Otto Toeplitz - LinkFang.de





Otto Toeplitz


Otto Toeplitz (geboren am 1. August 1881 in Breslau; gestorben am 15. Februar 1940 in Jerusalem) war ein deutscher Mathematiker jüdischer Herkunft.

Leben und Werk

Toeplitz stammte aus einer jüdischen Lissaer Familie, die bereits mehrere Mathematiklehrer hervorgebracht hatte. Sowohl sein Vater Emil Toeplitz (geboren am 15. Oktober 1852 in Lissa; †gestorben am 22. August 1917 in Breslau) als auch sein Großvater Julius Toeplitz (geboren am 5. Dezember 1825 in Lissa; gestorben am 4. August 1897 in Lissa) unterrichteten Mathematik an einem Gymnasium (Comenius-Gymnasium zu Lissa bzw. Johannesgymnasium Breslau). Sein Vater Prof. Emil Toeplitz war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Herausgeber des Philologenjahrbuchs Kunzes Kalender. Dieses wurde 1895 von dem deutschen Philologen Karl Kunze, Lissa, (1840–1895) im Auftrag des Deutschen Philologenverbands entwickelt und erscheint seitdem in jährlicher Neuauflage. Otto wuchs in Breslau auf und begann dort nach dem Abitur bei Jacob Rosanes und Rudolf Sturm Mathematik zu studieren. 1905 promovierte er mit einer Arbeit über Algebraische Geometrie. Aus seiner Breslauer Zeit war er mit Max Born und Richard Courant befreundet.

1906 ging Toeplitz nach Göttingen, wo er sich im folgenden Jahr mit der Arbeit Zur Transformation der Scharen bilinearer Formen von unendlichvielen Veränderlichen habilitierte und dann als Privatdozent lehrte. Bei seiner Ankunft war David Hilbert mit seiner Theorie der Integralgleichungen beschäftigt, speziell der Spektraltheorie beschränkter symmetrischer Operatoren, und Toeplitz schrieb mehrere Arbeiten zu diesem Thema (Strukturen der linearen Algebra in der Spektraltheorie, Erfindung der Toeplitz-Operatoren u.a.), wobei er schon mit seinem Studenten Ernst Hellinger zusammenarbeitete, mit dem er sich auch befreundete. 1913 ging er als außerordentlicher Professor an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1920 wurde er dort zum ordentlichen Professor ernannt. Gemeinsam mit Ernst Hellinger stellte Toeplitz in dieser Zeit einen Artikel über Integralgleichungen für die angesehene Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften fertig, der 1927 veröffentlicht wurde. 1928 übernahm Toeplitz als Nachfolger des Geometers Eduard Study einen Lehrstuhl an der Universität Bonn, wo er eine viel höhere Hörerzahl als in Kiel hatte. In Bonn war er mit Felix Hausdorff befreundet.

Die von ihm 1911 eingeführten Toeplitz-Matrizen haben Anwendungen in der Theorie der Fouriertransformation, in der Kristallographie und der Entwicklung schneller Algorithmen.

Trotz des rassistischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von 1933 konnte Toeplitz noch bis 1935 lehren. Dann wurde er als Jude seines Amtes enthoben und in den Ruhestand versetzt. Nach seiner Emeritierung arbeitete er als Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Bonn und unterrichtete jüdische Schulkinder. Er gründete eine jüdische Schule und organisierte als Leiter der Hochschulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland vor allem die Ausreise jüdischer Studierender in die USA. Fassungslos hielt er die Folge der Absetzungen und der Selbstmorde von Professoren in Karteikarten fest. Anfang Februar 1939 zwang ihn der steigende Verfolgungsdruck, nach dem unter britischer Mandatsverwaltung stehenden Palästina zu emigrieren. Ein Jahr nach der Ausreise verstarb er in Jerusalem.

In den 1930er Jahren arbeitete er mit seinem Studenten Gottfried Köthe an einer eigenen Theorie unendlich dimensionaler Räume, da ihm Stefan Banachs Theorie zu abstrakt war. Dazu übertrug er Ideen der endlich dimensionalen linearen Algebra wie schon in seinen Arbeiten Anfang des Jahrhunderts in Göttingen.

Toeplitz war ein leidenschaftlicher Lehrer und wurde hier und in seinem Interesse für Mathematikgeschichte stark von Felix Klein geprägt. Besondere Ausprägung fand dies in seinem Mathematik-Didaktik Kolloquium für angehende Lehrer in Kiel. 1926 hielt er auf der Naturforschertagung in Düsseldorf einen seinerzeit viel beachteten Vortrag über den Analysis-Unterricht, wobei er für die historische Methode plädierte, die den Entdeckungsgang nachvollzieht („genetisch“). Er schrieb dazu auch ein Buch über die Geschichte der Analysis: Die Entwicklung der Infinitesimalrechnung. Eine genetische Annäherung (1949 postum auf Deutsch editiert und durch Gottfried Köthe veröffentlicht). Weiterhin interessierte Toeplitz sich für die Beziehung zwischen klassischer griechischer Mathematik und Philosophie und war häufiger Besucher des Mathematik-Seminars in Frankfurt, an dem sein Freund Hellinger seit 1914 arbeitete. Außerdem hatte er schon in Kiel ein eigenes Seminar über griechische Mathematik mit Heinrich Scholz und Julius Stenzel. Mit letzterem und Otto Neugebauer gründete er die Zeitschrift Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik. Mit Heinrich Behnke gründete er 1932 die noch heute bestehenden Mathematisch-Physikalischen Semesterberichte, die sich vor allem an Mathematiklehrer richten.

Toeplitz wird von Heinrich Behnke als freundlich, offen (auch gegenüber Kritik) und hilfsbereit beschrieben. Er war sehr an seinen Studenten interessiert, führte mit vielen ausführliche Gespräche in freundschaftlicher Atmosphäre und kannte sie genau.

Mit Hans Rademacher schrieb er 1930 eine weit verbreitete populäre Einführung in die Mathematik Von Zahlen und Figuren, in der u.a. elementare Zahlentheorie, Minima/Maxima Probleme, Polyeder, Topologie, Vierfarbensatz und Geometrieprobleme wie Kurven konstanten Durchmessers behandelt werden. Das Buch ging aus öffentlichen Vorträgen hervor.

Einer seiner Söhne, Uri (Erich) Toeplitz war von Beruf Flötist und Mitbegründer des Israel Philharmonic Orchestra.

Siehe auch

Schriften

Literatur

Weblinks

 Commons: Otto Toeplitz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Otto Toeplitz – Quellen und Volltexte


Kategorien: Fachdidaktiker (Mathematik) | Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus | Mathematikhistoriker | Gestorben 1940 | Geboren 1881 | Mathematiker (20. Jahrhundert) | Hochschullehrer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) | Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Otto Toeplitz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.