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Saalforste


Die Bayerischen Saalforste, früher auch Salforste, im Salzburger Pinzgau sind ein Teil der Bayerischen Staatsforsten. Als einziger der 41 Forstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten liegen sie nicht in Bayern, sondern im Land Salzburg. Der Forstbetrieb beschäftigt mehr als 30 Menschen. Neben dem Forstbetriebsleiter sind dies die fünf Revierförster, fünf Verwaltungsangestellte, 20 Waldarbeiter und zwei Berufsjäger.

Geographie

Die Saalforste sind privatrechtliches Eigentum des Freistaates Bayern und gehören zum staatlichen Hoheitsgebiet von Österreich. Sie bestehen aus einigen unzusammenhängenden Gebietsteilen, die zum Teil an der Grenze zu Bayern liegen (oberbayerische Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein). Das staatliche Forstamt befindet sich im denkmalgeschützten Gebäude mit der Hausnummer 20 im Dorf Sankt Martin bei Lofer.

Die meisten Fließgewässer mit den entsprechenden Grundstücken gehören nicht zu den Saalforsten, sondern sind im Besitz der Österreichischen Bundesforste (ÖBF). Ausnahme ist der Klausgraben nahe der Mooswacht. Das erklärt den niedrigen Flächenanteil an Bächen in den Saalforsten mit 6,7 Hektar. Einziges größeres Standgewässer ist der Dießbach-Stausee.

Die Gebiete verteilen sich auf sechs Gemeinden und darin auf 16 Katastralgemeinden im Mitterpinzgau (Norden des Pinzgaus), von Nord nach Süd geordnet:[1]

  • Unken (mit allen drei Katastralgemeinden)
    • Gföll
    • Unken
    • Reith
  • Lofer (mit drei von fünf Katastralgemeinden)
    • Au
    • Scheffsnoth
    • Lofer
  • Sankt Martin bei Lofer (mit allen drei Kastralgemeinden)
    • Wildental
    • Sankt Martin
    • Obsthurn
  • Weißbach (mit allen beiden Katastralgemeinden)
    • Unterweißbach
    • Oberweißbach
  • Saalfelden am Steinernen Meer (mit einer von neun Katastralgemeinden)
    • Lichtenberg
  • Leogang (mit vier von sechs Katastralgemeinden)
    • Sonnberg
    • Leogang
    • Pirzbichl
    • Schwarzleo

 

Die Gesamtfläche der Saalforste misst 18.508,6 Hektar. Davon sind 11.158 Hektar oder 60 Prozent von Forst bedeckt. Weitere relevante Flächenkategorien sind offene Felsbildungen, Schuttfluren, alpine Rasen, Heide sowie sowie Latschen- bzw. Grünerlen-Krummholzgebüsche. Größere Flächen werden weiterhin von Almweiden und extensiv genutzten Bergmähwiesen eingenommen.

Reviere

Die Saalforste gliedern sich in fünf von Förstern geleitete Reviere. Bis 2007 waren es noch sieben.[2] Ursprünglich gab es nur drei Reviere, die sich an den Haupttälern orientierten. Dazu schrieb das Regierungsblatt für das Königreich Bayern 1829:
Die Saalforste sind in drey Hauptmassen abgetheilt, für jeder derselben ist eine Revierförsterey errichtet, ...:

die erste ... des Unkenthales hat ihren Sitz im Dorfe Unken;
die zweite ... des Saalachthales hat ihren Sitz im Grubhofe bey Lofer;
die dritte ... des Leogangthales hat ihren Sitz in Saalfelden.[3]

Die fünf Reviere im Überblick:  Karte mit allen Koordinaten des Abschnitts Reviere: OSM , Google oder Bing

Revier Anzahl
Distrikte
Fläche
insgesamt
(Hektar)
Forstfläche
(Hektar)
Sitz Förster
Stand Juli 2015
Koordinaten
(WGS 84)
Falleck 13 5683,2 2803 Weißbach bei Lofer, Hintertal 7 Christoph Dinger
Leogang 14 3552,4 2168 Leogang, Rosental 31 (Wimmgut) Wolfgang Kux
St. Martin 11 4645,2 2589 Sankt Martin bei Lofer, Dorf 43 Georg Poppel
Unken 1 10 2120,1 1773 Unken, Reit 103 Simon Richter
Unken 2 22 2507,9 1824 Unken, Niederland 192 Stefan Spreng
Saalforste gesamt 70 18508,6 11158 Sankt Martin bei Lofer, Dorf 20 Thomas Zanker
Forstbetriebsleiter

Das Revier Leogang umfasst die Leoganger Schieferberge als südlichsten Gebietsteil mit 12 Distrikten, nordöstlich davon den Forstdistrikt Buchweißbach, teilweise im Steinernen Meer gelegen, sowie dazwischen liegend den sehr kleinen Forstdistrikt Wymhalde und Wetzstein.

Das Revier Unken 1 zieht sich von den Westhängen der Unkenberger Mähder im Osten bis zur Steinplatte im Westen.[4]

Distrikte

Die Reviere sind weiter in insgesamt 70 Distrikte untergliedert, die durch eine laufende Nummer bezeichnet sind, aber auch Namen tragen.[5] In der Salinenkonvention sind nur 67 der heutigen 70 Distrikte wiederzufinden, die Distrikte 68, 69 und 70, die zu den kleinsten gehören, kamen später hinzu. Der Distrikt 69 Kirchberg enthält die Hausnummern 20, 43 und 206 im Dorf St. Martin bei Lofer, mithin den Sitz der Saalforste, den Sitz des Reviers St. Martin.[6]

Die nachstehende Tabelle liefert eine Übersicht der 70 Forstdistrikte innerhalb der fünf Reviere:  Karte mit allen Koordinaten des Abschnitts Distrikte: OSM , Google oder Bing

 
Nr. Distrikt Name in der
Salinenkonvention von 1829[A 1]
Revier Katastral-
gemeinde
Fläche
insgesamt
(Hektar)
Koordinaten
(WGS 84)
1 Wimbach und Saubach Wimpach und Saupach Leogang Pirzbichl 212,4
2 Schwarzbach und Klamm (Schwarzbach und Klamm) Leogang Pirzbichl 713,6
3 Maisbach Mayspach Leogang Pirzbichl 64,4
4 Finsterbach Fünſterspach mit Möſererpach Leogang Pirzbichl 124,0
5 Krinnbach Kryenbach Leogang 272,3
6 Walchersbach (Walchersbach) Leogang 256,7
7 Pründlkendl Prundlkendl Leogang 64,8
8 Arzeck Artzeck Leogang 75,5
9 Mardeck Mardek Leogang 274,3
10 Spielberg Reichenſpielberg mit dem Waldort Ochſeneck Leogang 52,3
11 Ochseneck Ochſeneck Leogang 13,8
12 Käsersbach Käſerspach Leogang 129,4
13 Buchweißbach Buchweisbach Leogang 1284,8
14 Grub (Grub) Falleck 773,6
15 Pfan Pfann Falleck 43,2
16 Nebelsberg (Nebelsberg) Falleck 878,2
17 Lindau (Lindau) Falleck 257,5
18 Rechtschütt Rechtſchutt St. Martin 2273,8
19 Dießbach (Dießbach) Falleck 1158,7
20 Gwänd (Gwänd) Falleck 81,3
21 Fußstein Fußſtein Falleck 265,7
22 Pürzlbach mit dem Bannwalde Pürtzlbach (mit dem Bannwalde) Falleck 229
23 Weißbach (Weißbach) Falleck 1341,8
24 Gerhardstein Gerhardſtein mit Seifenberg Falleck 437,9
25 Grasenbach Graſenbach mit Goldenzweig Falleck 79,3
26 Koglperngericht (Koglperngericht) Falleck 42,4
27 Grasenwand Graſenwand St. Martin 36,2
28 Köglstatt Urmais Köglſtatt-Urmais St. Martin 221,7
29 Köglstatt Forstwald Köglſtatt-Forstwald Falleck 94,6
30 Hirschbichl mit Scharleiten Hirſchbüchel mit Scharleithen St. Martin 86,7
31 Laitenbichl Laitenbichel St. Martin 189,8
32 Hundalm Hundalben St. Martin 165,1
33 Trießelstein Trießlstein St. Martin 198
34 Kötschmair Kötſchmair St. Martin 274,5
35 Wannkrat (Wannkrat) St. Martin 296,6
36 Schoberweißbach Schoberweisſpach (der innere) St. Martin 897,5
37 Dornsbach Dornſpach Unken 2 132,2
38 Illersbach Illerspach Unken 2 21,9
39 Scharnbach (Scharnbach) Unken 2 84,3
40 Innersbach Innerspach Unken 2 82,3
41 Loferer Alm Loferalbem Unken 1 46,4
42 Großweißbach Großweysſpach Unken 1 348,2
43 Ödenbacheben Oedenpackeben und Ganiß Unken 1 184,4
44 Ödenbach Oedenpach Unken 1 51,4
45 Pranger (Pranger) Unken 1 115,8
46 Fußtal Fußthal Unken 1 730,1
47 Schwarzberg (Schwarzberg) Unken 1 103,4
48 Hochruedersbach Hochrüdnerspach Unken 1 335,6
49 Brunnbach Prunnpach Unken 1 192,4
50 Luegbach mit Neustalln Luegpach mit Neuſtallen Unken 2 110,9
51 Schliefbach mit Gern Slifpach mit Gern Unken 2 186,6
52 Scheiblberg Scheyblperg Unken 2 165,5
53 Dürnbacheck Dornpacheck Unken 2 67,7
54 Finsterbach Finſterbach Unken 2 216,6
55 Laubenberg (Laubenberg) Unken 2 206,9
56 Martinsbichl Marteinspühel Unken 2 129,2
57 Ochsenbrunn Ochſenprunn Unken 2 46,8
58 Rothmais Ratmays oder Schinalbl Unken 2 18,3
59 Wielandsleiten Wielandspach und Wielandsſeiten Unken 2 108,5
60 Pruntzberg (Pruntzberg) Unken 2 63,2
61 Reythkendl Reithendel Unken 2 72,1
62 Assbach Asſpach Unken 2 63,2
63 Tiefental Tiefenthal oder Tiefenbach Unken 2 110,7
64 Ebenwald Ebmet der Ebenwald Unken 2 76,8
65 Hirscheck mit Kothleiten Hirſcheck oder Hirſchbach mit Kothleiten Unken 2 296,4
66 Roßkaarwald (Roßkaarwald) Unken 2 124,7
67 Steinbach (Steinbach) Unken 2 123,1
68 Wymhalde und Wetzstein - Leogang 14,1
69 Kirchberg - St. Martin 5,3
70 Maiau mit Rauschwald - Unken 1 12,4
1-70 Saalforste Salforste 5 Reviere 16 Katastralgemeinden 18508,6
  1. unter Verwendung des langen s bzw. „ſ“

Distrikt 18 Rechtschütt liegt im östlichen Teil der Loferer Steinberge.

Abteilungen

Die Forstdistrikte werden weiter in Abteilungen gegliedert, die durch drei Ziffern bezeichnet sind und ebenfalls Namen tragen. Beispiele sind 23.2 Brunnerkopf und 23.3 Seehorn im Distrikt 23 Weißbach, 32.2 Hundbach im Distrikt 32 Hundalm, 35.1 Liegershorn und 35.2 Hundhorn im Distrikt 35 Wannkrat, 36.5 Almwald, 36.3 Roggenmais und 36.7 Peerhorn im Distrikt 36 Schoberweißbach, 45.1 Zwickelseiten im Distrikt 45 Pranger, 46.1 Vorderfußtal im Distrikt 46 Fußtal, 52.1 Scheiblberg und 52.2 Bannforst im Distrikt 52 Scheiblberg, 54.3 Gernfilzen im Distrikt 54 Finsterbach und 55.1 Laubenberg im gleichnamigen Distrikt.

Geschichte

Die Saalforste dienten früher der Versorgung der Saline in Bad Reichenhall mit Brennholz und stehen unter der Verwaltung der Bayerischen Staatsforsten, einer Anstalt öffentlichen Rechts des Freistaats Bayern. Sie erstreckten sich ursprünglich, mit Ausnahme des Gebiets zwischen Mittersill und Gerlospass, über weite Teile des Pinzgaus und den Bezirk Kitzbühel Eine ausreichende Versorgung der Saline mit Brennholz war bis zur Umstellung auf Kohle im Jahre 1911 Voraussetzung für eine rentable Salzerzeugung.

Die Salzburger Güterverzeichnisse aus der Zeit zwischen 790 und 800 geben die frühesten Hinweise auf Salinenwaldungen im Pinzgau und die Holztrift auf der Saalach nach Reichenhall. Ab dem 11. Jahrhundert breitete sich dann der Holzeinschlag für die Reichenhaller Saline immer weiter die Saalach und ihre Nebenbäche flussaufwärts aus. Auch in den Tälern an der Nordseite der Hohen Tauern müssen einmal Salinenwälder gelegen haben, die aber wegen des enormen Aufwands bei der Holzbringung bereits im 13. Jahrhundert wieder aufgegeben wurden. Die Grundlage für die Holztrift aus dem Pinzgau beruhte auf dem Grundbesitz der Reichenhaller Siedeherren in diesem Gebiet, das seit 1228 dem Erzbischof von Salzburg gehörte. Erst mit der völligen Ablösung Salzburgs von Bayern im Jahre 1328 lagen die Wälder tatsächlich im „Ausland“. Mit der Verstaatlichung der Saline durch den bayerischen Herzog um 1500 wurde aus den privaten Waldungen schließlich Staatsbesitz. Das Leukental (Raum Kitzbühel und St. Johann) und das Pillerseetal waren früher auch Teil der Saalforste. Sie gehörten bis 1504 zu Bayern und waren, nachdem das Gericht Kitzbühel an Tirol fiel, für die salinarische Nutzung verloren. Im Bewusstsein, dass eine rentable Salzerzeugung eine geordnete Holzwirtschaft und -logistik voraussetzt, wurde 1509 mit einer „Waldmeisterstelle“ eines der ersten Forstämter Mitteleuropas eingerichtet. Die Besitzverhältnisse an den Waldgebieten wurden erstmals 1525 durch den Mühldorfer Vertrag geklärt und später, 1781, durch den Salinenhauptvertrag noch einmal bestätigt. Im Jahre 1529 erstellte man das „Waldbuch“, worin bereits die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes vorgeschrieben wurde.

1805 gingen weitere Gebiete, wie etwa das Glemmtal (Saalbach-Hinterglemm), für die Saalforste verloren.

Es dauerte lange, bis alle Streitigkeiten um das Waldgebiet endgültig beigelegt waren: Erst lange nachdem Salzburg 1816 politisch zu Österreich kam, konnte sich König Ludwig I. von Bayern die Forstrechte des Königreiches Bayern auf immer sichern; am 18. März 1829 wurde die Salinenkonvention vereinbart, in der der österreichische Kaiser dem Nachbarstaat neben einigen anderen Rechten auch die Rechte am Forst zugestand. „Die Saalforste gehören auf unwiderrufliche Zeiten zu Bayern“, heißt es im Staatsvertrag mit Österreich. Zwar wurde angesichts schwieriger Staatsfinanzen seitens des bayerischen Staates kurzzeitig ein Verkauf ins Auge gefasst, dann aber verworfen.

Die Saalforste wurden seit dem 19. Jahrhundert durch die bayerischen Forstreviere und ab 1885 durch die neuen Forstämter in Sankt Martin bei Lofer, Unken und Leogang (zuletzt nur noch in St. Martin) als bayerisches Eigentum verwaltet. Seit der Forstverwaltungsreform von 2005, die zur Auflösung aller bayerischen Forstämter führte, bewirtschaftet der Forstbetrieb in St. Martin die Bayerischen Saalforste.

Der Freistaat Bayern könnte durch die Zulassung der Nutzung seiner Flächen für Skilifte und Skipisten sowie zur Rohstoffgewinnung zusätzliche Einkünfte neben der Holzwirtschaft erzielen. Inwieweit dies geschehen soll, ist angesichts der Abwägung von Naturschutz und Wirtschaftlichkeit umstritten.

Einzelnachweise

  1. Abkommen zwischen der Republik Österreich und dem Freistaat Bayern über die Anwendung der Salinenkonvention, Fassung vom 14. Juli 2015
  2. Bayerische Saalforste: Neu aufgestellt in die Zukunft. In: Gemeinde Weißbach bei Lofer: Gemeindezeitung September 2007 , S. 5 (PDF)
  3. Regierungs-Blatt für das Königreich Bayern , Nr. 48 vom 23. November 1829, Spalten 867-868
  4. Gemeinde Unken: Gemeindezeitung, Ausgabe 1, April 2014 , S. 15 (PDF)
  5. Bayerische Staatsforsten: Regionales Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb St. Martin , Oktober 2014 (PDF)
  6. Bayerische Staatsforste: Betriebssitze

Literatur

  • Johannes Lang: Bayern in Salzburg. Marginalien zur älteren Geschichte der Bayerischen Saalforste. In: Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns und Salzburger Landesarchiv (Hrsg.): Vom Salzachkreis zur Euregio. München 2006.
  • Alexander Wegmaier: Außenpolitik im Föderalismus. Die bayerisch-österreichische Salinenkonvention von 1957. (= Forschungen zur Landes- und Regionalgeschichte, Band 12.) Eos-Verlag, St. Ottilien 2011, ISBN 978-3-8306-7505-1.
  • Heiko Hornung: Salz, Holz und Krickelwild. In: Wild, Jagd, Jäger 10/2006, S. 36–39.
  • NaturLand Salzburg, Heft 2, 2004 (PDF ):
    • Kein Verkauf der Saalforste. S. 5.
    • 175 Jahre Salinenkonvention 1829–2004. S. 22–24.
    • Forstrechts-Regulierung in den Bayerischen Saalforsten. S. 24–29.
    • Die „Bayerische Saalforstverwaltung“ in St. Martin: Ein bayerischer Forstbetrieb im Land Salzburg. S. 29–32.
    • Naturschutz bei den Bayerischen Saalforsten. S. 32–34.

Weblinks


Kategorien: Waldgebiet in Österreich | Geographie (Land Salzburg)

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