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Paul Raabe


Dieser Artikel behandelt den Literaturwissenschaftler und Bibliothekar. Zum gleichnamigen Industriemanager siehe Paul Raabe (Industrieller).

Paul Raabe (* 21. Februar 1927 in Oldenburg; † 5. Juli 2013 in Wolfenbüttel) war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Bibliothekar, laut FAZ „Deutschlands bekanntester Bibliothekar“.[1]

Leben

Nach der Ausbildung zum Diplom-Bibliothekar an der Landesbibliothek Oldenburg und dem Studium der Germanistik und Geschichte in Hamburg war er in den Jahren 1958 bis 1968 Leiter der Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach, bevor er im Jahre 1968 die Leitung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel übernahm. Hier begann er die Bibliothek, die im 17. Jahrhundert als die größte in Europa galt, zu einer modernen, international anerkannten Studien- und Forschungsstätte für das Mittelalter und die frühe Neuzeit auszubauen und zu öffnen. So wurden unter anderem ein Stipendien- und Forschungsprogramm, eine Publikationsabteilung und ein Schülerprogramm eingerichtet. Nach und nach wurden weitere Gebäude in die Bibliothek mit einbezogen, so dass ein regelrechtes Bibliotheksquartier entstand.

Als Bibliothekar in Wolfenbüttel stand Raabe in der Nachfolge von Gottfried Wilhelm Leibniz und Gotthold Ephraim Lessing. 1987 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Jagiellonen-Universität in Krakau und der Technischen Universität Braunschweig.[2] Im Jahre 1991 bekam Raabe die Ehrenbürgerwürde der Stadt Wolfenbüttel verliehen.

Von 1992 bis 2000 war Raabe Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Mitglied des Stiftungsrates der Klassik Stiftung Weimar und des Kuratoriums Weimar ’99.

Im Februar 1997 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, am 21. Februar 2002 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Halle (Saale) verliehen.[3] Raabe veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buch-, Bibliotheks- und Quellengeschichte, zur Literatur des Expressionismus, der Aufklärung und zur Weimarer Klassik. Seinen wissenschaftlichen Nachlass vermachte er der Landesbibliothek Oldenburg.[4]

Paul Raabe war verheiratet mit Mechthild Raabe, der Schwester des Schriftstellers Hans Egon Holthusen. Er hatte vier Kinder, darunter Katharina, Lektorin für osteuropäische Literatur im Suhrkamp Verlag Berlin, und Christiane, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek München. Seine Schwester Elisabeth Raabe ist Literaturwissenschaftlerin und Verlegerin.

Paul Raabe starb am 5. Juli 2013 in Wolfenbüttel nach einem Schlaganfall.[5]

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Einführung in die Bücherkunde zur deutschen Literaturwissenschaft. Metzler: Stuttgart 1961
  • Quellenkunde zur neueren deutschen Literaturgeschichte. Metzler: Stuttgart 1962. VIII+144 S.
  • Die Briefe Hölderlins – Studien zur Entwicklung und Persönlichkeit des Dichters. Stuttgart: Metzler 1963. X+326 S.
  • Die Zeitschriften und Sammlungen des literarischen Expressionismus. Repertorium der Zeitschriften, Jahrbücher, Anthologien, Sammelwerke, Schriftenreihen und Almanache 1910–1921. Stuttgart: Metzler 1964. 14+263 S.
  • Franz Kafka: „Sämtliche Erzählungen“. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1970, ISBN 3-596-21078-X (als Herausgeber)
  • Bücherlust und Lesefreuden. Beiträge zur Geschichte des Buchwesens im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Metzler Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 978-3-4760-0556-4
  • Wie Shakespeare durch Oldenburg reiste. Skizzen und Bilder aus der oldenburgischen Kulturgeschichte. Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1986, ISBN 978-3-8735-8275-0
  • Spaziergänge durch Nietzsches Sils-Maria. Arche Verlag, Zürich 1994, (6. Auflage), ISBN 978-3-7160-2182-8
  • Spaziergänge durch Lessings Wolfenbüttel. Arche Verlag, Zürich 1997, ISBN 978-3-7160-2228-3
  • August Hermann Francke 1663–1727. Bibliographie seiner Schriften. Verlag der Franckeschen Stiftungen Halle im Max-Niemeyer-Verlag, Tübingen 2001, ISBN 978-3-4848-4105-5
  • … in mein Vaterland zurückgekehrt: Adolph Freiherr Knigge in Hannover 1787−1790. Wallstein Verlag, Göttingen 2002, ISBN 3-89244-639-3
  • Mein expressionistisches Jahrzehnt. Anfänge in Marbach am Neckar. Arche Verlag, Zürich 2004, ISBN 978-3-7160-2328-0
  • Zu Gast bei Max Brod – Eindrücke in Israel 1965. Niemeyer Verlag, Hameln 2004, ISBN 978-3-8271-8813-7
  • Lessings Bucherwerbungen. Verzeichnis der in der Herzoglichen Bibliothek Wolfenbüttel angeschafften Bücher und Zeitschriften 1770–1781 (mit Barbara Strutz), Wallstein-Verlag, Göttingen 2004, ISBN 978-3-8924-4830-3
  • Spaziergänge durch Goethes Weimar. Arche Verlag, Zürich 2005, (10., aktualisierte Neuauflage), ISBN 978-3-7160-2256-6
  • Das Historische Waisenhaus: Das Hauptgebäude der Franckeschen Stiftungen. (mit Thomas Müller-Bahlke), Verlag der Franckeschen Stiftungen, Halle (Saale) 2005, (2., veränderte Auflage), ISBN 978-3-9314-7973-2
  • Eva König (Hamburger Köpfe). Verlag Ellert & Richter, Hamburg 2005, ISBN 978-3-8319-0191-3
  • Lessings Büchernachlaß: Verzeichnis der von Lessing bei seinem Tode in seiner Wohnung hinterlassenen Bücher und Handschriften 1781. (mit Barbara Strutz), Wallstein-Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0157-3
  • Frühe Bücherjahre: Erinnerungen. Arche Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-7160-2369-3
  • Bibliosibirsk oder Mitten in Deutschland. Jahre in Wolfenbüttel. Arche Verlag, Zürich 2007, (2. Auflage). ISBN 978-3-7160-2139-2
  • Leserleben: Geschichten von Fürsten, Sammlern, Gelehrten und anderen Lesern. Arche Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-7160-2383-9
  • Tradition und Innovation. Studien und Anmerkungen zur Bibliotheksgeschichte. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderband 110. Mit einem Nachwort von Georg Ruppelt. Frankfurt am Main : Klostermann, 2013

Literatur

  • Paul Raabe zum 80. Geburtstag. Ein Lebenswerk in Büchern. Katalog zur Ausstellung 22. 2. bis 14. 4. 2007 in der Landesbibliothek Oldenburg. Isensee, Oldenburg, 2007. ISBN 978-3-89995-393-0.
  • Ricarda Dick (Hrsg.): Ich war nie Expressionist. Kurt Hiller im Briefwechsel mit Paul Raabe 1959–1968, Wallstein Verlag, Göttingen 2010. ISBN 978-3-8353-0785-8.
  • Mühlpfordt, Günther, Aufsatz aus Anlass des 85. Geburtstages von Prof. Dr. Dr. mult. Paul Raabe. 2. bearbeitete Fassung, Hg. Dr. Rolf Osterwald, in: Francke-Blätter, Heft 2/2012 und Heft 3/2012, erweiterte Neudrucke als 3. und 4. Ausgabe, Hg. Frank Motzki; Satz und Druck: Buchfabrik Halle , Halle (Saale) 2012 und 2013.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Retter des Expressionismus In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. März 2004, Nr. 66, Seite 36.
  2. Technische Universität Braunschweig, Ehrendoktorwürde , abgerufen am 5. Juli 2013.
  3. Verzeichnis der Ehrenbürger der Stadt Halle (Saale) (PDF; 46 KB), abgerufen am 5. Juli 2013.
  4. Landesbibliothek eröffnet Paul-Raabe-Archiv , abgerufen am 15. April 2015
  5. Börsenblatt von 5. Juli 2013 , abgerufen am 5. Juli 2013.
  6. Weimar-Preis 2007 für Paul Raabe , abgerufen am 5. Juli 2013.


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Paul Raabe (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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