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Ruden (Insel)


Ruden (Insel)
Blick vom Turm nach Norden über die Insel
Gewässer Peenestrom
 
Länge 2,2 km
Breite 390 m
Fläche 24 ha
Höchste Erhebung m
Einwohner 2
8,3 Einw./km²
Hauptort Ruden
Lage der Insel Ruden

Der Ruden ist eine Insel in der Mündung des Peenestroms vor der zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden Ostseeküste. Der Ruden befindet sich auf dem südlichen Ende der Greifswalder Boddenrandschwelle, dem Rest eines Endmoränenrückens. Durch die Boddenrandschwelle verlaufen als Fahrrinnen das Landtief nördlich des Rudens und das Osttief östlich und südlich des Rudens. Verwaltungstechnisch gehört die Insel zur Gemeinde Kröslin.

Geographie

Die flache Insel ist von Nord nach Süd 2,3 Kilometer lang. Die maximale Breite der Insel beträgt 395 Meter. Die Fläche beträgt 24 Hektar. Der südliche Teil mit einer Länge von 1,33 Kilometern ist eine stellenweise nur fünf bis sechs Meter, jedoch nirgends mehr als 40 Meter breite sandige Halbinsel (eher eine Sandbank), die durch Bruchsteine und Bruchsteinbuhnen vor Wellenerosion geschützt wird. Am südlichen Ende der Hauptinsel steht ein 20 Meter hoher Backsteinturm, der als Beobachtungs- und Messturm für Peenemünde erbaut wurde. Hier ist die Insel nur 1,9 Kilometer von der Küste beim Peenemünder Haken entfernt.

Namensherkunft

Der Name „Ruden“ leitet sich vermutlich vom slawischen Wort „Rudin“ (von „rod“ = Geschlecht, Stammbaum, Heimat) oder „rotŭ“ für Rodeland ab, auch „ruda“ für Eisenerz wäre möglich.[1] Eine Herleitung aus dem germanischen „Rud-ön“ (von rod = Wurzel oder entwurzeln, roden) ist nicht ausgeschlossen.[2]

Die Bedeutungen fließen im Indoeuropäischen (r-d = aus, heraus, von im Sinne von „Herkunft, Ursprung“) zusammen.

Mit dem Namen „Ruden“ wurde die Insel erstmals 1618 in der Lubinschen Karte bezeichnet.[3]

Geschichte

Aus dem Jahr 1254 findet sich mit dem „portus ruden“ die erste urkundliche Erwähnung. Unklar bleibt dabei, in welcher Form ein Zugang („portus“) nach Greifswald oder Stralsund bestand. Denn: In der heimatkundlichen Literatur bildete eine angeblich früher bestehende und in der Allerheiligenflut 1304 durch die Ostsee zerstörte Landverbindung vom Ruden zu der zu Rügen gehörenden Halbinsel Mönchgut einen beliebten Stoff, der mit Sagen und Erzählungen ausgeschmückt wurde.[4] Dem liegen Mitteilungen in zwei Stralsunder Chroniken aus dem 15. Jahrhundert zugrunde, wonach dieses Sturmhochwasser in der Greifswalder Boddenrandschwelle eine Fahrrinne namens Neues Tief, später Westertief genannt und bis ins 19. Jahrhundert genutzt, neu geschaffen hat.[4] Später, ab Johann Berckmann und Thomas Kantzow, wurde diese Überlieferung im Sinne einer Abtrennung des Rudens von Rügen missverstanden.[4] Eine neuere Untersuchung lässt unter Einbeziehung geomorphologischer Küstenveränderungen der jüngeren Erdgeschichte und des Mönchgrabens, als Grenzbefestigung in seiner Lage und südlichen Ausrichtung, eine Landverbindung zwischen Rügen und dem Ruden im Mittelalter durchaus zu.[5]

Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Ruden von Dänen und Schweden als Zoll- und Lotsenstation genutzt. Nach dem Großen Nordischen Krieg gehörte die Insel wohl zum schwedischen Vorpommern, davon zeugt der Plan zur Befestigung der Insel von 1730. Anscheinend wurde die Befestigung aber nicht ausgeführt, denn auf der Insel sind davon keine Spuren erkennbar.

1865 hatte der Ruden 38 Einwohner in fünf Familien, es gab eine Schule, fünf Wohn-, zwei Fabrik- (wohl die Lotsentürme) und zwölf Wirtschaftsgebäude.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Insel durch die Meereserosion ständig, vor allem an der Nordküste, kleiner. Sie ging in den letzten 200 Jahren und rund 800 bis 900 Meter zurück. Dieses Material lagerte sich sukzessive im Süden der Insel an und bildete den charakteristischen Haken aus, der zum Ende des 19. Jahrhunderts rund 1,3 km lang war. Während des Sturmhochwassers von 1872 wurden an der Ostküste etwa 20 bis 26 Meter weggespült. Die Häuser standen gut einen Meter unter Wasser. Das Vieh konnte nur gerettet werden, in dem man es auf den Dachboden der Häuser trieb. Vermutlich auf Grund der Sturmflut schloss die Schule vorläufig und wurde erst 1890 wieder eröffnet. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Haken in ungefähr zwei gleich große Teile zerrissen. 1877 entstand ein erster, 400 Meter langer Steinwall an der Nordküste der Insel. Danach wurde ab 1894 mit dem Aufbau eines Schutzwalls begonnen, um die Insel als Lotsenstützpunkt zu erhalten. Nach einem weiteren Sturmhochwasser im Jahr 1904, das wiederum Landverluste zur Folge hatte, wurden die Schutzdeiche weiter verstärkt. Dabei kam es zu einer großflächigen Zerstörung der Dünen, 70 Jahre alte Bäume wurden entwurzelt. Durch die Anpflanzung von Kiefern wurde versucht den Sand auf der Insel zu binden, zum anderen diente er als Windschutz. Es war der erste Versuch, den Ruden dauerhaft zu retten. Er war zu dieser Zeit von 88 Personen bewohnt. 1905 begann die Sanierung des südlichen Hakens. Ein Ringdamm schützt den Nordteil der Insel und im Süden verhindern eingebrachte Bruchsteine und Bruchsteinbuhnen eine drohende Abspülung.

Im November 1900 entstand ein Rettungsschuppen mit einer Slipanlage. Auf Schienen konnte ein Rettungsboot so unter Leitung des Oberlotsen in die Ostsee gebracht werden. Sie retteten bis 1942 insgesamt 36 Personen aus Seenot, bevor der Schuppen vermutlich im Zuge des Baus des Messturms abgerissen wurde.

1907 empfahl die Universität Greifswald, das Trinkwasser für die Kinder nicht mehr aus dem vorhandenen Brunnen zu fördern, sondern vom Festland einzuführen. Die Mitarbeiter des Hygienischen Instituts der Universität bemängelten die schlechte Qualität des Wassers. 1908 wurde eine Auffangfläche für Regenwasser aus Beton gebaut und es wurde mit Hilfe einer 15 cm dicken Schicht aus Kies gefiltert. Die Fläche war mit einer Dachpappe ausgekleidet und daher war das so gewonnene Wasser nicht genießbar. Erst nachdem die Pappe entfernt war konnte es als Trinkwasser genutzt werden. 1912 wurde zusätzlich eine Zisterne gebaut.

Seit 1924 bestand eine regelmäßige Postverbindung mit dem Festland. Der ehemalige Fischer Karl Knepel aus Freest versorgte die Bewohner mit Post. Bei seinen Fahrten war er in der Regel alleine auf See, nur gelegentlich nahm er Schornsteinfeger mit, die auf dem Ruden die Schornsteine der Häuser säuberten.

Nach der Insel war ursprünglich ein ehemaliger Logger, der für die Volksmarine als Versorgungsschiff umgebaut wurde, benannt, der später in Artur Becker umbenannt und als Ausbildungsschiff der Greifswalder GST-Marineschule genutzt wurde.

Nutzung

Die Schweden und später die Preußen nutzten die Insel als Zoll- und Lotsenstation mit einem Grenzposten, sowie vier Lotsen für die Einfahrt zum Peenestrom. Dieser Wasserweg war bis zum Bau des Swinekanals die Hauptein- und -ausfahrt der Oder nach und von Stettin. Die zahlreichen Untiefen und die enge Fahrrinne machten für die Schiffe die Lotsen notwendig. Ein Dampfbagger war stationiert, um die Fahrrinnen frei zu halten. Deshalb befindet sich das Inselgehöft als Lotsenstation auf der Insel. Ein erster hölzerner Turm entstand in den 1850er Jahren und wurde am 15. Oktober 1861 abgenommen. Er wurde 1903 durch einen noch vorhandenen Turm aus Stahl ersetzt.

Während des Zweiten Weltkrieges errichtete die Wehrmacht auf dem Ruden für 40.000 Reichsmark einen Flugbeobachtungsturm mit einem Kinotheodoliten, von dem aus die Flugbahnen der in der nahe gelegenen Heeresversuchsanstalt Peenemünde und von der Greifswalder Oie abgeschossenen Raketen wie die Fieseler Fi 103 oder die Fritz X beobachtet und vermessen wurden. Er konnte am 20. August 1941 in Betrieb genommen werden. Nach den Luftangriffen auf Peenemünde wurde auf dem Ruden die 6. Batterie der schweren Flakabteilung 337 stationiert. Sie schossen nach Angaben von Augenzeugen in der Zeit zwischen dem 19. Mai und dem September 1944 insgesamt zehn Boeing B-17 mit Hilfe ihrer 8,8-cm-FlaK 41 ab. Von den Kampfhandlungen zeugt noch die Flakstellung am Südende der Insel vor der Mole. Ab September 1943 wurde neben der Insel der antriebslose Flugabwehrkreuzer „Undine“, ein requiriertes niederländisches Schiff, verankert. Dieser Kreuzer (4400 BRT) war mit 8 großen und 21 kleineren Flakgeschützen bestückt und wurde im November 1944 nach Pölitz bei Stettin zum Flakschutz bei den dortigen Hydrierwerken (Produzent von kriegswichtigem Benzin) verholt. Zu Zeiten der DDR nutzten Grenzsicherungs-Einheiten der 6. Grenzbrigade Küste (DDR-Volksmarine) den Turm als Funkmessstation zur Verhinderung von Republikfluchten. 1972 wurde die Lotsenstation geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt bis zur Schließung der Grenzstation 1990[6] waren etwa 20 Grenzsoldaten in der noch vorhandenen Kaserne dauerhaft auf Ruden stationiert, die zudem den Grenzübergang vom Greifswalder Bodden zur freien Ostsee und umgekehrt visuell und technisch überwachten.

Auf der Insel Ruden befindet sich eine Belegstelle in der Völker der Buckfastbiene gehalten und zur Zucht genutzt werden,[7] da aufgrund der widrigen Umweltverhältnisse und der Entfernung zum nächsten Festland ausgeschlossen werden kann, dass sich die Population mit anderen Bienenvölkern vermischt.

Der Ruden gehört seit 1925 zum Naturschutzgebiet „Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden“. Große Teile der Insel Usedom wurden bereits 1966 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt, dazu gehörte der Ruden. Seit 1993 gehört er zum „Naturpark Insel Usedom“.[8]

Eine Besonderheit besteht auf der südlichen Mole: Tausende Kormorane vom Brutgebiet Peenemünder Haken bevölkern die Mole, die angrenzenden Buhnen und die Sandbänke, lediglich in der Mitte der Mole gibt es eine 20 m breite freie Stelle. Das ist der Stammplatz des Seeadlers, dem sich die Kormorane nicht weiter nähern.

Rechtlich gesehen gehört der Ruden zur Gemeinde Kröslin im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Der Ruden ist eine deutsche Grenzübergangsstelle.

2005 wurde der Ruden, als Teil der Liegenschaft Peenemünde, zusammen mit dem Struck und einem Gebiet im Norden der Insel Usedom, als repräsentative Naturschutzfläche ausgewiesen und an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übertragen. 2012 ging die Liegenschaft ins Eigentum der DBU Naturerbe GmbH über.[9]

Bis November 2015 hatte der Ruden zwei Einwohner, die ihren Wohnort dann aus gesundheitlichen Gründen verlassen mussten. Daraufhin wurde die dauerhafte naturschutzfachliche Betreuung durch den Verein Jordsand übernommen, der bereits auf der benachbarten Greifswalder Oie tätig ist.[10]

Die Insel verfügt über einen kleinen Hafen, der bislang von Sportbooten und von Tagesausflugsschiffen angelaufen wurde, die aus Karlshagen von der Insel Usedom, vom Krösliner Ortsteil Freest oder vom Hafen Peenemünde kamen. Jährlich führte das Einwohnerpaar tausende Besucher über die Insel. Seit März 2016 besteht für den Hafen, dessen Anlagen in schlechtem baulichen Zustand sind, keine Betriebsgenehmigung mehr. Da die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist, soll ein Anfahren des Hafens durch Dritte, also durch Fahrgastschiffe und Sportboote, vermieden werden.[11] Für den Betrieb des Hafens wird außerdem ein Betreiber gesucht.[12] Die Kosten der Hafensanierung, ohne Sportbootanleger, werden mit rund 2 Millionen Euro veranschlagt.[13]

Literatur

  • Joachim Blüthgen: Greifswalder Oie und Ruden. (= Ergänzungsheft Nr. 248 zu Petermanns Geographische Mitteilungen). Gotha 1952.
  • Lutz Mohr: Zwischen Ryck und Ruden. Der sozialistische Aufbau unserer Heimat am Beispiel des KKW „Bruno Leuschner“ … und des „Friedrich-Loeffler-Instituts“. Insel Riems – Boddeninseln im Spiegel der Geschichte. (= Neue Greifswalder Museumshefte. Nr. 3). Museum der Stadt, Greifswald 1978.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstenthums Rügen. IV. Teil, Band II, Anklam 1868, S. 1039 f.

Weblinks

 Commons: Ruden  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Band 2: Festland. (= Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Band 2). Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6, S. 116.
  2. Der Ruden - Traditionelle vorpommersche Lotseninsel. Axel-Dietrich-Verlag, Peenemünde 1993, ISBN 3-930066-01-7.
  3. Manfred Niemeyer: Ostvorpommern. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Band 2: Festland. (= Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Band 2). Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6, S. 116.
  4. 4,0 4,1 4,2 Friedrich-Wilhelm Dwars: Der angebliche Landzusammenhang zwischen Rügen und dem Ruden in historischer Zeit und die Entstehung der Einfahrten am Ostrand des Greifswalder Boddens. In: Baltische Studien. Band 45 N.F., 1958, ISSN 0067-3099 , S. 9–26.
  5. Nils Petzholdt: Der Mönchgraben bei Baabe und die Landverbindung zwischen Rügen und dem Ruden In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 1/2014, ISSN 0032-4167 , S. 4–8.
  6. Leo Schmidt, Uta Mense: Denkmallandschaft Peenemünde. Ein wissenschaftliche Bestandsaufnahme – Conservation Management Plan. Ch. Links Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-718-2, S. 65.
  7. Inselbelegstelle Ruden. Landesverband der Buckfastimker Mecklenburg-Vorpommern e.V., abgerufen am 3. August 2013.
  8. offizielle Seite des Naturpark Usedom
  9. Peenemünde: Wertvolles Naturgebiet für Zukunft gesichert. DBU Naturerbe, 5. Januar 2012, abgerufen am 15. Mai 2016 (PDF).
  10. Insel Ruden wieder bewohnt: Jordsand übernimmt Betreuung. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 21. Dezember 2015, abgerufen am 15. Mai 2016.
  11. Keine Betriebsgenehmigung für den Hafen Insel Ruden. Gemeinde Kröslin, 24. März 2016, abgerufen am 15. Mai 2016.
  12. Tom Schröter: Hafen der Insel Ruden jetzt gesperrt. In: Ostsee-Zeitung. 7. April 2016 (Link ).
  13. Gemeinsamer Plan für DBU-Naturerbefläche Peenemünde. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 23. Januar 2015, abgerufen am 15. Mai 2016.

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