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Remchingen


Dieser Artikel behandelt die Gemeinde. Zum Adelsgeschlecht siehe Remchingen (Adelsgeschlecht).
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: EnzkreisVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 160 m ü. NHN
Fläche: 24,06 km²
Einwohner: 11.673 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 485 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75196
Vorwahl: 07232
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 071
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 5
75196 Remchingen
Webpräsenz: www.remchingen.de
Bürgermeister: Luca Wilhelm Prayon
}

Remchingen ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg.

Geographie

Geographische Lage

Remchingen liegt im Pfinztal zwischen den Städten Karlsruhe und Pforzheim.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Remchingen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Nöttingen, Singen und Wilferdingen. Zur ehemaligen Gemeinde Nöttingen gehören die Dörfer Nöttingen und Darmsbach und die Häuser Dietenhäuser Mühle. Zu den ehemaligen Gemeinden Singen und Wilferdingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wilferdingen liegt die Wüstung Remchingen. Die Ortschaft wurde 1160 als Remchinga erstmals genannt. Bereits im Hochmittelalter bestanden nur noch Burg und Kirche. 1784 wurde die Kirche abgebrochen.[2]

Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden der Gemeinde Remchingen sind Pfinztal, Königsbach-Stein, Kämpfelbach, Keltern und Karlsbad.

Geschichte

Ältere Geschichte

  • 1. Jahrtausend v. Chr. Keltische Besiedlung (Grabfunde 1947 in Singen)
  • Zwischen 80 und 90 n. Chr. Römische Besiedlung (Zahlreiche Funde, u. a. zwei Leugensäulen aus Nöttingen, zwei in die Kirchen Nöttingens eingemauerte Viergöttersteine, Inschriftenplatte von der Siedlung Vicus Senotensis)
  • Nach dem fluchtartigen Abzug der Römer um das Jahr 260 n. Chr. besiedelten Alamannen das Land rechts des Rheins, wurden aber etwas über zwei Jahrhunderte später nach einer großen Schlacht im Jahre 496 von dem Stamm der Franken gezwungen, den Kraichgau aufzugeben und die Landschaft bis zur Murg zu räumen.
  • Die ersten schriftlichen Nennungen von Remchinger Ortsteilen stammen aus dem 8. Jahrhundert: Am 1. Juni 769 schenkten in „Sigincheim im Pfinzgau“ (erstmalige Erwähnung von Singen) vier Franken dem Kloster Lorsch eine Hofraite, 34 Morgen Ackerland, eine Wiese und ein Stück Wald. Der Abt dieses Klosters vertauschte nun zwischen 888 und 893 weiteren Besitz dieses Klosters in „Vulvirincha“, dem heutigen Wilferdingen, gegen die gleiche Fläche in Illingen südöstlich von Maulbronn (erstmalige Erwähnung von Wilferdingen).
  • Um 825 schenkte ein gewisser Noting, vermutlich mit den Grafen von Calw verwandt, nach einer Quelle des 16. Jahrhunderts dem Kloster Reichenau Güter in Nöttingen, Dietenhausen und Singen, die damals wie das ganze nördliche Pfinztal im Ufgau lagen.
  • 1160: Erste Nennung der Herren von Remchingen, einem Niederadelsgeschlecht. Sie erbauten vermutlich eine Wasserburg, die Burg Remchingen, aus Holz auf dem Gelände des heutigen Freibads.
  • 1278: Erste Erwähnung von Darmsbach, eine erst im Hochmittelalter entstandene Ausbausiedlung
  • kurz nach 1300: Die Herren von Remchingen verkauften ihre Wasserburg. Später erwarben sie zeitweilig wieder Anteile an der Burg zurück, verkauften diese dann aber 1568 endgültig an die Markgrafen von Baden.
  • Um 1460 wurde in Wilferdingen das Kloster Maria zur Aich erbaut, das jedoch 1568 vom Kloster Herrenalb an die Markgrafschaft Baden-Durlach ging und danach aufgegeben wurde. Von den einstigen Klosterbauten (Kirche und Wirtschaftsgebäude) zeugen heute nur noch Bodenfunde im Gewann „Kloster“.
  • 16. Jahrhundert: Nöttingen, Singen und Wilferdingen beteiligten sich am Bundschuhaufstand (1502) und am Bauernkrieg (1525)
  • 14. April 1604: Markgraf Ernst Friedrich von Baden starb bei einem calvinistischen Glaubenskriegszug gegen Pforzheim in der Burg Remchingen am Schlag
  • 1861: Nöttingen wehrte sich erfolgreich gegen den Eisenbahnanschluss, der dann über Wilferdingen erfolgte.

Gemeindereformen

Die Gemeinde Remchingen wurde am 1. Januar 1973 durch Vereinigung der beiden Gemeinden Singen und Wilferdingen gebildet. Der Name der ehemaligen Herren von "Remchingen", wird zum Ortsnamen der neuen Gemeinde gewählt.

Am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde Nöttingen nach Remchingen eingemeindet.

Es wurden keine Ortschaftsräte eingerichtet, im Gemeinderat sind die Ortsteile verschieden stark repräsentiert.

Religionen

1556 wurde die Reformation in Remchingen eingeführt. Heute existieren drei Kirchengemeinden, die zum Kirchenbezirk Pforzheim-Land der unierten Evangelischen Landeskirche in Baden gehören: Nöttingen (Martinskirche), Singen (Kreuzkirche) und Wilferdingen (Christuskirche). Darüber hinaus gibt es die lutherische Dreieinigkeitsgemeinde Sperlingshof, die dem Kirchenbezirk Süddeutschland der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche angehört.

Katholiken sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in nennenswerter Zahl nach Remchingen gekommen. Den inzwischen über 2 500 Gläubigen steht die 1957 eingeweihte Kirche St. Peter und Paul in Wilferdingen zur Verfügung. Die Gemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Kämpfelbachtal im Dekanat Pforzheim des Erzbistums Freiburg.

In Nöttingen und Singen gibt es je eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, in Singen außerdem die Christus-Gemeinde, die dem Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden angehört.

Politik

Gemeinderat

Kommunalwahl 2009[3]
Wahlbeteiligung: 54,0 % (2004: 53,3 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,5 %
28,9 %
23,1 %
6,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,8 %p
-3,3 %p
+0,6 %p
+6,5 %p
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Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung:[4]

CDU 41,5 % 10 Sitze (±0)
FWV 28,9 % 6 Sitze (–1)
SPD 23,1 % 5 Sitze (±0)
FDP 6,5 % 1 Sitz (+1)

Wappen von Remchingen

Beschreibung: In Rot zwei silberne gekreuzte Glevenstangen auf denen ein silberner Schild mit roter Rose und blauen Butzen aufliegt.

Wappen der ehemaligen Gemeinden

Partnerstadt

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Wilferdingen liegt an der Bertha Benz Memorial Route, von Mannheim über Wilferdingen (die historische Strecke verlief durch Singen) nach Pforzheim, die an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Der Ortskern von Nöttingen ist geprägt von stattlichen Fachwerkhäusern.

In Nöttingen ist der Ingenieur Johann Gottfried Tulla aufgewachsen, der durch die Begradigung des Rheins bekannt wurde.

Funde und Ausgrabungen: Nöttingen – Bedeutende Funde aus der Römerzeit wurden in und um die Nöttinger Kirche und im Ranntal gemacht, diese sind heute zum Teil in der Kirche zu sehen, zum Teil auch in einem Karlsruher Museum. Der Kirchturm der Nöttinger Kirche besteht im unteren Teil vermutlich aus den Resten eines römischen Wachturms.

Im Neubaugebiet „Niemandsberg“ am Ortsrand von Wilferdingen befindet sich die archäologische Ausgrabungsstätte eines alten römischen Gutshofes, über die 2009 eine Glasabdeckung gebaut wurde. Daraus entstand das Remchinger Römermuseum. Im Buchwald in Wilferdingen wurden Reste einer Römerstraße gefunden.

Ein Beispiel für zeitgenössische Kunst stellt der Brunnen in der Königsbacher Straße des Ortsteils Wilferdingen dar. Die Brunnenfigur, die eine Wäscherin darstellt, wurde von der international renommierten Künstlerin Helga Sauvageot aus Karlsruhe entworfen und in der ortsansässigen Gießerei Casper gegossen.

Sport

Der Fußballverein FC Nöttingen, im gleichnamigen Ortsteil beheimatet, spielte in der Saison 2004/05 in der Regionalliga Süd. Aus dieser ist der FC noch in derselben Saison abgestiegen und spielt seitdem in der Oberliga Baden-Württemberg. Der FC Alemannia Wilferdingen und der FC Germania Singen stiegen beide 2008 in die Fußball-Landesliga Mittelbaden auf.

Mit dem TV Nöttingen, dem TV Singen 1898 und dem TB Wilferdingen 1896 (TBW) gibt es in Remchingen drei weitere Breitensportvereine. Beim TBW wird Rhönradsport angeboten; einige Turner sind landesweit bekannt.

Außerdem ist im Ortsteil Singen der der Tennisclub TC Remchingen ansässig.

Ebenfalls im Ortsteil Singen ist der Kleinkaliber-Schützenverein mit etwa 100 Mitgliedern ansässig; die Luftpistolenmannschaft betätigt sich in der Kreisoberliga des SK13 des Badischen Sportschützenverbandes. Die Luftgewehrschützinnen sind bis auf Landesebene erfolgreich.

Musik

Aus Remchingen stammt die Folk-Punk-Band Across the Border. Außerdem finden sich in der Gemeinde verschiedene Musikvereine, -schulen und Gesangsvereine. Ebenso sind mehrere Posaunenchöre der verschiedenen Kirchengemeinden vertreten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Einrichtungen

Die Gemeinde Remchingen ist Mittelpunkt der Entwicklungsachse Karlsruhe-Pforzheim und im Landesentwicklungsplan zusammen mit Königsbach-Stein als Unterzentrum ausgewiesen. Durch großzügige Erschließungen von Gewerbegebieten und Wohngebieten in ruhigen Lagen, mit dem Bau von Sport- und Freizeiteinrichtungen, einem beheizten Freibad mit drei Becken und der Fertigstellung der Kulturhalle und des Altenpflegeheims in der Neuen Ortsmitte, hat sich die Gemeinde auf die ihr übertragenen Funktionen eingestellt.

Verkehr

Remchingen liegt an der Bahnstrecke Karlsruhe–Pforzheim–Mühlacker mit dem Bahnhof Wilferdingen-Singen. Neben der Stadtbahn S5 des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV), die im 30-Minuten-Takt verkehrt, halten auch zweistündlich verkehrende Regional-Express-Züge der Deutschen Bahn zwischen Karlsruhe und Stuttgart. Der ÖPNV wird durch den Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis und den KVV gewährleistet.

Über die Bundesstraße 10, die durch den Ortsteil Wilferdingen führt, ist Remchingen an das überregionale Straßennetz angebunden.

Bildung

Remchingen verfügt über eine Realschule (Carl-Dittler-Realschule) in Wilferdingen. Außerdem gibt es noch ein Gymnasium, das auf Wilferdinger Gemarkung liegt (direkt an der Grenze zu Singen), eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in Singen. In Wilferdingen und Nöttingen gibt es zudem je eine Grundschule. In Darmsbach existiert keine Bildungseinrichtung. Das Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe-Zentrum Sperlingshof liegt an der B 10 zwischen Wilferdingen und Pforzheim.

Literatur

  • Otto Bickel u. a.: Remchingen - Geschichte seiner Ortsteile und der Adelsfamilie gleichen Namens, Remchingen, 1993.
  • Günther Wieland: Vicus Senotensis. Neue Untersuchungen in der römischen Siedlung von Remchingen-Wilferdingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 32. Jg. 2003, Heft 4, S. 316–320 (PDF )

Weblinks

 Commons: Remchingen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Remchingen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 576–578
  3. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2009/GTabelle.asp?G=GE236071
  4. Vorläufiges Ergebnis der Gemeinderatswahl 2009 in Remchingen

Kategorien: Wüstung in Baden-Württemberg | Remchingen | Gemeinde in Baden-Württemberg

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