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Rudi Arnstadt


Rudi Arnstadt (* 3. September 1926 in Erfurt; † 14. August 1962 bei Wiesenfeld) war ein Hauptmann der Grenztruppen der DDR, der 1962 vom BGS-Beamten Hans Plüschke erschossen wurde. Ob dieser in Notwehr handelte, ist umstritten.

Geschichte

Arnstadt wuchs in Erfurt bei KPD-nahen Pflegeeltern auf. Von 1943 bis 1945 war er Infanterist der Wehrmacht an der Ostfront. Nach Kriegsende war Arnstadt in Erfurt als Arbeiter tätig. 1947 trat er der SED und 1949 der Grenzpolizei der DDR bei. Hier rückte er zum Hauptmann und Kompaniechef auf. Arnstadt war in zweiter Ehe verheiratet und wohnte in Wiesenfeld. Er war Vater zweier Kinder, die in einer anderen Familie lebten.[1]

Arnstadt wurde an der innerdeutschen Grenze zwischen Rasdorf-Setzelbach (Hessen) und Wiesenfeld (Thüringen) vom Bundesgrenzschutz-Beamten Hans Plüschke erschossen, als es am 14. August 1962 bei Ausbaumaßnahmen der Grenzsicherungsanlagen zu einem Schusswechsel zwischen Beamten des Bundesgrenzschutzes und der DDR-Grenztruppen kam. Die Führung der DDR stilisierte den toten Arnstadt anschließend zum Volkshelden. Er wurde auf dem Ehrenhain des Erfurter Hauptfriedhofes beigesetzt. Aufgestellte Gedenksteine und nach ihm benannte Schulen, Kulturhäuser und andere Einrichtungen sollten an ihn erinnern.[1]

Plüschke gab an, in einer Notwehrsituation gehandelt zu haben. Laut westdeutscher Darstellung habe zuvor ein Offizier der Grenztruppen ohne Vorwarnung in Richtung Westen geschossen, Plüschke und der ihn begleitende Offizier seien in Lebensgefahr gewesen. Es habe sich mutmaßlich um einen Geiselnahmeversuch seitens der DDR-Grenztruppen gehandelt.[2] Laut Darstellung der DDR wurde nach einem unbeantworteten Anruf durch die Grenztruppen ein Warnschuss in die Luft abgegeben, da sich BGS-Beamte auf DDR-Territorium befunden hätten. Daraufhin sei durch die BGS-Beamten gezielt auf die DDR-Grenzpatrouille geschossen worden. In einem MDR-Interview bestätigte der damalige Begleit-Posten Rudi Arnstadts, dass er den Warnschuss auf Befehl seines Kompaniechefs abgegeben habe. Rudi Arnstadt dagegen habe nicht geschossen.[3]

Das Außenministerium der DDR sandte eine Protestnote an die Regierung der Bundesrepublik. Nach Informationen des Spiegels und der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2009 war der DDR-Justiz die Identität des „Schützen Plüschke“ bekannt, und ein Gericht habe ihn in Abwesenheit wegen Mordes zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt.[4][5] Weil der BGS Racheversuche seitens der DDR befürchtete, hielt er die Identität Plüschkes geheim.

Erst 1997 gab Plüschke anlässlich des 35. Jahrestag des Zwischenfalls in einem Fernsehinterview zu, der Schütze gewesen zu sein.[6]

Am 15. März 1998 wurde Plüschke, der damals als Taxiunternehmer arbeitete, knapp zehn Kilometer von Wiesenfeld entfernt in der Nähe seines Taxis erschossen aufgefunden.[7] Die Todesart war die gleiche wie bei Arnstadt (Einschuss über dem rechten Auge). Plüschke hatte in seinen letzten Lebensjahren Sorge über mögliche Racheakte geäußert. Der Fall konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.

In der Ehrengräbersatzung von Erfurt wurde 2010 das Grab von Arnstadt als erhaltenswert und als „Zeugnis der DDR-Geschichte“ eingestuft.[8]

Literatur

  • Kurt Frotscher, Horst Liebig: Opfer deutscher Teilung, Beim Grenzschutz getötet. GNN-Verlag, Schkeuditz 2005, ISBN 3-89819-198-2.
  • N.N.: In: Kreiskollektiv zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung in Eisenach, Kulturbund Eisenach (Hrsg.): Eisenacher Schriften zur Heimatkunde. Heft 3. Druckerei Frisch, Eisenach 1978, Rudi-Arnstadt-Gedenkstein vor der 7. POS-Eisenach, S. 34.
  • Jan Schönfelder, Rainer Erices: Todessache Rudi Arnstadt. Zwischen Aufklärung und Propaganda. Verlag Bussert & Stadeler, Jena, Quedlinburg 2012, ISBN 978-3-942115-19-3.
  • Herbert Böckel: Der zweifache Tod im Schatten der Grenze. Eigenverlag 2012, ISBN 978-3-00-037161-5.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ines Hofmann, Rainer Erices und Jan Schönfelder: Wir haben hinter die propagandistischen Fassaden geschaut. Mitteldeutscher Rundfunk, 11. August 2011, abgerufen am 16. März 2012: „Die DDR hatte seine Biographie zu Propagandazwecken geschönt. Da war für uns viel Archiv- und Recherchearbeit notwendig. Diese Arbeit war nicht immer erfolgreich. Manche Unterlagen waren nicht mehr auffindbar. Manche Spuren verloren sich zwischen alten Akten. Trotzdem sind wir dem Menschen Rudi Arnstadt - mit seinen hellen und dunklen Seiten - näher gekommen.
  2. Der mysteriöse Tod eines Taxifahrers. Die Welt, 18. März 1998, abgerufen am 28. September 2010.
  3. Rainer Erices und Jan Schönfelder: Zwei Tote im Kalten Krieg. Mitteldeutscher Rundfunk, 13. August 2011, abgerufen am 6. Juni 2012.
  4. Deutsch-deutsches Mordmysterium: Tod auf der B 84 auf Spiegel Online. Zeitpunkt des Prozesses und Name des Gerichts nannte Der Spiegel nicht.
  5. Information der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2009. Auch hier wurden Zeitpunkt des Prozesses und Name des Gerichts nicht genannt.
  6. Deutsch-deutsches Mysterium - Mord an Grenzschützer Plüschke bis heute rätselhaft, Artikel in der Sächsischen Zeitung vom 10. August 2012
  7. oberhessische-zeitung.de: Der Autor, die Grenze ein Mord und das Fernsehen (Memento vom 28. April 2012 im Internet Archive)
  8. http://www.erfurt.de/mam/ef/rathaus/stadtrecht/6/6825.pdf


Kategorien: Opfer an der innerdeutschen Grenze | Militärperson (Grenztruppen der DDR) | Gestorben 1962 | Geboren 1926 | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rudi Arnstadt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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