Priesterseminar Hildesheim - LinkFang.de





Priesterseminar Hildesheim


Das Priesterseminar Hildesheim war das Priesterseminar des Bistums Hildesheim und ist heute als Tagungshaus Priesterseminar eine diözesane Bildungsstätte. Es befindet sich auf dem Lüchtenhof, einem historischen Klostergrundstück an der Kreuzung BrühlNeue Straße in der südlichen Altstadt von Hildesheim.

Lüchtenhof

Die erste urkundliche Erwähnung des Lüchtenhofs („Lichterhof“) im ursprünglich sumpfigen[1] Südostwinkel der ummauerten Altstadt stammt aus dem Jahr 1321.[2] Der jeweilige Besitzer hatte die Pflicht, dem Dom die Kerzen für die marianischen Festprozessionen zu stellen.[3] Daran erinnert bis heute das Patrozinium der Seminarkirche Mariä Lichtmess. 1440 gehörte das Anwesen der Kommunität der Domvikare und Dompropst Eckhard von Hahnensee.[3]

Fraterherren (1443–1604)

Seit den 1430er-Jahren plante die junge Bewegung der Brüder vom gemeinsamen Leben (später „Fraterherren“ genannt) unter Führung von Gottfried Borninck eine Niederlassung in Hildesheim. Nach zwei Provisorien konnten sie 1443 den Lüchtenhof beziehen und 1444/46 Grundstück und Gebäude kaufen. Durch verschiedene Baumaßnahmen, darunter die Errichtung einer Kirche mit Krypta und eines Skriptoriums, passten sie das Anwesen ihren Bedürfnissen an.

Erster Rektor in Hildesheim war Bernhard von Büderich († 1457); zu den bedeutendsten Konventualen gehörte Peter Dieburg († 1494), der eine bemerkenswerte Chronik verfasste. Die Fraterherren wirkten hier wie überall vor allem durch Herstellung und Verbreitung von Büchern sowie durch Predigt und Seelsorge im Geist der Devotio moderna. Der Hildesheimer Konvent wandte sich gegen die in anderen Niederlassungen der Brüder bestehende Tendenz, das Leben mehr und mehr nach klösterlichem Vorbild zu gestalten.

Im 16. Jahrhundert wurde den Fraterherren durch den Buchdruck die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Gleichzeitig verringerte die Reformation im Umland und in der Stadt Hildesheim ihren Einfluss, wenn auch die Klöster und Konvente in der Bischofsstadt nicht aufgehoben wurden. 1604 wurde der Lüchtenhof gegen Wohnrecht und Unterhalt für die letzten beiden Brüder dem bischöflichen Stuhl überlassen. Ernst II. richtete in den Gebäuden ein Alumnat für bedürftige Schüler des Jesuitengymnasiums ein.

Kapuziner (1631–1812)

Gegen den Willen des Domkapitels übergab Bischof Ferdinand 1631/38 den Lüchtenhof dem franziskanischen Kapuzinerorden. Wieder kam es zu umfangreichen Bauerhaltungs- und Baumaßnahmen. 1662 wurde die neue Klosterkirche errichtet, deren Grundriss dem der heutigen Seminarkirche entspricht. Bauleiter war der Chronist des Klosters Pater Polycarp († 1684), von dem auch die älteste überlieferte Abbildung des Lüchtenhofs aus dem Jahr 1675 stammt. Die Kapuziner widmeten sich der Volkspredigt und Seelsorge.

Im Mai 1761 brach auf dem Klostergelände ein Brand aus, der die Kirche und ihre Anbauten schwer beschädigte. Unter anderem wurde ein großer Teil der Bibliothek vernichtet. Bis 1772 wurde auf den alten Grundmauern eine neue Barockkirche erbaut.

1812 – wegen der Seelsorgstätigkeit der Kapuziner verhältnismäßig spät – wurde das Kloster durch die königlich-westphälische Regierung aufgehoben.

Priesterseminar

In Ausführung der Vereinbarungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem jungen Königreich Hannover (Impensa Romanorum Pontificum 1824) wurden auf dem Lüchtenhof 1834 das Priesterseminar und die philosophisch-theologische Lehranstalt für den Priesternachwuchs des neu umschriebenen Bistums Hildesheim eingerichtet. Im Bismarckschen Kulturkampf wurde das Seminar 1873 geschlossen und erst 1887 ohne die Fakultät wieder eröffnet.

Beim Luftangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 brannte die Seminarkirche aus. Die übrigen Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert blieben weitgehend erhalten.

In den 1960er-Jahren wurde das Seminar um einen Neubau östlich der Klostergebäude an der Neuen Straße erweitert. Alt- und Neubau wurden in den 1990er-Jahren tiefgreifend umgestaltet und zu einem modernen Tagungshaus ausgebaut. Außerdem beherbergen die Gebäude seither die diözesane Arbeitsstelle für pastorale Fortbildung und Beratung.

Die theologische Ausbildung der Priesteramtskandidaten des Bistums Hildesheim findet nicht mehr in Hildesheim, sondern an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main statt. Die pastorale Ausbildung der Seminaristen ist im Priesterseminar Hamburg. Der Regens und der Spiritual der Studierenden wohnen weiterhin in Hildesheim. Das Gebäude wird heute ausschließlich für Tagungen und Fortbildungen genutzt.

Kirche

Barockbau

Die Seminarkirche präsentiert sich von außen in den Formen des Hochbarock. Sie ist eine Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor. Die rötlich verputzten Wandflächen sind vor allem an der zweigeschossigen, giebelbekrönten Portalfassade durch weiße Lisenen, Laibungen und Architrave gegliedert. In drei halbrunden Nischen stehen über dem Portal eine Statue Marias als Immaculata, zu den Seiten die Heiligen Franz von Assisi und Antonius von Padua.

Innengestaltung

Die barocke Innenausstattung der Seminarkirche war 1945 vernichtet worden. Beim Wiederaufbau wurde der Raum im Stil der 1960er-Jahre gestaltet. Dabei wurde der Chor abgetrennt und zur Sakramentskapelle umgewandelt. Als in den 2000er-Jahren eine Grundsanierung erforderlich wurde, begannen Planungen für eine Neugestaltung, die der Liturgiefeier mit Gruppen entgegenkommt und liturgische Akzente des Zweiten Vatikanischen Konzils erfahrbar macht. Die Arbeiten wurden ab November 2009 nach Plänen des Architekturbüros Pape & Kost GbR aus Hiddestorf ausgeführt und 2010 mit der Weihe des neuen Altars abgeschlossen.[4]

Die Seminarkirche wurde als Weg-Raum entlang einer Achse aufgefasst, auf der Weihwasserbecken, Ambo und Altar auf gleicher Ebene die Stationen eines Geschehens bilden. Statt fester Bänke gibt es eine begrenzte Anzahl beweglicher Sitze. Der dunkle Boden kontrastiert zum Weiß der Wandflächen. Außer Kreuz, Osterleuchter, der alten Pietà und einer torartigen Gestaltung der Ostwand enthält der Raum keine Bilder und Symbole. Nur die Bundglasfenster bringen bei Lichteinfall einen farblichen Akzent. Umso stärker sprechen in ihm die Zeichen und Gesten der Liturgie und die Präsenz der versammelten Personen.

Literatur

  • Jochen Bepler: Die Hildesheimer Fraterherren. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart, 64. Jahrgang, Hildesheim 1996, S. 107–125
  • Egbert Ballhorn: Ein Raum, eröffnet zur Feier des Gotteswortes. Die neugestaltete Seminarkirche in Hildesheim. In: Bibel und Liturgie, Heft 1/2012, Klosterneuburg 2012, S. 49–53
  • Norbert Kesseler: Architekturprojekte im Bistum Hildesheim. Bernward Mediengesellschaft, Hildesheim 2012.

Weblinks

 Commons: Priesterseminar Hildesheim  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. daher der Name Brühl
  2. Netzpräsenz Tagungshaus
  3. 3,0 3,1 Bepler S. 114
  4. http://www.pape-kost.de/proj-details/proj-09162/projekt.html

Kategorien: Bildung und Forschung in Hildesheim | Geschichte (Hildesheim) | Gegründet 1834 | Ehemaliges Kapuzinerkloster in Deutschland | Priesterseminar | Brüder vom gemeinsamen Leben | Ehemaliges Kloster in Niedersachsen | Bistum Hildesheim

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Priesterseminar Hildesheim (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.