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Renaissance-Theater (Berlin)


Das Renaissance-Theater in der Knesebeckstraße 100 /Ecke Hardenbergstraße des Berliner Ortsteils Charlottenburg (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf) ist das einzige vollständig erhaltene Art-Déco-Theater Europas.[1] Es steht unter Denkmalschutz. Der Architekt war Oskar Kaufmann. Von außen fällt im Eingangsbereich der halbrunde, zweigeschossige Vorbau mit fünf schlanken, über beide Geschosse reichenden rundbogigen Fenstern auf, deren blaue Verglasung von Hella Santarossa entworfen wurde. Im Inneren beeindruckt die expressionistische Formenvielfalt sowie die von César Klein geschaffenen Intarsien, die im Balkonbereich Szenen der Commedia dell’arte (ital. für ‚Berufsschauspielkunst‘) zeigen.

Vor dem Renaissance-Theater steht der 1911 errichtete Entenbrunnen von August Gaul.

Künstlerisches Profil

Seit Mitte der 1990er Jahre widmet sich das in Berlin einmalige Spielplankonzept des Renaissance-Theaters der internationalen Gegenwartsdramatik. Die Besucher des Hauses, das J. W. Preuß – einer der profundesten Kenner der Berliner Theaterszene – die „anspruchsvollste Privatbühne Deutschlands“ nannte, erwartet ein Programm, das sich einerseits zeitkritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigt und andererseits emotional berührt und zur Auseinandersetzung auffordert.

Neben den Hauptproduktionen stehen Lesungen und Veranstaltungen wie die Literarischen Streifzüge, in denen Biografien und Neuerscheinungen vorgestellt werden und musikalisch-literarische Programme im Bruckner-Foyer auf dem Spielplan.

Die Produktionen des Renaissance-Theaters finden weit über die Grenzen Berlins starke Beachtung beim Publikum und in den Medien. Die überregionale Aufmerksamkeit verdankt das Haus auch seiner umfangreichen Gastspieltätigkeit im gesamten deutschsprachigen Raum und seinen Partnerschaften mit Privat- und Stadttheatern in Form von Koproduktionen und dem Austausch von Gastspielen.

International preisgekrönte Autoren, deren Werke von New York, London, Paris oder Amsterdam aus die Bühnen der Welt erobern, vertrauen dem Renaissance-Theater ihre Werke zur Erstaufführung in deutscher Sprache an. Hier wird ihren Stücken – gespielt von prominenten Darstellern und geführt von einer sich dem Werk verpflichtet fühlenden Regie – die Wertschätzung entgegengebracht, die sie als bedeutende Dramatiker verdienen.

Geschichte

Am 18. Oktober 1922 eröffnete Theodor Tagger das Renaissance-Theater mit Gotthold Ephraim Lessings Stück Miss Sara Sampson. Das Gebäude war 1902 von Konrad Reimer und Friedrich Körte als Korporationshaus für den 1847 gegründeten Akademischen Verein ‚Motiv‘ errichtet worden und hatte seit 1919 ein Kino beherbergt. Tagger blieb bis Juli 1926 Direktor des Theaters, dann wurde es unter Einbeziehung des Obergeschosses vom Theaterarchitekten Oskar Kaufmann umgebaut. Finanziert wurde der Umbau vom Unternehmer Jakob Michael. Die Neueröffnung fand am 8. Januar 1927 statt.

Von 1927 bis 1930 war Gustav Hartung (1887–1946) Direktor des Renaissance-Theaters. 1929 inszenierte er Ferdinand Bruckners Krankheit der Jugend, ohne zu wissen, dass sich hinter diesem Pseudonym sein Vorgänger Theodor Tagger verbarg. Das Theater wurde 1933 geschlossen, 1937 zog die Reichsschrifttumskammer in den Räumen über dem Theater ein. Am 27. Mai 1945 nahm das Renaissance-Theater trotz Kriegsschäden den Spielbetrieb wieder auf. 1946 erfolgte eine einfache Instandsetzung durch den Architekten von Lülsdorff, eine Restaurierung wurde erst 1985 von Michael Lindenmeyer vorgenommen. Dabei erfolgte auch der Einbau der blauen Verglasung von Hella Santarossa.

Im Jahr 1946 übernahm Kurt Raeck die Leitung des Renaissance-Theaters, 1979 wurde Horst Mesalla Direktor, zwei Jahre später Heribert Sasse, nachfolgend Knut Boeser, 1986 Gerhard Klingenberg. Seit der Spielzeit 1995/1996 ist Horst-H. Filohn Intendant des Theaters.

Am Renaissance-Theater spielten viele bekannte Schauspieler, beispielsweise Olga Tschechowa, Helene Weigel, Tilla Durieux, Käte Jaenicke, Curt Goetz, O. E. Hasse, Erik S. Klein, Hubert von Meyerinck, Ida Ehre und Helmut Käutner.

Nachdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits 2005 zur Erhaltung des Renaissance-Theaters beigetragen hatte, fand am 30. April 2006 eine Benefiz-Matinee zur Erhaltung des Baudenkmals Renaissance-Theater statt, bei der insbesondere auch Vicco von Bülow auftrat.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. "Die Kunst der sinnlichen Strenge" in der Zeitschrift "Monumente" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Kategorien: Theatername (Berlin) | Theatergebäude in Berlin | Bauwerk der Moderne in Berlin | Bauwerk des Art déco in Deutschland | Baudenkmal in Berlin | Erbaut in den 1900er Jahren

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Theater (Berlin) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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