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Roßdorf (Bruchköbel)


Roßdorf
Höhe: 133 m ü. NHN
Einwohner: 3000
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63486
Vorwahl: 06181

Roßdorf ist ein Stadtteil der Stadt Bruchköbel im hessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografische Lage

Roßdorf liegt auf einer Höhe von 134 m über NN etwa 7 km nördlich von Hanau. Das Oberdorf wurde auf den Michelsberg gebaut. Durch Roßdorf führt die (alte) Verbindungsstrasse Friedberg-Hanau.

Geschichte

Urgeschichte

Siedlungsfunde aus der Gemarkung reichen zurück bis in die Jungsteinzeit.

Mittelalter

Älteste erhaltene urkundliche Erwähnungen des Dorfs stammen aus den Jahren um 850 und 1062, als Herr und Gaugraf Reginbodo die Kirche von Roßdorf dem Kloster Fulda schenkte. 1192 wird ein Pfarrer erwähnt. Bereits vor 1200 war Roßdorf Sitz eines Archipresbyters, der dem Landkapitel Roßdorf, der kirchlichen Mittelbehörde für die umliegenden Gemeinden, vorstand. Er unterstand dem Archidiakonat von St. Maria ad Gradus in Mainz.

Ende des 12. Jahrhunderts errichtete der Antoniter-Orden in Roßdorf sein erstes Kloster in Deutschland. Es hatte zahlreiche Niederlassungen von Marville in Lothringen bis nach Brieg an der Oder, heute: Brzeg. Aufgrund von Differenzen mit Territorialherren des Umlandes wurde 1441 der Sitz des Konvents nach Höchst am Main verlegt, wobei allerdings ein Verwalter weiter in Roßdorf residierte und für den umliegenden, umfangreichen Grundbesitz des Ordens zuständig war.[1][2]

Hauptartikel: Antoniterkloster Höchst

Roßdorf lag bei Ausbildung der Landeshoheit im späten Mittelalter im Amt Büchertal der Herrschaft Hanau, ab 1429: Grafschaft Hanau, nach der Landesteilung von 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg.

Historische Namensformen

In erhaltenen Urkunden wurde Roßdorf unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[3]

  • Rostorf (um 850)
  • Rosdorf (1062)
  • Rostroff (1241)
  • Rorstorf (1273)

Neuzeit

In der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt. Dies geschah zunächst im lutherischen Sinn. Mit der Reformation schwand der Einfluss der Antoniter auf das Dorf, das Kloster verfiel langsam und das Kirchenpatronat wechselte vom Kloster Fulda zu den Grafen von Hanau-Münzenberg.[4] In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft Hanau-Münzenberg weitgehend als verbindlich durch. Die Pfarrei gehörte nachreformatorisch zur Klasse (Dekanat) Windecken. Zur Pfarrei gehörte auch Butterstadt.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und Roßdorf. 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Büchertal ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau, und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Büchertal im neu gebildeten Kreis Hanau auf. Mit der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Roßdorf preußisch.

Am 1. Juli 1974 wurde die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde Roßdorf im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kraft Gesetzes in die Stadt Bruchköbel eingegliedert.[5] Der Landkreis Hanau ging 1974 im Main-Kinzig-Kreis auf.

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[3]

  • 1632: ca. 0051 Familien[6]
  • 1634: 0058 Haushaltungen
  • 1707: 0038 Familien
  • 1732: 0065 Hofreiten[7]
  • 1754: 0075 Familien = 340 Einwohner
  • 1895: 0786 Einwohner
  • 1939: 1102 Einwohner
  • 1961: 1445 Einwohner
  • 1970: 1933 Einwohner
  • 2010: 4000 Einwohner

Wappen

Am 2. September 1965 wurde der Gemeinde Roßdorf im damaligen Landkreis Hanau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Rot ein nach links steigendes silbernes, blaubezungtes Pferd und rechts oben ein schwarzes Kreuz.[8]

Kirche

Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert gab es in Roßdorf zwei Kirchen: die 1062 erstmals erwähnte Dorfkirche - heute Michaels-Kirche - und die bis 1240 erbaute Kirche des Antoniterklosters. Der 17. Januar, der Antoniustag, war der Tag der Kirchweihe. Die Kirche der Antoniter wurde nach der Reformation nicht mehr gebraucht und verfiel. Die romanische Dorfkirche ist in ihrem wesentlichen Bestand unverändert erhalten. 1765 wurde sie allerdings im Inneren umgebaut und in ihrer Ausrichtung nach Westen gedreht.

Wissenswert

  • Das Ortsbild von Roßdorf prägen die Kirche, das Rathaus (um 1700), das alte Backhaus (1773) im Ortskern und das 2003 errichtete „Steinerne Ross“ am Ortseingang. In der Oberdorfstrasse finden sich Reihe an Reihe verschiedenste Fachwerkhäuser und Höfe.

  • An einem Sonntag um den 17. Januar wird Kirchweih, die „Kerb“ gefeiert[9]. Am folgenden Tag findet das Schubkarrenrennen statt, das seinen Ursprung in einer Wette aus den 1920er-Jahren hat.
  • In Roßdorf wurde 30 Jahre lang auch Kohle abgebaut. Die Grundlage war dafür die Ausläufer des Horloffgrabens. Das auftretende Grundwasser zerstörte das Flöz. Doch der Eisenbahnbau schaffte auch günstigere Kohle aus dem Ruhrgebiet nach Rossdorf.
  • Einmal im Jahr, um den 01.09., begeht Roßdorf das mehrtägige Backhausfest. Dann werden im alten Backhaus Brote gebacken.
  • Nahe Roßdorf befindet sich die Hohe Strasse, eine alte Handelstrasse nach Frankfurt. Auch gibt es den Wartbaum. Die Umgebung prägen auch die aufgestellten Windräder auf der Hohen Strasse.

Literatur

  • Ingrid Dallmeyer: Chronik der Stadt Bruchköbel und seiner Stadtteile Roßdorf, Niederissigheim, Oberissigheim und Butterstadt. Bruchköbel 1989.
  • Wilhelm Dersch: Hessisches Klosterbuch. Quellenkunde zur Geschichte der im Regierungsbezirk Kassel, im Kreis Grafschaft Schaumburg, in der Provinz Oberhessen und dem Kreis Biedenkopf gegründeten Stifter, Klöster und Niederlassungen von geistlichen Genossenschaften. 2. Aufl. 1940. ND 2000, S. 136.
  • Peter Gbiorczyk: Die Entwicklung des Landschulwesens in der Grafschaft Hanau von der Reformation bis 1736. Die Ämter Büchertal und Windecken. Aachen 2011. ISBN 978-3-8440-0331-4
  • Peter Gbiorczyk: Die Schulen in Roßdorf (Bruchköbel) 1574-1818 (PDF; 1,5 MB).
  • Rainer Haas: 950 Jahre Michaels-Kirche zu Roßdorf 1062-2012. Hrsg.: Kirchenvorstand Roßdorf. Bruchköbel 2012.
  • Rainer Haas: Roßdorfer Allerlei. Gesammelte Aufsätze, 2006.
  • Uta Löwenstein: Die Roßdorfer Freundschaft = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 81. Darmstadt 1991.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 406.
  • Roßdorf in Geschichte und Gegenwart, Festschrift zur 1200-Jahr-Feier, herausgegeben von der Vereinsgemeinschaft Roßdorf, Bruchköbel 2000.

Weblinks

 Commons: Roßdorf (Bruchköbel)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Löwenstein, S. VI.
  2. Vgl. dazu: „Roßdorf, Antoniterhaus, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. 3,0 3,1 „Roßdorf, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 25. September 2015)
  4. Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986, Teil 1 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 33. Marburg 1984, S. 309.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  6. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung = Hanauer Geschichtsblätter 45 (2011), ISBN 978-3-935395-15-9 , S. 277–320 (289 ff.)
  7. Dallmeyer, S. 51.
  8. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 2. September 1965 (StAnz. S. 1102) Seite 2 der tif-Datei 1,8 MB
  9. Homepage zur Kerb

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Roßdorf (Bruchköbel) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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