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Puls


Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem medizinischen Begriff Puls. Weitere Bedeutungen siehe unter Puls (Begriffsklärung).
Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht ausreichend belegt.

Der Puls (von lateinisch pellere „schlagen, klopfen“; PPP pulsum) beschreibt seit der Antike[1] in der Medizin die mechanischen Auswirkungen von Herz­aktionen auf die direkte Umgebung oder deren Fortleitung in entferntere Regionen des Körpers durch das Gefäßsystem. Als Puls bezeichnet man sowohl die Frequenz der Druckstöße (Anzahl pro Minute; zum Unterschied dieser Pulsfrequenz zur Herzfrequenz vgl. Pulsdefizit) als auch deren Amplitude und Verlauf (Pulsqualität, z. B. „weicher“, „schwacher“ oder „schwirrender“ Puls). Im Gefäßsystem breitet sich der Puls als Welle aus mit lokalen Zeitverläufen jeweils des Drucks, der Querschnittsfläche und des Volumenstroms bzw. der Strömungsgeschwindigkeit.

Pulsarten

Man unterscheidet eine retrograde (rückwärts, gegen den Blutstrom) von einer anterograden (vorwärts, mit dem Blutstrom) Fortleitung der Herzaktion in den Gefäßen. Die retrograde Fortleitung bestimmt den Vene­npuls (siehe unten), die anterograde Fortleitung den arteriellen Puls. Der arterielle Puls findet in der Medizin mehr Beachtung als der venöse Puls. Der Puls gibt Aufschluss über die Effektivität der Herzaktion, ihre Regelmäßigkeit, die Druckanstiegsgeschwindigkeit in den herznahen Gefäßen während der Systole, den absoluten Druck und das Füllungsvolumen der Gefäße.

Pulsvariationen

Ruhepuls

Die Herzschlagfrequenz in Ruhe beträgt bei einem gesunden Menschen 50 bis 100 Schläge pro Minute. Manchmal ist der peripher getastete Puls langsamer als die Herzfrequenz im EKG. Das hängt mit früh einfallenden Extraschlägen zusammen, die zu einer mechanisch unwirksamen Herzaktion führen. Man spricht dann von einem Pulsdefizit. Am besten misst man den Ruhepuls morgens.

Der Ruhepuls eines trainierten Ausdauersportlers liegt meistens zwischen 32 und 45 Schlägen pro Minute. Seltener ist ein Ruhepuls von weniger als 30 Schlägen pro Minute. Das Schlagvolumen und meist auch das Lungenvolumen dieser Sportler sind dabei erhöht.

Durchschnittlicher Ruhepuls:

  • bei Föten: ca. 150/min
  • bei Säuglingen: ca. 130/min
  • bei Kindern: ca. 100/min
  • bei Jugendlichen: ca. 85/min
  • bei Erwachsenen: ca. 70/min
  • bei Senioren: ca. 80/min

Paradoxer Puls

Als paradoxen Puls oder Pulsus paradoxus bezeichnet man den nicht normalen Abfall der Blutdruckamplitude um mehr als 10 mmHg bei der Einatmung. Er tritt u. a. bei größeren Perikardergüssen auf und gilt als Zeichen einer drohenden Perikardtamponade. Weiterhin findet sich ein Pulsus paradoxus bei einem Panzerherz, Spannungspneumothorax und bei schweren Asthmaanfällen.

Venenpuls

Auch an den Venen gibt es einen schwachen Puls. Allerdings ist der Venenfluss von mehreren Faktoren abhängig, insbesondere von der Atmung, der Körperlage und der Körperaktivität und nicht so sehr vom zweigipfligen Venenpuls, der durch wechselnde Druckverhältnisse im rechten Vorhof des Herzens zustande kommt. Der Venenpuls wurde früher als Jugularvenenpulskurve aufgezeichnet und kann heute relativ leicht mit einem Dopplergerät an den verschiedensten Regionen des Körpers abgeleitet werden. Dazu muss allerdings die Dopplerfrequenz auf die niedrigen Flussgeschwindigkeiten im Venensystem umgeschaltet werden.

Die typische Venenpulskurve zeigt zwei markante Täler, die dem systolischen und diastolischen Zustrom zum Herzen entsprechen. Nur in einer kurzen Phase kommt es zu einem kurzen Rückstrom in die Venen, was sich in der Venenpulskurve als kleiner Berg manifestiert. Dieser Rückstrom entspricht der Vorhofsystole und wird als A-Welle bezeichnet. Dieser kurze Rückstrom ist allerdings nur bei Sinusrhythmus und intakter mechanischer Vorhofaktion vorhanden. Bei einer schweren Trikuspidalinsuffizienz strömt das Blut aus der rechten Herzkammer in der Systole in erheblichem Maß zurück in den rechten Vorhof und die vorgeschalteten Venen, so dass das systolische Tal der Venenpulskurve aufgehoben oder sogar umgekehrt als Berg erkennbar ist.

Eine ganz ähnliche Venenpulskurve lässt sich mittels Transösophagealer Echokardiografie (TEE) auch aus den Lungenvenen aufzeichnen. Sie kann zur Beurteilung des Schweregrades einer Mitralklappeninsuffizienz herangezogen werden.

Pulsmessung (Sphygmologie)

Der Puls kann auf unterschiedliche Weise gemessen werden: Entweder man verwendet ein Pulsmessgerät, oder man führt (in der Naturwissenschaft seit Cardano) die Messung manuell mit Hilfe einer Uhr aus. Bei der Messung wird die Anzahl der Impulse pro Zeit gemessen. Gewöhnlich wird der Puls in Schläge pro Minute angegeben.

Es gibt verschiedene Stellen am Körper, an denen man den arteriellen Puls leicht tasten kann, z. B.:

Im Notfall sind der Femoralispuls (Leistenregion) und der Carotispuls (am Hals) am verlässlichsten tastbar, da er auch noch bis zu Blutdruckwerten um 60 mmHg systolisch nachweisbar ist, periphere Pulse bis 80 mmHg. Um bei der Messung die ganze Pulswelle zu erfassen, sollte der Puls mit zwei/drei Fingern getastet werden.

Pulsqualitäten

Neben der wichtigen Aussage Puls tastbar oder Puls nicht tastbar, zum Beispiel bei einem akuten Gefäßverschluss, unterscheidet man die Pulsqualitäten:

  • Regelmäßigkeit:
  • Frequenz:
    • frequens (häufig)
    • rarus (selten)
  • Härte (Unterdrückbarkeit):
  • Amplitude:
    • altus (hoch)
    • parvus (niedrig)
  • Anstiegssteilheit:
    • celer (schnell)
    • tardus (langsam)

Klinisch bedeutsam sind z. B. folgende Pulsqualitäten:[2]

  • Pulsus celer, altus, durus: „Wasserhammerpuls“, schnell, hoch und hart, typisch bei Aorteninsuffizienz
  • Pulsus tardus, parvus, mollis: langsam, klein und weich, typisch bei Aortenstenose
  • Pulsus bisferiens, auch Pulsus dicrotus (Dikrotie): zweigipfelig, bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie
  • Pulsus tricrotus (Trikrotie): dreigipfelig bei Dikrotie mit folgender Extrasystole
  • Pulsus alternans: Wechsel von stark und schwach, evtl. bei Herzinsuffizienz
  • Pulsus bigeminus (Bigeminie): regelmäßiger Wechsel von hart und weich, typisch für ventrikuläre Extrasystolen
  • Pulsus trigeminus (Trigeminie): zwei Sinusschläge und eine Extrasystole (oder umgekehrt)
  • Pulsus anacrotus (Anakrotie): zusätzliche Pulswelle im aufsteigenden Schenkel, typisch bei Aortenstenose
  • Pulsus vibrans: schwirrender Carotispuls, typisch bei Aortenstenose
  • Pulsus filiformis (parvus, frequens, mollis): fadenförmiger, „dünner“ Puls, z. B. bei Kreislaufkollaps
  • Pulsus intermittens: Aussetzen einzelner Schläge, vgl. Pulsdefizit

Die Traditionelle Chinesische Medizin beschreibt mehr Taststellen und Pulsqualitäten (s. Pulsdiagnose).

Günstiger Trainingspuls

Für die Berechnung eines optimalen Trainingspulses existieren verschiedene Formeln. Er hängt u. a. von den verfolgten Zielen ab und liegt für Ausdauersportarten zwischen 70 % (extensives Training) und 85 % (intensives Training) des individuellen Maximalpulses. Häufig wird eine Belastung von ca. 60 % des Maximalpulses zur optimalen Fettverbrennung angegeben. Diese Angabe beruht auf einer Fehlinterpretation des Fettstoffwechseltrainings. Praktisch jede sportliche Aktivität geht auch mit Fettverbrennung einher, so dass für eine Gewichtsabnahme nur die Gesamtmenge der verbrauchten Energie im Rahmen der Energiebilanz von Bedeutung ist.[3]

Eine möglichst zuverlässige Feststellung des optimalen Trainingspulses erfolgt mit Hilfe der Spiroergometrie. Hierbei kann unter Messung der Atemgase unter Belastung die anaerobe Schwelle bestimmt werden, die im Rahmen eines Trainings nicht überschritten werden sollte. Da bei dieser Untersuchungsmethode auch der Blutdruck bestimmt wird, kann ein etwaig zu starker Blutdruckanstieg in die Bestimmung des Trainingspulses mit einfließen.

Grobe Richtwerte für ein extensives Ausdauertraining können nach der Karvonen-Formel ermittelt werden, sofern keine Arzneimittel wie beispielsweise Betablocker eingenommen werden:

(Maximalpuls − Ruhepuls) × 0,6 + Ruhepuls = Trainingspuls

Nach Lagerstrøm[4] berechnet sich der individuelle Trainingspuls folgendermaßen:

Ruhepuls + (220 − 2/3 × Lebensalter in Jahren − Ruhepuls) × Faktor = Trainingspuls

Der Faktor berücksichtigt die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit und reicht von 0,55 bis 0,75.

Einzelnachweise

  1. Werner Friedrich Kümmel: Der Puls und das Problem der Zeitmessung in der Geschichte der Medizin. Medizinhistorisches Journal, Band 9, 1974, S. 1–22
  2. H. S. Füeßl, M. Middeke: Anamnese und klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2005.
  3. K. A. Moosburger: „Fettverbrennung“ im Sport – Mythos und Wahrheit ; private Veröffentlichung; (PDF; 63 kB)
  4. Lagerstrøm, D.; Graf, J.: Die richtige Trainingspulsfrequenz beim Ausdauersport, in: Herz, Sport und Gesundheit, Nr. 3, 1986, S. 21–24
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Kategorien: Training (Sport) | Klinisches Untersuchungsverfahren | Leistungsdiagnostik

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Puls (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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