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Prohlis


Dieser Artikel behandelt den Dresdner Stadtteil Prohlis. Zum gleichnamigen Ortsamtsbereich Dresdens siehe Prohlis (Ortsamtsbereich).
Prohlis
-Nord und -Süd

Stadtteil und statistische Stadtteile Nr. 71 und 72 von Dresden
} .
Höhe 115 m ü. NN
Fläche 1,35 km²
Einwohner 14.506 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 10.745 Einwohner/km²
Postleitzahlen 01237, 01239
Vorwahl 0351
Website www.dresden.de
(Ortsamt Prohlis)
Ortsamtsbereich Prohlis
Verkehrsanbindung
Bundesstraße 172
Straßenbahn 1, 9, 13
Bus 66, 86, 88, C, F, H/S, 386

Prohlis ist ein Stadtteil Dresdens im gleichnamigen Ortsamtsbereich, liegt im Südosten der Stadt am Geberbach und wird meist mit dem Plattenbaugebiet (Neubaugebiet Dresden-Prohlis) gleichgesetzt.[1][2]

Das Neubaugebiet Prohlis reicht bis Altreick. Die Prohliser Gemarkung reicht vom Hülße-Gymnasium bis fast zum Gamighübel in Kauscha. Zur Prohliser Flur gehört auch die Vögelsiedlung (Zeisigweg, Finkenweg, Sperlingsweg usw.) bis zur Tornaer Straße.[3]

Im einzigen erhaltenen Hof des alten Dorfkerns befindet sich das Heimat- und Palitzschmuseum Prohlis und eine Außenstelle der JugendKunstschule Dresden.[4]

Geschichte

Vor 1288

Im Neolithikum siedelten sich Linienbandkeramiker an und entwickelten sich zu Stichbandkeramikern. Gerade die Prohliser Siedlung steht exemplarisch für den bruchlosen Übergang.[5] Die Kreisgrabenanlagen im benachbarten Nickern gehören zur selben Kultur.

Aus der Bronzezeit stammt das Depot von Prohlis.

Die Siedlungsform des Dorfkerns war ein sorbischer Rundling.

Altprohlis

Erstmals erwähnt wurde der Ort als Prolos[6] im Jahre 1288.

Der bedeutende Theologe Andreas Proles hat Prohliser Wurzeln.[7]

Im 18. Jahrhundert lebte in Prohlis der Bauer und Universalgelehrte Johann George Palitzsch, der durch die Entdeckung des Halleyschen Kometen berühmt wurde.

Bis 1839 war Prohlis keine eigene Gemeinde, sondern einige Höfe gehörten zum Dresdner Brückenamt, einige dem Maternihospital und andere zum Leubnitzer Amt.[8]

„Am 9. März 1839 trafen sich in der Oberstube des Hofes Hünichen folgende Personen: Dessen Besitzer, Johann Christian Hünichen, Bauer und Ortsrichter und der Dresdner Stadtgerichtsrat Julius Schneider sowie weitere 18 Personen, Bauern und Häusler... Anlaß der Zusammenkunft war, entsprechend der Verordnung vom 7. November 1838, die Gemeindevertretung zu wählen... Hier war das Schicksal den Prohlisern einmal gnädig. Denn die Gemeindegründung fand in dem Gebäude statt, das zum einzig heute noch erhaltenen Hof gehört...“[9]

In den Jahren 1887/88 ließ die Familie Kap-herr das Schloss Prohlis im Stil der Neorenaissance errichten.

Am 1. Juni 1921 wurde das Dorf nach Dresden eingemeindet.[10]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Prohlis ein Volkseigenes Gut eingerichtet.[11]

Lehmgruben

Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre befanden sich an der Dohnaer Straße mehrere Ziegelein und Lehmgruben[12]; die ehemalige Ziegelei Kunath ist heute das Umweltzentrum Prohlis[13] und die Lehmgrube der Ziegelwerke Gottschalch das Freibad Prohlis.[14] In den 1960er Jahren erholten sich dort auch Kinder in einem Ferienlager.[15]

Kirchgemeinde

Kirchgemeindlich gehörte Prohlis seit 1674 zu Leubnitz. Von 1932 bis 1939 nutze man unter Pfarrer Johann Schmidt die ehemalige Dorfschule, 1939-1947 die Kegelbahn des Gasthofes Prohlis, von 1947 bis 1977 das Schloss Prohlis und bis 1982 den Gasthof „Coventry“ sowie eine 5-Raum-Wohnung. 1980-1982 entstand im Rahmen des Programms „Neue Kirchen für neue Städte“ die erste Kirche in einem DDR-Neubaugebiet. Seit 1978 existiert die selbständige Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Prohlis.[16]

Neuprohlis

Im ursprünglich ländlichen Prohlis wurden in den Jahren 1976 bis 1980 etwa 10.000 neue Wohnungen in sechs-, zehn- und siebzehngeschossigen Plattenbauten geschaffen.[17]

Der Wohnkomplex wurde unter der städtebaulichen Leitung der Architekten Heinz Michalk, Konrad Lässig und Udo Fehrmann sowie der Komplexarchitekten Gerhard Landgraf und Ingeborg Lampadius errichtet. Die Wohngebäude erstrecken sich auf dem Neubaugebiet zwischen Dohnaer und Niedersedlitzer Straße, wobei landschaftliche Gegebenheiten einbezogen wurden. Diese waren der Schlosspark, eine als Wohngebietspark genutzte ehemalige Kiesgrube, der Geberbach und das Freibad. Das Zentrum bildete eine 700 m lange Fußgängerzone seitlich der Prohliser Allee. Die ersten Plattenbauwohnungen konnten ab Oktober 1976 in der Trattendorfer Straße 2-10 bezogen werden. Die erste Schule "118. POS" wurde nach den Herbstferien im Oktober 1976 eröffnet.

Seit 1990

Nach der Wiedervereinigung wurden die Neubauten modernisiert oder teilweise abgerissen, wobei die „Sternhäuser“ auf Niedersedlitzer Flur standen.

Seit 1994 ist Prohlis in das Bund-Länder-/Landes-Sanierungsprogramm Städtebauliche Weiterentwicklung großer Neubaugebiete integriert.[18] Seit 2000 existiert ein Quartiersmanagement[19] im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt – Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf.[20]

Ergebnisse:[21]

  • die Zeitreise - Prohlis in den 70/80er-Jahren & heute, ein Vergleich der jeweiligen Standorte mit alten Fotografien
  • das Umweltzentrum im Naturschutzgebiet
  • eine BMX-Anlage.
  • die Sanierung des Palitzsch-Hofs.

Seit Mai 2009 steht in Prohlis ein Teil des Pusteblumenbrunnens von Leoni Wirth.[22]

Prohlis ist ein Schwerpunktraum in der Planung Zukunft Dresden 2025+.[23]

Literatur

  • Annette Dubbers: Prohlis – Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils. 1. Auflage. Eigenverlag A. Dubbers, Dresden 2012, ISBN 978-3-937199-59-7.
  • Siegfried Koge: Prohlis – vom sorbischen Runddorf zum Neubaugebiet. In: Dresdner Geschichtsbuch. Band 4/S. 55–80, Stadtmuseum Dresden, Altenburg 1998.
  • Friedrich Theile: Johann Georg Palitzsch. Ein Lebensbild. Leipzig 1878, über Prohlis: S. 59–63
  • Rat des Stadtbezirkes Süd der Stadt Dresden, Abteilung Kultur (Hrsg.): Stadtbezirk Dresden-Süd: Aus der Geschichte seiner Ortsteile. Dresden 1986, Prohlis S. 28–35 (bearbeitet vom Aktiv Denkmalpflege)

Weblinks

 Commons: Prohlis  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten und Einzelnachweise

  1. z. B. „... galt Prohlis Ende der 1970er Jahre als gelungenes Beispiel des sozialistischen Städtebaus, für dessen Bau der Architekturpreis der DDR verliehen wurde.“ zu dem Gemälde: Neubaugebiet Dresden-Prohlis. unbekannter Künstler skd-online-collection.skd.museum
  2. Prohlis dresden-lexikon.de (abgerufen 2. März 2014)
  3. siehe Dubbers 2012, S. 37 - 41 sowie www.dresden.de/...Prohlis-Süd "Bis auf die Siedlung an der Tornaer Straße gehören die Stadtteile Prohlis-Nord und Prohlis-Süd vollständig zum seit 1976 errichteten Plattenbaugebiet Prohlis, dem auch der südliche Teil von Reick und die auf Niedersedlitzer Flur befindlichen »Sternhäuser« einschließlich der Bebauung an der Maxie-Wander-Straße zugerechnet werden." (aber: der statistische Stadtteil Prohlis-Süd geht nur bis zum Langen Weg und auch die Maxie-Wander-Straße ist z. Z. (6. Oktober 2013) nur ein "Parkplatz mit großem Grünflächenanteil")
  4. JugendKunstschule Dresden , abgerufen am 5. Oktober 2013.
  5. Anzeige der Dissertation (pdf; 2,1 MB) Die linien- und stichbandkeramische Siedlung von Dresden-Prohlis. Eine Fallstudie zum Kulturwandel in der Region der oberen Elbe um 5000 v. Chr. in: Archäologisches Nachrichtenblatt 17,1, 2012, S. 24–27, abgerufen am 4. Oktober 2013.
  6. zum Namensursprung gibt es verschiedene Versionen:
    • proloh = (tschechisch) Ort in der Aue, am Auenwald, laut Rat des Stadtbezirkes 1986, S. 29
    • prilu = Ort im Tal, in der Aue, "wo der Geberbach ... sich leicht zum Teich anstauen ließ", laut Dubbers 2012, S. 6 (siehe diesbzgl. Reick, soll von ryc = Graben kommen)
    • proložit = belegen, sperren im Tschechischen, ž wird im Latein zu s
    • Proluz = proh (Schwelle) und ludzi (Menschen) oder pro-lujss (Waldblöße), laut Theile 1878, S. 59
    • mehrere Varianten in: Wolfgang Fleischer: Namen und Mundart im Raum von Dresden. Band 1, Berlin 1961, S. 93, z. B. Prolož aus *prologь
  7. "Der Zunahme ist hergenommen nach damahliger Gewohnheit von einem Dorffe gleiches Nahmens, welches unweit von Dreßden lieget...", in: "Lebens - Beschreibung eines Gelehrten Dreßdners, Andreas Proles, Welche zu Erläuterung der Gelehrten - und Kirchen - Historie mittheilet, Zugleich aber auch Alle hohe Gönner, Patronen und Schul - Freunde, Einige Abschieds - Reden in der Schule zum H. Creutz, den 20.May, 1734. Nachmittags um 2. Uhr hochgeneigt anzuhören, gehorsamst ersuchet Christian Schöttgen, Rector. DRESDEN, gedruckt bey Johann Wilhelm Harpetern.", S. 4
  8. Koge 1998, S. 56/57; Prohlis-Nord @dresden.de (abgerufen 2. März 2014)
  9. aus Koge 1998, S. 64; siehe auch Sächsische Landgemeindeordnung von 1838
  10. laut Dubbers 2012, S. 37 "1. Juli", aber Koge 1998, S. 73 "1. Juni", s. a. Bestand Stadtarchiv 8.41 (PDF; 205 kB), Holger Starke: Eingemeindungen nach Dresden - ein historischer Überblick. In: Dresdner Geschichtsbuch. Band 6, Stadtmuseum Dresden, Altenburg 2000, S. 40
  11. Bilder des Volkseigenen Gutes Prohlis in der Deutschen Digitalen Bibliothek , (abgerufen am 17. März 2014)
  12. siehe Koge 1998, S. 68/69 bzw. Volker Witt: Dresdner Ziegeleien. in: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch. Band 9, Altenburg 2003, S. 71-101
  13. Webpräsenz mit Geschichte des Flächennaturdenkmals „Ziegeleigrube Prohlis“ (abgerufen 1. März 2014); auch die vielen gefundenen Fossilien der eiszeitlichen Fauna, am bekanntesten die Mammutzähne, erinnern an die Prohliser Ziegelindustrie
  14. Webpräsenz (abgerufen 17. März 2014)
  15. Ferienlager auf Facebook und Ferienlager in der Deutschen Digitalen Bibliothek , (abgerufen am 17. März 2014)
  16. siehe Koge 1998, S. 75/76 bzw. Geschichte @kirche-prohlis.de (abgerufen 1. März 2014)
  17. Das Neue Deutschland vom 7. Juli 1976, Seite 3 : „Der Sommer ist der Freund der Bauleute, auch wenn in diesen Wochen auf den Montageflächen der WBS 70-Wohnblöcke in Dresden-Prohlis oft Temperaturen über 40 Grad Celsius gemessen werden. Auf dieser größten Wohnungsbaustelle des Bezirkes Dresden gibt es für die Montagekrane in allen drei Schichten kaum einen Stillstand ...“ (abgerufen 17. März 2014)
  18. Weiterentwicklungsgebiet Dresden-Prohlis Abgerufen am 6. Oktober 2013.
  19. Quartiermanagement Prohlis , abgerufen am 6. Oktober 2013
  20. Soziale Stadt: Prohlis/Am Koitschgraben , abgerufen am 6. Oktober 2013.
  21. Zeitreise ; Umweltzentrum ; BMX-Anlage @staedtebaufoerderung.info; Sanierung »Palitzschhof« @dresden.de; Palitzschhof in Dresden-Prohlis nach Rekonstruktion eröffnet , 19. Januar 2005
  22. Geschichte der Pusteblumenbrunnen von Dresden Abgerufen am 9. Februar 2014.
  23. Integrierte Stadtentwicklungsplanung , abgerufen am 6. Oktober 2013.

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