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Parteitag der SED


Der Parteitag der SED war offiziell das höchste Parteiorgan der SED. Beim Parteitag wurde das Zentralkomitee der SED bestimmt. Die Parteitage fanden ab 1976 im neu gebauten Palast der Republik in Berlin statt, zuvor wurde unter anderem die Werner-Seelenbinder-Halle genutzt.

Allgemeines

Die Parteitage der SED waren von der Parteiführung in hohem Maße vorbereitet und inszeniert. Die Delegierten des Parteitages wurden vom Zentralkomitee der SED ausgewählt und eingeladen. Man achtete darauf, dass von den staatlichen Massenorganisationen eine angemessene Zahl an Mitgliedern teilnahm und ein Anteil von Frauen und Jugendlichen sowie von "vorbildlichen Arbeitern" ausgewählt wurde. Die vom Zentralkomitee bestimmten Kandidaten wurden dann in Delegiertenkonferenzen vom lokalen Parteiapparat vorgeblich gewählt.

Alle Diskussionsbeiträge auf dem Parteitag mussten vorher dem Zentralkomitee zur Bestätigung vorgelegt werden. Grußadressen von anderen Massenorganisationen, insbesondere von den Thälmann-Pionieren und vom Jugendverband FDJ, der offiziellen „Kampfreserve der Partei“, waren Teil der Parteitagsregie. Diese jüngeren Redner durften mit harmlosen scherzhaften Bemerkungen in ihren Redebeiträgen die oft stundenlangen Redebeiträge auflockern. Außerdem gab es eine Kampfadresse der Genossen von den bewaffneten Organen sowie internationale Grußadressen der sozialistischen Bruderparteien, deren Vorsitzende bzw. Generalsekretäre meist mit Delegationen im Präsidium vertreten waren. Neben dem offiziellen Teil gab es lange Diskussionsbeiträge, veröffentlicht im Neuen Deutschland, sowie gemäßigt kritische Diskussionen in den Arbeitskreisen während des Parteitages. Anlässlich des Parteitages gab es von den Genossen „freiwillige“ Beiträge zur Planübererfüllung bzw. besonders wichtige Parteitagsprojekte.

Ein besonderes Kennzeichen jedes Parteitages war das pausenlose Mitschreiben der Delegierten, obwohl alle offiziellen Reden am nächsten Tag im parteieigenen Zentralorgan Neues Deutschland seitenlang abgedruckt wurden. Beifall wurde im Wortlaut genau verzeichnet, beispielsweise „langanhaltender stürmischer Beifall, unterbrochen von Hochrufen auf Partei und Regierung der DDR“. Für die Delegierten gab es als Parteitagsgeschenk meist eine vergoldete Uhr, die ihren Träger als wichtige Persönlichkeit in der DDR auswies.

Im April 1946 wurde am Gründungsparteitag der SED ein jährlicher Turnus der Parteitage festgelegt. Der II. Parteitag fand tatsächlich 1947 statt, der dritte jedoch erst 1950. Danach wurden die Parteitage alle vier Jahre (außer zwischen dem V. und VI. Parteitag) und ab 1971 alle 5 Jahre abgehalten. Der letzte reguläre Parteitag war der XI. Parteitag 1986. Im Zuge zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde 1989 verfügt, den XII. Parteitag von 1991 auf 1990 (15.–19. Mai) vorzuverlegen. Infolge der politischen Wende in der DDR 1989 fand er nicht mehr statt. Stattdessen gab es am 8. und 9. Dezember 1989 einen Sonderparteitag der SED, wo die SED sich zu ihrer neuen Rolle bekannte und den Namen SED/PDS annahm.

Liste der Parteitage

Zeitraum Ort Inhalte
I. Parteitag 21. – 22. April 1946 Berlin Gründungsparteitag, Vereinigung von KPD und SPD
II. Parteitag 20. – 24. September 1947 Berlin
III. Parteitag 20. – 24. Juli 1950 Berlin
IV. Parteitag 30. März – 6. April 1954 Berlin
V. Parteitag 10. – 16. Juli 1958 Berlin Postulat der Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik
VI. Parteitag 15. – 21. Januar 1963 Berlin Neues Ökonomisches System (NÖS) zur Planung und Leitung der Volkswirtschaft wird beschlossen. Vorgesehen war die Dezentralisierung der Führungs- und Planungsinstanzen und mehr Eigenverantwortlichkeit der Betriebe.
VII. Parteitag 17. – 22. April 1967 Berlin
VIII. Parteitag 15. – 19. Juni 1971 Berlin Ära Generalsekretär Erich Honecker. Zu einem der Höhepunkte am Eröffnungstag gestaltete sich die im Originalton übertragene Grußbotschaft der Saljut 1-Besatzung an den Parteitag.

Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik wird beschlossen.

IX. Parteitag 18. – 22. Mai 1976 Berlin Annahme eines neuen Programms und Statuts[1]
X. Parteitag 11. – 16. April 1981 Berlin 2700 Delegierte bestätigen das Zentralkomitee und Erich Honecker einstimmig als Generalsekretär. Das Politbüro wird von 19 auf 17 Mitglieder verkleinert. Beschluss eines Wirtschaftsplans mit dem Ziel einer Wachstumsrate von 5 Prozent bis 1985.
XI. Parteitag 17. – 21. April 1986 Berlin Der Generalsekretär des ZK der KPdSU, Michail Gorbatschow spricht auf dem Parteitag der SED im Palast der Republik.
Sonderparteitag SED/PDS 8./9. und 16./17. Dezember 1989 Berlin Nach kontroverser Debatte, Vorschlägen und Gegenvorschlägen zu Personen und zum Wahlmodus billigten die Delegierten in der Dynamo-Sporthalle die Zusammensetzung der Redaktionskommission, der Antragskommission und der Wahlkommission des Parteitages der SED. Wahl des neuen Vorsitzenden der SED, Gregor Gysi.

Literatur

  • Protokoll des 2. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. 20. bis 24. September 1947 in der Deutschen Staatsoper zu Berlin. Dietz Verlag, Berlin 1947
  • Protokoll der Verhandlungen des VI. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. 15. bis 21. Januar 1963 in der Werner-Seelenbinder-Halle zu Berlin. Dietz Verlag, Berlin 1963
  • Protokoll der Verhandlungen des VIII. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. 15. bis 19. Juni 1971 in der Werner-Seelenbinder-Halle zu Berlin. Dietz Verlag, Berlin 1971
  • Protokoll der IX. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Dietz Verlag, Berlin 1976

Weblinks

 Commons: Parteitag der SED  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Namengeber für Maschinenpistole IX. Parteitag

Kategorien: Parteitag | Veranstaltung (DDR) | Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Parteitag der SED (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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