Prinzregentenstraße - LinkFang.de





Prinzregentenstraße


Dieser Artikel befasst sich mit der Straße in München. Die gleichnamige Straße in Berlin-Wilmersdorf findet sich unter Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Wilmersdorf#Prinzregentenstraße*
Prinzregentenstraße
Straße in München
Basisdaten
Ort München
Ortsteil Lehel, Bogenhausen, Steinhausen
Angelegt 1891
Anschlussstraßen Von-der-Tann-Straße, Töginger Straße
Querstraßen Seitzstraße, Bruderstraße, Wagmüllerstraße, Lerchenfeldstraße, Alexandrastraße, Oettingenstraße, Reitmorstraße, Widenmayerstraße, Maria-Theresia-Straße, Möhlstraße, Ismaninger Straße, Trogerstraße, Schumannstraße, Lamontstraße, Possartstraße, Grillparzerstraße, Beetzstraße, Versailler Straße, Braystraße, Brucknerstraße, Saint-Privat-Straße, Brahmsstraße, Richard-Strauss-Straße, Pfistermeisterstraße, Steinhauser Straße, Wagenbauerstraße, Vogelweidestraße
Plätze Europaplatz, Prinzregentenplatz, Vogelweideplatz
Bauwerke Öffentliche Einrichtungen, Bauten und Denkmäler
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr, ÖPNV
Straßengestaltung Friedensengel

Die Prinzregentenstraße ist neben der Brienner Straße, der Ludwigstraße und der Maximilianstraße eine der vier städtebaulich bedeutendsten Prachtstraßen Münchens. Die Prinzregentenstraße ist als Ensemble-Baudenkmal geschützt.

Lage und Verlauf

Die Prinzregentenstraße liegt in West-Ost-Richtung und gliedert sich in drei Teile: Sie beginnt am Prinz-Carl-Palais, der Schnittstelle zwischen Hofgarten und Englischem Garten; der erste Teil reicht über die Luitpoldbrücke bis zum Friedensengel am östlichen Isar-Hochufer, den sie in einem rechten und linken Bogen umfährt; der zweite Teil reicht vom Friedensengel / Europaplatz bis zum Prinzregentenplatz, der dritte beginnt am Prinzregentenplatz, überquert den Mittleren Ring (Richard-Strauss-Straße) passiert den Vogelweideplatz und mündet in die Töginger Straße / A 94.

Geschichte

Königliche Zeit

Die Planungen für eine Prachtstraße zum östlichen Isar-Hochufer gehen bis in das Jahr 1852 zurück. Prinzregent Luitpold gab schließlich 1890 den Auftrag. 1891 war Baubeginn, 1901 wurde die letzte große städtebauliche Erweiterung vollendet.

Im Gegensatz zur Ludwigstraße, der großen Prachtstraße seines Vaters Ludwig I. und zur Maximilianstraße, der Prachtstraße seines Bruders Maximilians II., war die Prinzregentenstraße nicht als Verwaltungszentrum geplant mit eigens entwickeltem Stil; sie war als bürgerliche Nobelstraße projektiert. Dadurch spiegelt sie nicht nur bürgerliche Ideale wider, sondern war Ausdruck des guten Verhältnisses zwischen der Bürgerschaft, vor allem des Groß- und Bildungsbürgertums, und dem Hause Wittelsbach. Gleichzeitig demonstriert sie die Prosperität um 1900.

Davon ausgehend sind drei Entscheidungen auffallend, die den bürgerlichen Charakter der Straße bestimmten:

  • Die Prinzregentenstraße beginnt nicht mit einem Symbol wie z.B. die Feldherrnhalle, sondern mit einem Park, der aus der Verbindung zwischen dem königlichen Hofgarten und dem eher bürgerlichen Englischen Garten bestand. Das Prinz-Carl-Palais markiert den Eingangsbereich dieses offenen Grüngürtels, das den nördlichen Teil der Prinzregentenstraße bestimmte.
  • Großformatige Bauten wurden vermieden. Selbst das Bayerische Nationalmuseum wurde von Gabriel von Seidl so geplant, dass sich der Baukörper optisch in mehreren Einheiten untergliedert und ein Piazza-Effekt entsteht.
  • Die Prinzregentenstraße endete ursprünglich am Prinzregentenplatz nicht mit der Fassade des Prinzregententheaters, sondern mit der eines Bürgerhauses.

Alleenbepflanzung, Cafés, kleine Plätze bestimmten das Leben in der Prinzregentenstraße ebenso wie politische Entscheidungen des Prinzregenten. So trägt der Friedensengel als Nike des Paionios aus Olympia (um 421 v. Chr.) in seiner rechten Hand einen Palmzweig und in der Linken eine Statue der Pallas Athene: Der Sieg bringt nicht den militärischen Erfolg, sondern Frieden, Wohlstand und Wissenschaft. Damit setzte sich Luitpold bewusst von der Symbolik der Berliner Siegessäule ab, bei der die Nike den militärischen Sieg symbolisiert.

NS-Umbauten

Für Adolf Hitler, dessen Privatwohnung sich hier befand (zweite Etage des Anwesens Prinzregentenplatz 16), entsprach die Prinzregentenstraße überhaupt nicht seinen Vorstellungen einer Prachtstraße, die für ihn auch immer Ausdruck von Macht und politischer Bedeutung war. Insofern gab er den Anstoß zu einem Umbau der Prinzregentenstraße. Zuerst wurde 1933–1937 das Haus der Kunst am nördlichen Anfang der Straße errichtet. Der Baukörper mit einer schier endlos wirkenden Säulenhalle, von Kunsthistorikern oft als viel zu breit gelagert beschrieben, riegelte den Englischen Garten ab und unterbrach so den fließenden Übergang dieses Gartens zum Hofgarten und zur Stadt. Des Weiteren wurden mehrere Bürgerhäuser abgebrochen, so z. B. gegenüber dem Bayerischen Nationalmuseum; dort entstand 1937 das Luftgaukommando, das seit den 1950er Jahren Sitz des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie ist. Dadurch verlor die Prinzregentenstraße ihre Leichtigkeit und erhielt im ersten Abschnitt ihre Strenge, die sie bis heute prägt.

Im dritten Abschnitt, zwischen Wilhelm-Tell- und Brucknerstraße, stehen zwischen 1941 und 1943 errichtete Wohnblöcke, die als Versuchsbauten für die nicht realisierte Südstadt konzipiert waren. Die Reihe dieser viergeschossigen Blockbauten mit 3,25 m hohen Hauptgeschossen wird an beiden Enden von quadratischen Luftschutzbunkern flankiert, die sich in den Baublock einfügen. Die Südstadt hätte als NS-Modellstadt mit rund 14.500 Wohneinheiten vom geplanten Gaugebäude auf dem Gasteig stadtauswärts verlaufen sollen. Alle Wohnblöcke sollten von vornherein mit Hochbunkern ausgestattet sein, entweder wie bei den Versuchsbauten in der Prinzregentenstraße als seitlicher Abschluss der Blockbauten, oder in der Mitte der Gebäude mit direktem Zugang von den Wohnungen. Die Versuchsbauten sind nahezu unverändert erhalten, einer der beiden siebenstöckigen Bunker enthält als Kunstbunker Tumulka seit 1993 in seinen Räumen nationale und internationale Einzelstücke und Gruppenausstellungen.[1]

Nach 1945

Umbauten

Die Prinzregentenstraße erhielt vor allem im westlichen Teil unter den Voraussetzungen einer autogerechten Stadt einschneidende Umbauten. So wurde 1970–1972 das Prinz-Carl-Palais mit einem Autotunnel (dem Altstadtringtunnel) untertunnelt, der in Höhe Haus der Kunst wieder an die Oberfläche austritt. Gleichzeitig wurde die Prinzregentenstraße für den Durchbruch einer Ringstraße (des späteren Franz-Josef-Strauß-Rings) die Straße geteilt. Die NS-Architektur blieb erhalten. Immer wieder werden Diskussionen um eine Wiederherstellung des Charakters der Prinzregentenstraße geführt: so zuletzt ab dem Jahr 2000, als es um die Zukunft des baufälligen Hauses der Kunst ging. Alexander Freiherr von Branca hat einen Kunstpavillon vorgeschlagen, der seiner Meinung nach sowohl den Englischen Garten wieder öffnet als auch die Erfordernisse des modernen Kunstbetriebs voll zufriedenstellt. Aktivitäten sind jedoch bisher (Stand 2015) nicht zu bemerken.

Beim Neubau der Bayerischen Staatskanzlei, die bis 1993 ihren Sitz in der Prinzregentenstraße 7 hatte, wurde auf der Fläche des zerstörten Bayerischen Armeemuseums der Übergang zwischen Hofgarten und Englischem Garten neu gestaltet. Dadurch sollte die Abriegelung abgemildert werden.

Besondere Ereignisse

Am 4. August 1971 fand zum ersten Mal in der Bundesrepublik ein Überfall mit Geiselnahme auf eine Filiale der Deutschen Bank statt. Bei der polizeilichen Befreiungsaktion starb eine von 5 Geiseln sowie einer der zwei Täter.[2]

Verkehr

Die Prinzregentenstraße gehört zu den meistbefahrenen Ein- und Ausfallstraßen der bayerischen Landeshauptstadt. Sie verbindet die Altstadt mit den Stadtteilen Lehel, Bogenhausen und Haidhausen sowie mit dem Mittleren Ring und der A 94.

Der öffentliche Personennahverkehr beschränkt sich vor allem auf MVG-Buslinien; zusätzlich queren die Trambahnlinien 18 (Haltestelle Nationalmuseum/Haus der Kunst) und 16 (Haltestelle Friedensengel/Villa Stuck) sowie die U4 (U-Bahnhof Prinzregentenplatz) die Prinzregentenstraße.

Bis zur Eröffnung des Flughafens München Franz Josef Strauß 1992 stellte die Prinzregentenstraße auch eine der Hauptverkehrswege zum Flughafen München-Riem dar.

Öffentliche Einrichtungen

Museen und Theater

Sonstige Öffentliche Einrichtungen

  • Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
  • Prinzregentenstadion, erbaut ca. 1933 (Eislauf, vormals unbedachte Eishockeyspielfläche)
  • Prinzregentenbad (Freibad hinter dem Prinzregentenstadion)

Bauten und Denkmäler

Literatur

  • Stefan Fisch: Die Prinzregentenstraße. Moderne Stadtplanung zwischen Hof, Verwaltung und Terraininteressen. In: Friedrich Prinz (Hrsg.): München - Musenstadt mit Hinterhöfen. Die Prinzregentenzeit 1886 - 1912. C.H. Beck, München 1988, ISBN 3-406-33395-8, S. 82–89.
  • Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-1094-3 (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer).

Weblinks

 Commons: Prinzregentenstraße  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. Winfried Nerdinger (Hrsg.): Bauen im Nationalsozialismus: Bayern 1933–1945. München 1993/
  2. Karl Schmidt-Polex: Chicago und Oktoberfest in Die Zeit vom 13. August 1971; abgerufen am 22. Nov. 2014.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Prinzregentenstraße (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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