Rettungsfachpersonal - LinkFang.de





Rettungsfachpersonal


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Rettungsfachpersonal (auch Rettungsfachkräfte genannt) ist die Sammelbezeichnung für das in Notfallrettung und qualifiziertem Krankentransport eingesetzte nichtärztliche Fachpersonal. Angehörige dieser Gruppe haben eine spezielle, notfallmedizinische Ausbildung durchlaufen, die sie für die Arbeit im Rettungsdienst qualifiziert. In einigen Bundesländern können Rettungsmittel zum Teil auch von Nicht-Fachpersonal besetzt werden, so dass Rettungsdienstpersonal nicht überall zwangsläufig auch Rettungsfachpersonal sein muss.

Es gibt europa- und weltweit gravierende Unterschiede in der Ausbildungsdauer und -qualität von Rettungsfachpersonal. So arbeiten beispielsweise die meisten angloamerikanischen Rettungsdienstsysteme fast gänzlich ohne Notärzte und setzten im präklinischen Bereich nur nicht-ärztliches Personal (die „Paramedics“) ein. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie einigen anderen mitteleuropäischen Ländern hat sich hauptsächlich aus historischen Gründen ein System entwickelt, in dem speziell ausgebildete Ärzte („Notärzte“) auch außerhalb des Krankenhauses eingesetzt werden. Die verschiedenen Ausbildungen sowohl für Notärzte als auch für nicht-ärztliches Personal unterscheiden sich stark zwischen den einzelnen Ländern.

Deutschland

Abgesehen vom Notarzt als ärztlichem Rettungsdienstpersonal, gibt es in Deutschland drei Qualifikationen für Fachpersonal im nichtärztlichen Rettungsdienst. Diesen gegenüber ist ein Notarzt in medizinischen Fragen stets weisungsbefugt.

Notfallsanitäter und Rettungsassistent

Die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst stellen der Notfallsanitäter und bis Ende 2013 der Rettungsassistent dar. Der Notfallsanitäter durchläuft eine dreijährige Ausbildung, welche 2014 eingeführt wurde und umfangreicher ist als die des Rettungsassistenten. Maßgeblich ist hier das Notfallsanitätergesetz. Inzwischen ist in allen Bundesländern in der Notfallrettung, also in der Regel auf Rettungswagen, mindestens ein Notfallsanitäter/Rettungsassistent vorgeschrieben. Die Mehrheit der Bundesländer schreibt inzwischen auch für den Fahrer des Notarzteinsatzfahrzeugs mindestens die Notfallsanitäter-/Rettungsassistentenqualifikation vor.

Rettungssanitäter

Der Rettungssanitäter hat eine im Vergleich zum Notfallsanitäter weitaus kürzere Ausbildung (520 Stunden). „Rettungssanitäter“ ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, die Ausbildung ist jedoch in vielen Bundesländern landesrechtlich geregelt.[1] Der Rettungssanitäter wird in der Notfallrettung als Fahrer und Teampartner des Notfallsanitäter bzw. Rettungsassistenten eingesetzt, während er im Krankentransport oft als höherqualifiziertes Besatzungsmitglied mit einem Rettungshelfer eingesetzt wird. Bis 1989 waren Rettungssanitäter das höchstqualifizierte Personal im Rettungsdienst, was dann durch das Rettungsassistentengesetz geändert wurde.

Rettungshelfer

Die Ausbildung zum Rettungshelfer ist nur in einigen Bundesländern landesrechtlich geregelt. Ursprünglich handelt es sich um eine gemeinsame Qualifikationsbeschreibung der Hilfsorganisationen. Rettungshelfer werden beinahe ausschließlich im Bereich des qualifizierten Krankentransportes eingesetzt. In wenigen Bundesländern können sie jedoch gemeinsam mit Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten einen Rettungswagen beziehungsweise mit einem Notarzt und einem Notfallsanitäter/Rettungsassistenten einen Notarztwagen besetzen. Die Qualifikation zielt auf Ehrenamtliche oder FSJler. Dementsprechend wird sie häufig auch als Lehrgang auf Wochenenden verteilt angeboten.

Kompetenzen und Aufgaben

Grundsätzlich besteht die Aufgabe des nicht-ärztlichen Rettungsfachpersonals in der Durchführung von Transporten, der Erstversorgung von Notfallpatienten bis zur Übernahme der Behandlung durch einen Arzt, der Assistenz eines Arztes und der Überwachung von Patienten während Transporten. Im Rahmen der so genannten Notkompetenz kann ein Rettungsassistent in Notfällen auch Maßnahmen durchführen, die üblicherweise Ärzten vorbehalten sind. Dabei handelt es sich jedoch um ein juristisches Konstrukt auf Basis des rechtfertigenden Notstands, für die sich der Helfer juristischen Risiken aussetzen muss. Auch Rettungssanitäter und theoretisch Rettungshelfer könnten von dieser Regelung Gebrauch machen, aufgrund ihrer relativ kurzen Ausbildung ist dies jedoch nur in äußersten Notfällen geboten. Die Notfallsanitäter haben hingegen umfangreichere Befugnisse und höhere Rechtssicherheit.

Oftmals werden Sanitäter fälschlicherweise pauschal dem Rettungsfachpersonal zugerechnet. Dabei handelt es sich jedoch um einen nicht geschützten Begriff, der insbesondere für das Personal im Sanitätsdienst verwendet wird. Sanitäter haben eine Sanitätsausbildung durchlaufen, die sich je nach Hilfsorganisation in Umfang und Inhalt unterscheidet und in der Regel nicht den obigen Qualifikationsstufen entspricht. In einigen Bundesländern können Sanitätshelfer im Rettungsdienst eingesetzt werden, sind dann jedoch trotzdem kein Rettungsfachpersonal.

Österreich

Notarzt

Der Notarzt ist ein speziell ausgebildeter Arzt, der in Notfallsituationen vor Ort medizinisch interveniert. Um als Notarzt tätig sein zu dürfen, muss der Turnus beziehungsweise eine Facharztausbildung abgeschlossen sein (d. h. das jus practicandi erlangt sein) und ein Notarztkurs absolviert werden. Der Notarzt ist allen anderen Rettungsdienstmitarbeitern in medizinischen Belangen weisungsbefugt. Bei nicht lebensbedrohlichen Notfällen ist der Notarzt in der Regel nicht erforderlich (ausgenommen z. B. Schmerztherapie).

Rettungssanitäter

Seit 2002 ist die Ausbildung zum Rettungssanitäter im Sanitätergesetz[2] geregelt und anerkannt - sie umfasst 260 Stunden. In Österreich werden Rettungssanitäter sowohl in der Notfallrettung als auch im qualifizierten Krankentransport eingesetzt. Rettungssanitäter dürfen abgesehen von Sauerstoff keinerlei Medikamente verabreichen. In ihre Kompetenz fällt somit die grundlegende sanitätshilfliche Betreuung von nicht lebensbedrohlich erkrankten Patienten, sowie die Assistenz für den Notarzt vor Ort in Zusammenarbeit mit dem/den anwesenden Notfallsanitäter(n). Häufig sind Rettungswagen in Österreich mit zwei Rettungssanitätern besetzt, welche als zumeist ersteintreffendes Rettungsmittel die sanitätshilfliche Versorgung des Patienten (z. B. Wundversorgung, Schienung von Brüchen, Bergung, Anamnese, Basis Reanimationsmaßnahmen, …) sicherstellen. Bei Eintreffen des Notarzt-Teams fungieren die Rettungssanitäter als Assistenten so weit als möglich.

Notfallsanitäter

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter (NFS) baut auf die Ausbildung zum Rettungssanitäter auf und stellt, in Kombination mit den zu erwerbenden Notfallkompetenzen, die höchste Qualifikation im österreichischen Rettungsdienst dar. Der NFS ist in Österreich (wie der Rettungssanitäter) ein gesetzlich geregelter und anerkannter Beruf. Die Ausbildung umfasst zusätzlich zum Rettungssanitäter 480 Stunden und erlaubt dem NFS die Gabe einiger ausgewählter Medikamente (Arzneimittelliste 1). Mit den auf dem Notfallsanitäter aufbauenden Ausbildungen - NKA/NKV (Notfallkompetenz Arzneimittellehre und Venenzugang, 90 Stunden), sowie NKI (Notfallkompetenz Intubation, 110 Stunden) - darf der Notfallsanitäter weitere Medikamente verabreichen (Arzneimittelliste 2) und periphere Venen punktieren sowie auch einen Patienten ohne die Benutzung von Relaxantien intubieren. Die beiden letzt genannten Ausbildungsstufen sind im österreichischen Rettungsdienst nicht unumstritten und werden nicht überall ausgebildet bzw. anerkannt.

Schweiz

Notarzt

In der Schweiz ist die Ausbildung durch die Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin geregelt. Die Voraussetzungen sind:

  • Eidgenössisches oder anerkanntes ausländisches Arztdiplom
  • Mitgliedschaft bei der FMH
  • Drei Jahre klinische Tätigkeit an einer im jeweiligen Fachgebiet anerkannten Weiterbildungsstätte: Mindestens ein Jahr Anästhesiologie, ein Jahr Innere Medizin, ein Jahr Chirurgie oder anderes klinisches Fach
  • Absolvierung eines von der SGNOR anerkannten Notarztkurses
  • Erfolgreiche bestandene Kurse in ACLS-AHA und PALS-AHA

Anästhesiepfleger/in

Es handelt sich hierbei um eine/n Anästhesiepfleger/in mit der Zusatzausbildung zum/zur diplomierten Rettungssanitäter/in, welche dem/der Ausgebildeten am Einsatzort größtenteils die Kompetenzen eines Notarztes einräumt. Die Kompetenzen des Pflegers werden von dem jeweiligen ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes festgelegt.

Der Anästhesiepfleger soll den Notarzt ersetzen und wird hauptsächlich in Rettungsdiensten eingesetzt, die in ein Spital integriert sind.

Diplomierter Rettungssanitäter

Die Ausbildung zum diplomierten Rettungssanitäter HF dauert drei Jahre und wird als tertiäre Ausbildung anerkannt. Sie schließt mit dem Titel Dipl. Rettungssanitäter HF ab. HF steht für „höhere Fachschule“. Die Kompetenzen der diplomierten Rettungssanitäter werden von dem jeweiligen ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes festgelegt; in vielen Rettungsdiensten dürfen Rettungssanitäter beispielsweise reflexlose Patienten intubieren oder Analgesie mit Ketamin oder potenten Opiaten selbständig durchführen.

Ob und wann ein Notarzt angefordert wird beziehungsweise zu einem Notfall mit ausrückt, ist ebenfalls Sache der ärztlichen Leitung, sofern dies nicht von der kantonalen Behörde geregelt wird.

Transportsanitäter

Die Ausbildung zum Transportsanitäter entspricht dem ersten Jahr der Ausbildung zum diplomierten Rettungssanitäter HF. Bei Notfalleinsätzen wird er als Unterstützung eines diplomierten Rettungssanitäters eingesetzt. Er kann unter Anweisung selbständig invasive Maßnahmen wie Venenpunktionen und Medikamentenverabreichung durchführen. Krankentransporte kann der Transportsanitäter in Eigenverantwortung durchführen.

Transporthelfer

Der in der Schweiz teilweise mit einem diplomierten Rettungssanitäter eingesetzte Transporthelfer (meist zutreffend in privaten Rettungsdienst- oder Krankentransportunternehmen) ähnelt dem deutschen Rettungshelfer. Die bis 2013 offiziell sechstägige Ausbildung bezieht sich hauptsächlich auf die Herstellung der Transportbereitschaft des Patienten, Fahrzeug- und Funktechnik, grundlegenden notfallmedizinischen Maßnahmen sowie die Assistenz des diplomierten Rettungssanitäter am Einsatzort, welche je nach Ausbildungsdauer des Transporthelferkurses oder vorher abgeschlossenen medizinischen Berufen stark variieren kann (Bsp.: Venenzugang legen, Medikamente applizieren). (Zum Vergleich, in Baden-Württemberg durchläuft ein Rettungshelfer eine dreiwöchige Ausbildung mit mehr Bezug auf medizinische Kenntnisse.)

Die höchste Laienausbildung (bis 2013: ResQ Niveau III) dient der Unterstützung von professionellen Rettern. Da die Grundrichtlinien bezüglich der Ausbildung nach SRK (Transporthelfer-Kurs bzw. SRK Niveau III und ResQ Niveau III: 6 Tage) für viele Rettungsdienste zu wenig sind, haben sich einige Ausbildungsstätten auf den Namen Rettungstransporthelfer geeinigt. Diese Kurse bauen ebenfalls auf den Konzepten von SRK, SRC und ResQ auf, gehen aber weit darüber hinaus, so sind es z. B. statt 60 Stunden Ausbildung bis zu 200 Stunden. Dabei liegt die Priorität in realitätsnahen Szenen und vertiefter Theorie in Anatomie, Physiologie und Pathologie des menschlichen Körpers. Durch ein Kurstestat wird die erhöhte Weiterbildung geprüft und bestätigt.

Nach dem Interverband für Rettungswesen (IVR) ist der originale Transporthelfer nur noch bis 2013 gültig. Das Berufsbild des Transportsanitäters soll den Transporthelfer ersetzen. Hinsichtlich der Laienausbildung wird es höchstwahrscheinlich weiterhin solche Kurse geben.

Zurzeit wird eine Fortführung dieser Laienausbildung diskutiert. Auch Pflegepersonal kann diesen Kurs absolvieren, um in Rettungsdiensten oder Krankentransportunternehmen tätig zu sein. Für reine Krankentransportunternehmen ist dies von großer Bedeutung (Kostensenkung).

Die erweiterte Ausbildung zum sogenannten "Rettungstransporthelfer" (bis zu 200 h Ausbildung und Weiterbildungen und bis zu 6 Monaten Praktikum) ist zu vergleichen mit dem deutschen Rettungshelfer mit Zusatzkompetenzen, die teilweise ein Rettungssanitäter hat.

Vereinigte Staaten

EMT-Paramedic

Die höchste Qualifikation im US-amerikanischen Rettungsdienst stellt der EMT-Paramedic dar, da in der präklinischen Notfallrettung keine Ärzte eingesetzt werden. EMT steht für Emergency Medical Technician, übersetzt Notfallmedizintechniker. Die Ausbildung und auch die Qualifikationen für Paramedics in den Vereinigten Staaten sind in den verschiedenen Bundesstaaten äußerst unterschiedlich, die Ausbildungsdauer kann zwischen zwölf Monaten und vier Jahren dauern. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Deutschland und Österreich sind Paramedics am Einsatzort meist auf sich selbst gestellt und haben daher auch weitergehende Kompetenzen, die unter anderem die Intubation mit und ohne Relaxantien (Rapid Sequence Intubation), die Interpretation von 12-Kanal-EKGs (und medikamentöse Therapie), das Durchführen einer Nadel-Koniotomie, retrograde Intubation, zentralvenöse Zugänge, intraossäre Zugänge und vieles mehr beinhalten.

First Responder

First Responder sind kein Rettungsfachpersonal, sondern eine Funktion, die von Ersthelfer, Sanitätspersonal des Katastrophenschutzes oder aber auch vom Rettungsfachpersonal wahrgenommen werden kann. Siehe auch Helfer vor Ort. Medical First Responder sind dagegen immer Ärzte.

Kanada

Critical Care Paramedic (CCP)

Diese Paramedics sind speziell für Intensivversorgung von Patienten ausgebildet, sie werden hauptsächlich für Intensivtransporte von kritischen Patienten beziehungsweise auf Rettungshubschraubern und Ambulanzflugzeugen eingesetzt. Ihre Fähigkeiten reichen unter anderem von der Interpretation von 12-Kanal-EKGs bis zur Rapid Sequence Intubation, verschiedenste Medikamente verabreichen, dem Umgang mit Intensivrespiratoren und chirurgischen Notfalleingriffen (Koniotomie, Thoraxdrainage).

Advanced Care Paramedic (ACP)

Viele der in der präklinischen Notfallrettung eingesetzten Paramedic haben diese Qualifikation. Sie dürfen unter anderem eine Reihe von Medikamenten verabreichen, Patienten intubieren, 12-Kanal-EKGs interpretieren sowie Patienten kardiovertieren.

Primary Care Paramedic (PCP)

Dies ist die niedrigste Stufe der Qualifikation für Personal im kanadischen Rettungsdienst. PCPs führen Basismaßnahmen durch, dürfen außerdem einige ausgewählte Medikamente verabreichen, defibrillieren und 3-Kanal-EKGs interpretieren.

Einzelnachweise

  1. Dies gilt auf dem Verordnungsweg für insgesamt 8 Bundesländer, in Rheinland-Pfalz als Verwaltungsvorschrift. Vgl. Jürgen Luxem, Dietmar Kühn, Klaus Runggaldier (Hrsg.): Rettungsdienst RS/RH. München ²2010, S. 456.
  2. Österreichisches Sanitätergesetz

Weblinks

Deutschland:

Schweiz:

Literatur

  • Dietmar Kühn, Jürgen Luxem, Klaus Runggaldier (Hrsg.): Rettungsdienst RS/RH. München ²2010, ISBN 978-3-437-48041-6.
  • Bodo Gorgaß, Friedrich W. Ahnefeld, Rolando Rossi: Das Rettungsdienst-Lehrbuch. Berlin 2007, ISBN 978-3-540-72277-9.

Kategorien: Qualifikation im Rettungsdienst/Sanitätsdienst | Höhere Berufsbildung (Schweiz)

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