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Oswald de Andrade


Oswald de Andrade (* 11. Januar 1890 in São Paulo; † 22. Oktober 1954 ebenda) war ein brasilianischer Schriftsteller und Mitbegründer des brasilianischen Modernismo.

Oswald de Andrade war der Lebensgefährte der Künstlerin Tarsila do Amaral und zusammen mit ihr und Mário de Andrade, Anita Malfatti und Menotti del Picchia Mitglied der Grupo dos Cinco ("Gruppe der Fünf") und Mitarbeiter des Kulturmagazins Semana de Arte Moderna. Er schrieb zwei poetische Manifeste, deren avantgardistische Forderungen er in Theaterstücken und Romanen zu erfüllen suchte. Sein bekanntestes Manifest war das Manifesto Antropófago. Es enthält ein Programm für eine freie, klassenlose, an matriarchalischen Vorzeiten angelehnte Gesellschaft.

Antropophagie-Bewegung

Oswald de Andrade war Mitbegründer einer sozialkritischen und kulturrevolutionären Antropophagie-Bewegung in Brasilien. Mit scheinbaren Widersprüchen wie national und international, regional und kosmopolitisch wurden die neusten europäischen Stilrichtungen aufgegriffen und mit Hilfe eines "tropischen" Regionalismus ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, als Gegenbewegung zur europäischen Dominanzkultur. Nach dem anthrophagischen Motto "Statt das Fremde wegzuschieben, das Fremde fressen", entwickelten er und die Bewegung gegen die zerstörerischen, dominanten und rassistischen Elemente europäischer Kultur künstlerische Gegenaktionen mit inhaltlich ethischen Begründungen. Der Reinlichkeit, Wissenschaftlichkeit und dem "europäischen Verlangen nach Differenz" setzte er "das tropische Wuchern, Aneignung, Naivität, Wildheit und Poesie" entgegen. Ihren Namen erhielt die Bewegung durch ein Bild von Tarsila do Amaral Abaporú von 1928. Abaporú bedeutet in der Sprache der Tupí Anthropophage, also Menschenfresser.[1] Obwohl das Anthropophagische Manifest bereits 1928 in der ersten Ausgabe der Revista de Antropofagia[2] in São Paulo erschien, wurde es erst 1990 ins Deutsche übersetzt und in der Kulturzeitung Lettre International veröffentlicht.[3]

Einfluss in Deutschland

Die Künstlerinnen und Philosophinnen Luzenir Caixeta und Rubia Salgado von der Organisation Theorie und Praxis einer Migrantinnenselbstorganisation (MAIZ) beziehen sich heute wieder auf Oswald de Andrade und die anthrophagischen Bewegung. 2004 veröffentlichten sie in Spricht die Subalterne deutsch?, einem Sammelband postkolonialer Kritik, ihr Manifest gegen die "ethnozentristische Kulturhegemonie des Nordens" und erklären: "Wir widersetzen uns jeglicher Zuschreibungspraxis sei es in Form von Viktimisierung oder Exotisierung." Hier verweisen sie auf Ähnlichkeiten zu Oswald de Andrade, bei ihren Versuchen "neue Politiken der Sichtbarmachung" zu schaffen und neue Repräsentationsformen zu entwickeln.

Werke

  • 1924: Memórias sentimentais de João Miramar
  • 1933: Serafim Ponte Grande
  • 1934: O rei da vela 1933; O homem e o cavalo
  • 1928, 1995: Manifesto Antropófago. In: Schwartz, Jorge: Vanguardas Latino-Americanas. São Paulo

Verfilmungen

  • 1982: Der König der Kerzen (O rei de vela)

Einzelnachweise

  1. vergleiche Schwartz, zitiert in Luzenir Caixeta 2004
  2. Andrade, Oswald de. “Manifesto Antropófago”, in: Revista de Antropofagia, Jahr 1, Nr. 1, Mai 1928, S. 3-7
  3. http://www.lettre.de/archiv?author=2436

Literatur

  • Jorge Schwartz: Vanguardas Latino-Americanas. São Paulo, 1995.
  • Luzenir Caixeta: Anthropophagie als Antwort auf die eurozentrische Kulturhegemonie Oder: Wie die Mehrheitsgesellschaft feministische Migrantinnen schlucken ›muss‹. In: Hito Steyerl, Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Hrsg.): Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik. Unrast Verlag, Münster 2004, ISBN 3-89771-425-6.
  • Rubia Salgado: Antropophagie und Akkulturation: eine Begegnung beim Ficken. 1999. In: Luzenir Caixeta (2004)
  • Maria Eugenia Boaventura: A Vanguarda Antropofágica. Ática, São Paulo 1985.
  • Lúcia Helena: Totens e tabus da modernidade brasileira. Símbolo e alegoria na obra de Oswald de Andrade. Tempo Brasileiro, Rio de Janeiro 1985.
  • Maria José Justino: O Banquete Canibal. A modernidade em Tarsila do Amaral 1886–1973. Editora UFPR, Curitiba 2002.
  • Benedito Nunes: Oswald Canibal. Perspectiva, São Paulo 1979.
  • Benedito Nunes: A Utopia Antropofágica. A Antropofagia ao alcance de todos. Globo, São Paulo 1990.
  • Adriano Bitarães Netto: Antropofagia Oswaldiana. Um Receituário Estético e Científico. Annablume, São Paulo 2004.
  • Luís Carlos de Morais Junior: O Olho do Ciclope e os Novos Antropófagos. Antropofagia Cinematótica na Literatura Brasileira. HP Comunicação, Rio de Janeiro 2008. (Online , 2015).
  • Carlos A. Jauregui: Canibalia. Canibalismo, calibanismo, antropofagia cultural y consumo en América Latina. (ETC: Ensayos de Teoría Cultural; 1). 2., durchgesehene Auflage. Vervuert, Madrid 2008.
  • Oswald de Andrade: Pau Brasil. Traducción Andrés Sánchez Robayna. Publicado con ocasión de la exposición Tarsila do Amaral. Fundación Juan March. Madrid, 2009, ISBN 978-84-89935-82-2.

Film

  • O Homem do Pau Brasil, (1982)

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald de Andrade (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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