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Polazk


Polazk | Polozk
Полацак | Полоцк
(weißrus.) | (russisch)

Wappen

Flagge
Staat: Weißrussland
Woblasz: Wizebsk
Koordinaten:
Höhe: 231 m
Fläche: 36,74 km²
 
Einwohner: 82.547 (2009)
Bevölkerungsdichte: 2.247 Einwohner je km²
Zeitzone: Moskauer Zeit (UTC+3)
Telefonvorwahl: (+375) 214
Postleitzahl: BY – 211291, 211400 — 211402, 211404 — 211415, 211422
Kfz-Kennzeichen: 2
 
Webpräsenz:

Polazk bzw. Polozk (weißrussisch Полацк /Polazk oder Полацак/Polazak, russisch Полоцк/Polozk, polnisch Połock ) ist die älteste Stadt Weißrusslands. Sie liegt im Norden des Landes an der Düna in der Wizebskaja Woblasz und ist Hauptstadt des Rajon Polazk. Die Bevölkerungszahl beträgt 86.800 Einwohner (2004). Im frühen Mittelalter war Polazk Zentrum eines von drei Fürstentümern auf weißrussischem Gebiet, die aus der Kiewer Rus hervorgingen und die vom heutigen Weißrussland als Vorläuferstaaten angesehen werden. Westlich von Polazk liegt die große Trabantenstadt Nawapolazk.

Geschichte

Der alte ostslawische Name Polotesk leitet sich vom Fluss Polota ab, der nahe der Stadt in die Düna mündet. Die Wikinger verballhornten den Namen zu Palteskja oder Paltejsborg.

Polazk ist eine der ältesten Städte der alten Rus. Schon im Jahre 862 wird es zusammen mit Murom und Beloozero erwähnt. Die nordischen Sagen beschreiben sie als die bestbefestigte Stadt der ganzen Rus.

Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert entwickelte sich das Fürstentum Polazk zu dem wichtigsten Machtzentrum auf weißrussischem Gebiet, neben dem weniger wichtigen Turau im Süden. Mehrmals verteidigte es seine Selbständigkeit gegenüber anderen Zentren der Kiewer Rus und wurde zur politischen Hauptstadt und Bischofssitz. Von hier aus wurden die baltischen Untertanenländer im Westen kontrolliert. Der mächtigste Herrscher war Fürst Wseslaw Brjatschislawitsch (1044 bis 1101).

Seit 1307 war Polazk Teil des Großfürstentum Litauens, angeblich das wichtigste Handelszentrum des Staates. Im Jahre 1498 wurde der Stadt das Magdeburger Recht verliehen. Mit der Verwaltungsreform Anfang des 16. Jahrhunderts wurde eine Wojewodschaft Polazk gegründet. Stefan Batory errichtete hier ein Jesuitenkollegium, dessen erster Rektor Piotr Skarga wurde. Iwan der Schreckliche eroberte Polazk 1563, musste es aber 15 Jahre später wieder zurückgeben. Mit dieser Eroberung begann allerdings der Niedergang der Stadt; nach der Ersten Teilung Polens sank sie zu einem Provinznest des Russischen Reiches ab.

Im Russlandfeldzug Napoleons fand hier 1812 eine Schlacht zwischen russischen Truppen und den bayerischen Verbündeten Napoleons statt. Die bayerische Armee konnte das Feld behaupten und den russischen Angriff, der auf die Flanke des französischen Vormarsches zielte, abweisen. Das bayerische Kontingent der Grande Armée erlitt aber hohe Verluste. Die bayerischen Generale Erasmus von Deroy und Justus von Siebein fielen bei den Kämpfen.

Polazk wurde im Zuge des Russlandfeldzuges im Zweiten Weltkrieg am 30. Juni 1941 von der deutschen Wehrmacht erobert. Zu diesem Zeitpunkt lebten in der Stadt etwa 45.000 Menschen, von denen etwa 60 % weißrussische Juden waren. Viele wurden im Holocaust ermordet. Nur 551 Polazker Juden lebten nach Kriegsende noch in der Stadt. Im Sommer 1944 wurde die Stadt durch die Kämpfe während der Operation Bagration zu über 90 % zerstört. Am 6. Juli 1944 wurde Polazk nach tagelangen Kämpfen befreit. Nach dem Krieg wurde die Stadt von den überlebenden Bewohnern neu aufgebaut.

Wappen

Beschreibung: In Blau eine dreimastige goldene Kogge mit zwei geblähten weißen Rahsegeln und drei Mastflaggen über einen silbernen Wellenschildfuß.

Kultur

Die Sophienkathedrale (1044–1066), die ihre Parallelen in den Sophienkathedralen von Kiew und Nowgorod (und letzten Endes in der Hagia Sophia von Konstantinopel) hatte, unterstreicht den herrschaftlichen Anspruch der Fürsten von Polazk. Das mittelalterliche Gebäude wurde allerdings im 18. Jahrhundert nach Entwurf des zur gleichen Zeit in Vilnius wirkenden Baumeisters Johann Christoph Glaubitz durch eine Barockkirche ersetzt. Das St.-Euphrosyne-Kloster enthält noch Bauteile des 12. Jahrhunderts, aber auch eine große neobyzantinische Kathedrale des Architekten Konstantin Thon. Ehemals bestanden in Polazk auch die Jesuitenkirche und die römisch-katholische Nikolaus-Kathedrale.

In der Stadt ist das historisch-kulturelle Museenkomplex ansässig, dem folgende Museen angehören: Das landeskundliche Museum Polazk, das Museum für Buchdruckkunst, die als Museum fungierende Simeon-Polazki-Bibliothek, das Museum für traditionelle Webkunst der Paazerje-Region, das Museum für Kriegsruhm, das Museum für die Architekturgeschichte der Sophienkathedrale, das Kindermuseum, das Haus von Peter I, die Ausstellung „Прагулка па Ніжнепакроўскай“ (Spaziergang über die Nižnekaproŭskaja, die heute als Leninstraße bezeichnete ehemalige Hauptstraße im historischen Stadtzentrum) sowie die Kunstgalerie.

2003 eröffnete das Janka-Kupala-Theater Minsk eine Filiale in Polazk.

Im 12. Jahrhundert wirkte in Polazk die Nonne und Schriftstellerin Euphrosyne von Polazk (Преподобная Евфросиния Полоцкая, weißruss.: Ефрасіння Полацкая) (1110–1173), die Klöster errichten ließ, Bücher übersetzte und Literatur und Kunst förderte (etwa das als nationale Reliquie geltende „Euphrosynenkreuz“ des Polazker Handwerkers Lazarus Bohscha, das im Zweiten Weltkrieg verlorenging, und die kirchenslawischen Predigten und Schriften des Bischofs Kyrill von Turau, 1130–1182). Sie verstarb bei einer Pilgerreise nach Jerusalem. Ihre Gebeine wurden zunächst im Kiewer Höhlenkloster (Киево-Печерский монастырь) aufbewahrt, im Jahre 1910 aber nach Polazk überführt. Euphrosyne von Polazk gilt als Schutzheilige der Weißrussen.

Der erste Drucker Weißrusslands, Francysk Skaryna, wurde um 1490 in Polazk geboren. Er druckte im Jahre 1517 die erste Bibel in ostslawischer Sprache (in Altruthenisch), nur wenige Jahrzehnte nach Gutenbergs Bibeldruck und wenige Jahre nach der ersten tschechischen Bibel (1506). Skaryna hatte mit seinen Leistungen als Buchdrucker, aber auch mit seinen Bibelübersetzungen in eine Form des Altweißrussischen bzw. Altruthenischen einen nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung der weißrussischen Sprache und gilt heute in Weißrussland (Belarus) als nationale Identifikationsfigur.

Im September 2003 wurde im Zuge der Zehnten "Tage der weißrussischen Literatur ein Denkmal für den weißrussischen Buchstaben Ў enthüllt, der in keinem anderen kyrillischen Alphabet vorkommt.

Bildung und Wissenschaft

In Polazk ist die historisch-philologische Fakultät der Polazker Staatsuniversität beheimatet. Alle anderen Einrichtungen der Universität befinden sich in Nawapolazk.

Söhne und Töchter der Stadt

Verschiedenes

Ein Krater auf dem Mars trägt den Namen Polozk.

Partnerstädte

Polazk unterhält Städtepartnerschaften mit Friedrichshafen, Baden-Württemberg, Deutschland seit 1990

Literatur

Rotraut und Jürgen Binder: „POLOZK – Gibt es da auch einen Urwald“ Ein Lesebuch zur Partnerschaft mit der belarussischen Stadt Polozk. Verlag Robert Gessler, ISBN 3-86136-139-6

Siehe auch

Geschichte Weißrusslands, Goldenes Zeitalter (Weißrussland)

Weblinks

 Commons: Polazk  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort in der Wizebskaja Woblasz | Ort der Wikingerzeit

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Polazk (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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