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Qara Qoyunlu


Karakoyunlu ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für die gleichnamige türkische Stadt siehe Karakoyunlu (Türkei).

Die Qara Qoyunlu (osmanisch und persisch قراقویونلو; turkmenisch Garagoýunly - „[jene] mit schwarzen Hammeln“) waren eine turkmenische Stammesföderation in Ostanatolien, Aserbaidschan und weiten Teilen des Iraks und des Irans (ca.1380–1469). Als Hauptstadt kann Täbris angesehen werden.

Anfänge

Der Name der Stammeskonföderation leitet sich möglicherweise von dem Totemtier ab, nach anderer Meinung eher von der überwiegenden Farbe der Schafherden. Diesen Stammesstaat bildeten die Stämme Yıva, Döğer, Afşar und große Teile der anderen oghusischen Stämme. Ihr Gebiet schloss sich im Osten an das Gebiet der Aq Qoyunlu (Diyarbakır-Distrikt) an. Das Zentrum war Argis (heute Erciş in der Provinz Van) am Van-See, nördlich reichte der Einfluss bis nach Erzurum, südlich bis nach Mosul. Die herrschende Sippe waren die Baharlu (eine Bezeichnung als Barani ist nicht eindeutig geklärt) unter Bairam Hoga († 1380) und zwei Brüdern. Es ist ziemlich sicher, dass die Sippe mit der Ortschaft Bahar bei Hamadan zusammenhängt, wo vor dem Mongolensturm eine einflussreiche Turkmenenfamilie saß.

Der Aufstieg der Turkmenen im 14. Jh. hängt mit dem Verfall jeglicher staatlichen Autorität nach dem Untergang des Ilchanats zusammen.

Im Frühjahr 1366 zog der Dschalairide Uwais (reg. 1356–1374) gegen Bairam Hoga und schlug ihn bei Muş. Danach stand Bairam Hoga unter der Oberhoheit der Dschalairiden, verstand es aber bis zu seinem Tod 1380, Argis, Mosul, Singar und einige Plätze in Transkaukasien an sich zu bringen. Deswegen zog Uwais Nachfolger Husain (reg. 1374-82) 1376 wieder gegen Bairam Hoga zu Felde, der aus dem Raum Erzurum ostwärts vorrückte.

Aufstieg und Auseinandersetzung mit den Timuriden

Bairam Hogas Nachfolger wurde sein Sohn oder Neffe Qara Muhammad (reg. 1380–1389). Qara Muhammad war nach gewöhnlicher Betrachtung der Begründer der Qara Qoyunlu-Macht. Er verdrängte andere Turkmenen: den Stamm der Döğer unter Salim, die Ortoqiden in Mardin und auch die Aq Qoyunlu. Ernsthafte Gefahr nahte, als der Eroberer Timur Lenk 1386 Westiran eroberte und anschließend die Turkmenen bedrohte. Qara Muhammad besetzte Täbris und fiel im Frühjahr 1389 im Kampf mit Rivalen.

Qara Muhammads Sohn Qara Yusuf (reg. 1389–1420) floh vor Timur Lenk zu den Osmanen Bayezids I. Seine Aufnahme hat die Beziehungen zwischen Timur Lenk und den Osmanen negativ beeinflusst und war ein Vorwand der Schlacht bei Ankara (1402). Im gleichen Jahr kehrte Qara Yusuf zurück und floh anschließend nach Syrien, wo er festgesetzt und wegen seiner früheren Überfälle beinahe hingerichtet wurde. Erst mit Timurs Tod 1405 endete seine Verfolgung.

In den Folgejahren nahm sein persönlicher Anhang schnell wieder zu und so konnte er sich 1408 bei Täbris gegen die Timuridenprinzen Westirans (Miran Schah und Sohn Aba Bekr) durchsetzen. Die Beziehungen zum Dschalairiden Ahmad (reg. 1382–1410) waren zunächst friedlich, da beide Herrscher bedroht, zeitweise gemeinsam gefangengesetzt und somit gezwungen waren, ihre Interessen gegeneinander abzustecken. Demzufolge war Mesopotamien das Interessengebiet Ahmads und Aserbaidschan das von Qara Yusuf. Ahmad brach die Vereinbarung und rückte nach Täbris vor, wurde jedoch geschlagen und hingerichtet. Im Folgejahr 1411 konnte Qara Yusufs Sohn Muhammad Bagdad erobern und sich dort unter der Oberhoheit seines Vaters einrichten.

Schließlich wurde Qara Yusufs Machtzuwachs auf Kosten der Timuridenprinzen deren Oberhaupt Schah-Rukh (reg. 1407-47) zu viel; er zog gegen ihn zu Felde. Kurz vor der Auseinandersetzung starb der todkranke Qara Yusuf (1420) und seine uneinigen Nachkommen waren der timuridischen Politik nicht gewachsen. Die Timuriden griffen dreimal erfolgreich an und begünstigten die inneren Auseinandersetzungen, so dass Qara Iskander (reg. 1420–1435, † 1438) den Staat nur einigermaßen zusammenhalten konnte. Schah Rukh setzte Abu Said als Herrscher in Täbris ein, dieser wurde jedoch von Qara Iskander geschlagen (1429/31). Danach brachte Schah Rukh 1434/5 Dschahan Schah (reg. 1435–1467) an die Macht, der den Staat wieder einigen und den Besitzstand des Hauses noch einmal vermehren konnte.

Dschahan Schah

Unter Dschahan Schah erreichte das Reich seinen Höhepunkt. Mit dem Tod Schah-Rukhs 1447 konnte er die Oberhoheit der Timuriden endgültig abschütteln und um 1452 weite Teile des Iran erobern. Mit Herat fiel 1458 sogar kurzzeitig die Hauptstadt der Timuriden in Chorasan in seine Hände.

Dschahan Schah wird meistens als habgieriger Tyrann beschrieben, unzuverlässig, böse und unerbittlich. Grausamkeiten und Ausschweifungen (z.B. Opiumrausch) aller Art kommen hinzu. Vor dem Hintergrund sind auch die Auseinandersetzungen mit seinen Söhnen zu sehen, von denen Hasan Ali aus dem Gefängnis in Maku floh und einen Aufstand anzettelte, als Dschahan Schah gerade die Timuridenhauptstadt Herat erobert hatte (1458). Ein anderer Sohn, Pir Budaq rebellierte 1466 in Bagdad und wurde erst nach langer Belagerung umgebracht. Dschahan Schah unterscheidet sich allerdings von seinen Vorgängern durch kulturelle Verdienste, z.B. ist die Blaue Moschee in Täbris von ihm erhalten, ebenso eine literarische Sammlung, die auf eine gewisse Bildung schließen lässt. Auch ist fraglich, ob das negative Bild von Dschahan Schah überzeichnet ist, da ausgerechnet der Hofchronist der Timuriden dessen fürsorgliche und gerechte Regierung in Täbris lobt.

Der alternde „Sultan und Haqan“ konnte die Aq Qoyunlu Uzun Hasans nicht besiegen: seine Truppen waren in die Flucht geschlagen worden, als sie Uzun Hasans Thronbesteigung verhindern wollten. Uzun Hasan sah sich zwar wie sein Bruder vor ihm zu unterwürfigen Formulierungen an die Adresse des weitaus mächtigeren Dschahan Schah gezwungen, hatte aber letztlich mehr Erfolg: in einem plötzlichen Überfall zwang er den leichtsinnig operierenden Dschahan Schah zur Flucht, auf der dieser ermordet wurde (November 1467). Dschahan Schah hatte anscheinend gegen Uzun Hasan ziehen wollen, aber den Feldzug wegen des frühen Wintereinbruchs abgebrochen und zu sorglos den Heimweg angetreten.

Danach wurden Dschahan Schahs Söhne Hasan Ali und Abu Yusuf von den Aq Qoyunlu abgesetzt. Uzun Hasans besiegte den Timuridenherrscher Abu Said, der zu deren Gunsten heraneilte (1469). Die Schwarzen Hammel bildeten nun eine besondere Abteilung im neuen „Weiß-Hammel-Staat“.

Herrscherliste der Schwarzen Hammel

  1. Bairam Hoga (reg. ca. 1366–1380)
  2. Qara Muhammad (reg. 1380–1389)
  3. Qara Yusuf (reg. 1389–1420)
  4. Qara Iskander (reg. 1420–1435, † 1438)
  5. Dschahan Schah (reg. 1435–1467)
  6. Hasan Ali und Abu Yusuf (reg. 1468–1469)

Literatur

  • Hans Robert Roemer: Persien auf dem Weg in die Neuzeit. Iranische Geschichte von 1350–1750. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989 (Auch als: (= Beiruter Texte und Studien. Bd. 40). Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05114-7).

Weblinks


Kategorien: Dynastie | Geschichte (Aserbaidschan) | Persien | Turksprachige Ethnie

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