Philip Kerr, 11. Marquess of Lothian - LinkFang.de





Philip Kerr, 11. Marquess of Lothian


Philip Henry Kerr, 11. Marquess of Lothian, KT, CH, PC, meist als Lord Lothian bekannt (* 18. April 1882 in London; † 12. Dezember 1940 in Washington) war ein britischer Politiker, Journalist und Diplomat. Er war einer der Gründer der Federal Union und ein wichtiger Vordenker des europäischen Föderalismus. Zugleich war er einer der Hauptvertreter der britischen Appeasement-Politik in den 1930er Jahren. Den Adelstitel Marquess of Lothian erbte er 1930 von seinem Cousin Robert Kerr.

Philip Kerr war der Sohn von Lord Ralph Drury Kerr und Enkel von John Kerr, 7. Marquess of Lothian. Nach einer Ausbildung am New College (Oxford) war er von 1905 bis 1910 Regierungsbeamter in der Kapkolonie. 1910 kehrte er nach England zurück, wo er das Round Table Journal herausgab. 1916 wurde er Privatsekretär des britischen Kriegs- und späteren Premierministers David Lloyd George; 1919 nahm er an der Pariser Friedenskonferenz teil. Für diese Tätigkeit wurde er im März 1920 in den Order of the Companions of Honour aufgenommen. Während der zwanziger Jahre kritisierte Lord Lothian mehrfach den Vertrag von Versailles, der zu schlechte Bedingungen für Deutschland gestellt habe.

Zusammen mit verschiedenen anderen ehemaligen Kolonialbeamten (die nach dem südafrikanischen Gouverneur Alfred Milner als Milner’s Kindergarten bezeichnet wurden), setzte sich Lord Lothian für weitreichende Reformen ein, die den Kolonien ein größeres Mitspracherecht im britischen Commonwealth of Nations geben sollten. Dabei war Lord Lothian, anders als die meisten anderen Kolonialoffiziere, auch in Rassenfragen eher liberal eingestellt und sympathisierte mit der indischen Unabhängigkeitsbewegung um Mahatma Gandhi. Zugleich bemühte er sich um eine Verbesserung der anglo-amerikanischen Beziehungen.

Aus einer katholischen Familie stammend, entfernte sich Lord Lothian im Lauf der Zeit von dieser Konfession und schloss sich, beeinflusst durch Nancy Astor, der Christian Science an.

Von 1921 bis 1922 leitete Lord Lothian die United Newspapers. 1931 war er für vier Monate Chancellor of the Duchy of Lancaster und danach bis 1932 Unterstaatssekretär für Indien in der britischen Regierung. 1936 half er der amerikanischen Zeitung Washington Post, die Affäre des britischen Königs Eduard VIII. mit Wallis Simpson aufzudecken, die zur Abdankung Eduards VIII. führte.

In den 1930er Jahren näherte sich Lord Lothian den Ideen des europäischen Föderalismus an, in denen er angesichts der politischen Krise die einzige Möglichkeit zur Verhinderung eines neuen Weltkriegs sah. 1935 hielt er eine bekannt gewordene Rede mit dem Titel Pacifism is not enough (nor patriotism either) („Pazifismus genügt nicht (und Patriotismus auch nicht)“), in der er erklärte, ein System souveräner Nationalstaaten müsse auch bei eigentlich friedliebenden Regierungen zwangsläufig zu einem Krieg führen. Er forderte die Umwandlung des Völkerbunds in einen föderalen Staat. Nachdem Lord Lothian aufgrund seiner Sympathien für Deutschland als Mitglied des Cliveden Set die britische Appeasement-Politik unterstützt hatte, verstärkte er nach dem Münchner Abkommen 1938 seine Bemühungen um eine föderale Organisation Europas. Hierzu gründete er im November 1938 zusammen mit Lionel Curtis die Federal Union, eine der ersten nationalen Organisationen zur Förderung des europäischen Föderalismus.

1939 bis 1940 war Lord Lothian britischer Botschafter in den USA. 1940 starb er an einer Krankheit, nachdem er aufgrund seiner religiösen Überzeugungen eine medizinische Versorgung abgelehnt hatte. Da er bis zum Ende seines Lebens unverheiratet geblieben war und keine Kinder hatte, ging der Adelstitel der Familie nach seinem Tod an seinen Cousin Peter Kerr über.

Er vererbte Blickling Hall (in Norfolk) an den National Trust.

Weblinks

Literatur

  • J. R. M. Butler, Lord Lothian, Philip Kerr, 1882–1940, St. Martin's Press 1960.


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Philip Kerr, 11. Marquess of Lothian (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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