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Pyromanie


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Klassifikation nach ICD-10
F63.1 Pathologische Brandstiftung (Pyromanie)
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Der Begriff Pyromanie (von altgriechisch πῦρ pyr „Feuer“ und μανία maníā „Raserei, Wut ‚Wahnsinn“) bezeichnet die pathologische Brandstiftung und wurde im frühen 19. Jahrhundert geprägt, siehe dazu auch Monomanie. Betroffene Personen verspüren den Drang, Feuer zu legen und beziehen aus der Tat Befriedigung.

Begriffserklärung

Begriffsgeschichte

Der Begriff entstammt der Monomanielehre der französischen Psychiater Jean-Étienne Esquirol und Charles Chretien Henry Marc.

Deutsche Entsprechungen des Begriffs

Der Begriff bedeutet zunächst „Monomanie der Brandstiftung“. Im deutschen Sprachraum werden u. a. folgende Entsprechungen gefunden:

  • „pathologische Brandstiftung“
  • „triebhafte Brandstiftung“
  • „süchtige Brandstiftung“
  • „zwanghafte Brandstiftung“

Nicht selten wird der Begriff auch völlig außerhalb eines psychiatrischen Kontextes gebraucht, um Personen zu charakterisieren, die gern beziehungsweise leidenschaftlich mit Feuer umgehen (Zündeln).

Ablehnung des Begriffs in der forensischen Psychiatrie

Mit der Ablehnung der Monomanielehre bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde auch der Begriff der Pyromanie von der Psychiatrie verworfen.

Klinisches Krankheitsbild

Klassifikation

Der Begriff der Pyromanie findet sich in der ICD-10 im Kapitel F63 („Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“) mit der Kategorie F63.1 „pathologische Brandstiftung [Pyromanie]“. Im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen ([DSM-IV]) ist die Pyromanie als Unterkategorie der Störung der Impulskontrolle auf Achse I zu finden.

Problematisch an der Aufnahme des Begriffs in psychiatrische Klassifikationssysteme ist, dass hiermit die Erwartung geweckt wird, Brandstiftungen mit Merkmalen der „Pyromanie“ würden als psychische Störungen von Gerichtspsychiatern und Gerichten als schuldmindernd anerkannt.

Kriterien

Im „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“, dem international gültigen Diagnosekatalog der Psychiatrie, finden sich folgende Kriterien:

  • Die bewusste und vorsätzliche Brandstiftung in mehreren Fällen
  • Große Anspannung und Erregung vor der Tat
  • Großes Interesse an Feuer und allem, was damit zu tun hat
  • Freude oder Erleichterung während der Brandstiftung
  • Die Brandstiftungen wurden nicht aus finanziellen Gründen, Rachegelüsten etc. unternommen

Epidemiologie und Verlauf

Pyromanie ist selten, aber unter Brandstiftern verbreitet. In einer großen Studie in den USA fanden sich unter 1145 erwachsenen männlichen Brandstiftern 39 % mit einer Pyromanie. Bei Frauen ist Pyromanie kaum vorhanden. Häufig sind sozial unterprivilegierte Personen betroffen. Oftmals wird fälschlicherweise angenommen, dass besonders viele Brandstifter selbst Mitglied in einer Feuerwehr sind. So haben Pyromanen aufgrund ihrer Krankheit oft eine gesteigerte Motivation, in eine Feuerwehr einzutreten, jedoch wird versucht, dies durch eine geeignete soziale und strafrechtliche (Führungszeugnis) Mitgliederauswahl zu verhindern. Auch eine Kontrolle innerhalb der sozialen Gruppen der Feuerwehr verhindert solche Tendenzen. Jedoch ist dieses Problem keine Besonderheit der Feuerwehr – auch andere Gruppen könnten ähnliche Anziehungspunkte für nicht geeignete Mitglieder darstellen (vergleiche Vorurteile: Schützenverein, Bundeswehr). Deshalb ist ein professioneller und differenzierter Umgang mit dem Thema notwendig. Es ist anzunehmen, dass der Verlauf episodisch ist. Es treten symptomfreie Intervalle neben Intervallen, in denen die Symptome vorherrschend sind, auf.

Komorbidität

Die Pyromanie geht häufig mit anderen Störungen einher:

  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Lernschwierigkeiten
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung
  • Impulskontrollstörungen
  • Intelligenzminderung
  • körperliche Defizite

Folgen und Komplikationen

Pyromanie kann zu Brandstiftung und zur damit verbundenen Sachbeschädigung führen; auch Menschen können dadurch gefährdet werden. Der Pyromane macht sich in solchen Fällen strafbar.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt psychotherapeutisch.

Literatur

  • Karl Birnbaum: Die psychopathischen Verbrecher. Thieme, Leipzig 1926.
  • Horst Dilling u. a. (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10, Kapitel V (F); klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2006, ISBN 3-456-84286-4.
  • Jean Etienne Dominique Esquirol: Allgemeine und specielle Pathologie und Therapie der Seelenstörungen. Hartmann, Leipzig 1827.
  • Jean Etienne Dominique Esquirol: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Medizin und Staatsarzneikunde. Voß, Berlin 1838 (2 Bde.)
  • Werner Janzarik: Themen und Tendenzen in der deutschsprachigen Psychiatrie. Springer, Berlin 1974.
  • Charles Chretien Henry Marc: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Rechtspflege Voß, Berlin 1843/1844 (2 Bde.)
  • André Matthey: Nouvelles recherches sur les maladies de l’esprit précédées considérations sur les difficulté de l’art de guérir. Paschoud, Paris 1816.
  • Tobias Müller: Störungen der Impulskontrolle – Alter Wein in neuen Schläuchen? In: Rolf Baer u. a. (Hrsg.): Wege psychiatrischer Forschung. Perimed, Erlangen 1991, ISBN 3-88429-390-7.
  • Henning Saß u. a.: Diagnostische Kriterien des diagnostischen und statistischen Manuals psychischer Störungen. DSM-IV-TR. Hogrefe, Göttingen 2003, ISBN 3-8017-1661-9.
  • Ulrich Venzlaff, Friedemann Pfäfflin: Persönlichkeitsstörungen und andere abnorme seelische Entwicklungen. In: Klaus Foerster (Hrsg.): Psychiatrische Begutachtung. Elsevier, München 2004, ISBN 3-437-22900-1.
  • S. Brunnhuber, S. Frauenknecht, K. Lieb: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer 2005.

Weblinks

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Kategorien: Brandlehre | Psychische Störung

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