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Raum Eschweiler-Stolberg


Der Raum Eschweiler-Stolberg ist der aus den traditionsreichen Industriestädten Stolberg (Rhld.) und Eschweiler bestehende Mittelteil der Städteregion Aachen im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Köln mit jahrhundertelanger gemeinsamer Industriegeschichte. Hier leben 113.144 Einwohner auf 174,44 km² (649 Einw./km²) (Stand: Dez. 2009). Eschweiler gilt als „Wiege des rheinischen Bergbaus“, Stolberg als „Älteste Messingstadt der Welt“. Eine Fusion beider Städte wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung Anfang der 1970er Jahre angedacht, aber nicht realisiert.

Lage und Landschaft

Der Raum Eschweiler-Stolberg liegt in Nord-Süd-Richtung zwischen dem Nordkreis Aachen und dem Altkreis Monschau sowie in West-Ost-Richtung zwischen der Stadt Aachen und dem Kreis Düren. Im weiteren Sinne kann aus historischen Gründen auch der Südwesten der heutigen Gemeinde Langerwehe um die Orte Hamich, Heistern, Schönthal und Wenau hinzu gerechnet werden.

Landschaftlich liegt der Raum zwischen Hohem Venn und Jülich-Zülpicher Börde am Nordrand der Eifel. Die größten Gewässer sind der künstliche Blausteinsee, die Wehebachtalsperre, die Inde, die Vicht und der Omerbach. Über die beiden Bereiche Pumpe-Stich/Velau/Steinfurt und Werth/Hastenrath/Scherpenseel bilden die beiden Städte einen zusammenhängenden Siedlungsraum, den nur die beiden größeren Waldgebiete Eschweiler Stadtwald und Propsteier Wald trennen. Gemeinsam ist dem Raum die charakteristische Galmeiflora; siehe auch Natur in Stolberg (Rhld.).

Eine gemeinsame Geschichte haben die folgenden Gebiete:

Gemeinsame Verwaltung und Zusammenarbeit

Der Raum Eschweiler-Stolberg gehört zum Wachdienst Südkreis der Polizeiinspektion 2 in Stolberg, zum Landtagswahlkreis Aachen IV, zum Bezirk der ehemaligen Handelskammer Stolberg, zum ehemaligen Kanton Eschweiler und zur Geschäftsstelle Stolberg der IG Metall[1]. Er bildet den Bezirk des Amtsgerichts Eschweiler, den Doppelpostleitbereich 52200/52230 und den Bankplatz 393 der Deutschen Bundesbank. Ferner ist er der Kernbereich des Landschaftsplans 3 Eschweiler/Stolberg[2] der Städteregion Aachen und das Kernversorgungsgebiet der aus der Licht- und Kraftwerke Eschweiler-Stolberg GmbH hervorgegangenen EWV[3]. Jedes Jahr findet eine gemeinsame Ausbildungsbörse statt - in geraden Jahren in Eschweiler, in ungeraden Jahren in Stolberg.[4] Weitere Zusammenarbeiten sind beispielsweise das „Palliativnetzwerk Stolberg-Eschweiler“[5], eine gemeinsame Jugendnotschlafstelle vom Eschweiler Haus St. Josef und Stolberger Agnesheim, die Initiative A4[6] sowie „Camp Astrid CO2 Zero“.

Industriegeschichte

Die gemeinsame Geschichte des Raumes Eschweiler-Stolberg im Aachener Revier ist von Erz-, Steinkohle- und Braunkohleabbau sowie von Metallverarbeitungs-, Glas- und chemischer Industrie seit Jahrhunderten geprägt. Während Stolberg und Umgebung die Reidemeister und die aufgrund der Aachener Religionsunruhen seit dem 16. Jahrhundert in Stolberg ansässigen Kupfermeister prägten, so prägte Eschweiler und Umgebung der aus dem Besitz der Familie Wültgens-Englerth um Johann Peter Wültgens und Christine Englerth entstandene Eschweiler Bergwerksverein sowie der Abbau von Steinkohle im Inderevier und Braunkohle im Norden.

Überbleibsel der frühen und intensiven Industrialisierung sind zahlreiche Halden, sowohl Eschweiler Halden als auch Stolberger Halden. Das Museum Zinkhütter Hof im Stolberger Stadtteil Münsterbusch ist ein Museum für die Industriegeschichte des gemeinsamen Wirtschaftsraums.

Schon früh waren im Raum der beiden heutigen Mittelzentren die Kelten und später Römer bergbautechnisch tätig. Sie hinterließen nicht zuletzt die Legenden um die Killewittchen, die Quärrismännchen, die Zwerge von den Tatternsteinen und die versunkene Stadt Gression.[7] Eng verzahnt waren seitdem der Abbau von Steinkohle und von Zink; siehe hierzu den Gressenicher Eimer, den Schlangenberg, Galmei und Limonit. In beiden Städten gab es Zinkhütten, Kupferhöfe, Kupfermühlen und „Gruben“ genannte Bergwerke; hinzu kommen speziell in Stolberg die Reitwerke.

Die Erze schulden dem Raum die besonderen geologischen Voraussetzungen Stolbergs. Entscheidend für Stolbergs Industrialisierung war der längs durch die Stadt fließende Vichtbach, während die quer durch Eschweiler und Weisweiler verlaufende Inde Müllern und Färbern diente.

In beiden Städten tätig waren die Hoeschs mit Eberhard Hoesch und Jeremias Hoesch. Weitere bedeutende Unternehmer waren James Cockerill, Hugo Merckens, William Prym, August Thyssen, Friedrich Thyssen und Michael Wirtz sowie die Familien Neuman, Peltzer und Schleicher.

Hauptartikel: Kupfermeisterfriedhof

Zink-, Blei- und Silberhütten

Im 19. Jahrhundert war die „Eschweiler Gesellschaft“ für die drei Zinkhütten Birkengang, Steinfurt und Velau auf damaligem Eschweiler Stadtgebiet tätig, und 1935 wurde nach Stilllegung dieser Gruben und Zinkhütten das Gebiet nach Stolberg ausgemeindet. Auch die Zinkhütte Münsterbusch befand sich bis zur Eingemeindung 1935 auf dem Gebiet der damaligen Gemeinde Büsbach.
Die „Eschweiler Gesellschaft“ wurde 1926 von der „Stolberger Gesellschaft“ übernommen.

Weitere Hütten auf Büsbacher/Stolberger Gebiet waren die Bleihütte Binsfeldhammer, die Bleihütte Luzilia sowie die Blei- und Silberhütte Münsterbusch.

Braunkohle

Im Norden Eschweilers lag von 1910 bis in die 1990er Jahre der „Tagebau Zukunft“ im Rheinischen Braunkohlerevier. Von 1950 bis 1985 wurden u.a. Erberich, Langendorf, Langweiler, Laurenzberg, Lohn, Lürken, Obermerz, Pattern, Pützlohn und Velau abgebaggert. Das dortige Kraftwerk Weisweiler wird zurzeit aus dem „Tagebau Inden“ gespeist.

Glashütten

In Münsterbusch und der Velau gab es zahlreiche Glashütten, -werke und Manufakturen.[8]. 1863 kauft Saint-Gobain die Spiegelmanufaktur Stolberg und beginnt mit dem Bau eines neuen Werkes am heutigen Standort im Schnorrenfeld an der Einmündung des Vichtbachs in die Inde. Hier entsteht 1866 die erste Gussglashalle Deutschlands. Der Betrieb besteht bis heute.

Erzbergwerke auf den heutigen Stadtgebieten

Abkürzungen: Au Gold, Fe Eisenerz, FeS2 Katzengold (Pyrit), Pb Bleierz oder Weißbleierz (Cerussit), Zn Zinkerz oder Galmei (Smithsonit)

Ort Grubenname Jahr
Breinig Erzgrube Breinigerberg Fe, Pb, Zn 17. Jh. – 1883
Breinig Erzgrube Cornelia Fe 1853 – 1922; im Besitz des EBV
Breinig Grube Julius Fe
Breinig Stockumerberg
Büsbach Erzgrube Büsbacherberg-Brockenberg Fe, Pb, Zn bis 1889
Dorff Cornelia Fe, Pb, Zn
Duffenter Grube Bilstein Fe, Pb, Zn
Duffenter Grube Jeremias Fe, Pb, Zn
Eilendorf Grube Atsch im Münsterkohlberg 15. Jh. – 1870
Eschweiler Grube Glücksburg im Propsteier Wald
Gressenich Anna Fe
Gressenich Burgholz
Gressenich Erzgrube Diepenlinchen Fe, Pb, Zn 17. Jh. – 1919
Gressenich Römerfeld Fe, Pb, Zn
Gressenich Süssendell Fe
Hastenrath Grube Albert Fe, Pb, Zn 1846 – 1906
Hastenrath Burgberg Fe
Hastenrath Erzgrube Zufriedenheit 1829 – 1863
Mausbach Aline Fe
Mausbach Erfelbusch Fe
Münsterbusch Grube James im Münsterkohlberg mit der Zinkhütte St. Heinrichhütte Münsterbusch Fe, Pb, Zn 1825 – 1891
Münsterbusch Wilhelmine Fe, Pb, Zn
Nothberg Erzgrube Zur Guten Hoffnung 1880 – 1884
Stolberg Bleihütte Binsfeldhammer mit Dommelstein und Rüst Fe, Pb, Zn seit 1846
Stolberg Hammerberg Fe, Pb, Zn
Stolberg Hassenberg Fe, Pb, Zn
Stolberg Petersglück Fe, Pb, Zn
Stolberg Wolfeter Hoffnung Fe, Pb, Zn
Vicht Conrad Au
Vicht Henriette Au
Vicht Nachtigall Fe, Pb, Zn
Vicht Pfeifenberg Fe, Pb, Zn
Zweifall Altwerk Fe
Zweifall Neuwerk Fe
Zweifall Löwe Fe
Zweifall Münsterfeld Pb, FeS2, Zn
Zweifall Rochenberg Pb
  • Breinig wurde 1972 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet.
  • Büsbach mit Dorff und Münsterbusch wurden 1935 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet.
  • Duffenter kam 1935 von Eschweiler an Stolberg (Rhld.).
  • Teile Eilendorfs - im Wesentlichen die Atsch - wurden 1935 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet. Das verbliebene Eilendorf wurde 1972 in die Stadt Aachen eingemeindet.
  • Gressenich mit Mausbach und Vicht wurden 1972 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet.
  • Hastenrath war bis 1932 eigenständig. 1932 kam der Südteil des Bürgermeistereigebiets zusammen mit der bereits stillgelegten Erzgrube Zufriedenheit an Gressenich und der Nordteil zusammen mit Scherpenseel, Volkenrath, Bohl und Nothberg an Eschweiler.
  • Zweifall kam 1972 aus dem damaligen Kreis Monschau an Stolberg (Rhld.).

Steinkohlebergwerke des Indereviers auf den heutigen Stadtgebieten

Abkürzungen: A Außenwerk des Eschweiler Kohlbergs, B Binnenwerk des Eschweiler Kohlbergs, M Münsterkohlberg, W Weisweiler Kohlberg

Zum südlichen Eschweiler Stadtteil Pumpe-Stich werden auch Aue, Birkengang (seit 1935 zu Stolberg) und der Propsteier Wald gezählt.

Ort Grubenname Betrieb
Atsch Grube Atsch A 14. Jh. - 1784 und 1834 - 1870
Eschweiler Grube Ichenberg B bis 1825
Münsterbusch Grube James M 1825 - 1891
Nothberg Grube Reserve B 1833 - 1944
Pumpe-Stich Grube Aue B
Pumpe-Stich Grube Birkengang A 1581 - 1883
Pumpe-Stich Grube Christine A
Pumpe-Stich Grube Centrum B 1805 - 1891
Pumpe-Stich Grube Propstei A 17. Jh. - 1879
Weisweiler Grube Weisweiler W
Weisweiler Grube Wilhelm W 17. Jh. - 1874

Bedeutende Unternehmen

Postleitzahlen

Eine enge Verknüpfung des Raums um Stolberg und Eschweiler lässt sich sowohl an den 1961 als auch an den 1993 eingeführten Postleitzahlen erkennen.

1961 galt die Postleitzahl 518 für das damalige Stadtgebiet von Eschweiler, wobei drei Ortsteile mit Bindestrich geschrieben werden mussten: 518 Eschweiler-Hastenrath, 518 Eschweiler-Scherpenseel und 518 Eschweiler-Volkenrath. Die folgenden 15 Ortschaften außerhalb des Stadtgebiets gehörten mit dem Zusatz /über Eschweiler postalisch zum Bereich 518: 5181 Fronhoven, 5181 Hamich, 5181 Hehlrath, 5181 Heistern, 5181 Kinzweiler, 5181 Laurenzberg, 5181 Lohn, 5181 Merzbrück, 5181 Sankt Jöris, 5181 Schevenhütte, 5181 Schönthal, 5181 Wenau, 5182 Weisweiler, 5183 Dürwiß und 5184 Gressenich. Hiervon sind Hamich, Heistern, Schönthal und Wenau seit 1972 Ortsteile von Langerwehe und Schevenhütte und Gressenich seit 1972 Stadtteile von Stolberg.

Die Postleitzahl 519 galt 1961 für das damalige Stadtgebiet von Stolberg, wobei sechs Ortsteile mit Bindestrich geschrieben werden mussten: 519 Stolberg (Rheinl)-Büsbach, 519 Stolberg (Rheinl)-Buschmühle, 519 Stolberg (Rheinl)-Donnerberg, 519 Stolberg (Rheinl)-Dorff, 519 Stolberg (Rheinl)-Kohlbusch und 519 Stolberg (Rheinl)-Münsterbusch. Die folgenden 5 Ortschaften außerhalb des Stadtgebiets gehörten mit dem Zusatz /über Stolberg (Rheinl) postalisch zum Bereich 519: 5191 Werth, 5192 Mausbach, 5193 Breinig, 5194 Vicht und 5195 Zweifall. Der alte Bereich 519 ist seit 1972 vollständig Stolberger Gebiet.

Von 1972 bis 1993 galten lediglich 5180 Eschweiler (Rheinl) und 5190 Stolberg (Rheinl).

Seit 1993 gibt es den Leitbereich 52200-52224 für Stolberg (Rhld.) und den Leitbereich 52230-52249 für Eschweiler. Die Nummern 52250 bis einschließlich 52299 sind zurzeit nicht vergeben.

Sehenswürdigkeiten (Auswahl)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. IG Metall Stolberg
  2. Landschaftsplan 3 Eschweiler/Stolberg
  3. Historie der EWV
  4. Gemeinsame Ausbildungsbörse der Städte Stolberg und Eschweiler in: Pressemeldungen-nrw.de vom 5. Mai 2010
  5. Palliativnetz der Städte Stolberg und Eschweiler
  6. a4-initiative.de
  7. Galminus, der Stolberger Galmeizwerg auf stolberg.de vom 26. März 2011
  8. http://www.pressglas-korrespondenz.de/aktuelles/pdf/pk-2000-1w-garcke-stolberg-siegwart.pdf Glas aus Stolberg

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Raum Eschweiler-Stolberg (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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