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Rudi Goguel


Rudolf „Rudi“ Goguel (* 21. April 1908 in Straßburg (Elsass); † 6. Oktober 1976 in Ost-Berlin) war ein deutscher Widerstandskämpfer während der Nazi-Herrschaft. Als Mitglied der KPD verhaftet und interniert, komponierte er im Krankenrevier[1] während seiner Haftzeit im Emslandlager KZ Börgermoor das bekannte Moorsoldatenlied.

Leben

Rudolf Goguel stammte aus einer bürgerlichen elsässischen Familie. Nach dem Abitur 1926 machte er eine Lehre zum kaufmännischen Angestellten und arbeitete in der Werbeabteilung einer Düsseldorfer Maschinenfabrik. 1930 trat er der KPD bei und der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO), und wurde 1932 wegen seines politischen Engagements als KPD-Funktionär entlassen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er verhaftet und ins KZ Börgermoor im Emsland verschleppt; dort komponierte er die Melodie des Moorsoldatenliedes. Nach seiner Entlassung 1934 ging er in den Untergrund und arbeitete in der Illegalität für die KPD. Dabei kam es zu ersten größeren Konflikten mit der Partei. Am 27. September 1934 wurde er ein zweites Mal verhaftet, gefoltert und unternahm danach einen Selbstmordversuch. In einem Gerichtsprozess wurde er zu zehn Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Die Strafe verbüßte er von 1934 bis 1944 in den Zuchthäusern Remscheid-Lüttringhausen, Wolfenbüttel, Celle und Hameln. Nach seiner Entlassung aus der Haft am 27. September 1944 wurde er umgehend in „Schutzhaft“ genommen und über das KZ Sachsenhausen ins KZ Neuengamme verschleppt. Dieses KZ wurde Anfang Mai 1945 vor den heranrückenden britischen Soldaten der alliierten Invasionsstreitkräfte geräumt. Die KZ-Häftlinge wurden auf Schiffe in der Lübecker Bucht gebracht. Goguel zählt zu den wenigen Überlebenden der Bombardierung der Häftlingsflotte durch britische Flugzeuge am 3. Mai 1945. Insgesamt waren auf dem Häftlingsschiff Cap Arcona und weiteren Schiffen viele tausend KZ-Häftlinge zusammengepfercht, von denen die meisten beim Bombardement starben.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging Goguel nach Süddeutschland und arbeitete 1946 als Redakteur und Politiker für die KP Südbaden. Damals verfasste er seine Autobiographie Es war ein langer Weg. 1949 kandidierte er bei der Bundestagswahl für die KPD. Nach massiven parteiinternen Auseinandersetzungen enthielt sich Goguel fortan jeden Engagements in seiner Partei. 1952 ging er nach Ostberlin und erhielt eine Anstellung beim Deutschen Institut für Zeitgeschichte (DIZ). Von 1959 bis 1968 war er Abteilungsleiter an der Humboldt-Universität Berlin für die „Geschichte der imperialistischen Ostforschung“. 1964 zählte er zu den Mitbegründern der Lagergemeinschaft Neuengamme im Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Sein Buch über seine Erlebnisse an Bord der Cap Arcona erschien 1972. Ein Jahr später erschien sein Beitrag in dem Sammelband Juden unterm Hakenkreuz. 1973 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.[2] Goguel erlag am 6. Oktober 1976 im Alter von 68 Jahren einem Hirnschlag und wurde auf dem Ehrenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt.

Werke

  • Es war ein langer Weg. Komet, Düsseldorf 1947.
    • Es war ein langer Weg. Volksverlag, Singen 1948.
    • Es war ein langer Weg. Hg. Mahn- und Gedenkstätte, Düsseldorf 2007 ISBN 9783980767477.
  • Über die Mitwirkung deutscher Wissenschaftler am Okkupationsregime in Polen im Zweiten Weltkrieg. Berlin, 1964.
  • Oder-Neisse. Kongress, Berlin 1955; 1956.2
    • in Russ. Oder-Nejsse granica mira. Izd. inostrannoj literatury, Moskau 1960.
  • Wie es zur Oder-Neisse-Grenze kam. Referentenmaterial, Sektion Gesamtdeutsche und internationale Fragen, Heft 11, 1956.
  • Polen, Deutschland und die Oder-Neisse-Grenze. Rütten & Loening, Berlin 1959.
  • Nauka w służbie “Drang nach Osten. Sekretariat Stanu do Spraw Szkolnictwa Wyższego i Zawodowego[3], Berlin 1960 (polnisch).
  • Studien zur Geschichte der sozialistischen Länder Europas. Hg. Humboldt-Universität zu Berlin 1968.
  • Cap Arcona. Röderberg, Frankfurt 1972; 1982.2
    • Kap Arkona. Izdatel’stvo Progress, Moskau 1975.
  • Antifaschistischer Widerstandskampf. Hg. Zentralleitung des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, Berlin 1974.
  • Antifaschistischer Widerstand und Klassenkampf. Militärverlag der DDR, Berlin 1976.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Historische Lieder aus acht Jahrhunderten, Gemeinsam herausgegeben von den Landeszentralen für politische Bildung Hamburg und Schleswig-Holstein, Redaktion: Wolfgang Hubrich, Helga Kutz-Brauer, Rüdiger Wenzel; Hamburg 1989; Seite 108.
  2. Berliner Zeitung, 22. Mai 1973, S. 5
  3. Staatssekretariat für das Hoch- u. Fachschulwesen.


Kategorien: Häftling im KZ Neuengamme | Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Silber | Gestorben 1976 | Geboren 1908 | KPD-Mitglied | Deutscher | Mann | Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rudi Goguel (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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