Russische Akademie der Wissenschaften - LinkFang.de





Russische Akademie der Wissenschaften


Russische Akademie der Wissenschaften
Gründung 8. Februar 1724
Trägerschaft staatlich
Ort Moskau, Russland
Präsident Wladimir Fortow
(seit 2013)
Website ras.ru

Die Russische Akademie der Wissenschaften (RAW; russisch Российская академия наук – Rossijskaja Akademija Nauk, kurz RAN) ist die nationale Akademie der Wissenschaften in Russland.

Sie wurde 1724 gegründet und hieß zwischen 1925 und 1991 Akademie der Wissenschaften der UdSSR (Академия наук СССР). Heute ist sie die ranghöchste Forschungseinrichtung der Russischen Föderation mit neun Fachabteilungen, drei regionalen Abteilungen, 14 regionalen Wissenschaftszentren und zahlreichen Wissenschafts- und Forschungsinstitutionen in ganz Russland. Der Hauptsitz der Akademie war ursprünglich in Sankt Petersburg, wurde aber 1934 nach Moskau verlegt.

Ziele und Struktur

Allgemeines

Die Russische Akademie der Wissenschaften stellt ihrem Wesen nach eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern dar, die sich in akademische Mitglieder (d.h. Vollmitglieder) und korrespondierende Mitglieder, ferner wissenschaftliche Angestellte und andere Gelehrte und Spezialisten unterteilt. Mit den von der Akademie betriebenen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen stellt sie das Hauptzentrum der grundlegenden Forschung im Bereich von Natur- und Sozialwissenschaften in Russland dar.

Zum Zeitpunkt Frühling 2016 gab es 776 Voll- und 1024 korrespondierende Mitglieder. Die neue Wahl ist für Oktober 2016 geplant; deren Besonderheit ist ein ziemlich großer Anteil der mit Altersobergrenze versehenen Ausschreibungen, wobei der Kandidate für eine korrespondierende Mitgliedschaft jünger als 51 und für eine Vollmitgliedschaft jünger als 61 sein soll. Im Winter 2015-2016 wurden die 493 mit der Akademie assoziierten Professoren der RAN zum ersten Mal gewählt; diese Personen können sich schon im Herbst um Mitgliedschaft bewerben.

Die Vollmitglieder der RAN sind berechtigt, den akademischen Titel Academicus (Acad.) vor dem Namen zu tragen, welcher als Zeichen hochster Annerkennung betrachtet wird.

Die Organisationsstruktur der Akademie vereinigt ein breites Netzwerk von Forschungsinstituten und Laboratorien, die an Forschungsarbeiten in den meisten Bereichen der modernen Wissenschaft beteiligt sind. Ausnahmen hiervon sind Pädagogik, Künste sowie Architektur und Bauwesen: Für diese Gebiete existieren in Russland jeweils separate wissenschaftliche Akademien, die genauso wie die RAN als staatlich betriebene Forschungs-Dachorganisationen gelten.

Die Akademie ist eine staatliche Organisation, die in ihrer Tätigkeit der Gesetzgebung sowie dem eigenen Statut folgt. Letzteres wird ausschließlich durch die Generalversammlung der RAN ohne staatliche Einmischung angenommen oder verändert. Die Akademie führt eine freie Aufsicht über die Kontrolle der Tätigkeit der Institute, Laboratorien und anderer Organe im Bereich der grundlegenden Forschung und Ausbildung von Spezialisten.

Ziele

Zu den primären Zielen der Russischen Akademie der Wissenschaften gehören vor allem grundlegende Forschung im Bereich von Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, die auch dazu beitragen soll, die soziale und geistige Entwicklung der russischen Gesellschaft voranzutreiben. Dies schließt auch die Auswahl und Förderung von begabten Nachwuchsforschern mit ein. Durch die vielseitige Forschungsarbeit unter Einsatz qualitativ hochwertigen Personals soll auch das Renommee der Wissenschaft und der soziale Status von Akademikern in Russland erhöht werden. Außerdem verfolgt die RAN das Ziel, die gegenseitige Integration der Forschungsaktivitäten in der Akademie, den Hochschulen und der Industrie zu fördern, um möglichst viele Synergieeffekte zwischen Wissenschaft, Ausbildung und Kultur zu erzielen und damit eine gemeinsame wissenschaftliche und technische Politik im Land zu verwirklichen.

Zur Erhöhung der Effizienz ihrer Aktivitäten fördert die RAN internationale Zusammenarbeit zwischen russischen und ausländischen Wissenschaftlern, unter anderem durch Kooperationsübereinkommen mit ausländischen Akademien der Wissenschaften und anderen Forschungsorganisationen. Außerdem richtet sie internationale Forschungszentren in Russland ein und führt internationale Kongresse, Konferenzen und Seminare durch.

Vorstand

Der Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften ist seit dem 29. Mai 2013 der Physiker Wladimir Fortow. Ihm unterstehen unmittelbar acht Vizepräsidenten sowie das über 40-köpfige Präsidium. Die Vizepräsidenten und Präsidiumsmitglieder sind allesamt akademische Mitglieder der RAN. Der bekannteste der gegenwärtigen Vizepräsidenten ist der Physiker und Nobelpreisträger Schores Alfjorow. Sowohl der Präsident als auch die Vizepräsidenten und das Präsidium sind der Generalversammlung der RAN rechenschaftspflichtig und werden von ihr auch gewählt.

Fach- und Regionalabteilungen

Die gegenwärtige (Stand: 2016) RAN gliedert sich in dreizehn Fachabteilungen sowie drei Regionalabteilungen und 15 regionale wissenschaftliche Zentren.

Die Fachabteilungen der Russischen Akademie der Wissenschaften sind:

Die vier letztgenannten Abteilungen existierten bis 2014 nicht. Sie erschienen wegen Anschluß ehemaliger staatlicher Akademien der Medizin und der Agrarwissenschaften an die RAN, sowie wegen etliche Umstrukturierungen.

Jede Fachabteilung verfügt jeweils über eine bestimmte Zahl von Forschungseinrichtungen, die sich auf bestimmte engere Tätigkeitsschwerpunkte spezialisieren. In vielen Fällen handelt es sich hierbei um Forschungsinstitute auf einem bestimmten Gebiet. Einige dieser Institute sind international bekannt, wie beispielsweise das Informationszentrum WINITI, das Steklow-Institut für Mathematik oder das Lebedew-Institut.

Darüber hinaus ist die RAN nach regionaler Präsenz unterteilt: Sie hat drei Regionalabteilungen – die Abteilung Sibirien in Nowosibirsk, die Abteilung Ural in Jekaterinburg und die Abteilung Fernost in Wladiwostok – sowie insgesamt 15 Wissenschaftszentren in Wladikawkas, Dagestan, Kabardino-Balkarien, Kasan, der Republik Karelien, auf Kola, in Tschernogolowka, Puschtschino, Samara, Sankt Petersburg, Nischni Nowgorod, Saratow, Troizk, Ufa und Rostow am Don.

Geschichte

18. und 19. Jahrhundert

Die Gründung der Russischen Akademie der Wissenschaften war einer der Bestandteile der Reformen von Zar Peter I., dem Großen, die vor allem zum Ziel hatten, den russischen Staat zu modernisieren und somit auch seine Wissenschaft und Forschung möglichst auf einen mit führenden europäischen Ländern vergleichbaren Stand zu bringen. Hierbei sollten sämtliche vor allem strategisch wichtige Wissenschafts- und Forschungsaktivitäten des Landes unter dem Dach einer Institution vereinigt werden. Letztere sollten dem Staat gehören und diesem auch unterstehen. Dieser Aspekt unterschied die neu gegründete Russische Akademie der Wissenschaften von vergleichbaren Institutionen des europäischen Auslandes, die mehr Autonomie vom Staat genießen konnten.

Als Gründungsdatum der Akademie gilt der 8. Februar 1724, als der von Peter dem Großen initiierte Erlass über die Einrichtung der Akademie vom Regierenden Senat verabschiedet wurde. Der feierliche Gründungsakt der neuen Akademie, die ihren Sitz in der neuen Hauptstadt Sankt Petersburg erhielt, wurde am 27. Dezember 1725 begangen. Ihr erster Präsident war der renommierte Mediziner Lorenz Blumentrost (1692–1755). In den Anfangszeiten war die Akademie nach ihren Haupttätigkeitsfeldern in drei Fachabteilungen unterteilt: die mathematische, die physisch-naturwissenschaftliche und die geisteswissenschaftliche. Peter der Große, der sich sehr für Wissenschaft und Technik interessierte und die Einrichtung der Akademie als eines seiner wichtigsten Reformvorhaben betrachtete, setzte sich auch nach deren Gründung dafür ein, dass die neue Institution nicht nur innerhalb Russlands an Ansehen gewann. Hierzu wurde eine Reihe von verdienten ausländischen Akademikern nach Petersburg eingeladen und zu Mitgliedern der Akademie ernannt, darunter Nikolaus und Daniel Bernoulli, Christian Goldbach, Georg Bernhard Bilfinger, Joseph-Nicolas Delisle, Leonhard Euler und Gerhard Friedrich Müller. Zudem erhielt die Akademie mehrere wichtige wissenschaftliche Einrichtungen des Landes unter ihre Verwaltung, darunter die Petersburger Kunstkammer, ein astronomisches Observatorium, einen botanischen Garten, ein anatomisches Theater und eine Druckerei.

Die ausgedehnte Infrastruktur der Akademie und die Mitarbeit renommierter in- und ausländischer Forscher haben bereits wenige Jahrzehnte nach der Gründung zu herausragenden Leistungen in diversen Bereichen der russischen Wissenschaft geführt. So konnte von der geowissenschaftlichen Abteilung bereits 1745 die erste vollständige geographische Karte Russlands angefertigt werden. Zu den wichtigsten Errungenschaften der Akademie in den ersten Jahren ihres Bestehens zählen unter anderem die vielen Entdeckungen des Universalgelehrten Michail Lomonossow im natur- und geowissenschaftlichen Bereich, die mathematischen Forschungsarbeiten Eulers sowie mehrere Forschungsexpeditionen in vormals unerschlossene Gebiete des Russischen Reichs, darunter die Zweite Kamtschatkaexpedition. Ab 1728 verlegte die Akademie ihre eigene Forschungszeitschrift auf Latein.

Auch im Laufe des 19. Jahrhunderts war die Tätigkeit der Akademie von herausragenden wissenschaftlichen Leistungen geprägt. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang beispielsweise die erste russische Weltumsegelung in den Jahren 1803–1806 unter dem Kommando Johann Krusensterns sowie die 1820 erfolgte Entdeckung der Antarktis bei einer Expedition Fabian Gottlieb von Bellingshausens und Michail Lasarews. 1841 wurde die noch 1783 gegründete Petersburger Akademie für Russische Sprache, zu deren Mitgliedern berühmte Literaten wie die Dichter Derschawin und Puschkin gehörten, in die Akademie der Wissenschaften als Fachabteilung für Russische Sprache eingegliedert. Wichtige Arbeiten im Bereich Mathematik und Statistik leistete im 19. Jahrhundert Pafnuti Tschebyscheff, ebenfalls Akademiemitglied. Im späten 19. Jahrhundert und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war die Akademie Arbeitsort weltbekannter russischer Naturwissenschaftler wie Dmitri Mendelejew, Alexander Butlerow und Wladimir Wernadski. Zwei Akademiemitglieder, nämlich die Mediziner Iwan Pawlow und Ilja Metschnikow, gehörten zu den ersten Trägern des Nobelpreises.

Akademie der Wissenschaften der UdSSR

Siehe auch: Wissenschaft in der Sowjetunion

In der Zeit des politischen Umbruchs in Russland im Anschluss an die Oktoberrevolution 1917 stand die vormalige Kaiserlich-Russische Akademie der Wissenschaften zunächst vor einer ungewissen Zukunft, auch weil ein nicht unbeträchtlicher Teil ihrer Mitglieder der Machtübernahme durch die Bolschewiki offen ablehnend gegenüberstanden. Dennoch ging der Forschungsbetrieb auch in den ersten Jahren nach der Revolution weiter. Zu den wichtigsten Aktivitäten der 1920er-Jahre gehörte unter anderem die Erforschung der riesigen Kursker Magnetanomalie im Südwesten Russlands, der Bodenschätze der Kola-Halbinsel sowie die Erarbeitung des staatlichen Plans GOELRO zur flächendeckenden Elektrifizierung des Landes. Außerdem wurden in den frühen 1920er-Jahren umfassende strukturelle Reformen innerhalb der Akademie durchgeführt. Dabei entstanden innerhalb der Akademie die ersten Forschungsinstitute, außerdem stieg bis 1925 die Zahl der wissenschaftlichen Angestellten der Akademie um das Vierfache im Vergleich zu 1917.

Eine wichtige Veränderung brachte die Oktoberrevolution von 1917. Bereits 1918 begannen sich in Teilrepubliken Sowjetrusslands eigene Akademien der Wissenschaften zu bilden – die erste von ihnen war die in jenem Jahr eingerichtete Nationale Akademie der Wissenschaften der Ukraine. 1925 erhielt die Russische Akademie der Wissenschaften den Status der übergeordneten Wissenschafts- und Forschungsinstitution der Sowjetunion. Dabei wurde sie offiziell in Akademie der Wissenschaften der UdSSR umbenannt. 1934 wurde ihr Hauptsitz in die neue Hauptstadt Moskau verlegt, wo er sich bis heute befindet. Ende der 1930er-Jahre belief sich die Anzahl der Fachabteilungen der Akademie bereits auf acht.

Neben ausgedehnten strukturellen Veränderungen war die Arbeit der Akademie im 20. Jahrhundert vor allem von der raschen Industrialisierung der Sowjetunion geprägt, was zu jener Zeit einen enormen Bedarf an Forschungsarbeit vor allem in verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaften hervorbrachte. Auch die militärischen Erfolge des Sowjetstaates, die ihm letztlich den Supermachtstatus gebracht hatten – so auch die Entwicklung der ersten sowjetischen Atombombe – waren in vielen Fällen renommierten Akademiemitgliedern zu verdanken. Zu den weiteren Forschungsschwerpunkten innerhalb der Akademie zur Sowjetzeit gehört die Entwicklung des sowjetischen Raumfahrtprogramms, die Erschließung zahlreicher neuer Rohstoffvorkommen durch Geologen, vor allem aber die Arbeiten in der Kernforschung und anderen Bereichen der Physik. So waren unter den sowjetischen Nobelpreisträgern besonders viele Physiker: 1958 Pawel Tscherenkow, Ilja Frank und Igor Tamm, 1962 Lew Landau, 1964 Nikolai Bassow und Alexander Prochorow, 1978 Pjotr Kapiza.

Vor allem in der Nachkriegszeit entstanden in mehreren Regionen der Sowjetunion regionale Abteilungen der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften sowie große Wissenschaftszentren in teilweise extra hierfür erbauten Städten wie Akademgorodok, Dubna, Troizk, Puschtschino oder Tschernogolowka. Außerdem war die Akademie der Wissenschaften der UdSSR maßgeblich an der Gründung vieler neuer Hochschulen auf dem Gebiet der Sowjetunion beteiligt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

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Mit der Auflösung der Sowjetunion war auch das Ende der Akademie der Wissenschaften der UdSSR als solcher besiegelt. Am 21. November 1991 wurde die Akademie nach einem Erlass des damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin in die Russische Akademie der Wissenschaften (RAN) umbenannt. Auf dem Gebiet der Russischen Föderation wurde die RAN Rechtsnachfolger der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Zugleich erlebte die Akademie kurz nach dem Ende des Sowjetstaates erneut eine Phase ungewisser Zukunft, als mit der Bildung unabhängiger Staaten aus ehemaligen Teilrepubliken der Sowjetunion die Rolle der RAN als übergeordnete Akademie entfiel und die ehemaligen Republiksakademien nunmehr selbständig wurden. Hinzu kam ein schwerer wirtschaftlicher Niedergang Anfang der 1990er-Jahre in ganz Russland, der auch die Akademie der Wissenschaften in extreme finanzielle Schwierigkeiten stürzte. Diese Krise, in deren Folge es zu einer Abwanderung vieler hochqualifizierter, aber schlecht bezahlter wissenschaftlicher Kräfte in die USA und ins europäische Ausland gekommen ist, dauerte rund ein Jahrzehnt. Die Folgen der Unterfinanzierung der RAN sind teilweise bis heute spürbar: So verdoppelte sich das durchschnittliche Alter der wissenschaftlichen Geräte der RAN von 1990 bis 2006 von 7,5 auf rund 15 Jahre.[1]

Die Reform der Russischen Akademie der Wissenschaften (2013)

2013 leitete das Bildungs- und Wissenschaftsministerium Russlands eine Reform der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAN) ein, was teilweise erbitterten Widerstand von Wissenschaftlern auslöste. Die Verfasser des Dokuments hatten ursprünglich vor, drei Akademien abzuschaffen (die Russische Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, die Russische Akademie der Medizinwissenschaften und die Russische Akademie der Wissenschaften) und statt ihnen eine staatlich-öffentliche Organisation, die „Russische Akademie der Wissenschaften“ zu stiften. Das Eigentum der bisherigen Akademie ginge demzufolge in die speziell dazu gegründete Agentur über. Zusätzlich sah die Reform vor, statt des jetzigen zweistufigen Titelsystems einen einheitlichen Titel einzuführen sowie die Möglichkeit, einem Mitglied der Akademie diesen Titel abzuerkennen.

Am 3. Juli 2013 wurde die Gesetzesvorlage zur Reform der RAN von der Duma in der ersten Lesung, und am 5. Juli in der zweiten Lesung (mit geringeren Änderungsanträgen) verabschiedet. Die dritte Lesung, die zunächst auch für Anfang Juli angekündigt worden war, verschob man dann auf den Herbst. Ende August 2013 wurde die Konferenz der wissenschaftlichen Mitarbeiter der RAN „Die Gegenwart und die Zukunft der Wissenschaft in Russland. Die Stelle und die Rolle der Russischen Akademie der Wissenschaften“ einberufen. Diese Konferenz sollte die Reform der RAN allseitig besprechen. Über 2000 Wissenschaftler nahmen daran teil: Mitglieder der Akademien, Mitarbeiter verschiedener Forschungsinstitute, der Universitäten und Hochschulen. Die Konferenz brachte ihre Missbilligung des zukünftigen Gesetzes zum Ausdruck und schlug ihre Änderungen dazu vor. Das Präsidium der RAN brachte seinerseits ebenfalls Änderungen zur Gesetzvorlage ein.

Am 4. September 2013 erklärte Staatspräsident Wladimir Putin seine Zustimmung zu den Vorschlägen des Präsidiums der RAN. Trotzdem kamen am 13. September Änderungen zur Gesetzesvorlage, die von einem Teil der Wissenschafter als ein Betrug von Seiten Putins betrachtet wurden, von der Russischen Präsidialverwaltung in die Staatsduma. Am 18. September wurde das Reformgesetz in der zweiten und umgehend auch in der dritten Lesung verabschiedet. Das Gesetz sieht vor, die rechtliche Souveränität der RAN wesentlich einzuschränken und eine Agentur zur Verwaltung des Eigentums der RAN und der Forschungsinstitute, die früher zur RAN gehörten, zu gründen. 331 Abgeordnete stimmten dafür, 107 Abgeordnete dagegen, einer enthielt sich der Stimme.

Brand 2015

Ein Brand am 30. und 31. Januar 2015 im Gebäude des Instituts für wissenschaftliche Information zu den Gesellschaftswissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften (INION RAN) in Moskau zerstörte größere Gebäudeteile, insbesondere die Bibliothek. Zahlreiche wertvolle Dokumente wurden zerstört oder schwer geschädigt.[2][3] Zu den zerstörten Beständen gehört unter anderem eine einzigartige Sammlung von UN-Dokumenten.[4] Gegen Juri Piwowarow, zum Zeitpunkt des Brandes Direktor des Instituts, und Kremlkritiker wurde von staatlichen Medien eine Verleumdungskampagne gestartet. So wurde dem Wissenschaftler unter anderem vorgeworfen, mit der NATO zu paktieren und für Korruption im Institut verantwortlich zu sein. Das Strafverfolgungskomitee der Russischen Föderation eröffnete schließlich im Zusammenhang mit dem Brand am 20. April 2015 gegen Piwowarow ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit.[5]

Präsidenten der Akademie

Ernannte Präsidenten:

Während der Präsidentschaft Rasumowskis zu eigentlichen Leitung der Akademie berufene Direktoren (teils mehrere zugleich):
  • 15. April 1798 – 6. Februar 1803 Ludwig Heinrich von Nicolay (Andrei Lwowitsch Nikolai), Lyriker
  • 14. Februar 1803 – 3. April 1810 Nikolai Nowossilzew (Nowossilzow), Staatsmann und Diplomat
  • 12. Januar 1818 – 4. September 1855 Sergei Uwarow, Staatsmann
  • 26. November 1855 – 19. Februar 1864 Dmitri Bludow, Staatsmann, Diplomat und Publizist
  • 23. Februar 1864 – 25. April 1882 Fjodor Lütke (Friedrich Benjamin Lütke), Geograph, Seefahrer und Entdecker
  • 25. April 1882 – 25. April 1889 Dmitri Tolstoi, Staatsmann
  • 3. Mai 1889 – 2. Juni 1915 Konstantin Romanow, Staatsmann und Militär

Gewählte Präsidenten:

Anmerkung: 1924–1991 Akademie der Wissenschaften der UdSSR

Bekannte Mitglieder der Akademie (Auswahl)

Nachfolgend findet sich eine Auswahl von prominenten akademischen Mitgliedern, korrespondierenden Mitgliedern und Ehrenmitgliedern der Russischen bzw. Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Für eine umfassendere Liste der Mitglieder siehe auch Kategorie:Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Ausländische Mitglieder

Russische/sowjetische Mitglieder

Gedenkmünzen

1992 wurde im Zuge der Serie „1000 Jahre Russland“ eine russische Gedenkmünze zu Ehren der Akademie herausgegeben. Außerdem wurde die Russische Akademie der Wissenschaften im Jahre 1999 anlässlich ihres 275-jährigen Bestehens auf einer russischen Drei-Rubel-Münze aus Silber verewigt. Auf dieser sind neben dem alten Petersburger Gebäude der Akademie drei Schlüsselfiguren ihrer Gründung – Peter I, Lomonossow und Euler – sowie die Weisheitsgottheit Minerva abgebildet.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Gazeta.ru, 27. März 2007
  2. Wissenschaftsinstitut in Moskau: Großfeuer zerstört historische Sammlung. n-tv.de, 1. Februar 2015, abgerufen am 2. Februar 2015.
  3. Moskau: Großbrand beschädigt historische Bibliothek der Akademie der Wissenschaften. dailymotion, abgerufen am 2. Februar 2015.
  4. Ekaterina Vardanyan: Verheerender Großbrand in der Bibliothek für Sozial- und Geisteswissenschaften in Moskau . Informationspraxis vom 2. Februar 2015. Abgerufen am 2. Februar 2015.
  5. Michael Thumann: "Kreml-Kritiker vor Gericht" Die Zeit vom 8. Mai 2015, gesichtet am 8. Mai 2015
  6. Liste der Präsidenten auf der offiziellen Website der Russischen Akademie der Wissenschaften
↑ М. Франк-Каменецкий Почему молчат ученые? // «Литературная газета», 16 марта 1988 г
↑ М. Франк-Каменецкий Механизмы торможения в науке // Сборник «Иного не дано». М.: «Прогресс», 1988. С. 634—647.
↑ Сергей Гуриев, Дмитрий Ливанов, Константин Северинов Шесть мифов Академии наук // Журнал «Эксперт» № 48(685), 14 дек 2009 г.
↑ Свобода мысли — «Судьба российской науки» (Обсуждение идеи М. Франка-Каменецкого о реорганизации РАН) // ТВ-передача, 15. März 2010, Пятый канал (Россия)
↑ Интервью Д. Ливанова // Эхо Москвы. 24. März 2013
↑ Реформу российской науки следует проводить с осторожностью. Финам 4. Juli 2013
↑ Гавров С. Реформа РАН: сохранить Академию
↑ Путин предложил поправки к закону о реформе РАН // Lenta.ru, 4. Juli 2013
↑ Депутаты проголосовали за реформу РАН Lenta.ru, 3. Juli 2013
↑ Госдума приняла во втором чтении законопроект о реформе РАН
↑ Конференция научных работников РАН «Настоящее и будущее науки в России. Место и роль Российской академии наук»

Literatur

  • In der Datenbank RussGUS werden über 240 Publikationen nachgewiesen (dort Suche – Formularsuche – Sachnotation: 6.2*)
  • Jack L. Cross: A Guide to the Russian Academy of Sciences. 2. Auflage, Cross Associates, Austin TX 1997 (Digitalisat und Nachträge )
  • Akademie der Wissenschaften Russlands – Gesellschaft für Kulturwissenschaft: Der ERNSTFALL auch in RUSSLAND; 1997, ISBN 3-930218-33-X

Weblinks

 Commons: Russische Akademie der Wissenschaften  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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