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Rattlar


Rattlar
Höhe: 574 m ü. NHN
Fläche: 6,98 km²[1]
Einwohner: 289 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Eingemeindet nach: Willingen
Postleitzahl: 34508
Vorwahl: 05632

Rattlar ist ein Ortsteil der Gemeinde Willingen in hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Mit etwa 545 bis 738 m ü. NHN [3] ist es einer der höchstgelegenen Erholungsorte im Upland.

Geographische Lage

Rattlar liegt im Naturpark Diemelsee etwa 3 km nordöstlich des Willinger Kernorts und befindet sich zwischen dem Willinger Ortsteil Schwalefeld im Südwesten und dem zur Gemeinde Diemelsee gehörenden Ortsteil Ottlar im Nordosten. Umgeben ist es unter anderem von diesen Bergen: Schetenkopf (ca. 650 m ) und Hegekopf (ca. 641 m ) etwa im Norden, Dommel (738 m ) im Nordosten, Hermannsberg (705,1 m ) im Süden, Lüerberg (713 m ) im Südwesten und Höhekopf (621,7 m ) im Nordwesten. Durch das Dorf verläuft der südliche Dommelbach-Zufluss Wiedbach.

Geschichte

Überblick

Der Frankenkaiser Karl der Große unterwarf zwischen 772 und 804 die Sachsen in heftigen kämpferischen Auseinandersetzungen und setzte ihre Zwangschristianisierung durch. Der Legende nach soll der heilige Sturmius, ein Anhänger des Bonifatius, die Upländer am "Christenbörnchen", einer kleinen Quelle an der Landstraße nach Rattlar, getauft haben. Noch heute wird Taufwasser aus dieser Quelle geholt.

Seit 1230 gehörte Rattlar zur Grafschaft Waldeck. 1529 wurde die Grafschaft Waldeck und damit auch Rattlar protestantisch reformiert (heute Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck).

Ab etwa 1540 verbesserte sich die wirtschaftliche Lage des traditionell armen Uplands durch die im Upland entstehende "Eisenindustrie" etwas. Die dadurch ausgelösten Abholzung aller Wälder löste allerdings eine länger anhaltende Holzknappheit aus.

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und die im Sauerland wütenden Pestepidemien (1636–1638) trafen das Dorf und die ganze Umgebung hart. Davon erholten sich die Orte der Gegend nur langsam. Vom 17. bis in das 19. Jahrhundert waren im Upland Hungersnöte nicht ungewöhnlich und das Upland galt als Armenhaus Waldecks.

Mit Einsetzen der Industrialisierung an Rhein und Ruhr zogen viele Menschen aus der Gegend daher ins Bergische Land, um Arbeit zu finden. Die Lage der Zurückgebliebenen verbesserte sich dagegen kaum. Erst ab etwa 1870 verbesserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nachhaltig.

Historische Herrschaft und Verwaltungszuordnung

Seit 1230 gehörte Rattlar zur Grafschaft Waldeck, nach dessen Teilung dann ab 1474 zu Waldeck-Eisenberg. Seit 1712 hieß das Fürstentum dann Waldeck-Pyrmont, das in der Weimarer Republik ab 1918 einen eigenen Freistaat (Republik) bildete. 1929 kam Rattlar zum Freistaat Preußen. Am 1. April 1972 wurden Rattlar und Schwalefeld in die Gemeinde Willingen eingegliedert. Diese fusionierte am 1. Januar 1974 mit Upland zur Gemeinde Willingen (Upland) im Landkreis Waldeck-Frankenberg.[4]

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Rattlar zum Kirchspiel und zum Freigericht Usseln.

Persönlichkeiten

Rattlar war lange Jahre bevorzugter Ferienort und später Wohnort des rechtskonservativen Publizisten Wilhelm Schwaner (1863–1944). Dieser hatte sich 1910/1911 in Rattlar ein Svantehus genanntes Ferienhaus errichten lassen, das ihm in den Folgejahren während der Sommermonate regelmäßig als Rückzugsort diente (westlich von Rattlar am Hermannsberg gelegen, heute: Zum Park 5; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus lange Zeit vom Evangelischen Hilfswerk genutzt). Am 31. Mai 1914 wurde das Hermannshaus bei Rattlar, durch Spenden von Mitgliedern finanziert und bereits im Vorjahr errichtet, als Bundesheim des von Schwaner geführten Bundes deutscher Volkserzieher eingeweiht (nördlich von Rattlar, heute: In der Hege 6; nach der Auflösung des Bundes deutscher Volkserzieher im Oktober 1936 wurde das Gebäude zunächst vom „Reichsarbeitsdienst“ und von der „Hitlerjugend“ genutzt, um dann 1939 an den „Nationalsozialistischen Lehrerbund“ verpachtet zu werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in ein Freizeitheim für Schulklassen umgewandelt). Der seit Mitte der 1890er-Jahre in Berlin lebende Schwaner verließ die deutsche Reichshauptstadt nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1928 und dem Verlust des Sohnes im Jahre 1930 und siedelte endgültig ins Svantehus bei Rattlar über. Für den Volkserzieher-Verlag hatte er dort 1929 ein eigenes Verlagsgebäude errichten lassen. Schwaner starb im Alter von 81 Jahren am 13. Dezember 1944 in Rattlar und wurde am 18. Dezember auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

Auf dem Hermannsberg (705 m) bei Rattlar war Pfingsten 1912 der (bis heute an Ort und Stelle erhaltene) Hermannstein – ein großer quadratischer Feueraltar mit Sonnenrad und einem (nicht erhaltenen) hölzernen Runentor – als Feierstätte der Volkserzieher und der Germanisch-Deutschen Religions-Gemeinschaft eingeweiht worden. Bei der Einweihung waren neben Schwaner unter anderem Karl Engelhard, Ludwig Fahrenkrog, Gustav Simons, Philipp Stauff und Carl Weißleder zugegen.

Der Jurist und hessischer Landtagsabgeordnete Wilhelm Saure (1899–1951) ist in Rattlar geboren.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gemarkungsflächen im Internetauftritt der Gemeinde Willingen (Upland) , abgerufen im Februar 2016
  2. Einwohnerzahlen der Ortsteile Internetauftritt der Gemeinde Willingen (Upland) , abgerufen im Februar 2016
  3. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 409.

Weblinks


Kategorien: Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) | Willingen (Upland)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rattlar (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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