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Rhetorical Structure Theory


Die Rhetorical Structure Theory (RST) (engl.; deutsch: Theorie rhetorischer Strukturen) ist eine Theorie zur Darstellung der rhetorischen Struktur in Texten. Sie wurde von William C. Mann (* 14. Dezember 1934;[1] † 13. August 2004[2]), Sandra A. Thompson u. a. im Rahmen von Studien zur automatischen Textgenerierung am Information Science Institute der University of Southern California 1983 entwickelt.

Annahmen

Die RST ist eine deskriptive Theorie, durch welche die hierarchische Struktur eines Textes beschrieben werden kann. Dies geschieht weniger im Hinblick auf die Prozesse der Produktion und Perzeption, sondern eher bezüglich der Kohärenz eines Textes und der Frage, welche Funktion die einzelnen Einheiten im Text haben. Denn eine der grundsätzlichen Annahmen der RST ist, dass jeder Teil eines kohärenten Textes eine Funktion hat und dass für seine Existenz im Text plausible Gründe gefunden werden können (vgl. William C. Mann im Abschnitt Literatur; vlg. RST-Website in den Weblinks).

Kohärenz

Die Kohärenz eines Textes wird auf das Vorhandensein sogenannter rhetorischer Relationen zurückgeführt, welche zwischen zwei sich nicht überschneidenden Einheiten eines Textes bestehen und funktional definiert sind. Sie beziehen sich auf den Effekt, den der Produzent eines Textes bewirken wollte, indem er die betreffenden Einheiten nebeneinander platzierte; die jeweils bestehende rhetorische Relation ist also abhängig von der Intention des Produzenten und weniger von bestehenden syntaktischen Formen.

Bestandteile

Einheiten

Die Länge der Texteinheiten ist nicht festgelegt, aber die Einteilung eines Textes in Einheiten sollte so gewählt sein, dass diese eine eigenständige Funktion haben. Die Autoren wählen in ihren Analysen Sätze bzw. Satzteile und deren Kombinationen - beispielsweise im Falle restriktiver Relativsätze - als kleinste Einheiten eines Textes.

Relationen

Neben der jeweiligen Beziehung zwischen zwei Einheiten verdeutlichen die rhetorischen Relationen auch, welche der beiden Einheiten bezogen auf die Absicht des Produzenten eine zentralere Rolle spielt. In diesem Konzept der nuclearity gibt es die möglichen Einheiten Nukleus (Kern) und Satellit. Der Nukleus ist dabei die Texteinheit, welche die Hauptaussage transportiert, also wichtiger ist; während der Satellit eine auf den Nukleus bezogene Information beinhaltet oder Funktion innehat und vom Nukleus abhängig ist, nicht jedoch umgekehrt. William C. Mann und Sandra A. Thompson gehen davon aus, dass die Mehrheit der natürlich-sprachlichen Texte durch Nukleus-Satellit-Relationen strukturiert ist.

Die rhetorischen Relationen werden durch vier Felder definiert:

  1. die Bedingungen für den Nukleus
  2. die Bedingungen für den Satelliten
  3. die Bedingungen für die Kombination von Nukleus und Satellit
  4. den Effekt der Relation

Hinzu kommt noch der locus of effect, der verdeutlicht, ob der Effekt sich auf den Nukleus oder den Satelliten bezieht.

Jedes dieser Felder definiert spezielle Entscheidungen, die während des Aufbaus der RST-Struktur getroffen werden müssen (vgl. Mann/Thompson 1988, S. 245). Dabei beziehen sich diese Entscheidungen mehr auf die Plausibilität einer Relation, da die Intention eines Produzenten zumeist nicht bekannt ist, sondern nur vermutet werden kann. Dabei stellt der zu jeder Relation definierte Effekt die Entscheidungsgrundlage dar, da er dem unangemessenen oder fehlerhaften Gebrauch von Relationen entgegenwirken kann. (vgl. Mann/Thompson 1988, S. 258).

Die RST in ihrer im Jahr 1988 publizierten Form beinhaltet 23 rhetorische Relationen, die – basierend auf zwei Aspekten der Textstruktur – in die zwei Klassen

  • subject matter
  • presentational

unterteilt werden.

Mann und Thompson definieren sie als:

“Subject matter relations are those whose intended effect is that the reader recognizes the relation in question; presentational relations are those whose intended effect is to increase inclination in the reader …”

– Mann/Thompson 1988, S. 257 (Hervorhebung im Original).

Schemata

Die Relationen werden nicht direkt auf die Texte angewendet, sondern zunächst in Form von Schemata dargestellt, die zu schema applications kombiniert werden, die ihrerseits in einer hierarchischen Anordnung den Strukturbaum formen. In der RST gibt es fünf Typen von Schemata, welche - basierend auf den Relationen - spezifizieren, in denen Kombinationen die Texteinheiten vorkommen können.

Durch die wiederholte Anwendung der Schemata entstehen komplexere Einheiten, bis alle Einheiten zu einer einzigen komplexen Einheit verbunden sind, die dann den Strukturbaum darstellt. Dies bedeutet auch – und ist eine der zentralen Annahmen der RST –, dass nahezu jeder kohärente Text durch einen einzigen RST-Strukturbaum beschrieben werden kann, welcher nur eine Wurzel hat, die alle Einheiten - ob komplex oder einfach - umfasst. Dies, weil kohärente Texte typischerweise hierarchisch strukturiert und funktional organisiert sind (vgl. Mann/Thompson 1988, S. 259). Die Analysen der Autoren und anderer haben jedoch auch ergeben, dass für bestimmte Textsorten, wie Gesetzestexte, Verträge, Poesie u. ä., keine RST-Strukturen erstellt werden können (vgl. Mann/Thompson 1988, S. 259).

Literatur

Englisch:[3]

  • William C. Mann, Sandra A. Thompson: Rhetorical Structure Theory: A theory of text organization. In: Technical Reports, Ausgabe ISI/RS-87-190, Information Sciences Institute, Marina del Rey (CA) 1987.
  • William C. Mann, Sandra A. Thompson: Rhetorical Structure Theory: Toward a Functional Theory of text Organization. In: Text, 8. Jg., Nr. 3, 1988, S. 243–281 (Volltext des Artikels, PDF; 3,07 MB).
  • William C. Mann, Sandra A. Thompson (Hrsg): Discourse Description. Diverse Linguistic Analysis of a Fund-Raising Text. John Benjamins, Amsterdam/Philadelphia 1992.
    • darin: William C. Mann, Christian M. I. M. Matthiessen, Sandra A. Thompson: Rhetorical Structure Theory an Text Analysis, S. 39–78.
  • Maite Taboada, William C. Mann: Rhetorical Structure Theory: looking back and moving ahead. In: Discourse Studies, 8. Jg., Nr. 3, 1988, S. 423–459, doi:10.1177/1461445606061881 (Volltext des Artikels, PDF; 241 KB).
  • Maite Taboada, William C. Mann: Applications of Rhetorical Structure Theory. In: Discourse Studies, 8. Jg., Nr. 4, 1988, S. 567–588, doi:10.1177/1461445606064836 (Volltext des Artikels, PDF; 159 KB).

Deutsch:

  • Monika Putzinger: Analyse und Typisierung Rhetorischer Relationen in ausgewählten standarddeutschen Texten unter besonderer Berücksichtigung von Diskurskonnektoren. Diplomarbeit an der Universität Wien, Wien 2011 (Volltext des Artikels, PDF; 3,84 MB).
  • Jakob Wüest: Was Texte zusammenhält. Zu einer Pragmatik des Textverstehens. Europäische Studien zur Textlinguistik, Bd. 12, Narr, Tübingen 2011, S. 82f., ISBN 3-8233-6642-4 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  • D. Rösner: Dokumentverarbeitung. Einführung in RST. Handout, Institut für Wissens- und Sprachverarbeitung, Fakultät für Informatik, Universität Magdeburg, Wintersemester 2011/12 (Volltext, PDF; 219 KB).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. William C Mann. Eintrag im Social Security Death Master File. Abgerufen am 21. September 2012.
  2. 2,0 2,1 2,2 Nachruf von Christian M. I. M. Matthiessen: Remembering Bill Mann. (engl.) In: Computational Linguistics, 31. Jg., Nr. 2, 2005, S. 161–171, doi:10.1162/0891201054224002 (Volltext des Artikels, PDF; 74,9 KB. Abgerufen am 21. September 2012.).
  3. Eine ausführliche Literaturliste (engl.) findet sich auf der RST-Website: Bibliographies on RST. Abgerufen am 21. September 2012.

Kategorien: Allgemeine Linguistik

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorical Structure Theory (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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