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Rajon Bagrationowsk


Rajon
Bagrationowsk
Багратионовский район
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Verwaltungszentrum Bagrationowsk
(Stadt)
Fläche 1020 km²
Bevölkerung 32.352 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 32 Einwohner/km²
Stadtgemeinden 1
Landgemeinden / Dörfer 4 / 77
Oberhaupt des Rajons Oleg Iwanin
Rajon gegründet 1946
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40156
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203
OKTMO 27 603
Webseite bagrationovsk-mo.ru
Geographische Lage des Verwaltungszentrums
Koordinaten
Oblast Kaliningrad innerhalb Russlands

Der Rajon Bagrationowsk (russisch Багратио́новский райо́н) in der russischen Oblast Kaliningrad befindet sich im Südwesten der Oblast. Sein Verwaltungssitz ist die Kleinstadt Bagrationowsk (Preußisch Eylau).

Geographische Lage

Der Rajon Bagrationowsk befindet sich südlich der Stadt Kaliningrad direkt an der Grenze zu Polen und ist sehr dünn besiedelt.

Durch den Rajon verlaufen zwei Straßen zwischen der russischen Exklave und Polen, nämlich die beiden Regionalstraßen 27A-003 (ex R 516) und 27A-018 (ex A 195), sowie die beiden Eisenbahnstrecken Kaliningrad–Mamonowo und Kaliningrad–Bagrationowsk.

Wichtigstes Gewässer ist der Fluss Prochladnaja (Frisching), der allerdings im Rajon Gurjewsk bei Uschakowo (Brandenburg) ins Frische Haff mündet.

Kommunale Selbstverwaltung

Auf dem Territorium des Rajons Bagrationowsk besteht die kommunale Selbstverwaltungseinheit Munizipaler Rajon Bagrationowsk (ru. Багратионовский муниципальный район, Bagrationowski munizipalny rajon) mit der städtischen Gemeinde Bagrationowskoje und vier Landgemeinden mit insgesamt 87 Siedlungen:

Name Verwaltungssitz deutscher
Name
Anzahl der
Orte
Städtische Gemeinde:
Bagrationowskoje Bagrationowsk Preußisch Eylau 1
Landgemeinden:
Dolgorukowskoje Dolgorukowo Domtau 18
Gwardeiskoje Gwardeiskoje Mühlhausen 31
Niwenskoje Niwenskoje Wittenberg 13
Pogranitschnoje Sowchosnoje Rippen 25

Partnerschaft

Der Rajon unterhält eine Partnerschaft mit dem Landkreis Verden in Niedersachsen.[2]

Geschichte

Der Rajon wurde am 7. April 1946 als Kroizburgski rajon in der Nachfolge des infolge des Zweiten Weltkriegs sich in der Sowjetunion befindlichen Nordteils des bis 1945 bestehenden Kreises Preußisch Eylau gegründet.[3] Dieser hatte in den Jahren 1818/19 kurzzeitig Kreis Kreuzburg geheißen. Die ehemalige Stadt Kreuzburg, ab 1947 russisch Slawskoje, war in den Endkämpfen des Zweiten Weltkriegs allerdings fast völlig zerstört worden. Zuständig für den Rajon war zunächst die Verwaltung für zivile Angelegenheiten des Rajons Kreuzburg in Preußisch Eylau[4] (ru. Управление по гражданским делам Кройцбургского района, Uprawlenie po graschdanski delam Kroizburgskowo rajona).

Am 7. September 1946 wurde die Stadt Preußisch Eylau in Bagrationowsk umbenannt und der Rajon in Bagrationowski rajon.[5] Im Sommer 1947 wurde zur Verwaltung des Rajons das Exekutivkomitee des Bagrationowsker Rajonsowjets der Abgeordneten der Werktätigen ernannt (ru. Исполнительный комитет Багратионовского районного Совета депутатов трудящихся, Ispolnitelny komitet Bagrationowskowo rajonowo Soweta deputatow trudjaschtschichsja; kurz: Багратионовский Райисполком, Bagrationowski Rajispolkom). Im Jahr 1977 wurde der Begriff „der Abgeordneten der Werktätigen“ durch „der Volksabgeordneten“ ersetzt (ru. нарoдных депутатов, narodnych deputatow).

Am 25. Juli 1947 wurde der nördliche Teil des Rajons dem neu gegründeten Rajon Kaliningrad angegliedert.[6] Am 27. April 1959 kamen Teile des wieder aufgelösten Rajon Kaliningrad in erweiterter Form an den Rajon Bagrationowsk zurück und am 12. Dezember 1962 wurde der Rajon Laduschkin angeschlossen. Dadurch kamen auch die beiden weiteren Städte Laduschkin (Ludwigsort) und Mamonowo (Heiligenbeil) zum Rajon. Zu diesem Zeitpunkt reichte der Rajon im Norden bis zur Stadt Kaliningrad und bis zum Fluss Pregel. Am 12. Januar 1965 wurde der nördlichste Teil des Rajons dem Rajon Gurjewsk angegliedert.[7]

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde im Jahr 1992 das Verwaltungsorgan in Administration des Rajons Bagrationowsk umbenannt (ru. Администрация Багратионовского района, Administrazija Bagrationowskowo rajona). In den Jahren 1997 und 1999 wurden auf dem Territorium des Rajons Bagrationowsk die drei kommunalen Selbstverwaltungseinheiten Stadt Laduschkin, Stadt Mamonowo und Rajon Bagrationowsk eingerichtet.[8] Im Jahr 2004 bekamen diese Verwaltungseinheiten jeweils den Status eines Stadtkreises (ru. Городской округ, Gorodskoi okrug).[9] Der Stadtkreis Bagrationowsk wurde von der Gerichtsbarkeit jedoch verworfen. Daraufhin bekam diese Verwaltungseinheit im Jahr 2008 den Status eines „munizipalen“ Rajons und wurde mit Munizipaler Rajon Bagrationowsk bezeichnet; darin wurde die kommunale Selbstverwaltung auf die lokale Ebene ausgeweitet und die bestehenden elf Dorfbezirke in vier Landgemeinden umgewandelt.[10] Im Jahr 2010 wurden der Stadtkreis Laduschkin und der Stadtkreis Mamonowo auch administrativ-territorial aus dem Rajon Bagrationowsk ausgegliedert.[11]

Dorfsowjets/Dorfbezirke 1947–2008

Name Verwaltungssitz deutscher Name Bemerkungen
Gwardeiski Gwardeiskoje Mühlhausen
Kornewski Kornewo Zinten seit 1963, vorher im Rajon Laduschkin
Lugowskoi[12] Lugowoje Gutenfeld seit 1959, vorher als Tschechowski im Rajon Kaliningrad, ab 1965 im Rajon Gurjewsk, teilweise weiter als Tschechowski
Nadeschdinski Nadeschdino Lampasch
Niwenski Niwenskoje Wittenberg seit 1959, vorher im Rajon Kaliningrad
Oktjabrski Oktjabrskoje Moritten bis 1954, dann zu Puschkinski; der Ort Oktjabrskoje existiert nicht mehr
Orechowski Orechowo
seit etwa 1980: Rjabinowka
Althof
Schmoditten
Perwomaiski Perwomaiskoje Kavern bis Anfang der 1950er Jahre, dann vermutlich zu Puschkinski; der Ort Perwomaiskoje existiert nicht mehr
Pjatidoroschny Pjatidoroschnoje Bladiau seit 1963, vorher im Rajon Laduschkin
Pogranitschny Sowchosnoje Rippen seit 1963, vorher im Rajon Laduschkin
Puschkinski Puschkino
seit etwa 1970: Slawskoje
Posmahlen
Kreuzburg
Tischinski Tischino Abschwangen bis 1954, dann zu Gwardeiski
Tschapajewski Tschapajewo
seit vor 1967: Dolgorukowo
Schlauthienen
Domtau
Tschechowski Tschechowo Uderwangen seit 1966 (?), vorher Teil von Lugowskoi
Uschakowski Uschakowo Brandenburg seit 1963, vorher im Rajon Laduschkin, ab 1965 zusammen mit Zwetkowski als Nowomoskowski im Rajon Gurjewsk
Wladimirowski Wladimirowo Tharau seit 1959, vorher im Rajon Kaliningrad, von 1962 bis etwa 1966 offenbar Pobedinski und von etwa 1966 bis 1969 vermutlich an Niwenski angeschlossen
Zwetkowski Zwetkowo Bergau seit 1963, vorher im Rajon Laduschkin, ab 1965 zusammen mit Uschakowski als Nowomoskowski im Rajon Gurjewsk

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner[13] Bemerkungen
1946 06.816[14] Am 1. Mai registrierte Bewohner, ohne Militärangehörige, davon 5.704 Deutsche
1947 14.575[15] Anfang Juli, ohne Militärangehörige, davon 4.667 Deutsche
1959 19.854 Bezogen auf den Gebietsbestand von 1960. Umgerechnet auf den Gebietsbestand ab 1965: 31,3 T.[16]
1970 35.500
1979 38.044
1989 39.724
2002 45.672
2010 32.352 Einschließlich der Stadtkreise Laduschkin und Mamonowo: 44.186

Funktionsträger

Parteisekretäre der WKP(B)/KPdSU 1947–1991

  • 1947–1952: A. P. Lednew (А. П. Леднев)
  • 1952–1959: L. W. Krutikow (Л. В. Крутиков)
  • 1959–1962: P. S. Gritschukow (П. С. Гричуков)
  • 1962–1970: Alexandr Georgijewitsch Tereschtschenkow (Александр Георгиевич Терещенков)
  • 1970–1975: Anatoli Nikolajewitsch Gulewski (Анатолий Николаевич Гулевский)
  • 1975–1978: Wladislaw Kusmitsch Dwuretschenski (Владислав Кузьмич Двуреченский)
  • 1978–1984: O. W. Tichonenko (О. В. Тихоненко)
  • 1984–1989: W. P. Rjabitschka (В. П. Рябичка)
  • 1990: N. A. Woltschuga (Н. А. Волчуга)
  • 1990–1991: A. I. Starzew (А. И. Старцев)

Vorsitzende

  • 1946–1947: Sergei Pawlowitsch Strekalowski (Сергей Павлович Стрекаловский)
  • 1947–1948: Nikita Sergejewitsch Panitschew (Никита Сергеевич Паничев)
  • 1948–1951: W. F. Nikolajew (В. Ф. Николаев)
  • 1951–1954: W. D. Semjonow (В. Д. Семёнов)
  • 1954–1955: M. E. Sladkow (М. Е. Сладков)
  • 1955–1957: D. W. Ilkow (Д. В. Ильков)
  • 1957–1961: G. I. Progressow (Г. И. Прогрессов)
  • 1961–1963: Anatoli Nikolajewitsch Gulewski (Анатолий Николаевич Гулевский)
  • 1963–1965: Nikolai Sidorowitsch Kowalenko (Николай Сидорович Коваленко)
  • 1965–1970: Anatoli Nikolajewitsch Gulewski (Анатолий Николаевич Гулевский)
  • 1970–1984: Stepan Stepanowitsch Samolenkow (Степан Степанович Самоленков)
  • 1984–1990: A. I. Sabolotny (А. И. Заболотный)
  • 1990–1999: Wiktor Iwanowitsch Reuzki (Виктор Иванович Реуцкий)
  • 1999–2003: Oleg Wassiljewitsch Schlyk (Олег Васильевич Шлык)
  • 2004: Eduard Wassiljewitsch Schlyk (Эдуард Васильевич Шлык)
  • 2005–2015: Wladimir Eduardowitsch Neskoromny (Владимир Эдуардович Нескоромный)
  • seit 2015: Oleg Wladimirowitsch Iwanin (Олег Владимирович Иванин)

Verwaltungschefs

  • 2015: Alexandr Alexejewitsch Tkatschenko (Александр Алексеевич Ткаченко) (i. V.)
  • seit 2015: Dmitri Alexandrowitsch Tschemakin (Дмитрий Александрович Чемакин) (i. V.)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1 , Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. verden.de . Abgerufen am 20. Juni 2014
  3. Durch den Постановление Совета Министров СССР от 7 апреля 1946 г., № 783 «Об административном устройстве г. Кенигсберга и прилегающих к нему районов» (Beschluss des Ministerrats der UdSSR vom 7. April 1946, Nr. 783: Über den administrativen Aufbau der Stadt Königsberg und ihren umliegenden Rajons)
  4. Zum Standort vgl. Als Russe in Ostpreußen, Eckhard Matthes (Hrsg.), edition tertium, 1999, ISBN 3-930717-58-1, S.219/220
  5. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 7 сентября 1946 г. «Об административном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 7. September 1946: Über den administrativen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г., № 614/7 «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947, Nr. 614/7: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  7. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 12 января 1965 г. «Об изменениях в административно-территориальном делении Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjet der RSFSR vom 12. Januar 1965: Über Änderungen in der administrativ-territorialen Einteilung der Oblast Kaliningrad)
  8. Im Falle der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Rajon Bagrationowsk durch den Постановление Калининградской областной Думы от 26 марта 1999 г. № 6 «Об утверждении границы муниципального образования "Багратионовский район"» (Beschluss der Kaliningrader Oblastduma vom 26. März 1999, Nr.6: Über die Bestätigung der Grenze der munizipalen Bildung „Rajon Bagrationowsk“)
  9. Im Falle der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Rajon Bagrationowsk durch das Закон Калининградской области от 5 ноября 2004 г. № 438 «О наделении муниципального образования „Багратионовский район“ статусом городского округа» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 5. November 2004, Nr. 438: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung „Rajon Bagrationowsk“ mit dem Status eines Stadtkreises)
  10. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 253 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Багратионовский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 253: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Bagrationowsk“)
  11. Durch das Закон Калининградской области от 10 июня 2010 r. № 463 «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 10. Juni 2010, Nr.463: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  12. Ursprünglich war der Name Lugowskoi schon 1947 für den dann Zwetkowski genannten Dorfsowjet vorgesehen gewesen. Vermutlich zur Unterscheidung zum Dorfsowjet Lugowski im Rajon Nesterow wurde dieser Dorfsowjet-Name, als einziger in der Oblast Kaliningrad, auf der Endsilbe betont.
  13. seit 1959 Volkszählungsdaten
  14. Volker Frobarth, Das Königsberger Gebiet in der Politik der Sowjetunion 1945–1990, 2001, ISBN 3-8305-0226-5, S.150
  15. Information auf http://www.gako2006.narod.ru
  16. Volker Frobarth, Das Königsberger Gebiet in der Politik der Sowjetunion 1945–1990, 2001, ISBN 3-8305-0226-5, S.173/174

Kategorien: Rajon in der Oblast Kaliningrad

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