Přísečnice - LinkFang.de





Přísečnice


Přísečnice (deutsch Preßnitz [ˈpʁeːsnit͡s]) war eine alte Bergstadt im Ústecký kraj in Tschechien. Mit Beschluss zum Bau der Talsperre Preßnitz wurde der Ort folgend ausgesiedelt und aufgegeben. Das ehemalige Stadtgebiet liegt versunken unter der Wasseroberfläche.

Geografie

Sie befand sich bis 1974 auf dem Kamm des Erzgebirges an der Stelle, wo sich heute der Stausee der Talsperre Preßnitz erstreckt. Das Kataster von Přísečnice umfasst eine Fläche von 1290,0872 ha[1] und gehört zur Gemeinde Kryštofovy Hamry.

Geschichte

Allgemeingeschichtlicher Überblick

Der alte Passort Preßnitz, 1335 erstmals erwähnt als oppidium (Städtchen), erhielt um 1340 unter König Johann von Böhmen eine Münzstätte, in der böhmische Groschen, die sogenannten Bremsiger, mit der Aufschrift: „Johannes primus Dei gratia Rex Bohemiae“ geprägt wurden. Kaiser Karl IV. verlieh die Herrschaft über den Ort den Herren von Schönburg auf Hassenstein. Anfang des 15. Jahrhunderts ging sie in den Besitz der Familie Lobkowitz über. 1533 erwarben die Grafen Hieronymus und Lorenz Schlick die Herrschaft Preßnitz. Unter den Schlicks blühte der Silberbergbau.

Der böhmische und römisch-deutsche König Ferdinand I., der ab 1545 neuer Besitzer von Preßnitz war, erhob den Ort ein Jahr später zur Königlich freien Bergstadt.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges war Preßnitz und die nähere Umgebung Schauplatz einer bedeutenden Kampfhandlung zwischen schwedischen und kaiserlichen Truppen: Die Schweden unter Johan Banér waren – verfolgt von kaiserlichen Kavallerieregimentern – auf kürzestem Weg über böhmisches Gebiet nach Sachsen unterwegs und zogen am 17. März jul./ 27. März 1641 greg. von Kaaden aus über den Passweg ins Erzgebirge. Auf dem Gebirgskamm kam es zur Schlacht bei Preßnitz. Banér verlor dabei etwa 4000 Mann, was nahezu einem Drittel der Truppenstärke entsprach.[2]

Im Jahr 1811 gab es einen großen Brand, bei dem elf Bewohner starben und 307 Häuser abbrannten. 1906 wurde Preßnitz Kreisstadt. Ab 1918 gehörte der Ort zur Tschechoslowakei, 1938 wurde er an das Deutsche Reich angeschlossen. Im Ort ansässig war ein Gericht und die Bezirksverwaltung. Im Ort befand sich ein großes Barockschloss, eine Reihe von Häusern mit gotischen Portalen, die Barockkirche der Jungfrau Maria und die gotische Kirche des Heiligen Nikolaus, in der 1510 der böhmische Humanist Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein begraben wurde. Nach dem Ende der Österreichisch-Ungarische Monarchie verlor sie an Bedeutung.

In den Jahren 1945 und 1946 wurde die überwiegend deutschböhmischen Bevölkerung vertrieben. In der Folgezeit verfiel die Stadt immer mehr und viele Häuser wurden abgerissen.

Mit Beschluss zum Bau der Talsperre Preßnitz, in deren geplantem Stauraum sie lag, wurde Přísečnice sukzessive ausgesiedelt, Häuser, Kirchen und Barockschloss wurden abgerissen. – Im Jahr 1973 war Preßnitz einer der Drehorte für den bundesdeutschen Spielfilm „Traumstadt“ des Regisseurs Johannes Schaaf. Für den Filminhalt wurden am 6. Juni 1973 auch einige Gebäude gesprengt.[3] – Mit Füllung der 1976 fertiggestellten Talsperre versanken Rest und Ruinen im Stausee.

Bergbau

Frühzeitig ist der Bergbau in der Umgebung von Preßnitz nachweisbar. Besonders im etwa 3 Kilometer nordwestlich der Stadt gelegenen Höhenzug, dem Kremsiger (auch Bremsiger genannt) war man sehr fündig. Grundlage des Abbaus waren hier Skarnlager mit Magnetit und Gängen von Hämatit und Silber. Die im Bereich dieser Erzlager entstandene Bergbausiedlung entstand nach den bisher vorliegenden archäologischen Befunden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.[4] Die ertragreichsten Jahre des Silberbergbaus waren 1535 bis 1537. In diesem Zeitraum förderte man 252 Zentner oder 55440 Mark Silber.

Der Eisenbergbau war ebenso von großer Bedeutung für die Stadt. In einer Urkunde über die Ankunft des Städtleins und Bergwerk in und uff der Preßnitz in der Kron Boheimb von 1583 werden 26 Eisenhämmer genannt, die sich vor den Feldzügen der Hussiten in der Umgegend befunden haben sollen und von diesen niedergebrannt wurden. In seiner Kriegschronik verortet der Chronist Christian Lehmann ebendiese „Von der Schmeltzgrube an, am Wasser hinauf, biß an die Preßnitz.“ [5]

Im Jahr 1524 entstand am Fuß des Höllberges bei Preßnitz ein Hammerwerk, in dem ein Hans Siegel Hammermeister war. Ein anderes Preßnitzer Hammerwerk war von 1727 bis 1832 im Besitz der königlichen Kammer, danach fiel es an die Herrschaft Rothenhaus, die sich in den Händen der Gräfin Gabriela Buquoy befand. Die bedeutendsten auf Eisenerz bauenden Zechen bei Preßnitz waren die Dorothea-Zeche und die Fischer-Zeche südwestlich der Stadt in Richtung Orpus. Erst 1922 wurde der Betrieb auf der letztgenannten Zeche endgültig eingestellt, deren Schacht eine Tiefe von 80 Metern erreichte. Gefördert wurden vor allem Magnet- und Granat-Eisenstein.[6]

Musikstadt Preßnitz

Seit dem frühen 19. Jahrhundert war die Stadt Ursprung zahlreicher fahrender Musikkapellen sowie Einzelmusikanten und Musikantinnen, die zum Lebensunterhalt durch die Länder zogen. Die Besonderheit der Preßnitzer lag im Harfenspiel, welches auf den von 1776 bis 1792 amtierenden Bürgermeister Ignaz Walter zurückgeht. Walter war für seine Fertigkeit auf der Harfe weithin bekannt und legte den Grundstein für die Ausbildung mehrerer Generationen von Spielern und Spielerinnen dieses Instruments.[7]

Als kurz vor 1800 die hier 1764 geborene Harfenistin Anna Maria Görner mit reichlich Geld von einer Wanderung nach Leipzig zurückkehrte, löste dies in der Stadt und näheren Umgebung eine regelrechte Welle solcher Wanderungen aus. – Entscheidender Anlass für die vielen Wanderungen war die große wirtschaftliche Not durch eine außergewöhnliche Teuerung im Jahr 1805, den verheerenden Stadtbrand von 1811 sowie durchziehende Truppen infolge der napoleonischen Kriege.[7][8]

Insbesondere Mädchen und Frauen – die mit diesen Wanderungen oft bereits im Alter von elf oder zwölf Jahren begannen und ihre einfachen, von ortsansässigen Tischlern gefertigten Hakenharfen auf dem Rücken umhertrugen – waren im 19. Jahrhundert als „Preßnitzer Harfenmädchen“[9][8] unterwegs. Konzerte von herausragenden Preßnitzer Musikkapellen – insbesondere Damen- aber auch gemischte Kapellen – lassen sich auf dem Balkan, in Moskau und San Francisco nachweisen. Im Jahr 1813 spielte eine Kapelle vor Kaiser Franz II. von Österreich, Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Die Kapellen regelten ihre Konzerte über Agenten und nach 1830 gab es zunehmend „organisierte“ Reisen in ganz West- und Osteuropa, sogar Kairo, Indien, China, Japan und Nordamerika waren Spielorte.[10] Preßnitzer Passprotokolle von 1834 besagen, dass aus den umliegenden Orten 16 Harfenmädchen auf Wanderung gingen.[8] Für um 1860 wird berichtet, dass jährlich allein in Preßnitz jährlich über 300 Reiseerlaubnisse erteilt werden und auf jede Erlaubnis fünf bis sechs Personen kommen.[11]

Die Preßnitzer sangen und spielten auch ohne Notenkenntnis mündlich überliefertes und von Älteren beigebrachtes Liedgut, waren aber auch in der Lage sich nach den Vorlieben des Publikums zu richten und neue Strömungen aufzunehmen.[7] Um die Qualität und den Ausbildungsgrad zu steigern wurde zuerst 1881 von Wilhelm Rauscher eine private Musikschule gegründet. Mit Erlass des Ministeriums für Kultus und Unterreicht vom 13. November 1895 wurde eine öffentliche, städtische Musikschule genehmigt und im Herbst des Folgejahres eröffnet. Im Jahr 1905 wurde sie dem Prager Konservatorium unterstellt. Die Schüler wurden in sechs Klassen zu insgesamt etwa 200 Schülern in Gesang sowie an allen Streich- und Blasinstrumente, Klavier, Orgel, Schlagzeug, Gesang, Harmonielehre, Kontrapunkt und Musikgeschichte zu Orchestersängern bzw. -musikern ausgebildet[8]. Die Absolventen waren aufgrund ihrer Ausbildung hoch geschätzt. Unter dem letzten Direktor Emil Müller erreichte die Musikschulbildung ihren Zenit und wurde dann durch die Vertreibung der deutschböhmischen Bevölkerung nach Ende des Zweiten Weltkriegs abrupt und endgültig beendet.[12]

Erwähnenswert ist ferner, dass Preßnitzer Musiker auch Eingang in Karl Mays Romanserie Orientzyklus, in der Kara Ben Nemsi im dritten Band „Von Bagdad nach Stambul“ im fernen Damaskus einer solchen Gruppe begegnet, fanden.[13]

Entwicklung der Einwohnerzahl

Jahr Einwohnerzahl[14]
1869 2988
1880 3487
1890 3433
1900 4080
Jahr Einwohnerzahl
1910 3668
1921 2632
1930 2606
1950 731
Jahr Einwohnerzahl
1961 660
1970 395

Persönlichkeiten

  • Leopold Knebelsberger (1814–1869), der Komponist des Andreas-Hofer-Liedes, lebte viele Jahre in Preßnitz. Seine Frau war eine gebürtige Preßnitzerin.
  • Richard Markgraf (* 13. März 1869 in Preßnitz; † 1916), Fossiliensammler und Paläontologe
  • Eugen Sänger (* 22. September 1905 Preßnitz; † 10. Februar 1964 Berlin), Raketentechniker.
  • Anton Seifert (* 1826 in Preßnitz; † 1873), k. k. Militärkapellmeister, Schöpfer des Kärntner-Lieder-Marsches.

Literatur

  • Königliche freye Bergstadt Preßnitz. In: Joseph Eduard Ponfikl (Hrsg.): Vollständiger Umriß einer Topographie des Saazer Kreises im Königreiche Böhmen. Vierter Band. Carl Wilhelm Enders, Prag 1828, S. 295–305 (Digitalisat ).
  • Willy Ludewig: Der Bergbau im Gebiet der Herrschaft Hassenstein-Preßnitz. In: Friedrich Köhler (Hrsg.): Vom silbernen Erzgebirge. Kreis Annaberg. Band 1. Glückauf-Verlag, Schwarzenberg 1938, S. 101–107 (Onlineversion des Beitrags auf alterzgebirge.info [abgerufen am 23. Juni 2016]).
  • Josef Hoßner: Die Musikpflege in Preßnitz. In: Nordwestböhmischer Gebirgsvereins-Verband (Hrsg.): Erzgebirgs-Zeitung. Monatsschrift für Volkstum und Heimatkunde Nordwestböhmens. 7. und 8. Heft des 42. Jahrgangs, Juli–August. Teplitz-Schönau 1921, S. 103–104 (Digitalisat ).
  • Eveline Müller: Musiker aus Preßnitz in aller Welt. 1993-1994. In: Sudetendeutsches Archiv (Hrsg.): Jahrbuch für Sudetendeutsche Museen und Archive. München 1994, ISBN 3-930626-04-7, S. 193–218 (Onlineversion des Beitrags auf ww.pressnitz.de [abgerufen am 15. Juni 2016]).
  • Josef Fehnl: Preßnitz, die Musikantenstadt. In: Sudetendeutscher Presseverein (Hrsg.): Sudentenpost. 8. Jahrgang, Folge 9. J. Wimmer Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H, Linz 4. Mai 1962, S. 4 (Digitalisat [PDF]).
  • Franz Ambrosius Reuß: Der Silberbergbau bei Presnitz. In: Mineralogische und bergmännische Bemerkungen über Böhmen. Christian Friedrich Himburg, Berlin 1801, S. 612–616 (Digitalisat ).
  • Bernd Schreiter: Das Heimatbuch vom Preßnitztal. Verlag Bernd Schreiter, Arnsfeld 2015.

Weblinks

 Commons: Přísečnice  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bresnitz in der Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi/736201/Prisecnice
  2. Zdeněk Hojda: Der Kampf um Prag 1648 und das Ende des Dreißigjährigen Krieges. In: Klaus Bußmann, Heinz Schilling (Hrsg.): 1648: Krieg und Frieden in Europa. Band 1. Münster 1998, ISBN 3-88789-127-9, S. 403–412 (Onlineversion des Beitrags auf lwl.org [abgerufen am 17. Juni 2016]).
  3. Lohr's erste Patenstadt Preßnitz im Erzgebirge. In: pressnitz.de. Abgerufen am 17. Juni 2014.
  4. Petr Lissek et al.: Untersuchung der Bergbausiedlung Kremsiger im Jahr 2013. in: Landesamt für Archäologie Sachsen (hg.): ArchaeoMontan 2014. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beiheft 29, Dresden 2014, S. 160-166, hier: S. 166.
  5. Willy Ludewig: Der Bergbau im Gebiet der Herrschaft Hassenstein-Preßnitz. … S. 101–107.
  6. Bernd Schreiter: Hammerwerke im Preßnitz- und Schwarzwassertal. Streifzüge durch die Geschichte des oberen Erzgebirges Heft 14, Annaberg-Buchholz 1997, S. 16 (PDF; 200 KB) (Memento vom 22. Februar 2012 im Internet Archive).
  7. 7,0 7,1 7,2 Ralf Heimrath: Fahrende Musikanten aus Böhmen in der Oberpfalz. In: Oberpfälzer Kulturbund (Hrsg.): Festschrift zum 35. Bayerischen Nordgautag in Vohenstrauß. Nr. 35, 2004, S. 234 (Digitalisat [PDF; abgerufen am 15. Juni 2016]).
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 Eveline Müller: Musiker aus Preßnitz in aller Welt.
  9. Joseph Eduard Ponfikl: Königliche freye Bergstadt Preßnitz. … S. 300.
  10. Ralf Heimrath: Fahrende Musikanten aus Böhmen in der Oberpfalz. … S. 234–235.
  11. Teophil Pisling: Volkswirthschaft und Arbeitspflege im böhmischen Erzgebirge. Kober & Markgraf, Wien und Prag 1861, Das muskalische Proletariat (Digitalisat ).
  12. Josef Fehnl: Preßnitz, die Musikantenstadt. … S. 4.
  13. Von Bagdad nach Stambul. Reiseerlebnisse von karl May. Karl May-Gesellschaft e. V., 3. April 2013, S. 121–122, abgerufen am 16. September 2016 (PDF).
  14. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 16. Juni 2016 (čeština).

Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Přísečnice (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.