig als Zeichen ihres Märtyrertodes.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Die katholische Pfarrkirche St. Cäcilia entstammt den Plänen des berühmten Barockbaumeister Balthasar Neumann (1739–1742) und seines Schülers Johannes Seiz. Bauherren waren der Ortsherr Carl Caspar IV. Franz von der Leyen, der 1711 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, und seine Gemahlin Maria Sophie geborene von Schönborn-Reigelsberg, eine Schwester des damaligen Erzbischofs und Kurfürsten von Trier Franz Georg von Schönborn.

  • Schlosspark – gehörte zum Schlossgelände der Familie „Von der Leyen
  • Synagoge – ehemaliges jüdisches Gotteshaus, inzwischen Denkmal
  • Niederlassung Barmherzige Brüder Saffig (Brüderkrankenhaus)
  • Begegnungsstätte mit Grill (Grillhütte), ca. 800 m außerhalb
  • Von-der-Leyen-Halle – neu erbaute Mehrzweckhalle

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Saffig

Gewässer

  • Burbach (entspringt im Schlosspark und mündet in der Nähe des Freibades in die Nette)
  • Nette

Wirtschaft und Infrastruktur

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Bau-Steine-Erden-Industrie zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor in der Region. Aus der vorindustriellen „Rauschermühle“ an der Nette, einer Ölmühle, wurde eines der ersten Elektrizitätswerke im heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz (1911/12) und schließlich die heutige Betriebsverwaltung sowie das Ausbildungszentrum der Westnetz GmbH.

Die Folgen des Niedergangs der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Bimsindustrie mit bis zu 30 Betrieben ab den 1960er Jahren konnten in Saffig aber auch durch den Ausbau der Psychiatrischen Klinik gemildert werden. Seit 1869 nimmt sich die vom seligen Peter Friedhofen (1819–1860) gegründete Kongregation der „Barmherzige Brüder von Maria Hilf“ behinderter Menschen an.

Verkehr

Über die Landesstraße 123 aus Richtung Plaidt besteht eine Anbindung an die A 61 (Anschlussstelle Plaidt). Die A 48 lässt sich über den Nachbarort Ochtendung erreichen. In Richtung Bassenheim liegt der noch immer genutzte Hubschrauberlandeplatz Heliport. Eine für Güterverkehr genutzte Stichstrecke der Eifelquerbahn zwischen Plaidt und Saffig wurde 2006 rückgebaut.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen

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