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Rhonegletscher


Rhonegletscher

Luftbild vom Rhonegletscher im September 2011

Lage Kanton Wallis, Schweiz
Gebirge Urner Alpen
Typ Talgletscher
Länge 7,8 km (2011)[1]
Fläche 15,94 km² [2]
Exposition Süd
Höhenbereich 3'620 m ü. M. – 2'208 m ü. M. (2005)[3]
Neigung ⌀ 9° (16 %) [4]
Breite ⌀ 2 km [5]
Eisdicke max. 350 m [5]
Eisvolumen 2,11 ± 0,38 km³ (2011)[2]
 
Entwässerung Rhone

Der Rhonegletscher (selten auch Rottengletscher genannt) ist ein Talgletscher im Quellgebiet der Rhone im äussersten Nordosten des Kantons Wallis in den Zentralalpen der Schweiz. Er ist knapp acht Kilometer lang, weist eine durchschnittliche Breite von ungefähr zwei Kilometer auf und bedeckt eine Fläche von ungefähr 16 km². Der Rhonegletscher war vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund seiner damals noch weit ins Tal bei Gletsch hinunter reichenden Zunge eine grosse Touristenattraktion. Er schmilzt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich. Möglicherweise wird er bis ins Jahr 2100 beinahe vollständig verschwunden sein.[6]

Lage

Der Rhonegletscher entsteht am verhältnismässig flachen Südwesthang des Winterbergmassivs am Dammastock auf rund 3'600 m ü. M. Auf den ersten 2,5 km trägt das Eisfeld den Namen Eggfirn und überwindet eine Höhendifferenz von etwa 600 m. Auf 3'080 m ist der Gletscher durch die firnbedeckte Untere Triftlücke mit dem nördlich angrenzenden Triftgletscher verbunden. Der Rhonegletscher fliesst nun mit leichten Windungen und einem Gefälle von durchschnittlich 16 % nach Süden, flankiert vom Tieralplistock (3'383 m ) und den Gärstenhörnern (3'189 m ) im Westen sowie vom Galenstock (3'586 m ) im Osten. Die Gletscherzunge befindet sich derzeit knapp über 2'200 m oberhalb eines steilen Felshangs. Hier entspringt die Rhone. Aufgrund des stetigen Rückzugs des Gletschers begann sich in den Jahren 2006/2007 hinter der Schwelle des Steilhangs ein kleiner See zu bilden. Dieser Gletscherzungensee wird sich bei weiterem Abschmelzen des Rhonegletschers noch deutlich vergrößern.

Ausdehnung im 19. Jahrhundert

Während des Hochstadiums der Kleinen Eiszeit im 19. Jahrhundert und noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts reichte der Rhonegletscher über den Steilhang unterhalb der heutigen Zunge hinunter bis in die Talebene von Gletsch auf rund 1'800 m , und zwar zeitweise bis kurz vor die Hotels von Gletsch. Die maximale Ausdehnung im Jahre 1856 ist noch heute gut zu erkennen anhand der glattgeschliffenen kahlen Felsen sowie des abgelagerten Moränenmaterials.

Erschliessung

Weil der Rhonegletscher an der Furkapassstrasse liegt, einer klassischen Reiseroute durch die Schweizer Alpen, ist er der am leichtesten zugängliche Gletscher der Schweiz. Vom Hotel Belvédère an der Passstrasse ist die Gletscherzunge durch einen wenige 100 m langen kostenpflichtigen Fussweg erschlossen. Hier kann man eine Eisgrotte besuchen. Im Tal von Gletsch kennzeichnen etwa 1,5 m hohe pyramidenförmige Säulen mit Jahreszahlen (ab 1815) den Gletscherschwund im 19. Jahrhundert.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Der Rhonegletscher ist einer der am besten erforschten Gletscher; mit ersten geodätischen Messungen begann man 1874. Seither existiert eine fast durchgehende Beobachtungsreihe, sowohl Längen- als auch Eisdickenänderungen wurden systematisch erfasst. Auch die Fliessgeschwindigkeiten und die Fliessrichtungen in den verschiedenen Abschnitten des Gletschers wurden untersucht. Ein Ergebnis der frühen Gletscheruntersuchungen ist das 1916 erschienene Buch Vermessungen am Rhonegletscher 1874–1915 von P. L. Mercanton, ein Standardwerk der Gletscherkunde. Im Durchschnitt hat sich der Rhonegletscher seit 1874 jährlich um 8,5 m zurückgezogen und dabei ebenfalls jährlich etwa 25 cm an Eisdicke eingebüsst.

Im Rahmen einer Projektstudie des Geographischen Instituts der Johannes Gutenberg Universität Mainz, wurde im August 2008 ein Testwindfang errichtet, mit dem folgende These untersucht werden sollte: Bei Strahlungswetterlagen fließen sog. katabatische Fallwinde (kalte Fallwinde) über das Gletschereis talabwärts. Wenn es mit einem Windfang gelingen würde, diese kalten Fallwinde aufzustauen, müsste ein Kaltluftpolster entstehen, welches die Gletscheroberfläche abkühlen soll. Die Projektstudie konnte von dem Forscherteam um den physischen Geographen Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs als Erfolg verzeichnet werden. Der Windfang erzielte die Kühlwirkung. Über sechs Tage lang sammelten elf Messstationen um den Windfang herum rund 100.000 Einzelmesswerte. Diese belegen eine maximale Kühlwirkung des Windfanges von 3 °C. Im Bereich des Windfanges wurde ein Kaltluftpolster erzeugt.[7]

Der eiszeitliche Rhonegletscher

Während der Eiszeiten erreichte der Rhonegletscher zusammen mit seinen Seitengletschern jeweils die grösste Eismasse aller alpinen Gletscher. Er füllte das gesamte Walliser Rhonetal mit einer bis zu 2000 m mächtigen Eismasse und vereinigte sich mit den Gletschern aus den Berner und Walliser Alpen. Im Bereich des Genfersees teilte er sich in zwei Arme, von denen der eine weiter rhonetalabwärts bis in die Gegend östlich von Lyon reichte. Der andere Arm dehnte sich nach Nordosten aus, wobei er das ganze westliche Mittelland mit Eis bedeckte und sich in der Region Bern mit dem Aaregletscher vereinigte. Während der Hochstadien der Riss- und Würmeiszeit wurde zum Teil auch die dem Schweizer Mittelland am nächsten gelegene Jurakette im Bereich des Mont Tendre vom Eis des Rhonegletschers überdeckt. In der Würmeiszeit stiess der Rhonegletscher bis in die Gegend von Wangen an der Aare zwischen Solothurn und Langenthal vor, was durch Überreste einstiger Moränen und frühe Bauwerke aus alpinem Gestein wie bei der Kirche von Oberdorf und dem Burgturm von Halten bezeugt wird. Findlinge bestehend aus Granit oder Gneis der Walliser Alpen sind im westlichen Mittelland verbreitet anzutreffen. An ihre Standorte konnten sie nur durch einen Gletscher transportiert werden, weshalb sie ein Hauptargument für die Begründung der Eiszeittheorie (u.a. durch Louis Agassiz) lieferten.[8]

Weblinks

 Commons: Rhonegletscher  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich (Hrsg.): Rhonegletscher. In: Schweizerisches Gletschermessnetz. (online , auch als PDF , abgerufen am 19. Februar 2014).
  2. 2,0 2,1 Daniel Farinotti, Matthias Huss, Andreas Bauder, Martin Funk: An estimate of the glacier ice volume in the Swiss Alps. In: Global and Planetary Change. 68: 225–231, 2009 (online ; PDF; 756 kB).
  3. WGMS: Fluctuations of Glaciers Database. World Glacier Monitoring Service, Zurich 2013 (DOI:10.5904/wgms-fog-2013-11), abgerufen am 11. Dezember 2013
  4. Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich: Aletschgletscher. In: Naturgefahren Gletscher. (online , auch als PDF , abgerufen am 6. Februar 2013).
  5. 5,0 5,1 oberwaldgletsch.ch: Sehenswürdigkeiten Furkapass
  6. TagesAnzeiger: In 90 Jahren ist der Rhonegletscher fort
  7. Projektstudie 2008: Auswirkungen des Klimawandels an den Schweizer Alpengletschern - Windfang am Rhône-Gletscher
  8. Walter Moser: Findlinge im Kanton Solothurn, Zeugen zweier Eiszeiten. In: Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, 67. 1994, S. 137–151.

Kategorien: Gletscher in Europa | Gletscher in den Alpen | Flusssystem Rhone | Gletscher im Kanton Wallis

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rhonegletscher (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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