Qawwali - LinkFang.de





Qawwali


Qawwali (gesprochen: Ka-u-ali) ist ein zum Sufismus gehörender devotionaler Gesangsstil, dessen Heimat in der ehemaligen Provinz Punjab im heutigen Pakistan und Nordindien liegt. Der Stil geht auf persische qaul-Gesänge zurück (arabisch qaul bzw. qaulu'llāh, „Wort Gottes“, die offizielle Bezeichnung des Korans), die Sufi-Prediger Ende des 10. bzw. Anfang des 11. Jahrhunderts nach Indien brachten. Muinuddin Chishti (1141–1230) aus Ajmer trug wesentlich zur Verbreitung des Qawwali bei.[1] Traditionell finden die Aufführungen an Sufi-Schreinen zu Ehren eines Heiligen statt. International wurde Nusrat Fateh Ali Khan mit seinem von westlicher Populärmusik beeinflussten Stil zum bekanntesten Qawwali-Sänger (qawwāl).

Geschichte

Der Qawwali ist tief verwurzelt im Sufismus, der islamischen Mystik, deren Zentrum die Annäherung an Gott durch verschiedene Techniken ist, unter anderem jener der Ekstase. Die ekstatische Qualität des Mediums Musik wurde bereits im 8. Jahrhundert im Irak mit dem Vortrag des Koran verknüpft, um 1300 wird der Qawwali am Hofe des nordindischen Delhi-Sultanats von Amir Khusro eingeführt, ein Ereignis, das bis heute als die „Geburt“ des Qawwali gilt.

Qawwali ist von der nordindischen klassischen Musik beeinflusst, ab den 1960er-Jahren adaptierte er zunehmend Einflüsse der Populärmusik, anfangs durch die Integration von Elementen indischer Volksmusik, später aber, mit dem Erfolg von Nusrat Fateh Ali Khan, auch aus westlichen Musikformen wie Pop, Rock und Dub. In Sufikreisen sind diese Varianten sehr umstritten; viele Sufis versagen diesen Crossovern die Anerkennung als Musik der Hingabe. Die Sabri Brothers, Vertreter einer traditionellen Linie, sagten dazu „Das ist gut. Die Menschen nehmen verschiedene Wege zum Qawwali. Aber der echte, orthodoxe Qawwali würde nicht mögen was da geschieht.“,[2] ihre Pressesprecherin erklärte „Diese poppigen Sounds bedeuten einfach, daß sich viele Sufis das nicht anhören werden.“.[2]

Aufführungspraxis

Das Instrumentarium ist seit dem 18. Jahrhundert weitgehend gleich geblieben: rhythmisches Händeklatschen, einstimmiger oder homophoner Gesang, Trommeln (Tabla und Dholak) und als melodische Ergänzung im 19. Jahrhundert das von englischen Missionaren eingeführte Harmonium. Praktiziert wird der Qawwali meist an Gedenktagen sufischer Heiliger. Die einzelnen Gesänge sind nicht streng durchkomponiert, sondern Improvisationen, dauern annähernd 30 Minuten und verwenden als Grundlage klassische Sufi-Texte, zumeist Gedichte, anhand derer sie sich in drei verschiedene Formen einteilen lassen:

Formen

Ghazal

Ghazal ist eine Liedform in Versen, deren Inhalt immer die Liebe zu Gott ist, auch wenn sie sich auf einer äußerlichen Ebene an ein menschliches Gegenüber richten.

Tarana

Tarana gehören zur nordindischen klassischen Musik. Es sind teilweise schnelle, rhythmische Gesänge, deren Text nur aus Silben besteht, vergleichbar mit dem Scatgesang im Jazz. Taranas dienen meist als Intermezzo innerhalb eines Stückes.

Hamd

Ein Konzert wird üblicherweise mit einem Hamd eröffnet, einem Lobpreis an Gott.

Na’Att

Naat ist eine Hymne an den Propheten Mohammed, vergleichbar dem hinduistischen Gegenstück Bhajan.

Künstler

Literatur

  • Rashid Ahmed Din: Shahen-Shah-E-Qawwali. Nusrat Fateh Ali Khan und die Tradition des Qawwali. In: Jean Trouillet, Werner Pieper (Hrsg.): WeltBeat. Pieper, Löhrbach 1989, ISBN 3-925817-32-8.
  • Regula Burckhardt Qureshi: Sufi Music of India and Pakistan: Sound, Context and Meaning in Qawwali. Cambridge University Press, Cambridge/New York 1987
  • Regula Burckhardt Qureshi: Exploring Time Cross-Culturally: Ideology and Performance of Time in the Sufi Qawwālī. In: The Journal of Musicology, Vol. 12, No. 4, Herbst 1994, S. 491–528
  • Hiromi Lorraine Sakata: Spiritual Music and Dance in Pakistan. In: Etnofoor, Vol. 10, No. 1/2, Muziek & Dans. 1997, S. 165–173

Weblinks

 Commons: Qawwali  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Qavvāli. In: Late Pandit Nikhil Ghosh (Hrsg.): The Oxford Encyclopaedia of the Music of India. Saṅgīt Mahābhāratī. Vol. 3 (P–Z) Oxford University Press, Neu Delhi 2011, S. 837
  2. 2,0 2,1 Karla Kelsey: Sabri Brothers to perform traditional Sufi music. In: The Daily Bruin. 5. November 1996.

Kategorien: Kultur (Pakistan) | Sufimusik | Musik (Indien) | Islam in Indien | Islam in Pakistan

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Qawwali (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.