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Rentenbesteuerung


Dieser Artikel oder Abschnitt stellt vorwiegend nur die Situation in einem bestimmten Staat dar.

Die Rentenbesteuerung richtet sich nach § 22 EStG (sonstige Einkünfte). Zu den Sonstigen Einkünften gehören steuerrechtlich Privatrenten, teilweise die Versorgungssysteme der betrieblichen Altersversorgung und die gesetzlichen Renten. Privatrenten werden mit dem Ertragsanteil (bestimmter jahrgangsbezogener Prozentsatz) besteuert. Mit dem Alterseinkünftegesetz wurde die Besteuerung von Renten mit Wirkung ab 2005 geändert. Die Besteuerung der Beamtenpensionen erfolgt nach § 19 EStG.

Grund der Änderung der Rentenbesteuerung 2004/2005

Am 6. März 2002 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung gegen den Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 Abs. 1 GG verstoße und daher verfassungswidrig sei.[1] Das Gericht forderte den Gesetzgeber deshalb auf, spätestens bis zum 1. Januar 2005 die Rentenbesteuerung verfassungskonform neu zu regeln.

Die Argumentation des Bundesverfassungsgerichts lief im Wesentlichen darauf hinaus, dass die Arbeitgeberanteile zur Rentenversicherung nicht versteuert worden sind, daher enthalte die Rente einen Einkommensteil, der bis dahin nicht der Besteuerung unterlegen hat.

Die daraufhin eingerichtete Sachverständigenkommission („Rürup-Kommission“) entwickelte die Neuordnung der steuerlichen Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen. Das daraus abgeleitete Alterseinkünftegesetz trat zum 1. Januar 2005 in Kraft.

Gegenstimmen vertreten die Auffassung, es sei übersehen worden, dass die aus einer Rentenversicherung erlangte Rente das Äquivalent der geleisteten Zahlungen sei, mit Beginn der Rentenauszahlungen finde ein Äquivalententausch statt; bei der vollständigen Besteuerung handle es sich lediglich um eine verdeckte Rentenkürzung. Systemgerecht wäre gewesen, das allgemeine Rentenniveau anzuheben, um die Rentenempfänger nicht schlechter zu stellen als vor der Gesetzesänderung. Der steuerpflichtige Ertragsanteil stelle die fiktive Verzinsung während der je nach Rentenbeginn unterschiedlich langen Auszahlungsphase dar. Die während der vorangehenden Ansparphase anfallenden Zinserträge hingegen gehen unmittelbar in die Rentenhöhe ein.

Rentenbesteuerung bis 2004

Bis 2004 war nur der Ertragsanteil der Rente einkommensteuerpflichtig. Abhängig vom Alter des Bezugsberechtigten bei Rentenbeginn wurde ein Satz von etwa 27 % bis 35 % der Rentenzahlung der Einkommensteuer unterworfen.

Erwerbsunfähigkeitsrenten stellen abgekürzte Leibrenten dar. Bis einschließlich 2004 erfolgte die Besteuerung nach § 55 Abs. 2 EStDV mit dem entsprechenden Ertragsanteil. Erfolgte eine Umwandlung der Erwerbsunfähigkeitsrente in eine Altersrente, war der Ertragsanteil nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG a.F. anzusetzen.

Rentenbesteuerung ab 2005

Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Rürup-Renten

Für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aus landwirtschaftlichen Alterskassen, aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen und für Renten aufgrund einer privaten, kapitalgedeckten Leibrentenversicherung im Sinne des § 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG (Basisrente (Rürup)) wird ab 2005 schrittweise die nachgelagerte Besteuerung verwirklicht. Der Besteuerungsanteil bestimmt sich nicht mehr nach dem Lebensalter bei Renteneintritt, sondern ausschließlich nach dem Jahr des Renteneintritts. Alle Renten mit Beginn bis 2005 werden zu 50 % besteuert. Der steuerpflichtige Rentenanteil steigt in Schritten von 2 %-Punkten von 50 % im Jahre 2005 auf 80 % im Jahr 2020 und in Schritten von einem 1 %-Punkt ab dem Jahr 2021 bis 100 % im Jahre 2040 an. Der steuerpflichtige Rentenanteil beträgt somit 50 % bei Rentenbeginn im Jahr 2005, 52 % bei Rentenbeginn 2006 usw. und schließlich 100 % bei Rentenbeginn ab 2040. Korrespondierend steigt die Abzugsfähigkeit der Beiträge zur Altersvorsorge als Sonderausgabe von 60 % im Jahr 2005 jährlich um 2 % bis auf 100 % im Jahr 2025.

Rentenanpassungsbetrag

Der bei Rentenbeginn ermittelte steuerfreie Rentenanteil, wird auf Basis des zweiten Rentenjahres ermittelt. Regelmäßige Rentenerhöhungen beeinflussen den steuerfreien Teil nicht, so dass regelmäßige Rentenerhöhungen voll zu versteuern sind. Ändert sich die Rentenhöhe aufgrund besonderer Ereignisse (z. B. Nachzahlungen, Einführung der Mütterrente, Kürzung von Witwenrente wegen anderer Einkünfte) ist der steuerfreie Anteil neu zu berechnen. Der steuerfreie Anteil ändert sich im Verhältnis der geänderten Rente zu derjenigen Rente, die für die erstmalige Ermittlung des steuerfreien Anteils maßgeblich war. Die Summe der bis zur Neuberechnung erfolgten regelmäßigen Rentenerhöhungen ist der Rentenanpassungsbetrag. Dieser ist bei der Neuberechnung des steuerfreien Rentenanteils vom Betrag der geänderten Rente abzuziehen.

Andere Renten

Versorgungs- und Entschädigungsrenten, etwa Renten der Berufsgenossenschaft (Unfallrente) oder Kriegsbeschädigtenrenten, bleiben steuerfrei. Leibrenten aus privaten Rentenversicherungsverträgen, die nicht Riester- oder Basisrenten sind, sowie Direktversicherungen nach § 40 b EStG unterliegen auch weiterhin lediglich der Besteuerung mit dem Ertragsanteil. Auch Leibrenten aus Veräußerungsgeschäften werden grundsätzlich mit dem Ertragsanteil besteuert. Der Ertragsanteil ist je nach Alter bei Rentenbeginn unterschiedlich hoch und beträgt zwischen 59 % (Alter bei Rentenbeginn 1 Jahr) und 1 % (Alter bei Rentenbeginn 97 Jahre).

Werbungskosten

Wie bei anderen Einkunftsarten können auch bei Renten Werbungskosten geltend gemacht werden. Die Werbungskostenpauschale beträgt 102 Euro jährlich.

Rentenbezugsmitteilungen

Seit Oktober 2009 bekommen die Finanzämter die Daten aus 120 Millionen Rentenbezugsmitteilungen zur Überprüfung. [2] Dies legitimiert der neue § 22a EStG. Alle Rententräger (also auch Versicherungsunternehmen und Pensionskassen) müssen für jede Rente Rentenbezugsmitteilungen an das Finanzamt übermitteln.

Beispiel für Leistungen aus der GRV bzw. Rüruprente

Unterstellt wird, dass neben der Rente keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte erzielt werden und die Höhe der Rente, das steuerfreie Existenzminimum und die übrigen steuerlichen Rahmendaten (z. B. Steuersatz, Solidaritätszuschlag, etc.) über den gesamten Zeitraum des Rentenbezugs unverändert bleiben.

Eintrittsjahr steuerpflichtiger
Anteil
zu versteuern
(Berechnung s. o. - Stand: 2012)
Einkommen-
Steuer
Nettorente
pro Jahr
2005 50 %  7.792 €  0 €  14.400 € 
2006 52 %  8.103 €  0 €  14.400 € 
2007 54 %  8.415 €  0 €  14.400 € 
2008 56 %  8.727 €  0 €  14.400 € 
2009 58 %  9.038 €  17 €  14.383 € 
2010 60 %  9.350 €  65 €  14.335 € 
2015 70 %  10.908 €  334 €  14.066 € 
2020 80 %  12.467 €  647 €  13.753 € 
2025 85 %  13.246 €  819 €  13.581 € 
2030 90 %  14.025 €  1.009 €  13.391 € 
2040 100 %  15.584 €  1.461 €  12.939 € 

Weblinks

Einzelnachweise

  1. BVerfG, 2 BvL 17/99
  2. Welt Online: Steuererklärungen: Finanzämter prüfen ab Oktober auch die Rentner , 2. August 2009.
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Kategorien: Rentenversicherung | Steuerrecht (Deutschland)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rentenbesteuerung (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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