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Porzellangeld


Als Porzellangeld bezeichnet man Münzen aus Porzellan.

Von 1920 bis 1921 wurde in der staatlichen Porzellanmanufaktur in Meißen aus Böttgersteinzeug und Biskuitporzellan Porzellangeld hergestellt. Friedrich Wilhelm Hörnlein, Münzgraveur und Medailleur an der sächsischen Staatsmünze in Muldenhütten schnitt die Stahlstempel nach Entwürfen von Emil Paul Börner, Bildhauer und Maler aus Meißen.[1]

Nicht zu verwechseln ist das Porzellangeld mit Medaillen aus Porzellan, die keine Währungsfunktion haben.

Geschichte

Das ursprüngliche Porzellan hatte eher eine rotbraune Farbe und war durchaus mit dem damals verbreiteten Ost-Indianischen Porzellan vergleichbar. Schon im Frühjahr 1710 konnten nach erfolgreichen Brennversuchen die ersten Gefäße auf der Leipziger Ostermesse präsentiert werden. Anfänglich unter der Leitung von Johann Friedrich Böttger, hatte man die Mischung der Massenkomponenten sowie die Steuerung von Brenndauer und Brenntemperatur in aufwendigen Versuchsreihen soweit perfektioniert, dass man am 30. April 1919 die Marke „Böttgersteinzeug“ beim Reichspatentamt anmelden konnte. Dank des damaligen Direktors der Manufaktur Max Adolf Pfeiffer gelang der einst vom weißen Porzellan verdrängten „roten Masse“ das Remake. Max Adolf Pfeiffer hatte noch andere Ideen, so hatte er mit Bedacht eine ganz andere Produktgruppe dazu auserkoren, im matten Glanz des wiedergewonnenen Werkstoffs zu erstrahlen. Als echte Währung geltende Münzen wurden ab 1919 in der Manufaktur Meißen entworfen, geprägt und in separaten Brennöfen gebrannt. Die Knappheit von Metallgeld um 1920 in Deutschland kam der Idee zusätzlich zur Hilfe. Als damals das Finanzministerium im Deutschen Reich noch in Erwägung zog, keramisches Notgeld herauszugeben, entbrannte eine heftige Diskussion über die Vor- und Nachteile des roten Feinsteinzeugs. Es blieb allerdings bei einigen Entwürfen und Probeprägungen, welche der Reichsminister der Finanzen im Februar 1920 endgültig ablehnte. Zur Einführung als Reichsgeld kam es nicht.

Münzen des Porzellangeldes aus Meißen, die zeitlich eine Zahlungskraft hatten und im Umlauf waren
Vorderseite Rückseite
20 Pfennig
50 Pfennig
1 Mark
2 Mark

Notgeldmünzen für Sachsen

Nachdem die Meißener Manufaktur ebenfalls im Jahre 1920 erste Probestücke eines so genannten Sachsengeldes vorlegte, entschloß sich zu Beginn des Jahres 1921 der Staat Sachsen als erstes Land, Notgeld in Umlauf zu bringen. Dem entwerfenden Künstler Emil Paul Börner gelang es stets, die Münzen neben der obligatorischen Wert-, Jahres- und Herkunftsangabe, mit typischen Motiven von Produktionszweigen und ihren Produkten, historischen Bauwerken und regionalen Dingen, symbolhaft zu versehen. Das Schwerterzeichen auf jeder Münze verwies auf deren Herkunft aus der Meißener Porzellan-Manufaktur. Börner erwies sich als Meister der Reliefkunst, der auf kleinstem Raum eine künstlerische Aussage dekorativ umzusetzen vermochte. Wichtigstes Merkmal der Münzen aus der Stahlform sind ihre scharfen Ränder und Konturen. Die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchliche Reduziermaschine, die den Entwurf mechanisch in das gewünschte Format verkleinerte, lehnte Börner ab. Er schnitt seine Entwürfe in der anspruchsvollen Technik des Negativschnittes direkt in die Gipsform. Man entschied sich dann für das Böttgersteinzeug als Material für die Notmünzen und dieses nicht nur wegen der geringeren Schmutzanfälligkeit gegenüber dem weißen Biskuitporzellan. Eine große Rolle spielte bei der Entscheidung, die Unempfindlichkeit der Masse gegenüber Wasser, hervorragende hygienischen Eigenschaften, sowie eine hohe Bruchfestigkeit. Die Münzen haben eine leichte schüsselartige Vertiefung auf beiden Seiten, der Hauptteil der Masse befindet sich somit am Rand und stabilisiert ihn. Diese Besonderheit ermöglichte damit ein relativ hohes Relief. Gleichwertige Münzen konnten glatt aufeinander gelegt und in Rollen verpackt werden. Außerdem treten beim Böttgersteinzeug die Feinheiten der Binnenzeichnung deutlicher hervor. Auch das unterschiedliche Verhalten der Materialien beim Brand der Münzen spielte damals sicherlich eine große Rolle. Die Schwindung beim Brand hätte man beim weißen Biskuitporzellan mit 16 % berücksichtigen müssen, dagegen waren es beim Böttgersteinzeug nur 8 %. Die Manufaktur Meißen war direkt im Auftrage des Sächsischen Staates, vertreten durch den Finanzminister, mit der Aufnahme der Geldherstellung beauftragt. Sie galt oder gilt allerdings bis heute nicht als Prägestätte in Sachsen oder wird als solche bezeichnet. Der Graveur Friedrich Wilhelm Hörnlein aus der Münze in Muldenhütten war für einige Zeit in die Manufaktur delegiert, um dort die notwendigen Stahlstempel vor Ort zu schneiden. Das sächsische Finanzministerium forderte mit der Vergabe des Staatsauftrags von der Manufaktur besondere Sicherheitsvorkehrungen für die neu gegründete Münzabteilung. Als 1921 neben dem Auftrag für Sachsen noch weitere Aufträge nun von Städten, Gemeinden und Firmen vorlagen, ergab sich die Notwendigkeit, mehrschichtig zu arbeiten.

Gültigkeit und Umlauf im Freistaat Sachsen

Zur Behebung des Mangels an Kleingeld wurde die Finanzhauptkasse ermächtigt, Geldersatzzeichen aus Meißner braunem Böttger-Steinzeug (Porzellan-Notgeld) bis zum Gesamtwert von 5 Millionen Mark auszugeben und durch staatliche Kassen ausgeben zu lassen, und zwar in Stücken zum Nennwerte von 20 Pfennig, 50 Pfennig, 1 Mark und 2 Mark. Mit der Verordnung des Finanzministeriums im Freistaat Sachsen vom 31. Dezember 1920 waren nur die Stücke mit der Jahreszahl 1921 als Geldersatzzeichen zugelassen. Alle Stücke mit der Jahreszahl 1920 sowie die Stücke von 5, 10 und 20 Mark mit der Jahreszahl 1920 und 1921 galten nicht als Geldersatzzeichen. Sie hatten lediglich Sammlerwert. Die Annahme als Ersatzwährung war mit der Verordnung bis zum 31. Dezember 1921 beschränkt. Einlösbar waren die Stücke bis 14. Januar 1922.[2] Die Stücke waren kurz nach deren Ausgabe im Umlauf anzutreffen, sie kamen allerdings schnell in Sammlerhände und wurden dann nicht wieder in Umlauf gebracht.

Farbvarianten

Die Stücke aus braunem Böttgersteinzeug haben nicht immer die gleiche braune Farbe. Sie variieren oft von Hellbraun bis Schwarzbraun. Das ist eine Folge des ungleichmäßigen Brandes sowie der Temperatur im Ofen. Die richtige Zufuhr von Sauerstoff spielt beim Brand ebenfalls eine große Rolle. Stücke, die am Rand des Ofens gelegen haben, kommen meist dunkler daher. Große, auffällige, stark abweichende Färbungen oder auch beschädigte Münzen wurden damals aussortiert und eingestampft. Einige unentdeckte Stücke kamen dennoch in den Umlauf. Es gibt auch Stücke, welche Spuren einer schwarzen Lackierung oder einer dunklen Glasur aufweisen. Allerdings gab es zu keinem Zeitpunkt Überlegungen oder gar Versuche, die Notgeldausgaben mit einer Glasur zu verschönern oder haltbarer zu machen. Sehr wichtig ist auch die Lage der Münzen während des Garbrandes. Die nach dem Pressen (Prägen) noch relativ weiche Masse wird solange getrocknet, bis man das Produkt ohne Beschädigungen, meist auf dem Avers, legen und brennen kann. Durch die zum Teil sehr hohen Auflagenzahlen erfuhren die Münzen eine Verbreitung wie kein anderes Produkt der Porzellan-Manufaktur.

Fälschungen

Sofort nach dem Erscheinen avancierten die aus der Not geborenen Behelfsmünzen zu begehrten Sammlerobjekten. Im Jahre 1921 wurde in Meißen eine Falschmünzerwerkstatt von der Polizei ausgehoben. Die damaligen Fälscher waren zum Teil Angestellte der Manufaktur, hatten braune und weiße Porzellanmasse entwendet, heimlich von originalen Formen oder Münzen Abformungen angefertigt, Formen gebaut, Münzen geformt und diese dann in einem extra beschafften Brennofen gebrannt. Gefälscht wurden nicht nur die Notgeldmünzen aus Sachsen, sondern auch Stücke des braunen und weißen Reichsporzellangeldes, das nie im Umlauf, aber beim Sammler sehr begehrt war.[3]

Münzsätze in Schachteln

Es gibt nummerierte Schatullen mit einem gesamten Satz Münzen von 1921, doch stammen diese Schachteln aus privater Herstellung. Nur die Münzen darin kommen aus der Manufaktur Meißen. Die Nummer unter der Schachtel, meist ist diese vierstellig, hat ebenfalls keinen offiziellen Bezug zur Manufaktur.

Literatur

  • Otto Horn: Die Münzen und Medaillen aus der Staatlichen Porzellanmanufaktur zu Meißen. Leipzig 1923.
  • Karl Scheuch: Münzen aus Porzellan und Ton der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen und anderer Keramischen Fabriken des In- und Auslandes. 4., erw. Aufl. mit einem Nachw. und Erg. 1978, unveränd. Nachauflage Strothotte, Gütersloh 1995, ISBN 3-9803482-3-7.
  • Günter Schön / Gerhard Schön: Kleiner Deutscher Münzkatalog, 2013, Battenberg Verlag.
  • Reiner Graff: Münzen aus Weissem Gold. Numis-Post, 10/2010, Bad Ragaz, Schweiz.
  • numiscontrol: Die sächsischen Notmünzen aus Böttgersteinzeug der Jahre 1920/1921–ein Produkt der Pfeifferzeit. Münzen & Sammeln, 06/2010, Gietl-Verlag.
  • numiscontrol: 300 Jahre Porzellan-Manufaktur. Münzen & Sammeln, 02/2010, Gietl-Verlag.
  • numiscontrol: 300 Jahre Manufaktur Meissen. Es gab auch Notmünzen aus Böttger-Steinzeug und Biskuitporzellan. money trend, 03/2010, money trend Verlag, Wien, Österreich.

Weblinks

 Commons: Porzellangeld  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Porzellanmünzen
  2. Verordnung vom 31. Dezember 1920
  3. Riesaer Tageblatt vom 26. August und 17. September 1921

Kategorien: Numismatik | Porzellan | Porzellanmanufaktur Meißen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Porzellangeld (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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