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Ratsgymnasium Osnabrück


Ratsgymnasium Osnabrück
Schulform Gymnasium
Gründung 1595
Adresse

Hans-Böckler-Str. 12, 49074 Osnabrück

Ort Osnabrück
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten
Träger Stadt Osnabrück
Schüler etwa 1400
Lehrkräfte 113
Leitung Lothar Wehleit
Website www.ratsgymnasium-osnabrueck.de

Das Ratsgymnasium Osnabrück wurde von der evangelischen Kirche als Gegengewicht zum katholischen Carolinum Osnabrück in Osnabrück (Niedersachsen) mit Förderung durch den evangelischen Fürstbischof Philipp Sigismund gegründet. Es ist mehr als 400 Jahre alt.

Geschichte

Das 1595 eingeweihte staatliche Ratsgymnasium Osnabrück ist die älteste nichtgeistliche Schule der Stadt Osnabrück. Sie wurde als Schule für Jungen gegründet, die Koedukation 1970/71 eingeführt. Die Schule zog einmal um in die Hans-Böckler-Straße und befindet sich jetzt im Stadtzentrum. Sie gehört mit etwa 1.600 Schülern und 130 Lehrern zu den größten Gymnasien Osnabrücks. Seit 1998 führt das Gymnasium die Bezeichnung Europaschule, und seit 2010 ist es eine MINT-EC-Schule.

Die Schule besteht aus vier Komplexen. Das Hauptgebäude ist das älteste Gebäude, das vor über hundert Jahren errichtet wurde. Vorher war der Standort des Gymnasiums am Theater Osnabrück. Der zweite Komplex beinhaltet die Räume für Naturwissenschaften, also Physik, Chemie und Biologie, außerdem die Kunsträume. Das Gebäude wurde komplett im Jahre 2006/07 saniert. Der dritte Komplex ist eine Notlösung für die zwei Klassenstufen nach der Reform im Jahr 2004. Der vierte und neueste Komplex wurde 2005 erbaut.

Von Juni 1976 bis Juli 2012 unterhielt das Ratsgymnasium Osnabrück 35 Jahre lang eine Außenstelle im Osnabrücker Stadtteil Eversburg.[1]

Sport

Basketball

Osnabrücker Basketballer der „ersten Stunde“

Erfolgreiche Basketballer in der Startphase des Basketballsports in Osnabrück, Mitte der neunzehnhundertfünfziger Jahre im sportlichen Umfeld der basketballbegeisterten Oberstudienräte des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, Otto Papenhausen und Werner Henke, waren die drei Ratsgymnasiasten und Basketballer des VfL Osnabrück, Werner Brandes (mit dem VfL Osnabrück 1958 Aufstieg in die Oberliga Nord, 1959 „Meister“ der Oberliga Nord), Wolf Krickau (1958 Aufstieg in die Oberliga Nord) sowie Hermann Sohl (1959 „Meister“ der Oberliga Nord).[2]

1966 Gewinner des DBB-Pokals für die landesbeste Schulmannschaft

Vom Deutschen Basketball Bund (DBB) wurde 1966 das erste Bundesturnier für landesbeste Schulmannschaften in Hagen veranstaltet. Teilnehmer waren acht Schulmannschaften, die sich für das Finalturnier des DBB, in der Ischeland-Sporthalle, qualifiziert hatten. Sieger des finalen Bundesturnieres 1966 wurde die Schulmannschaft des Osnabrücker Ratsgymnasiums. Auf dem Weg in das Finale wurden in Hagen die Spiele gegen das Leibniz-Gymnasium Essen, die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg und das Nordpfalzgymnasium aus Kirchheimbolanden von den zehn Ratsgymnasiasten gewonnen. Das Pokalfinale des Bundesturnieres für landesbeste Schulmannschaften wurde gegen die Schüler des Schalker Gymnasium Gelsenkirchen (76:50) von zehn Spielern aus dem Osnabrücker Land gewonnen. Zum Siegerteam gehörten die Schüler und späteren Absolventen Eckhard von Bock und Polach, Volkmar Gaber, Eckhard Husemann, Ernolf Knoop-Busch, Wolfgang Ostwaldt, Ulrich Renner, Manfred Richter, Christian Seyfried, Uwe Thielebein und Karl Vennegeerts. Thielebein, der auch als Schwimmsportler aktiv war, spielte damals für den MTV Osnabrück (Er nahm im Jahr 1962 als einziger jugendlicher Osnabrücker Basketballer, im Anschluss an einen von DBB-Bundestrainer Yakovos Bilek in Osnabrück durchgeführten Sichtungslehrgang, an einem weiterführenden zentralen Sichtungslehrgang für talentierte Jugendspieler des DBB in Antibes (Côte d’Azur) teil.). Knoop-Busch und Ulrich-Renner waren Jugendspieler des Osnabrücker TC (OTC). Die sieben weiteren Ratsgymnasiasten gehörten zu Jugendmannschaften oder bereits zur damals erstklassigen Oberligamannschaft des VfL Osnabrück. Eckhard von Bock und Volkmar Gaber waren Mitglieder des VfL-Teams, das 1964 in Heidelberg Vize-Meisters des Deutschen Basketball Bundes (DBB) werden konnte. Beide spielten in den Folgejahren auch in Nationalmannschaften des DBB. Im Herbst 1968 wurde von Bock vom Bundestrainerrat des DBB in den Olympiakader des DBB berufen. 1967 gelang es der Bundesligamannschaft des VfL Osnabrück erster Pokalsieger des DBB, mit Volkmar Gaber und Eckhard Husemann, sowie 1969 Deutscher Meister des DBB, mit Ulrich Renner, zu werden. Husemann und Vennegeerts waren Auswahlspieler des Niedersächsischen Basketball-Verbandes (NBV). Mit Husemann erreichte das Auswahlteam des NBV 1965 in Berlin den dritten Rang um den Jugendpokal des DBB und Vennegeerts gehörte 1966 zum NBV-Team, das den Jugendpokal des DBB in Osnabrück, im Finale gegen das Auswahlteam des Hessischen Basketballverbandes (HLB), gewinnen konnte. Die vier VfL-Erstligaspieler spielten, nach ihrem Weggang aus Osnabrück, an ihren jeweiligen Studienorten für auswärtige BBL-Clubs. Eckhard von Bock für den Hamburger Turnerbund (HTB) und Hannover 96, Volkmar Gaber für den USC Mainz und den USC Heidelberg, Eckhard Husemann für den USC Mainz sowie Ulrich Renner für den FC Bayern München.[3][4][5][6][7][8][9]

Erfolgreiche A-Nationalspieler

Zwei weitere Ratsgymnasiasten, beide beim VfL Osnabrück ausgebildete Basketballer und Erstligaspieler des VfL Osnabrück, Volker Jarré und Rolf Dieter, wurden in die A-Nationalmannschaft berufen. Jarré konnte 1964, zusammen mit Dieter, die Vize-Meisterschaft des DBB erreichen. Jarré wechselte dann 1964 zum Basketball-Bundeslisten SSV Hagen. Er war nach Ende seiner Spielerkarriere als Ligatrainer im Raum München tätig. Rolf Dieter spielte von 1965 bis 1971 in Nationalmannschaften des DBB. 1967 gewann er mit dem Team des VfL Osnabrück den DBB-Pokal. 1969 spielte der Ratsgymnasiast mit der A-Nationalmannschaft des DBB unter anderem die Qualifikation zur 16. FIBA Europameisterschaften in Saloniki/Griechenland und die 17. FIBA Europameisterschaften 1971 in Böblingen und Essen. Dieter, der im Herbst 1968 vom Bundestrainerrat in den Olympiakader des DBB berufen worden war (siehe „Kartak-Liste“), musste 1972, er war 1969 vom VfL Osnabrück zum USC München gewechselt, seine Karriere als Basketballspieler wegen einer schweren Sportverletzung beenden. Dieter ist, im Zusammenhang mit der Vorbereitung der DBB-Nationalmannschaft auf die Olympischen Sommerspiele 1972, einer von zweiundzwanzig Nationalspielern der „Zwanziger-Liste“, in der die Spieler notiert sind, die im Zeitraum Herbst 1968 bis zum olympischen Basketballturnier 1972 in München, bei FIBA-Wettbewerben eingesetzt wurden.[9][10][11]

Europaauswahlspieler als Sportlehrer am Ratsgymnasium

Der international erfolgreichste Basketballer des VfL Osnabrück, Karel Baroch, Spielertrainer des VfL Osnabrück in der Europapokalsaison 1969/70, war während seiner Zeit in Osnabrück als Sportlehrer am Ratsgymnasium tätig. Der Prager Diplom-Sportlehrer, ein vielfacher ČSSR-Nationalspieler (mehr als 160 Länderspiele), mit drei auszeichnenden Berufungen in die FIBA Europaauswahl. Er spielte vor und nach seiner Zeit in Osnabrück für den vielfachen Meister und Pokalsieger der ČSSR, Slavia Prag. Baroch gehörte unter anderem zu den Teams von Slavia Prag die in den FIBA Europapokalwettbewerben der Pokalsieger 1968 das Finale in Athen gegen AEK Athen spielten und Vize-Europapokalsieger (89:82) werden konnten. Im Folgejahr, 1969, konnte Slavia Prag in Wien das Finale in diesem FIBA-Wettbewerb, den FIBA Cup Winner’s Cup, gegen BK Dinamo Tiflis (UDSSR) gewinnen (80:74). Mit der Nationalmannschaft nahm Baroch an vier FIBA Europameisterschaften (1965, 1967, 1969 und 1971) teil. Bei den FIBA Europameisterschaften 1967 spielte die Basketball-Nationalmannschaft der ČSSR mit Spielmacher Baroch das Finale in Helsinki und konnte gegen die UdSSR, FIBA Europameister 1967, die Vize-Europameisterschaft (89:77) erreichen. Das Athener Finalspiel um den „FIBA Cup Winner’s Cup 1968“ gehört zu den Klassikern des europäischen Basketballsports. Das Endspiel fand am 4. April 1968 im Panathinaiko Stadion „Kallimarmaro“ vor einer Rekordkulisse von etwa 80.000 Zuschauern statt (Der spätere Sportlehrer von Schülern des Osnabrücker Ratsgymnasiums erzielte in diesem Spiel zwölf Punkte.).[12][13]

Rudern

Besonders erfolgreich ist die Ruderriege des Rats. Sie erreicht regelmäßig bei Jugend trainiert für Olympia gute Platzierungen und bringt Nationalruderer hervor.

Ein besonderer Höhepunkt ist der Ruderaustausch mit den USA. Alle zwei Jahre fahren Ruderer nach San Francisco und San Diego, wo sie in Gastfamilien leben. Anschließend geht es auf einer Rundtour an Grand Canyon, Bryce Canyon und Las Vegas vorbei. Neben dem Rudern existieren weitere Austauschprogramme mit High Wycombe in England und Angers in Frankreich sowie mit Polen und Evansville in den USA.

Der Ruderclub Ratsgymnasium e. V. Osnabrück (RCR) ist ein Ruderclub, der aus ehemaligen Ratsruderern entstanden ist. Wanderfahrten und Touren nach Ägypten, Simbabwe, Australien und Irland stehen auf dem Programm. Der RCR ist nicht zu verwechseln mit dem Osnabrücker-Ruder-Verein (ORV) und hat keine direkte Verbindung zur Schule.

Der Schüler-Achter des Ratsgymnasiums gewann 2014 & 2015 den Schüler-Achter-Cup des Deutschlandachters und fuhr auf Einladung der deutschen Ruderjugend und der Caspar Ludwig Opländer Stiftung zur Henley Royal Regatta in Henley on Thames.

Regelmäßige Ruderwanderfahrten führen die Schülerruderriege zu vielen verschiedenen Zielen europaweit, unter anderem die Donau, die Mosel, der Rhein oder der Main. Zudem gibt es ein jährliches Trainingslager der Leistungsruderer in Ratzeburg.

Soziale Schule

Besonders bekannt ist die seit Januar 2010 am Ratsgymnasium bestehende Arbeitsgemeinschaft „Soziales Lernen“. Die Arbeitsgemeinschaft ist aus einer Spendenaktion für die Erdbebenopfer Haitis im Januar 2010 entstanden, bei welcher von der gesamten Schulgemeinschaft eine Summe von 16.161,61 Euro gesammelt worden ist. Die Ratsgymnasiasten verfolgten das Ziel, sich langfristig für dieses Land zu engagieren, und gründeten gemeinsam mit drei Lehrkräften die AG „Soziales Lernen“. Nach einiger Zeit wandelte sich die Arbeitsgemeinschaft in eine Schüler-AG um, als drei Schüler/-innen sich bereit erklärten, die Verantwortung für die AG zu übernehmen. Die AG „Soziales Lernen“ führt heute diverse Projekte durch, u.a. setzt sie sich dafür ein, dass das Ratsgymnasium im Jahr 2014 die Zertifizierung „Humanitäre Schule“ des Deutschen Roten Kreuzes LV Niedersachsen erhält. Am 9. Januar 2014 konnte die von Schülern getragene Arbeitsgemeinschaft eine Spendensumme von 1.050 Euro an die „Don Bosco Mission“ in Bonn überreichen und somit den Wiederaufbau des Dorfes Candahug nach dem Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen unterstützen.

Schulleiter und Lehrer

Zu den Leitern des Ratsgymnasiums gehörte der Altphilologe Friedrich Knoke (1844–1928), der 1892 Direktor wurde und die Schule bis 1920 leitete. Über Osnabrück hinaus wurde Knoke bekannt als Erforscher des Orts der Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr. Schüler des Ratsgymnasiums, die ihn bei Ausgrabungen in Bad Iburg unterstützten, trieben dabei Schabernack mit ihm und schoben ihm eine Tonscherbe mit einer Inschrift unter, die eine lateinische vorgebliche Widmung Varus’ an seinen lieben Knoke enthielt.

Schüler

Quellen und Literatur

  • Ratsgymnasium zu Osnabrück (Hrsg.): Einladung zu der öffentlichen Prüfung der Schüler des Rathsgymnasiums. Osnabrück 1858–1879 (Digitalisat )
  • Ratsgymnasium zu Osnabrück (Hrsg.): Programm des Rathsgymnasiums zu Osnabrück. Osnabrück 1880–1915 (Digitalisat )
  • Friedrich Runge: Katalog der Schüler-Bibliothek des Ratsgymnasiums. Kisling, Osnabrück 1900, 76 S. (Digitalisat )

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/411482/nach-35-jahren-schliesst-das-osnabrucker-ratsgymnasium-seine-aussenstelle-in-eversburg
  2. „Das Basketballspiel in Osnabrück. Darstellung der Entwicklung eines Sportspiels in einer Großstadt. Bodo Bernhardt, Semesterarbeit Sport. Sommersemester 1968, bei Hermann Westerhaus“.
  3. „Deutscher Meister!“ Bericht von Manfred Richter, in der Schulzeitung des Osnabrücker Ratsgymnasiums, 1966.
  4. Deutscher Basketball Bund: Geschichte und Statistik (Memento vom 12. November 2011 im Internet Archive) Erstes Bundesturnier für landesbeste Schulmannschaften. Website DBB. Abgerufen 30. Dezember 2010. (Website derzeit nicht verfügbar.)
  5. Niedersachsen gewann Basketball-Jugendländerpokal gegen Hessen 68:61 – Viertägiges Turnier in Osnabrück. In „NT“ – Neue Tagespost, 23. Mai 1966.
  6. Klaus Manthey: VfL-Basketballer erster DBB-Pokalsieger – 86:74 gegen ATV Düsseldorf krönt die erste Bundesligasaison. Im „OT“ – Osnabrücker Tageblatt, 12. Juni 1967.
  7. Die VfL-Basketballer sind Deutsche Meister. In „NOZ“ – Neue Osnabrücker Zeitung, 3. Jahrgang, Nr. 42, 21. April 1969, Seite 1.
  8. Schreiben von Anton Kartak, Vizepräsident des Deutschen Basketball Bundes und Vorsitzender des Bundestrainerates, am 10. Oktober 1968, an die fünfzig nominierten Basketballspieler des Olympiakaders 1972.
  9. 9,0 9,1 Deutsche Basketballnationalmannschaft 1968 bis 1972 – Vorbereitung Olympische Sommerspiele 1972 Eckhard von Bock und Polach sowie Rolf Dieter. Website wikia. Abgerufen 17. Dezember 2012.
  10. Men Basketball European Championship Qualification 1969 Thessaloniki (GRE). Website Todor66 by Todor Krastev. Sports Statistics, International Competitions Archive. Deutsche Nationalmannschaft (DBB) mit Rolf Dieter. Abgerufen 6. Mai 2012.
  11. Spieler-Statistik Rolf Dieter FIBA European Championship for Men – Final Round 1971 Website FIBA Europe. Abgerufen 16. Dezember 2012.
  12. Spieler-Statistik Karel Baroch FIBA European Championship for Men – Final Round 1965/67/69/71 Website FIBA Europe. Abgerufen 16. Dezember 2012.
  13. Gastspieler – Zehn Prozent Karel Baroch am Ratsgymnasium Osnabrück. Website Spiegel Online. Artikel in 'Der Spiegel', 44/1969. Abgerufen 31. Oktober 2011.
  14. Klaus Mlynek: ULRICH, (2) Oskar, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 366; online über Google-Bücher
  15. Vergleiche u.a.: Franz Kössler: Feise, Wilhelm Georg Ernst, in: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts, Berufsbiographien aus Schul-Jahresberichten und Schulprogrammen 1825 - 1918 mit Veröffentlichungsverzeichnissen, Band: Faber - Funge, Vorabdruck (Preprint), Stand: 18. Dezember 2007, Universitätsbibliothek Gießen, Giessener Elektronische Bibliothek, 2008; online als PDF-Dokument
  16. Ferdinand Frensdorff: Lehzen, Johann Heinrich Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 18, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 168–171.

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