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Ommyōdō

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Dieser Artikel behandelt die japanische Yin-Yang-Lehre. Zum gleichnamigen Film siehe Onmyōji (Film).

Ommyōdō (jap. 陰陽道) gelegentlich auch In’yōdō, On’yōdō gelesen, bezeichnet in Japan die aus China übernommene Lehre von der Dualität des Weiblichen (hier on (ältere Wu-Lesung) bzw. in (jüngere Han-Lesung) genannt, chinesisch: yin) und des Männlichen (hier myō bzw. eigentlich genannt, chinesisch: yang), die allen Erscheinungen der Welt zu Grunde liegt. In der materiellen Welt – sie ist im ständigen Wandel begriffen – ist diese Dualität verbunden mit der Lehre von den Fünf Elementen. In Verbindung mit der Beobachtung des Mondes und der Planeten wurde schon in China versucht, zukünftige Entwicklungen vorherzusagen. In Japan wurde diese Lehre auch vom Taoismus, Buddhismus und Shintoismus beeinflusst.

Die Grundlagen

Naturbetrachtung / Naturphilosophie

Aus China übernahm man die Beobachtungen, dass viele Erscheinungen der Welt sich in dualer Form beschreiben lassen. Man unterscheidet:

  • männlichen Eigenschaften (): wie hell, Sonne, Tag, hell, offen, warm, vorn, oben, außen, Oberwelt, Leben, Süden, Südseite eines Berges, Nordseite eines Flusses, links,
  • Weibliche Eigenschaften (In): dunkel, Mond, bewölkt, Nässe, Schatten, verborgen, geheim, kalt, Rückseite, innen, unten, Unterwelt, Tod, Norden, Nordseite eines Berges, Südseite eines Flusses, rechts, weibliche Geschlechtsteile zu.[1]

Diese Eigenschaften zeigen sich in der konkreten Welt, die sich auf fünf Elemente zurückführen lässt, nämlich Holz (, moku), Feuer (, ka), Erde (, do), Metall (, gon) und Wasser (, sui). So werden diesen jeweils die zwei Aspekte dem In und dem Yō zugeordnet, woraus sich eine Zehnerreihe ergibt, die zehn Himmelsstämme. Diese fünf Elemente gehen durch stetigen, definierten Wandel miteinander über.

Sowohl die Eigenschaften In und Yō als auch die fünf Elemente sind einem ständigen Wandel unterworfen, und zwar nicht nur von Stunde zu Stunde sondern auch von Tag zu Tag, Jahr zu Jahr. So kam diese Lehre zusammen mit der Kalenderkunde (, reki), Astronomie (天文, temmon) und die Erdkunde (地理, chiri) bereits im Rahmen der frühen Kontakten zu China und Korea im 7. Jahrhundert. So wurde am japanischen Kaiserhof innerhalb des Innenministeriums (中務省, Nakatsukasa-shō) eine eigene Abteilung (陰陽道寮, Onmyōdō-ryō) eingerichtet, deren Leiter Oberhaupt des Ommyōdō (陰陽道頭, Ommyōdō no kami) genannt wurde. Er leitete die drei Abteilungen Ommyōdo (陰陽道), Temmondō (天文道) und Rekidō (歴道). Neben der laufenden Arbeit wurde in der Abteilung auch Nachwuchsausbildung betrieben. Die bei der Onmyōdō-Abteilung angestellten Spezialisten der Lehre wurden Ommyōji (陰陽師) genannt – häufig im Deutschen als „Yin-Yang-Meister“ übersetzt.

Bezug zur Zeit

Die Zeit eines Tages wird in zwölf Teile geteilt, wobei jeder Doppelstunde ein Tier in fester Reihenfolge zugeordnet wird, das sind die zwölf Erdzweige. Aber auch den Jahren werden die zwölf Tiere zugeordnet. Verbunden mit den zehn Himmelsstämmen ergibt sich so ein 60er-Zyklus[A 1], der seit Urzeiten durchgezählt wird. Dieser Zyklus bietet Jahresangaben, die unabhängig sind von der gerade gültigen Regierungsdevise. Als man die zehn Himmelsstämme übernahm, gab man ihnen auch eine japanische Lesung, gebildet aus der Bezeichnung des Elementes und der in diesem Zusammenhang Kurzbezeichnung e für „älterer Bruder“ (= Yō-Ausprägung des Elements) und to für „jüngerer Bruder“ (= In-Ausprägung des Elements).

Bezug zum Raum

Ommyōdō befasst sich nicht nur mit zeitlichen Abfolgen und deren Vorhersagen, sondern sieht auch den Lebensraum des Menschen durch kosmische Kräfte bestimmt. Dabei wird der Norden durch In bestimmt, der Süden durch Yō. So hieß die Provinzgruppe nördlich der Berge, die Honshū durchziehen, San’indō (山陰道) und die Provinzgruppen südlich der Berge San’yōdō (山陽道), und noch heute heißen die jeweiligen Eisenbahnlinien entsprechend. – Noch detaillierter beschreibt der erwähnte Zwölferzyklus räumliche Bezüge. Dabei steht die Ratte für Norden, das Pferd für Süden, der Hase für Osten, das Huhn für Westen. Die vier Haupthimmelsrichtungen werden außerdem durch Tiere repräsentiert, der Osten durch den Blaugrünen Drachen (Seiryū), der Süden durch den Roten Vogel (Suzaku), der Westen durch den Weißen Tiger (Byakko) und der Norden durch ein schwarzes Fabelwesen, eine Kombination von Schwarzer Schildkröte und Schlange (Gembu). Dazu kommt als fünfte „Richtung“ die Mitte repräsentiert durch den Gelben Drachen (Kōryū). Die Haupthimmelsrichtungen und die vier Richtungen dazwischen, also die acht Richtungen werden den acht Trigrammen (Hakke oder Hakka, 八卦) der Inyō-Lehre zugeordnet und sind durch eigene chinesische Zeichen gekennzeichnet. Als gefährdet durch böse Kräfte galt dabei der Nordosten und der Südwesten. Über die Einfügung der acht in den Zwölferzyklus kann man die Zwischenrichtungen aber auch mit einer Zweier-Kombination aus dieser Reihe beschreiben, den Südwesten z.B. statt mit (, son) mit Tatsu-Mi („Drache-Schlange“).

Die Entwicklung in Japan

In der Heian-Zeit wurde Ommyōdō vom Hofadel (Kuge) gepflegt. Ein bedeutender Vertreter der Lehre im 10. Jahrhundert war Kamo no Yasunori (賀茂保憲; 917–977), der neben seinen Sohn auch Abe no Seimei (阿部清明, † 1005) ein Amt übergab. Sowohl Yasunori als Seimei standen an der Spitze zweier Schulen, die jeweils einige hundert Schüler umfasste. Als der Kaiserhof Ende des 12. Jahrhunderts seine Macht verlor, wandelte sich auch die Nutzung des Ommyōdō, das nun vom Schwertadel (Buke), den Schreinen und auch von den Tempel gepflegt wurde. Seit der Muromachi-Zeit kamen im Rahmen des Ommyōdō die Tsuchimikado[A 2] als weitere Familie in der Abe-Linie dazu.

Mit dem Beginn der Edo-Zeit und dem beginnenden allgemeinen Wohlstand interessierte sich auch das Volke für diese Lehre. In der Praxis verband sich diese Lehre mit der hier seit Alters her gepflegten eigenen Wahrsagekunst (, boku), bzw. erfolgte sie parallel zu anderen konkurrierenden Wahrsagekünsten, um den vielfältigen Bitten um Hinweise für eine gute Zukunft zu entsprechen. Die buddhistischen Mönche blieben dabei kritisch und wiesen auf ihre Lehre hin. Da der Buddhismus jedoch für das Volk weitgehend unverständlich blieb, blühte Ommyōdō. In der mittleren und späteren Edo-Zeit beschäftigten sich auch die Shushi-Gelehrten Yamazaki Ansai (山崎闇斎; 1619–1682), Minagawa Kien (皆川淇園; 1735–1807) mit Ōmmyōdo.

Besonders populär waren und sind Wahrsager auf der Grundlage der Hakke, als der acht Dreier-Kombinationen aus durchgezogener Yō-Linie und unterbrochener In-Linie. Die Wahrsager heißen Hakkemi (八卦見) oder Hakkeoki (八卦置), sie arbeiten mit einem Bündel Stäben aus Bambus (筮竹, zeichiku). Inyō-Erläuterer (陰陽師) erläuterten anhand der Sechs-Tage-Folge gute und schlechte Tage, und wiesen Männer darauf hin, dass das 25., 42. und 61. Lebensjahr ein Gefahrenjahr (厄年, yakudoshi) für sie ist. Für die Frauen gilt Ähnliches, für sie ist das 19., 33. und 61. Lebensjahr gefährlich.

Onmyōdō heute

In der Meiji-Zeit wirkte Takashima Kaemon (高島嘉右衛門, 1832–1914), auch kurz Takashima Eki (高島易) genannt. Er war Unternehmer, beschäftigte sich auch mit der Wahrsagerei, wobei er sich auch auf seine Lebenserfahrung stützte. – Ein modernes Auslege-Jahrbuch (暦本, goyomihon) wird von dem Tōkyō Jingūkan herausgegeben. Es enthält Angaben für das laufende Jahr sowie für jeden Tag, Hinweise auf die günstigsten räumlichen und zeitlichen Konstellationen, geht dabei inhaltlich über Ōmmyōdō hinaus.

Anmerkungen

  1. 60 ist das kleinste gemeinsame Vielfache. Das bedeutet, dass nur die Hälfte der 120 möglichen Kombinationen vorkommen. Das reicht in der Regel aus, um ein Menschenleben zu beschreiben. Wird jemand älter als sechzig, so beginnt dieser Mensch eine zweite Runde, wird quasi wiedergeboren. Dieser zweite Geburtstag wird als "Kalenderdurchlauf" (還暦, Kanreki) gefeiert.
  2. Es besteht keine Beziehung zu Kaiser Tsuchimikado.

Literatur

  • Suzuki, Toshihiko (Hrsg): Denshihan bukku-han. Nihon daihyakka zensho. Shogakukan, 1996.
  • Kyōto National Museum (Hrg): Abe Seimei to Ommyōdo-ten. Yōmiuri Shimbun Osaka, 2003.
  • Hanasaki Kazuo (Hrsg): Oedo monoshiri zukan. Shufu-to-Seikatsusha, 2000. ISBN 4-391-12386-X.
  • Y. Hirakoba (Hrsg.): 2000. Heisei juninen jingukan katei reki. Jingukan, 1999, ISBN 4-915261-85-9. (Beispiel)

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rüdenberg. Werner: Chinesisch-Deutsches Wörterbuch. 3. Auflage. Cram, De Gruyter, Hamburg. 1961.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ommyōdō (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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