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Roßdorf (bei Darmstadt)


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Darmstadt-DieburgVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 202 m ü. NHN
Fläche: 20,6 km²
Einwohner: 12.152 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 590 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64380
Vorwahlen: 06154, 06071
Kfz-Kennzeichen: DA, DI
Gemeindeschlüssel: 06 4 32 020
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Erbacher Straße 1
64380 Roßdorf
Webpräsenz: www.rossdorf.de
Bürgermeisterin: Christel Sprößler (SPD)
}

Roßdorf ist eine Gemeinde mit rund 12.000 Einwohnern im hessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Der Ort liegt etwa acht Kilometer südöstlich von Darmstadt.

Geographie

Nachbargemeinden

Roßdorf grenzt im Norden und Osten an die Gemeinde Groß-Zimmern, im Südosten an die Stadt Reinheim, im Süden an die Stadt Ober-Ramstadt, sowie im Westen an die kreisfreie Stadt Darmstadt.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Roßdorf besteht aus den beiden Ortsteilen Gundernhausen und Roßdorf.

Demographische Daten

Belegte Einwohnerzahlen:
  • 1575: 500 Einwohner
  • 1635: 50 Einwohner
  • 1829: 1.529 Einwohner[2]
  • 1939: 3.673 Einwohner[2]
  • 1961: 5.724 Einwohner[2]
  • 1970: 7.341 Einwohner[2]
  • 2003: 12.114 Einwohner
  • 2005: 12.434 Einwohner
  • 2007: 12.169 Einwohner
  • 2010: 12.019 Einwohner
Roßdorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
1.530
1840
  
1.644
1846
  
1.812
1852
  
1.775
1858
  
1.328
1864
  
1.954
1871
  
2.135
1875
  
2.235
1885
  
2.337
1895
  
2.492
1905
  
3.005
1910
  
3.199
1925
  
3.289
1939
  
3.673
1946
  
5.036
1950
  
5.363
1956
  
5.297
1961
  
5.724
1967
  
6.544
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Geschichte

Urkundlich wird Roßdorf im Jahre 1250 als Roßedorph erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit belehnte der Fuldaer Fürstabt Heinrich IV. von Erthal die Grafen Diether und Eberhardt I von Katzenelnbogen mit den Dörfern Roßdorf und Gundernhausen. In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte dann unter wechselnden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Rosdorf (1321)
  • Rostdorf (1330)
  • Roßdorf (1354)
  • Rosdorff (1361)
  • Roßdorff (1403)
  • Rostorff (1427)
  • Rostroff (1559)

1479 starb das Geschlecht von Katzenelnbogen aus und das Erbe ging an Landgraf Heinrich III. von Hessen über.

1621 quartierten sich bayerische Soldaten in Roßdorf ein und plünderten den Ort. Darüber hinaus fanden Hexenprozesse statt, in deren Verlauf die Einwohner der Zauberei beschuldigt wurden. Die größte Not für Roßdorf kam in den Jahren 1634/35 während des Dreißigjährigen Krieges. In der Gegend standen sich die Kaiserlichen und die Schweden gegenüber, die abwechselnd die gesamte Landschaft verwüstet und ausgebeutet und die Bevölkerung stark dezimiert haben. Im Sommer 1635 brach dazu die Pest aus und dezimierte die Einwohnerzahl auf 50. 1672 während des Französisch-Holländischen Krieges quartierten sich Truppen Ludwigs XIV ein. 1814 zogen russische Soldaten auf dem Weg nach Frankreich durch. Im Jahr 1783 ist dokumentiert dass Roßdorf zum Amt Lichtenberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte, zählt und wo es bis 1820 bleibt. In Zeit danach waren die übergeordneten Verwaltungseinheiten:[2]

Die zuständige Gerichtsbarkeit war:[2]

Am 1. Januar 1977 wurde im Rahmen der Gebietsreform in Hessen per Gesetz die bis dahin selbstständige benachbarte Gemeinde Gundernhausen eingegliedert, zugleich wurde der Landkreis Darmstadt-Dieburg gegründet, zu dem Roßdorf seither gehört.[3]

Politik

Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[4] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[5][6]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
    
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 45,4 14 49,7 16 51,8 16 55,6 17
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 19,5 6 23,6 7 26,6 8 30,2 9
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,0 5 22,4 7 13,7 4 14,3 5
WiR Wir in Roßdorf (Wählergruppe) 19,2 6
FDP Freie Demokratische Partei 4,3 1 7,9 3
gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 54,2 56,7 51,9 56,4

Bürgermeister

  • Hofrat Georg Wilhelm Justin Wagner (1822–1825)[7]
  • Heinrich Kloß (SPD, 1954–1982)
  • Alfred Jakoubek (SPD, 1982–1997)
  • Manfred Pfeiffer (SPD, 1997–2003)
  • Christel Sprößler (SPD, seit 2003)

Wappen

Im blauen Schild steigender silberner Mond mit eingehängtem Hufeisen, darunter eine silberne Rose mit blauem Butzen, das freie Feld mit sieben goldenen Sternen (5 : 2) bestreut. Das Wappen wurde vom Regierungspräsidenten 1952 genehmigt.

Grundlage des Wappens ist ein Siegel des gemeinsamen Dorfgerichts von Roßdorf und Gundernhausen. Ein Abdruck davon befindet sich auf dem sogenannten Mansfelder Schadensverzeichnis von 1625, das im Staatsarchiv Darmstadt aufbewahrt wird. Dieses Verzeichnis enthält eine Liste der Verluste, die die Bewohner der Obergrafschaft Katzenelnbogen im Dreißigjährigen Krieg erlitten haben. Eine Zutat aus den 50er Jahren unseres Jahrhunderts ist das von vielen Roßdörfern beanstandete Gesicht des Mondes. (Quelle: Internetseite der Gemeinde)

Partnerstädte

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • In Roßdorf gibt es eine katholische und eine evangelische Kirche, im Ortsteil Gundernhausen eine evangelische Kirche
  • Das Historische Rathaus stammt aus dem Jahr 1575
  • Im "Alten Bahnhof" befindet sich das Südhessische Handwerksmuseum
  • Vom Gipfelkreuz des Rehbergs hat man eine weite Aussicht in Richtung Aschaffenburg und Frankfurt
  • Roßdorf verfügt über ein großes beheiztes Freibad
  • Neben dem Freibad gibt es eine Rollschuhlaufbahn, die im Winter als Eislauffläche genutzt wird

Roßdorf ist berühmt für seine Pferdezucht und hat in den letzten Jahren einige ausgezeichnete Reiter hervorgebracht.

Vereine

Größter Verein in Roßdorf ist die SKG Roßdorf 1877. Roßdorf ist Sitz der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften.

Wirtschaft und Infrastruktur

Weinbau

In Roßdorf wächst Wein. Eine Roßdörfer Winzerfamilie bewirtschaftet einen Weinberg von ca. 3,2 ha Fläche am Roßberg. Die Einzellage Roßdorfer Roßberg gehört zum Weinbaugebiet Hessische Bergstraße, Bereich Umstadt (Odenwälder Weininsel). Auf Basaltuntergrund mit Löß- Lehmauflage gedeihen Weißweine (Grauburgunder, Kerner, Riesling u.a.) und auch Rotweine (Spätburgunder, Frühburgunder, Dornfelder u.a.).

Verkehr

Roßdorf ist durch drei Anschlussstellen an die B 26 angebunden (Anschluss in Darmstadt zur A 5 und A 67 sowie in Aschaffenburg zur A 3). Roßdorf ist ein Anfangspunkt der B 38.

Mehrere Buslinien fahren außerdem durch/ab Roßdorf:

  • K 55: Darmstadt – Roßdorf – Reinheim – Ueberau/Groß-Bieberau – Niedernhausen
  • K 56: Darmstadt – Roßdorf – Ober-Ramstadt – Rohrbach – Asbach/Lichtenberg
  • 672: Darmstadt – Roßdorf – Gundernhausen – Groß-Zimmern – Dieburg
  • 673: Darmstadt – Roßdorf – Gundernhausen Stetteritz
  • 693: Darmstadt – Roßdorf – Reinheim – Gr.-Bieberau – Brensbach – Reichelsheim – Fürth (nur im Spätverkehr)

Nur der Abschnitt der Bahnstrecke zwischen Bessunger Forsthaus und Darmstadt Ost wird für historische Zugfahrten gelegentlich noch benutzt; der Rest der Bahnstrecke nach Darmstadt und Groß Zimmern ist abgebaut.

Energie

2015 entstanden auf dem Tannenkopf im Wald nördlich der B 26 zwei Windkraftanlagen des Typs GE Wind Energy 2.5-120. Diese haben bei einer Nabenhöhe vom 120 m und einem Rotordurchmesser von 120 m eine Gesamthöhe von 180 m und sind damit rund 20 Meter niedriger als übliche Windkraftanlagen dieses Typs. Grund hierfür ist die Lage der Anlagen in einem als störungsrelevant erachteten Bereiches des Deutschen Wetterdienstes. Bauherr ist die GGEW AG aus Bensheim, die Planungen obliegen der Firma juwi aus Wörrstadt. Die Bauarbeiten begannen mit den vorgezogenen Rodungen der Waldstandorte im Februar 2014, nachdem im Januar zuvor der Bauantrag eingereicht wurde.[8] Am 23. April 2015 wurde der Antrag der GGEW zum Bau der Anlagen genehmigt.[9] Prognostiziert wird eine Leistung von etwa 15 000 MWh pro Jahr. Der offizielle Baubeginn fand am 27. Juli 2015 statt. Am 11. Oktober veranstaltete der Betreiber ein Richtfest, [10] ab November wurden die Türme errichtet. Fertiggestellt wurden die Windkraftanlagen Ende Dezember 2015.[11] Gegen den Bau der Anlagen hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet.[12]

Regelmäßige Veranstaltungen

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Georg Christian Bonhard (* 1770 in Gundernhausen, † 1836), Mediziner („gräflicher Ysenburgischer Leibarzt und Hofrath zu Wächersbach“)
  • Christian Sartorius (* 1796 in Gundernhausen, † 1872 im mexikanischen Bundesstaat Veracruz), deutsch-mexikanischer Unternehmer
  • Georg Martin (* 1816 in Roßdorf, † 1881), Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Otto Hess (* 1908 in Roßdorf; † 1967 in Burgdorf), Mitglied der NSDAP, Politiker (DRP, NPD), Mitglied des Niedersächsischen Landtags
  • Heinz Friedrich (* 1922 in Roßdorf, † 2004), Publizist und Verleger
  • Reinhard Burger (* 1949 in Roßdorf), Mikrobiologe, seit 2010 Präsident des Robert Koch-Instituts

Im Dorf lebten und wirkten

Literatur

Weblinks

 Commons: Roßdorf (bei Darmstadt)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 „Roßdorf, Landkreis Darmstadt-Dieburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 1. September 2012.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22
  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  7. Nachlassinformationen zu G. Wagner im Hess. Staatsarchiv
  8. fact vom 1. April 2015: Windkraft: Roßdörfer Tannenkopf wird jetzt wieder aufgeforstet. Abgerufen am 7. November 2015.
  9. Echo vom 24. April 2015: Genehmigung für Windkraft in Roßdorf. Abgerufen am 7. November 2015.
  10. Echo vom 24. April 2015: GGEW AG feiert Richtfest für den Windaprk Roßdorf. Abgerufen am 7. November 2015.
  11. REG.eV: Windkraftanlagen auf dem Tannenkopf in Roßdorf. Abgerufen am 7. November 2015.
  12. IG Roßdorf. Abgerufen am 7. November 2015.
  13. Darmstädter Echo, Donnerstag, 1. Oktober 2015, S. 21

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