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Rektions- und Bindungstheorie


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Die Rektions- und Bindungstheorie (engl. Government and Binding Theory), oder kurz GB-Theorie, beschreibt eine Version von Noam Chomskys Syntax-Modell der generativen Grammatik. Wie alle Syntax-Modelle in der Tradition Chomskys ist die Rektions- und Bindungstheorie eine Konstituentengrammatik (= Phrasenstrukturgrammatik; im Unterschied etwa zu einer Dependenzgrammatik). Der Terminus geht auf Chomskys 1981 veröffentlichte Lectures on Government and Binding zurück. Er bezeichnet den Entwicklungsstand der Theorie in den 1980er Jahren. Der Ansatz mitsamt seinen nachfolgenden Erweiterungen wurde später auch als das Modell der „Prinzipien und Parameter“ (P&P-Theorie) bezeichnet (Chomsky & Lasnik 1993).

Zielsetzung

Das Hauptanliegen der Theorie besteht in der These, dass die Grammatik menschlicher Sprachen nicht in Form einer Liste von einzelnen Regeln für einzelne Konstruktionen organisiert ist, sondern aus einer Schar von sehr allgemeingültigen, unabhängigen Bedingungen („Modulen“) besteht, die in jedem einzelnen Satz zusammenwirken. Als grammatisch korrekte Sätze ergeben sich somit alle diejenigen Strukturen, die nicht durch irgendeine der Bedingungen als Verstoß ausgefiltert werden. Beispiele solcher Module ergeben sich insbesondere aus den namensgebenden Theoriekomponenten der Rektion (z. B. in Form des sogenannten „Kasus-Filters“) und der Bindungsprinzipien.

Aufbau

Das Grammatikmodell ist in vier Abteilungen gegliedert, die sich in drei Ebenen bei der Ableitung eines Satzes gliedern lassen:

  • die Tiefenstruktur (D-Struktur, von Deep Structure)
  • die Oberflächenstruktur (S-Struktur, von Surface Structure)
  • die phonetische Form (PF) und die logische Form (LF), die zusammen eine von der S-Struktur ausgehende Verzweigung bilden.

Die Funktion dieser Ebenenunterteilung lässt sich wie folgt umreißen:

  • Die D-Struktur ist eine direkte Projektion von Information aus dem Lexikon; beispielsweise repräsentiert sie die Zuordnung von Prädikaten und ihren Argumenten (durch Vergabe sogenannter Theta-Rollen).
  • Die S-Struktur ist eine aus der D-Struktur abgeleitete Zwischenebene, die z. B. durch Positionierungsregeln erzwungen wird, die mit dem Abgleich grammatischer Merkmale zusammenhängen, etwa bei Kasuszuweisung. Die Vergabe von Argumentrollen und die Vergabe von Kasusmerkmalen ergibt somit zwei verschiedene Module (und kann daher unabhängig voneinander erfolgen, anders als in der traditionellen Grammatik angenommen).
  • Sowohl die phonetische Form als auch die logische Form nehmen die S-Struktur als ihren Input. Die phonetische Form (PF) übersetzt diese in eine phonetische Realisierung (und wird manchmal als eine außersyntaktische Ebene angesehen). Die logische Form LF beinhaltet zusätzliche Umformungen, durch die die logische Interpretation vorbereitet wird, z. B. so dass der Skopus von Quantifikatoren eindeutig dargestellt ist.

Die drei Ebenen werden zueinander in Beziehung gesetzt und ineinander überführt durch eine Transformationsregel („move α“, also durch syntaktische Bewegung). Den Wörtern einer Sprache (im Lexikon) zugeordnete Eigenschaften können durch Transformationen allerdings nicht getilgt werden, dies garantiert das sogenannte Projektionsprinzip.

Weitere Entwicklungen

Chomsky entwickelte seine Theorie später weiter und ersetzte sie in den 1990er Jahren teilweise durch sein Minimalistisches Programm, das versucht, möglichst viele Phänomene der Syntax aus dem Zusammenwirken der Randbedingungen Interpretation und Phonetische Form zu motivieren. Die GB-Theorie ist aber insofern wichtig geblieben (vgl. Poole 2011), als sie die klassische Formulierung vieler theoretischer Probleme und empirischer Beobachtungen enthält, auch wenn spätere Syntaxtheorien teilweise einen anderen Erklärungsansatz verfolgt haben.

Literatur

  • Noam Chomsky: Lectures on Government and Binding. Mouton de Gruyter, 1981 ISBN 3-11-014131-0.
  • Noam Chomsky & Howard Lasnik: The theory of principles and parameters. In: Joachim Jacobs, Arnim von Stechow, Wolfgang Sternefeld & Theo Vennemann (eds.): Syntax: An international handbook of contemporary research, De Gruyter, Berlin 1993. (Nachdruck auch in Noam Chomsky: The Minimalist Program MIT Press, Cambridge (MA) 1995. S. 506–569).
  • P. H. Matthews: Oxford Concise Dictionary of Linguistics. Oxford University Press 1997. (englisch)
  • Geoffrey Poole: Syntactic Theory. Palgrave Macmillan, 2nd edition, 2011. ISBN 978-0230243941

Weblinks


Kategorien: Syntax | Grammatiktheorie

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rektions- und Bindungstheorie (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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