Olympische Winterspiele 1924/Eiskunstlauf - LinkFang.de





Olympische Winterspiele 1924/Eiskunstlauf


Das Eiskunstlaufen stand bereits bei den Olympischen Sommerspielen 1908 in London und den Olympischen Sommerspielen 1920 in Antwerpen im Rahmen so genannter Wintersportwochen auf dem Programm Olympischer Spiele. Bei den I. Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix wurden Wettbewerbe im Einzellauf der Männer und Frauen sowie im Paarlaufen ausgetragen. Austragungsort war das Stade Olympique (Olympiastadion) im Zentrum von Chamonix. Gelaufen wurde auf zwei Natureisbahnflächen von jeweils 50 x 60 m Durchmesser in den Kurvenbereichen der 400 m-Eisschnelllaufbahn. Da das Eishockey-Turnier zur selben Zeit stattfand wie die Eiskunstlauf-Wettbewerbe, waren die Zuschauer auch wegen der Eishockey-Spiele im Stadion.

Olympische Sommerspiele 1924
(Medaillenspiegel Eiskunstlauf)
Platz Mannschaft G S B Total
1 Osterreich Österreich 2 1 - 3
2 Schweden Schweden 1 - - 1
3 Finnland Finnland - 1 - 1
Vereinigte Staaten 48 USA - 1 - 1
5 Dritte Französische Republik Frankreich - - 1 1
Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich - - 1 1
Schweiz Schweiz - - 1 1

Medaillengewinner

Konkurrenz Gold Silber Bronze
Herren Schweden Gillis Grafström Osterreich Willy Böckl Schweiz Georges Gautschi
Damen Osterreich Herma Szabó Vereinigte Staaten 48 Beatrix Loughran Vereinigtes Konigreich 1801 Ethel Muckelt
Paare Osterreich Helene Engelmann / Alfred Berger Finnland Ludowika Jakobsson / Walter Jakobsson Dritte Französische Republik Andrée Joly / Pierre Brunet

Herren

Platz Land Sportler PF Kür Pz/Pkte
1 SWE Gillis Grafström 1 2 10/367.89
2 AUT Willy Böckl 2 1 13/359.82
3 SUI Georges Gautschi 3 4 23/319.07
4 TCH Josef Slíva 5 3 28/310.77
5 GBR John Page 6 5 36/295.36
6 USA Nathaniel Niles 4 9 46/274.47
7 CAN Melville Rogers 7 8 51/269.82
8 FRA Pierre Brunet 9 6 54/268.61
9 BEL Frederic Mesot 8 7 54/266.16
10 GBR Herbert Clarke 10 11 70/219.75
11 FRA Andre Malinet 11 10 77/202.46

Wettkampf: 29. Januar 1924 um 9:30 Uhr (Pflicht) und 30. Januar 1924 um 15:00 Uhr (Kür)

Am Start waren 11 Eiskunstläufer aus 9 Ländern

Zuschauer: 555

Der Wettkampf bestand aus einer Pflicht – es mussten sechs Figuren gezeigt werden – und aus einer fünfminütigen Kür. Der Weltmeister von 1923, Fritz Kachler aus Österreich, und der ungarische Meister Andor Szende fehlten hier, so dass im Kampf um Gold schon im Vorfeld nur Gillis Grafström und Willy Böckl in Frage kamen. Bei früherem Aufeinandertreffen beider ging der Schwede stets als Sieger von der Eisfläche. Grafström war ein exzellenter Läufer von Pflichtfiguren und galt als äußerst eleganter Tänzer mit enormem Musikgefühl. Er lief die beste Pflicht, wurde in der Kür Zweiter und verteidigte seinen Titel von 1920 erfolgreich. Der Wiener Willy Böckl lief zwar die beste Kür aller Teilnehmer, doch reichten die Punkte nicht für den Olympiasieg. Kurioserweise befanden vier der sechs Preisrichter, dass Gillis Grafström, trotz eines Sturzes, besser war als Böckl und setzten den Schweden auf Platz eins.

John Page, Nathaniel Niles, Melville Rogers und Pierre Brunet waren auch im Paarlaufen am Start. Für Gillis Grafström und Nathaniel Niles waren es nach 1920 die zweiten Olympischen Eiskunstlauf-Wettbewerbe.

Damen

Platz Land Sportler Pz/Pkte
1 AUT Herma Szabó 7/299.17
2 USA Beatrix Loughran 14/279.85
3 GBR Ethel Muckelt 26/250.07
4 USA Theresa Weld 27/249.53
5 FRA Andrée Joly 38/231.92
6 CAN Cecil Smith 44/230.75
7 GBR Kathleen Shaw 46/221.00
8 NOR Sonja Henie 50/203.82

Wettkampf: 28. Januar 1924 um 9:00 Uhr (Pflicht) und 29. Januar 1924 um 13:30 Uhr (Kür)

Am Start waren 8 Eiskunstläuferinnen aus 6 Ländern

Zuschauer: 720

Der Wettkampf bestand aus einer Pflicht (sechs Figuren) und aus einer vierminütigen Kür. Unter den Preisrichtern waren Walter Jakobsson (Finnland) und Georges Wagemans (Belgien), die beide auch als Sportler im Paarlaufen an den Start gingen. Mit Titelverteidigerin Magda Julin und Svea Norén (beide Schweden) fehlten zwei große Favoritinnen, so dass Herma Szabó – Weltmeisterin von 1922 und 1923 – fast mühelos als Beste in Pflicht und Kür zum Olympiasieg lief. Sie gehörte wie Willy Böckl dem Wiener Eislauf-Verein an und gewann die erste olympische Gold-Medaille für Österreich bei Wintersport-Wettbewerben. Wie Phoenix aus der Asche trat dagegen die New Yorkerin Beatrix Loughran auf und gewann völlig überraschend Silber. Loughran war als US-Vizemeisterin nach Chamonix gereist. Eigentlich wurde ihrer Landsfrau Theresa Weld eher eine Medaille zugetraut. Diese verpasste allerdings Bronze denkbar knapp mit nur einer Platzziffer mehr an die Britin Ethel Muckelt.

Achte des Wettkampfes wurde Sonja Henie aus Norwegen, die mit ihren 11 Jahren und 295 Tagen jüngste Teilnehmerin bei diesen Winterspielen war. Zu Beginn ihrer Kür stürzte sie, sagte verlegen nur „Hoppla!“ und begann noch einmal. Seitdem nennt die Presse sie liebevoll Fräulein Hoppla. Sonja Henie wurde später zwischen 1928 und 1936 dreimal Olympiasiegerin. Ethel Muckelt, Theresa Weld, Andrée Joly und Cecil Smith waren auch im Paarlaufen am Start. Für Muckelt und Weld waren es nach 1920 die zweiten Olympischen Spiele.

Paare

Platz Land Sportler Platzziffer
1 AUT Helene Engelmann
Alfred Berger
9/10.64
2 FIN Ludowika Jakobsson
Walter Jakobsson
18.5/10.25
3 FRA Andrée Joly
Pierre Brunet
22/9.89
4 GBR Ethel Muckelt
John Page
30.5/9.93
5 BEL Georgette Herbos
Georges Wagemans
37/8.82
6 USA Theresa Weld
Nathaniel Niles
39/9.07
7 CAN Cecil Smith
Melville Rogers
41/9.11
8 GBR Mildred Richardson
Thomas Richardson
57/7.68
9 FRA Simone Sabouret
Charles Sabouret
61/7.15

Wettkampf: 31. Januar 1924 um 15:00 Uhr (Kür)

Am Start waren 9 Paare (18 Eiskunstläufer) aus 7 Ländern

Zuschauer: 347

Der Wettkampf bestand aus einer fünfminütigen Kür. Die Paare wurden dabei von einer Blaskapelle begleitet. Es war fast die gesamte Weltspitze der Paarläufer am Start. Lediglich die Norweger Alexia und Yngvar Bryn fehlten. Der Paarlauf wurde zu einer der spannendsten Entscheidungen. An der Spitze kam es zum Zweikampf zwischen Ludowika und Walter Jakobsson – Weltmeister 1923 – aus Helsinki und Helene Engelmann und Alfred Berger – Weltmeister 1922 – aus Wien. Klassik traf auf Populär. Dabei erwiesen sich die finnischen Titelverteidiger von 1920 als schlechte Verlierer. Sie warfen dem Siegerpaar Engelmann/Berger vor, die Preisrichter mit nicht zum klassischen Kunstlauf gehörender Akrobatik betört zu haben. Die gebürtige Potsdamerin Ludowika Jakobsson war die einzige deutsche Sportlerin in Chamonix und zudem mit 39 Jahren und 188 Tagen auch älteste Medaillengewinnerin Olympischer Winterspiele. Ihr Mann Walter Jakobsson war bereits 41 Jahre und 358 Tage alt.

Peinlicher Irrtum: Nach minutenlangen Standing Ovations wähnte die Presse das kanadische Paar Cecil Smith und Melville Rogers als Sieger und die französischen Journalisten kabelten diese „Sensation“ etwas vorschnell an ihre Zeitungen. Tatsächlich wurden sie aber nur Siebente. Von den insgesamt neun Paaren waren fünf zum zweiten Mal bei Olympia.

Weblinks


Kategorien: Eiskunstlauf bei den Olympischen Spielen | Wettbewerb bei den Olympischen Winterspielen 1924

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