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Purkersdorf


Dieser Artikel behandelt die Stadt im Wienerwald, zur Katastralgemeinde im Waldviertel siehe Purkersdorf (Gemeinde Albrechtsberg).
Purkersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wien-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: WU
Fläche: 30,26 km²
 :
Höhe: 248 m ü. A.
Einwohner: 9.527 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 315 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 1140, 3002, 3011, 3012
Vorwahl: 02231
Gemeindekennziffer: 3 24 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
3002 Purkersdorf
Website: www.purkersdorf.at
Politik
Bürgermeister: Karl Schlögl (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(33 Mitglieder)
23
5
3
1
1
23 
Lage der Stadt Purkersdorf im Bezirk Wien-Umgebung
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Die Stadtgemeinde Purkersdorf mit 9527 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016 ) liegt im Wienerwald, unmittelbar an der Stadtgrenze von Wien auf 248 m ü. A. .

Geographie

Nachbargemeinden

Gablitz Mauerbach
Tullnerbach, Pressbaum Wien
Wolfsgraben Laab im Walde (Bezirk Mödling)

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Seit dem 8. Jahrhundert vor Christus war der Raum Purkersdorf kontinuierlich besiedelt, von Illyrern der Hallstattzeit und danach von Kelten der Latènezeit. Auch Funde aus der Römerzeit sind vorhanden.[1]

Gegründet wurde der Ort Purkersdorf als Waldsiedlung rund um das Jahr 1000. Nachweislich erwähnt wurde der Name Purchartesdorf, als sein Besitzer Albero de Purchartesdorf im Jahr 1133 als Zeuge und Stifter in diversen Schriften des Stiftes Klosterneuburg aufscheint. Bereits in dieser Zeit dürfte auch die Burg entstanden sein. Die Babenberger erklärten den größten Teil des Wienerwaldes, mit Purkersdorf mitten darin, zum Bannwald, reserviert zur Jagd nur für Auserwählte. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts ist das Schloss (castrum Purchartsdorf), damals eine massive Wasserburg, nachweisbar. Ort und Burg wechselten mehrmals den Besitzer, bis sie von Reinprecht von Wallsee 1333 an die Habsburger verkauft wurden. Herzog Albrecht der Weise residierte 1348/49 in Purchartzdorf, weil es völlig von der Pest verschont blieb.

Habsburgerzeit

Das landesfürstliche Waldgebiet wurde von 1500 bis 1848/49 vom kaiserlichen Waldamt verwaltet, das den Ort als Vertreter des Grundherren beherrschte. Das Waldamt hatte seinen Sitz bis 1788 im Purkersdorfer Schloss. Es war nicht nur fachliche Verwaltungsstelle, sondern auch obrigkeitliche landesfürstliche Aufsichtsbehörde, welche die Gerichtsbarkeit über hatte. 1284 erwarb der Deutsche Orden hier ausgedehnten Waldbesitz (Ortsteil Deutschwald). Erst 1766 wurden diese Burckersdorffer Waldungen an das Waldamt verkauft. 1452 zogen die Ungarn durch den Ort. Im Zuge der Belagerungen Wiens 1529 und 1683 durch die Türken wurde Purkersdorf wie das gesamte Wiener Umland verwüstet.

Bestimmend für den Ort war seine Lage an der Reichsstraße, die dem historischen Römerweg über den Riederberg folgte. Ab 1558 ist die Burkherdorffer Poststation nachgewiesen, sie ist aber sicher viel älter. Sie war die erste und daher sehr ertragreiche Raststation auf der Strecke Wien-Linz. 1796/97 wurde die Poststation im frühklassizistischen Stil neu errichtet. Die reliefgeschmückte Fassade ist noch heute zu sehen. Zur Zeit der Reformation wurde die römisch-katholische Pfarre aufgelassen und erst 1570 durch Kaiser Maximilian II. wieder eingerichtet.

1713 wurde der Ort von der Pest heimgesucht, die aus Wien eingeschleppt worden war. Fast die Hälfte der 250 Einwohner fiel ihr zum Opfer. 1805 wurden von Napoleon Gefangene, angeblich 3000 Mann, in die Ortskirche gesperrt, die wegen der Kälte das gesamte Inventar verheizten.

In einem Wanderführer aus dem Biedermeier, dem Werk Wien’s Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreise von Adolf Schmidl aus dem Jahre 1835, wird über das damals so genannte Burkersdorf mitgeteilt:[2]

„Das Dorf ist ganz geeignet, dem Reisenden die Nähe der Residenz vortheilhaft anzukündigen. Das hiesige Posthaus ist ein hübsches Gebäude, mit der Überschrift: „Willkommen!“ Auch sonst hat der Ort stattliche Gebäude. Besondere Erwähnung verdient das Haus des Zimmermeisters, gleich das erste links, wenn man den Ort erreicht. Es hat einen kleinen Park, in welchem die Büste Sr. Majestät des Kaisers Franz I. aufgestellt ist.“

Im August 1842 kam es zum „großen Brand“, der wegen Trockenheit und starkem Wind vom Postgebäude auf Kirche, Schloss und Schule übergriff und weitere 13 Häuser einäscherte. Im Kampf gegen Wiener Revolutionäre besetzten regierungstreue kroatische Verbände des Ban Joseph Jellacic im Oktober 1848 den Ort.

Erst 1849 wurde Purkersdorf zur selbständigen Ortsgemeinde. 1856 bis 1858 wurde hier ein Teil der k.k. privilegierten Kaiserin-Elisabeth-Bahn, die heutige Westbahn errichtet und Purkersdorf damit an das moderne Verkehrsnetz angeschlossen. Die Landgräfin Fürstenberg hatte allerdings eine geänderte Streckenführung - mit einem Bahnhof einen Kilometer vom Ortszentrum entfernt - durchgesetzt. 1873 wurde die Freiwillige Feuerwehr Purkersdorf gegründet. 1905 erfolgte die Eröffnung des Sanatoriums Purkersdorf nach Plänen von Josef Hoffmann als Kur- und Wasserheilanstalt.

Republik Österreich

In der Zwischenkriegszeit wurde der Ort 1929 zur Marktgemeinde erhoben. Kurze Zeit später, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, wurde der Ort am 15. Oktober 1938 als Teil des neu geschaffenen 14. Bezirks Penzing nach Groß-Wien eingegliedert.

Am 5. April 1945 erfolgte der Einmarsch der Roten Armee, ohne größere Kampfhandlungen vom Wienerwaldsee her. Über sechzig Einwohner, darunter viele überzeugte Nationalsozialisten, begingen Suizid. Am 12. April 1945 wurde von der sowjetischen Besatzung eine Gemeindeverwaltung eingesetzt. Die Besatzung im Ort wurde 1947, die Ortskommandantur 1949 abgezogen. Purkersdorf wurde am 1. September 1954 durch die Abtrennung von Wien wieder selbstständig. Im Jahre 1966 (Gesetzesbeschluss, offizielle Feier 1967) wurde die Marktgemeinde schließlich zur Stadtgemeinde erhoben.

1973 wurde die Städtepartnerschaft mit Bad Säckingen am Hochrhein eingegangen. Weitere Partnerstädte sind Sanary-sur-Mer in Frankreich und Göstling an der Ybbs in Niederösterreich. Es gab immer wieder größere Überschwemmungen, wenn die Wien aus ihren Ufern trat, zuletzt 1940, 1997 und 2002. Im Jahr 2002 bezogen die Österreichischen Bundesforste ihren neuen Hauptsitz in einem mehrgeschoßigen Holzbau im Schlosspark.

Im September 2015 wurde bekannt, dass der Bezirk Wien-Umgebung aufgelöst werden soll. Purkersdorf soll ab 1. Jänner 2017 Teil des Bezirks St. Pölten-Land werden.[3]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Für das Jahr 1572 werden in Chroniken für Purkersdorf 120 und für das Jahr 1830 bereits 961 Einwohner genannt.

Politik

Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Karl Schlögl, Amtsleiter Burkhard Humpel.

Im Gemeinderat gibt es nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 bei insgesamt 33 Sitzen folgende Mandatsverteilung:[4]

Bürgermeister seit 1849

Monarchie:

  • Carl Hießberger 1849–1855
  • Karl Kurz 1855–1864
  • Franz Unger 1864–1865
  • Georg Donauer 1865–1867
  • Wenzel Prager 1867–1870
  • Paul Wintersberger 1870
  • Wenzel Prager 1870–1872
  • Karl Gruber 1872–1874
  • Georg Donauer 1874–1876
  • Wenzel Prager 1876–1881
  • Karl Kurz 1881–1891
  • Wenzel Prager 1891
  • Karl Pummer 1891–1903
  • Hugo Hild 1903–1918

Erste Republik:

  • Konstantin Walz 1918–1919
  • Johann Spalt 1919
  • Johann Buchmüller 1919–1934
  • Johann Marterbauer 1934–1938

Zweite Republik:

  • Josef Zurek (SPÖ) 1945–1946 (Ortsvorsteher)
  • Franz Leitgeb (KPÖ) 1946–1947 (Ortsvorsteher)
  • Josef Zurek (SPÖ) 1947–1955 (bis 1954 Ortsvorsteher)
  • Gustav Hein (SPÖ) 1955–1970
  • Hans Jaunecker (ÖVP) 1970–1982
  • Franz Matzka (ÖVP) 1982–1989
  • Karl Schlögl (SPÖ) 1989–1997
  • Edeltraud Eripek (SPÖ) 1997–2000
  • Karl Schlögl (SPÖ) seit 2000

Städtepartnerschaften

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Purkersdorf liegt an der Westbahn und hat an dieser vier Haltestellen (Purkersdorf-Sanatorium, Unter Purkersdorf, Purkersdorf-Zentrum und Unter-Tullnerbach). Purkersdorf ist durch die S-Bahn-Linie S50 an den Wiener Westbahnhof angebunden, weiters verkehren in der Hauptverkehrszeit von der Haltestelle Unter Purkersdorf Züge der S15/S2b von und nach Mistelbach. In der Haltestelle Purkersdorf-Zentrum halten zusätzlich stündlich Regionalzüge der Strecke Wien West–St. Pölten.

Bei Purkersdorf beginnt die Westautobahn A1 (Wien – Grenzübergang Walserberg bei Salzburg).

Gesundheitsversorgung

In Purkersdorf gibt es mehrere praktische Ärzte, Fachärzte sowie zwei Apotheken. Die nächsten Spitäler befinden sich in St. Pölten, Tulln und Wien. Im Ort gibt es eine Dienststelle des Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes, die rund um die Uhr besetzt sind und gemeinsam einen Notarztwagenstützpunkt betreiben. Die Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes werden über die bezirksübergreifende und landesweit zuständige Leitstelle 144 Notruf Niederösterreich disponiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Weblinks

 Commons: Purkersdorf  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Für diesen Abschnitt: Kurt Schlintner: Stichwort Purkersdorf. Die Wienerwaldstadt von A-Z. Stadtgemeinde Purkersdorf 2003, passim.
  2. Adolf Schmidl: Wien's Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreise. Nach eigenen Wanderungen geschildert von Adolf Schmidl. Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold, Wien 1835, S. 307.
  3. NÖN: Bezirk Wien Umgebung wird aufgelöst . Artikel vom 10. September 2015, abgerufen am 10. September 2015.
  4. Amt der NÖ Landesregierung: Wahlergebnis für Purkersdorf bei der Gemeinderatswahl 2015

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Purkersdorf (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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