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Raaberbahn


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für andere Bedeutungen siehe Raaber Bahn
Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG
Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút
GySEV..svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1872
Sitz Sopron, Ungarn
Leitung Ilona Dávid (Generaldirektorin)
Branche Eisenbahnunternehmen
Website www.gysev.hu

Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG (ROeEE), kurz: Raaberbahn AG bzw. ungarisch Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút (GySEV), ist ein österreichisch-ungarisches Eisenbahnunternehmen.[1]

Streckennetz

Das Unternehmen betreibt die Eisenbahnstrecken

sowie die sogenannte Széchenyi-Museumsbahn bei Nagycenk (Groß-Zinkendorf).

Unternehmen

Die Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Sopron (Ödenburg) hat im Juli 2010 folgende Eigentümerstruktur:[2]

Bis 2009 war nicht nur der österreichische Anteil größer, sondern – anstelle von Strabag – die Speditions Holding, Tochter der Rail Cargo Austria (Teil des ÖBB-Konzerns) Teilhaber der Raaberbahn.[4]

Generaldirektor der Raaberbahn war von 2007 bis 2010 der Österreicher Csaba Székely. Am 23. Juli 2010 wurde Ilona Dávid von der ungarischen Regierung (Kabinett Orbán II) als neue Generaldirektorin ernannt, welche bislang Leiterin des Rechnungswesens bei der staatlichen ungarischen Eisenbahngesellschaft MÁV war.

Die Zweigniederlassung Österreich ist im Firmenbuch beim Handelsgericht Wien unter der Nummer 114215p mit dem Firmenwortlaut „Györ-Sopron-Ebenfurti Vasut Reszvenytarsasag Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn Aktiengesellschaft“ seit 14. März 1924 registriert. Die österreichische Betriebsführung befindet sich im Bahnhof Wulkaprodersdorf.

Die Raaberbahn ist zur internationalen Kooperation und Lobbyarbeit im Bahnsektor Mitglied in:

  • OSShD – Beobachter der OSShD mit Sitz in Warschau
  • UIC – Internationaler Eisenbahnverband mit Sitz in Paris
  • CER – Gemeinschaft der Europäischen Bahnen und Infrastrukturgesellschaften mit Sitz in Brüssel
  • UITP
  • RailNetEurope

Geschichte

Bereits 1872 wurde eine Konzession an Baron Viktor Erlanger für eine Bahnstrecke von Raab (Győr) über Ödenburg (Sopron) nach Neufeld an der Leitha (Lajtaújfalu), der damaligen Landesgrenze, vergeben. Doch durch Verzögerungen wegen der Finanzkrise 1873 konnte das erste Teilstück von Győr nach Sopron erst am 2. Jänner 1876 eröffnet werden. Durch die Übernahme von Industriebahnen konnte kurz darauf nach Ebenfurth gefahren werden. Durch die notwendige Lizenz erwarb man das Recht, auf dem damals sehr kurzen Stück in (Nieder-)Österreich Personenverkehr öffentlich anzubieten. Das restliche Stück lag komplett in Ungarn.

Am 19. Dezember 1897 fand die Eröffnung der Neusiedler Seebahn zwischen Parndorf (Pándorfalu) und Celldömölk statt. Obwohl diese zwar eine eigene Aktiengesellschaft war, übernahm die ROeEE die Prioritätsaktien und wurde auch Bauherr und Betreiber dieser Linie. Nach Auflösung der Monarchie blieb die Gesellschaft weiterhin selbständig. Das änderte sich auch nicht während bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz des “Kalten Krieges” wurde weiterhin grenzüberschreitend zwischen Österreich und Ungarn gefahren.

1972 wurde auf einer aufgelassenen Anschlussbahn die schmalspurige Széchenyi-Museumsbahn errichtet, die bis heute als Museumsbahn betrieben wird. 1979 wurde die Linie zwischen Celldömölk und Fertőszentmiklós eingestellt. Ab den 1980er Jahren erfuhr die ROeEE einen starken Aufschwung. Insbesondere der Güterverkehr nahm stark zu, wozu nicht zuletzt der mit österreichischer Unterstützung errichtete Güterterminal in Sopron wesentlich beitrug. Am 31. Mai 1987 wurde der elektrische Betrieb zwischen Győr und Sopron aufgenommen. Am 28. Oktober 1987 erfolgte die Aufnahme des elektrischen Betriebes zwischen Sopron und Ebenfurth. Zu diesem Zweck musste die Fahrleitungsanlage in Ebenfurth völlig umgebaut werden, da die ÖBB und die ROeEE unterschiedliche Bahnstromsysteme anwenden. Während die ÖBB als Stromsystem 15 kV mit 16 2/3 Hz Wechselstrom verwenden, betreibt die ROeEE ihre Fahrleitungsanlagen mit 25 kV und 50 Hz Wechselstrom.

Am 1. Jänner 2002 übergab die MÁV aufgrund staatlicher Anordnung die Strecken Sopron–Szombathely und Sopron–Staatsgrenze nahe Loipersbach-Schattendorf an die ROeEE. In diesem Jahr änderte sich auch die Besitzstruktur der Neusiedler Seebahn (49 % Republik Österreich, 25 % Land Burgenland). Der elektrische Betrieb auf dieser Linie wurde am 24. April 2002 aufgenommen. Im Jahre 2006 übernahm die ROeEE den Streckenabschnitt SzombathelySzentgotthárd–Staatsgrenze nach Mogersdorf der ehemaligen Ungarischen Westbahn von der MÁV. Mit einem Investitionsaufwand von 72 Millionen Euro soll der 53,3 km lange Streckenabschnitt für Geschwindigkeiten bis 120 km/h und für eine Achslast von 22,5 Tonnen ausgebaut werden. Im September 2009 wurde von der ROeEE mit den Bauarbeiten begonnen und diese bis Dezember 2010 fertiggestellt. Die ROeEE sieht diesen Ausbau nicht als Alternative zum Semmering-Basistunnel, sondern als Ergänzung. Die ROeEE erhofft sich dadurch, die Tonnagen von 800.000 Tonnen auf 2,5 Millionen mehr als verdreifachen zu können.

2008 wurde der österreichische Firmenname auf Raaberbahn AG geändert; der ungarische blieb unverändert. 2009 erhöhte der ungarische Staat im Rahmen einer Kapitalerhöhung der AG, an der die bis dahin mit 33,3 % beteiligte Republik Österreich (noch) nicht teilnahm, seinen Anteil von 61 auf nunmehr 65,6 %. Das ungarische Ministerium für nationale Entwicklung beschloss am 18. Juni 2011, die Betriebsführung mehrerer MÁV-Strecken (siehe nachfolgende Zusammenstellung) ab Dezember 2011 auf die Raaberbahn zu übertragen.

Strecken

Im Eigentum der GySEV

Strecke von – bis Länge (km) elektri-
fiziert
zwei-
gleisig
eröffnet
GyőrSopron gesamte Strecke 85 ja nein 1876
SopronEbenfurth Sopron–Neufeld an der LeithaLeithabrücke 33 ja nein 1879

Im Betrieb der GySEV

Strecke von – bis Länge (km) elektri-
fiziert
zwei-
gleisig
Übernahme
Budapest Südbahnhof–HegyeshalomRajka RajkaHegyeshalom 13,0 ja nein 2011
Széchenyi Museumsbahn
FertőbozSchloss Széchenyi (Nagycenk)
gesamte Strecke 03,6 nein nein 1970 Fertőboz–Barátság
1972 Barátság–Kastély
FertőszentmiklósPamhagen gesamte Strecke 13,0 ja nein 1897
PamhagenNeusiedl am See gesamte Strecke 37,0 ja nein 1897
SopronSzombathely gesamte Strecke 62,0 ja nein 2001
HegyeshalomSzombathely gesamte Strecke 111,00 ja nein 2011
SzombathelyNagykanizsa SzombathelyZalaszentiván 49,0 nein nein 2011
SzombathelyKőszeg gesamte Strecke 17,3 nein nein 2011
SzékesfehérvárSzombathely PorpácSzombathely 17,0 ja ja 2011
SzombathelySzentgotthárd gesamte Strecke 54,0 ja nein 2006
KörmendZalalövő gesamte Strecke 22,8 nein nein 2011 (Betrieb eingestellt)

Fuhrpark

Auf den Linien verkehrten früher vornehmlich von der ungarischen Staatsbahn MÁV übernommene Fahrzeuge, wie zum Beispiel die Dampflokreihe 424 oder Dieselloks wie die Baureihe M62.9. Derzeit bedienen vor allem Neubauloks der Reihe 470 (entsprechend ÖBB 1116) die Hauptstrecke. Dazu einige von der MÁV übernommene E-Loks der Reihe V43, Dieselloks der Reihen M40, M42 und M44 und Triebwagen der Baureihen 5047.5 und 5147.5 (weitgehend identisch mit ihren ÖBB-Namensvettern). Auch übernahm die Bahn einige ehemalige Schlierenwagen der ÖBB.

Bei Stadler Rail wurden 2012 zunächst vier Flirt-Triebzüge bestellt für den Regionalverkehr auf der Linie Sopron–Szombathely–Szentgotthárd.[5] Weitere sechs Züge dieses Typs wurden im Februar 2013 geordert für den Regionalverkehr auf der Linie Sopron–Győr und Csorna-Szombathely.

Lokomotiven

Dieser Artikel oder Abschnitt erhält veraltete Informationen.
Anzahl Baureihe Indienststellung Höchstge-
schwindigkeit
Reihennummern
05 Siemens ES64U2 / MÁV 1047 (Elektrolokomotive) 2003 230 km/h 470 501–505 (vormals : 1047.501–505.)
07 Siemens ES64U2 / ÖBB 1116 (Elektrolokomotive) vermietet ab
2002
230 km/h 1116 058–061, 1116 063–065.
14 Ganz-MÁVAG V43 (Elektrolokomotive) 1970–1981 130 km/h 430 320–321, 323–330, 332–335
(ex: V43 320–321, 323–330, 332–335)
15 Ganz-MAVAG M44 (Diesellokomotive): 14 remotorisiert, 1 Ganz Werksmotor Jendrassik 1957–1974 080 km/h 448 301–315 (ex: M44 301–314, 4044 001)
02 Ganz-MAVAG M40 (Diesellokomotive) remotorisiert 1968–1969 100 km/h M40 401–402.
01 Ganz-Hunslet M42 (Diesellokomotive) 1994 080 km/h M42 001

Triebwagen

Anzahl Baureihe Indienststellung Höchstge-
schwindigkeit
Reihennummern
09 Jenbacher 5047 / 247 (Dieseltriebwagen) 1991–1995 120 km/h 5047 501–502, 247 503–509
06 Jenbacher 5147 (Dieseltriebzug) 1996 120 km/h GySEV 5147 501−502, 247 503–509 (2011 ex ÖBB)

Bildergalerie

Literatur

  • Franz Xaver von Hlubek: Die projektirte Graz-Raaber Eisenbahn. Eigenverlag, Gratz 1869.
  • Josef Carl Hofrichter: Die Raaber-Bahn (ungarische Westbahn) im Bereiche der Steiermark. Ein Vademecum für Touristen auf derselben. Leykam, Graz 1874.
  • Friedrich Slezak: Die Raaber Bahn. In: Wiener Geschichtsblätter. Band 44.1989, ISSN 0043-5317 . Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wien 1989, S. 128–.
  • Verkehrsverbund Ost-Region (Hrsg.), Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn (Hrsg.): Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn (ROeEE) AG. (Paralleltitel:) Györ – Sopron – Ebenfurti Vasut (GySEV) R.T..
  • Gabriella Szováti: Entwicklung und Perspektiven der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn Ag (GySEV). Wirtschaftliche und organisatorische Konsequenzen der Umsetzung der EU-Richtlinien für die GySEV. Diplomarbeit. FH-StG Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Eisenstadt 1998.
  • László Jakab: Bahnverkehr nach Südosteuropa insbesondere durch die Raab-Ödenburg-Ebenfurther Eisenbahn AG und ein Vergleich der Transportzeiten mit dem Straßengüterverkehr. Diplomarbeit. Wirtschaftsuniversität Wien, Wien 2005.
  • Sándor Tóth: A Györ-Sopron-Ebenfurti Vasút Rt. létrejötte. (Paralleltitel:) Die Entstehung der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG. (Text deutsch und ungarisch). A Soproni szemle kiadványai (Übersetzung: Sopron-Revue), Band 19, ZDB-ID 270328-2 . Sopron 2010, ISBN 978-963-89133-0-2.
  • Ludwig Zwickl: GySEV – die Raaberbahn. Brücke zwischen Ost und West. Betriebsgeschichte der österreichischen Linien. Erste Auflage. www.bahnmedien.at, Wien 2011, ISBN 978-3-9502648-5-2.

Einzelnachweise

  1. Unternehmensbeschreibung auf raaberbahn.at
  2. Ungarn setzt Csaba Szekely als Chef ab . In: derstandard.at, 23. Juli 2010, abgerufen am 26. September 2012.
  3. Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit): Gesellschaften . In: bmvit.gv.at, abgerufen am 26. September 2012.
  4. Ungarn erhöht Anteile an Raaberbahn . In: volksgruppen.orf.at, 9. Juni 2009, abgerufen am 26. September 2012.
  5. GYSEV und Stadler haben einen Vertrag... Handelskammer Schweiz-Ungarn (HSU Zürich), 1. Oktober 2010, abgerufen am 6. September 2013.

Weblinks

 Commons: GySEV  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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