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Pflugk


Die Pflugk, Pflug von Rab(en)stein (tschechisch Pluh z Rab(s)stejna) sind ein böhmisches Uradelsgeschlecht, das mit dem Vladiken Ulricus Pluoch dictus „aratrum“ im Jahr 1287 auf Pluhowy Zdiar in Böhmen erscheint. Vom alttschechischen Zzar stammt vermutlich der Begriff Pflugschar, ein Arbeitsgerät in der Landwirtschaft, als Glücks- und Friedenszeichen im Wappenbild der Pflugk. Ulricus Pluoch gründete 1308 die Pfarrkirche der Heiligen Jungfrau Maria von den sieben Schmerzen in Rabenstein an der Schnella in Westböhmen und erscheint damit erstmals urkundlich [1].

Das Geschlecht in Böhmen ist gleichen Stammes mit den (von) Pflugk in Meißen, aus welchem Karl Christian Freiherr von Pflug, datiert Wien am 7. April 1701 den böhmischen Grafenstand erhielt [2] und den Witanowsky von Wlczkowicz in Böhmen; der genaue genealogische Zusammenhang konnte jedoch nicht festgestellt werden. Die Aufnahme in den Böhmischen Herrenstand erfolgte in Prag 1528 für Johann Pflug von Rabstein, Landeshauptmann und Hofmarschall im Königreich Böhmen und dessen Brüder.

Geschichte

Einer Familiensage nach sollen das Geschlecht von der böhmischen Herrscherin Libuše und deren Gemahl Přemysl der Pflüger abstammen, vermutlich wegen der Erwähnung seiner Tätigkeit als „Pflüger“ vor seiner Eheschließung. Erstmals urkundlich erwähnt wird ein Wladyk Ulricus Pfluoch, der 1287 in Diensten des Adligen Ulrich I. von Neuhaus aus dem Haus der Witigonen stand und das in Südböhmen gelegenen Pluhův Žďár besaß, welches im Ortswappen einen Spaten (eine Pflugschar), belegt mit einem Lindenast führt, dem Stammwappen der Pflugk.

In Böhmen war das Geschlecht von Beginn des 14. Jahrhunderts bis Ende des 16. Jahrhunderts auf den Burgen Rab(en)stein an der Schnella und Burg Königswart im Egerland ansässig. Nachkommen saßen auf Burg Schwarzenburg bei Rötz, Waldmünchen, Störnstein und Neustadt an der Waldnaab im Nordgau, der späteren Oberpfalz, und gehörten dem Herrenstand an.

Die älteste meißnische Besitzung von Abkömmlingen des böhmischen Stammes Pflugk war seit 1338 Schloss und Stadt Strehla an der Elbe. Ab 1349 traten sie in Knauthain im südlichen Umland von Leipzig in Erscheinung und beherrschten als treue Vasallen der Markgrafen von Meißen das Land an Elbe und Pleiße. Sie besaßen im Bornaer Raum Groitzsch; Gut und Schloss Rötha; Schloss, Stadt und Amt Pegau; Eythra, Mausitz, Löbnitz, Deutzen, Großhermsdorf und Wiederau.

Die Reformation hat das Geschlecht zwei unterschiedlichen Religionsgemeinschaften zugeführt. Familien der Pflugk in Böhmen nahmen den evangelisch-lutherischen Glauben an, die Pflugk in Eythra blieben Angehörige der Römisch-katholischen Kirche, deren Angehörige waren Kammerherren, Rittmeister und Obristen in Diensten der Kurfürsten von Sachsen.

Übersicht zur Stammfolge der Pflugk von Rabenstein in Böhmen

  • Ulrich I. genannt Pluoch, Wladyk auf Pluhowy Zdiar, 1287 in Diensten der Herrn von Neuhaus aus dem Haus der Witigonen, erwarb um 1295 Rabenstein in Westböhmen und verstarb nach 1308.
  • Ulrich II. Pflugk von Rabenstein (Pluh z Rabenstejna) 1319–1341 Landes-Unterkämmerer im Königreich Böhmen, Burggraf von Pürglitz und Landhofmeister, verstorben 1341, verehelicht mit Johanna von Michelsberg (z Michalowicz). Er hat den Bruder Czibor alias Tiburtius, Burggraf von Neuhaus.
  • Ulrich III., auf Rabenstein und Dírná, welches im Stadtwappen als Erinnerung an die Pflugk, deren Stammwappen, den Spaten (die Pflugschar) belegt mit einem Lindenast führt. Er verstarb im Jahr 1357 und war verehelicht mit Verenika (Wraczka) Freiin Sswihowsky von Riesenberg, Tochter des Wilhelm II. Frhrn. Sswihowsky von Riesenberg auf Chiech und der Ludmilla von Rabstein.
  • Hintze (Hynczik, d.h. „der kleine Hynek“) I., auf Worlik (Burg Orlik an der Moldau) und ab 1398 auf Borschengrün (Borsengryn) bei Eger (Cheb) im Egerland; Hauptmann des königlichen Grenzwaldes gegen Bayern dem „Hwozd“ (= Künisches Gebirge), dann Landvogt in der Oberlausitz, verstorben 1401, verehelicht mit Amatia Zenger von Tannstein.
  • Hintze (Hynczik) II. auf Burg Schwarzenburg bei Rötz in Bayern, Pfleger auf Chamb (Cham) und Störnstein, verstorben 1448, verehelicht mit Praxidis von Parsberg, verwitwete von Stauff zu Ehrenfels (Burg bei Beratzhausen in der Oberpfalz, Landkreis Regensburg).
  • Sebastian I. Pfleger auf Cham und Wörth, Gründer des Löwlerbundes, einer Adelsgesellschaft des 15. Jahrhunderts, welche in Cham tagte und gegen den Bayerischen Herzog Albrecht IV. und dessen Ansprüche hinsichtlich finanzieller Leistungen gerichtet war. Er war Feldhauptmann des Heeres des Deutschen Ordens in Bayern gegen die Angriffe der Hussiten; er verstarb 1492 und war verehelicht mit Heswiga Freiin von Rozmital, Tochter des Zdenko Frhr. von Rosenthal und Blatna auf Zbirow.
  • Hintze (Hynczik) III., auf Petschau, Pfandherr der Burg Pisek, verstorben 1503, verehelicht mit Agnes von Schwanberg, Tochter des Hynek Fhrh. von Schwanberg auf Hayd, Kreishauptmann des Pilsener Kreises und der Margarethe von Plauen auf Königswarth. Hintze III Pflugk von Rabenstein hat die Geschwister:
  1. Johanna, verehelicht mit Johann Zwirzeticzky von Wartenberg;
  2. Wenzel, verstorben vor 1440;
  3. Anna, verehelicht 1477 mit Heymeram Notthaft von Wernberg;
  4. Elisabeth, verehelicht mit dem Reichsfreiherren Hieronymus von Stauff zu Ehrenfels (Burg bei Beratzhausen in der Oberpfalz/Landkreis Regensburg) und zu Köfering;
  5. Praxidis, verehelicht 1487 mit Amarg Frhr. von Wildenfels.

Kinder des Ehepaares Hintze III. Pflugk von Rabenstein und Agnes von Schwanberg sind:

  1. Johann (Hans IV.) Freiherr Pflug von Rabenstein (d.d.1528), auf Petschau, Tachau, Königswart und Kuttenplan, Deutscher Lehenshauptmann, königlicher Hofmarschall und von 1633 bis 1537 Oberstkanzler des Königreich Böhmen, verstorben am 14. August 1537 in Prag und im Veitsdom am Hradschin in Prag zu Grabe gelegt, verehelicht mit Katharina Haslauer von Haslau, verstorben 1548, Tochter des Martin H. von H., Hauptmann auf Königswart.
  2. Hintze (Hyczik) IV., auf Königswart, verstorben 1531, war verehelicht mit Dorothea Gräfin von Gleichen.
  3. Sebastian II., auf Gottschau (Kočov), unverehelicht 1520 verstorben.
  4. Stephan, auf Alt-Teinitzl, unverehelicht 1533 verstorben.
  5. Kunigunde, Nonne, + …
  6. Margarethe, verehelicht mit Stephan Graf Schlik von Passaun und Weisskirchen, Freiherr von Holeycz, 1526 verstorben.
  7. Christoph Pflug von Rabstein, auf Gottschau, verstorben 1519, verehelicht mit Siguna Gräfin von Schlik, der Schwester ihres Schwagers Stephan Graf Schlik von Passaun und Weisskirchen, Freiherr von Holeycz, Tochter des Kaspar II. Graf Schlik zu Passaun und Weisskirchen, Frhr. von Holeycz, auf Schlackenwert und der Elisabeth Gräfin von Guttenstein- Vrtba.

Deren drei Kinder sind:

  1. Kaspar Pflug von Rabstein, Herr auf Petschau, Rabenstein und Königswart, 1546 Inhaber höchster Ämter in Böhmen unter Ferdinand I., Sprecher der protestantisch-evangelisch-lutherischen Opposition des böhmischen Herrenstandes gegen den König; fiel im Jahr 1547 in Ungnade, wurde des Landes verwiesen und sein Vermögen eingezogen. Unter Kaiser Maximilian II. rehabilitiert und wieder in seine Würden eingesetzt. Er erhielt seine Güter mit Ausnahme von Petschau zurück, welches zwischenzeitlich an die Stadt Schlaggenwald verkauft worden war. Er verstarb als letzter des Namensträgerstammes der Plug(k) von Rab(en)stein in Böhmen im Jahr 1585 auf Falkenau in Westböhmen, in Kolditz im Jahr 1572 ehelichte er Magdalena Gräfin von Schaumburg.
  2. Anna, verstorben 1585, verehelicht mit Wolfgang Graf Schlik von Passaun und Weißkirchen, Freiherr von Holeycz.
  3. Ursula, verstorben nach 1577, verehelicht mit Hans Vitzthum auf Kupferberg und vor 1566 verstorben.

Übersicht zur Stammfolge der Pflugk in Meißen/Sachsen

Im meißenschen Lande zählte das Pflugk’sche Geschlecht zu den vier Hauptsäulen und Prinzipalgeschlechtern des meißenschen Heldenadels und wird gewöhnlich an erster Stelle genannt. Die Familie schrieb sich damals ohne das adelige Prädikat, wie bis etwa 1650 alle uradligen Familien, die sich nicht nach einer Stammburg, sondern nach ihrem Wappensymbol oder einer sonstigen Eigenschaft benannten[3]. 1528 kamen Herrschaft und Burg Posterstein in den Besitz der Familie.

Weitere Besitze

Wappen

Der Schild ist von Rot und Silber geviert. In Feld 1 und 4 eine schräge silberne Pflugschar und in Feld 2 und 3 schräg rechts ein natürlicher Lindenast mit drei (2 zu 1) Blättern. Auf dem gekrönten Helm zwei silberne, schräg voneinander gestellte Pflugschare, je außen rings mit sieben abwechselnd rot-silbernen Straussenfedern besteckt. Die Decken sind rot-silbern.

Literatur

Weblinks

 Commons: Pflugk  – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Wie das Geschlecht derer von Pflug zu ihrem Wappen gekommen ist (Sage) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. (Lib. Confirm I)
  2. (BSB Band CV, Seite 514 bis 521)
  3. vgl. z. B. Hahn (Adelsgeschlecht) oder (bis heute) Grote (Adelsgeschlecht)
  4. Peter Schwarz: Das tausendjährige Leipzig. Band 1. ProLeipzig 2015, ISBN 978-3-945027-04-2, S. 62
  5. Inventarium diplomaticum historiae Saxoniae Superioris, S. 769, online in der Google-Buchsuche

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Pflugk (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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