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Rütlirapport


Der Rütlirapport ist ein Ereignis der Schweizer Militärgeschichte, das am 25. Juli 1940 stattfand.

An diesem Tag bestellte der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee, General Henri Guisan, sämtliche höheren Offiziere (ab Stufe Major) zum Rapport auf die Rütliwiese. Er informierte sie über den Reduit-Plan, im Falle eines Angriffs der Achsenmächte die Verteidigung der Schweiz auf das Gebiet der Hochalpen mit den wichtigen Passübergängen, vor allem dem Gotthardmassiv zu konzentrieren und alle Zufahrten zu den Bergen notfalls zu zerstören. Sein Operationsbefehl Nr. 12 vom 17. Juli 1940 hatte die Verschiebung von fünf Divisionen (Div 1, 3, 8; 7 und 9 waren bereits dort) in die Voralpen und Alpen veranlasst.

Die an diesem Rapport ausgegebenen Befehle über die Verteidigung des Landes im Zweiten Weltkrieg wurden als Botschaft der Abschreckung gegenüber den Achsenmächten Deutschland und Italien formuliert und haben die politischen, wirtschaftlichen sowie diplomatischen Massnahmen der Schweizer Regierung in Bern flankiert.

„Solange in Europa Millionen von Bewaffneten stehen und solange bedeutende Kräfte jederzeit gegen uns zum Angriff schreiten können, hat die Armee auf ihrem Posten zu stehen.“

Henri Guisan: Tagesbefehl vom 25. Juli 1940[1]

Den Hintergrund bildete die Tatsache, dass die Schweiz nach dem Fall Frankreichs am 22. Juni 1940 komplett von den Achsenmächten eingeschlossen war und damals ein Angriff auf die Schweiz nicht ausgeschlossen werden konnte. Dies bewirkte in Teilen der schweizerischen Öffentlichkeit eine Panik, die auch die Regierung, den Bundesrat, ergriffen zu haben schien: Am 25. Juni hielt der Aussenminister und damalige Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz eine Radioansprache, um die Gemüter zu beruhigen. Da Pilet-Golaz jedoch von «Anpassungen an die neuen Verhältnisse»[2] sprach, konnte man daraus eine Aufforderung herauslesen, sich mit den Achsenmächten zu arrangieren.

Aufgrund dieser Konstellation erhielt der Rütlirapport im kollektiven Bewusstsein der Schweiz einen besonderen Platz als Manifestation eines unbeugsamen Unabhängigkeitswillens an einem geschichtsträchtigen Ort und in schwerer Zeit. Diese Darstellung gilt aber mittlerweile vor allem bei jüngeren Historikern als überholt. Guisan-Biograph Willi Gautschi weist etwa darauf hin, dass grosse Teile der Rede erst später so redigiert wurden, wie sie ins kollektive Gedächtnis aufgenommen wurden. Auch kleine Verzerrungen in der Erinnerung von Anwesenden wurden festgestellt, welche etwa beschreiben, dass der Akt bei sonnigem Wetter stattfand, obwohl Statistiken beweisen, dass es an jenem Tag durchzogen regnerisch war.

Im schweizerischen öffentlichen Leben wurde Pilet-Golaz, der 1944 zurücktreten musste, zum Symbol des Defätismus und General Guisan – bis in die 1960er Jahre unangefochten – zu demjenigen des Widerstands.[3]

Literatur

  • Oscar Gauye: Au Rütli, 25 juillet 1940: le discours du général Guisan. In SQ 10, 1984
  • General Henri Guisan: Die schweizerische Armeeführung im Zweiten Weltkrieg. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1989, ISBN 3-85823-233-5.
  • Georg Kreis: Mythos Rütli. Geschichte eines Erinnerungsortes. Mit zwei Beiträgen von Josef Wiget. Orell Füssli Verlag, Zürich 2004. ISBN 3280060427
  • Markus Somm: General Guisan. Widerstand nach Schweizerart. Stämpfli Verlag, Bern 2010, ISBN 978-3-7272-1346-5
  • Jean-Jacques Langendorf: General Guisan und der Rütlirapport 25. Juli 1940. Infolio Editions, Gollion 2015, ISBN 978-2-88474-363-1. Begleitbuch zur Ausstellung im Musée militaire vaudois im Château de Morges vom 8. Mai bis 29. November 2015, anlässlich des 75. Jahrestags des Rütli-Berichts.

Weblinks

 Commons: Rütlirapport  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans Rudolf Kurz: Dokumente des Aktivdienstes. Huber Verlag, Frauenfeld 1965
  2. Der Bundesrat an das Schweizervolk (PDF) Wortlaut der bundesrätlichen Erklärung in der Neuen Zürcher Zeitung vom 25. Juni 1940
  3. Christine Lustenberger: Rezension Mythos Rütli von Georg Kreis

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Rütlirapport (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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