Olympische Sommerspiele 1988/Fußball - LinkFang.de





Olympische Sommerspiele 1988/Fußball


Olympisches Fußballturnier 1988
Anzahl Nationen 16
Olympiasieger Sowjetunion UdSSR (2. Titel)
Austragungsort Seoul (Busan, Daegu,
Daejeon und Gwangju)
Eröffnungsspiel 14. September 1988
Endspiel 1. Oktober 1988
Spiele 32
Tore 95 (⌀: 2,97 pro Spiel)
Zuschauer 733.712 (⌀: 22.929 pro Spiel)
Torschützenkönig Brasilianer Romário (7 Tore)
Gelbe Karten 84 (⌀: 2,63 pro Spiel)
Rote Karten (⌀: 0,19 pro Spiel)

Bei den XXIV. Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurde ein Fußballturnier für Männermannschaften ausgetragen. Nachdem bei den drei vergangenen Olympischen Spielen immer eine Gruppe von Ländern einen Boykott verübten, war dies seit 1972 das erste olympische Fußballturnier, an dem alle sportlich qualifizierten Mannschaften teilnahmen.

Spielstätten waren neben dem Olympiastadion und dem Tong-Da-Mun-Stadion in Seoul, das Stadion in Daegu, das Stadion in Daejeon, das Mu-Dung-Stadion in Gwangju und das Kooduk-Stadion in Busan.

Deutschland wurde durch die Deutsche Fußballolympiamannschaft vertreten.

Im Endspiel standen sich die UdSSR und Brasilien gegenüber. Beide hatten zum zweiten Mal das olympische Finale erreicht. Die UdSSR konnte nach 1956 auch dieses Finale gewinnen, Brasilien blieb zum zweiten Mal in Folge nur die Silbermedaille. Mit dem Sieg der UdSSR endete die nur 1984 auf Grund des Olympiaboykotts der Ostblockstaaten unterbrochene Dominanz der osteuropäischen Staatsamateure, die seit 1952 alle Titel unter sich ausgemacht hatten.

Qualifikation

In Europa traten die 25 teilnehmenden Mannschaften in fünf Gruppen zu je 5 Mannschaften gegeneinander an. Die bundesdeutsche Mannschaft qualifizierte sich als Gruppenerster der Gruppe 1 vor Polen und Dänemark zum ersten Mal auf sportlichem Wege für die Olympischen Spiele (1972 war man als Gastgeber qualifiziert und 1984 rückte die Mannschaft durch den Boykott der Ostblockmannschaften nach). In Gruppe 2 schied die DDR zum ersten Mal seit 1968 in der Qualifikation aus (1984 war die DDR-Mannschaft qualifiziert, trat aber nicht an), da sie hinter Italien nur den zweiten Gruppenplatz belegen konnte. Die Schweiz scheiterte in Gruppe 4 an der Sowjetunion, Österreich in Gruppe 5 an Jugoslawien. Titelverteidiger Frankreich wurde in der Gruppe 3 mit nur einem Sieg Gruppenletzter, aus dieser Gruppe qualifizierte sich Schweden.

Die südamerikanische Qualifikation wurde im bolivianischen Santa Cruz ausgetragen, die zehn Teilnehmer spielten zunächst in einer ersten Gruppenphase mit zwei Gruppen à fünf Mannschaften gegeneinander, aus jeder Gruppe qualifizieren sich der Gruppensieger und der Gruppenzweiter für die Finalrunde. Diese wurde vom 29. April bis zum 3. Mai 1987 in La Paz ausgespielt. Es qualifizierten sich Brasilien und Argentinien für das Endturnier, Gastgeber Bolivien scheiterte nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Argentinien.

In Nordamerika wurden zunächst zwei Runden im K.O.-System ausgetragen, ehe die Zwei Teilnehmer durch eine Gruppenphase ausgespielt wurden. Es qualifizierten sich die USA und Mexiko. Da sich die Mexikaner vom Endturnier zurückgezogen hatten, qualifizierte sich stattdessen Guatemala für das Endturnier.

Die Qualifikation in Afrika wurde ganz im K.O.-System ausgetragen, für die Endrunde qualifizierten sich Tunesien, Sambia und Nigeria.

In Asien wurden die Mannschaften in zwei Gruppenzonen (Westasien war Gruppe 1, Südost- und Ostasien Gruppe 2) aufgeteilt, von denen sich zwei Mannschaften neben Gastgeber Südkorea qualifizierten. Zunächst wurden in beiden Zonen Gruppenspiele ausgetragen, um die vier Mannschaften für die Final-Gruppen zu ermitteln. In Westasien setzte sich der Irak gegen Kuwait, Katar und Saudi-Arabien durch. China gewann die ostasiatische Qualifikation gegen Japan und Thailand.

Ozeanien bekam erstmals nach Melbourne 1956 wieder einen sicheren Endrundenplatz. Zu den beiden ozeanischen Teilnehmern Australien und Neuseeland kamen auch Israel und Taiwan hinzu, die aufgrund politischer Konflikte nicht in Asien antraten. Australien qualifizierte sich in der Endrunde vor Israel für das olympische Turnier.

Gruppenphase

Gruppe A

17. September 1988 in Busan
BR Deutschland China 3:0 (1:0)
17. September 1988 in Daegu
Schweden Tunesien 2:2 (2:2)
19. September 1988 in Busan
BR Deutschland Tunesien 4:1 (1:1)
19. September 1988 in Daegu
Schweden China 2:0 (1:0)
21. September 1988 in Daegu
BR Deutschland Schweden 1:2 (0:0)
21. September 1988 in Busan
Tunesien China 0:0
Rang Land Tore Punkte
1 Schweden Schweden 6:3 5:1
2 Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland 8:3 4:2
3 Tunesien Tunesien 3:6 2:4
4 China Volksrepublik China 0:5 1:5

Die von Hannes Löhr trainierte Deutsche Fußballolympiamannschaft gewann ihre beiden ersten Gruppenspiele souverän und qualifizierte sich vorzeitig für das Viertelfinale. Gegen China hatten Wolfram Wuttke und Frank Mill zweimal getroffen und gegen Tunesien hatten Roland Grahammer, Holger Fach, Frank Mill und Wolfram Wuttke getroffen, Nabil Maaloul hatte den tunesischen Ehrentreffer erzielt. Allerdings verlor man durch eine 1:2-Niederlage gegen Schweden die Tabellenführung. In diesem Spiel war Deutschland durch einen Treffer Fritz Walters in Führung gegangen, aber Leif Engqvist und Peter Lönn hatten das Spiel noch gedreht. Die Schweden traten mit einigen talentierten Spielern wie Martin Dahlin an, konnten aber im ersten Spiel gegen Tunesien nicht überzeugen. Erst die Siege über China und Deutschland sicherten den Einzug ins Viertelfinale. Tunesien und China konnten sich in dieser Gruppe nicht durchsetzen.

Gruppe B

17. September 1988 in Daejeon
Sambia Irak 2:2 (1:1)
17. September 1988 in Gwangju
Italien Guatemala 5:2 (4:1)
19. September 1988 in Daejeon
Irak Guatemala 3:0 (0:0)
19. September 1988 in Gwangju
Sambia Italien 4:0 (1:0)
21. September 1988 in Gwangju
Sambia Guatemala 4:0 (0:0)
21. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Italien Irak 2:0 (0:0)
Rang Land Tore Punkte
1 Sambia 1964 Sambia 10:2 5:1
2 Italien Italien 7:6 4:2
3 Irak 1963 Irak 5:4 3:3
4 Guatemala Guatemala 2:12 0:6

In der Vorrunde erwiesen sich die Sambier als große Überraschung des Turniers. Italien gewann das letzte Spiel gegen den Irak durch die Tore von Ruggiero Rizzitelli und Massimo Mauro mit 2:0 und qualifizierte sich ebenfalls für das Viertelfinale. Guatemala schied nach drei Niederlagen aus.

Gruppe C

18. September 1988 in Busan
Südkorea UdSSR 0:0
18. September 1988 in Daegu
Argentinien Vereinigte Staaten 1:1 (0:0)
20. September 1988 in Busan
Südkorea Vereinigte Staaten 0:0
20. September 1988 in Daegu
UdSSR Argentinien 2:1 (2:0)
22. September 1988 in Busan
Argentinien Südkorea 2:1 (1:1)
22. September 1988 in Daegu
Vereinigte Staaten UdSSR 2:4 (0:3)
Rang Land Tore Punkte
1 Sowjetunion UdSSR 6:3 5:1
2 Argentinien Argentinien 4:4 3:3
3 Korea Sud Südkorea 1:2 2:4
4 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 3:5 2:4

Während der Olympischen Spiele kam es zur ersten Begegnung zwischen den USA und der UdSSR. Die sowjetische Auswahl setzte sich in diesem Spiel mit 4:2 durch und wurde Gruppensieger vor Argentinien.

Gruppe D

18. September 1988 in Daejeon
Brasilien Nigeria 4:0 (0:0)
18. September 1988 in Gwangju
Australien Jugoslawien 1:0 (0:0)
20. September 1988 in Daejeon
Jugoslawien Nigeria 3:1 (1:0)
20. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Brasilien Australien 3:0 (1:0)
22. September 1988 in Daejeon
Brasilien Jugoslawien 2:1 (1:0)
22. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Australien Nigeria 1:0 (0:0)
Rang Land Tore Punkte
1 Brasilien 1968 Brasilien 9:1 6:0
2 Australien Australien 2:3 4:2
3 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien 4:4 2:4
4 Nigeria Nigeria 1:8 0:6

Die Brasilianer gewannen diese Gruppe mühelos mit drei Siegen, Australien kam als Gruppenzweiter vor Jugoslawien ins Viertelfinale. Großen Anteil an dem Weiterkommen der Australier hatten Frank Farina und John Kosmina, die bei den Siegen über Jugoslawien und Nigeria die Siegtreffer erzielten.

Viertelfinale

25. September 1988 in Daegu
Schweden Schweden Italien Italien 1:2 n.V. (1:1, 0:0)
25. September 1988 in Kwangju
Sambia 1964 Sambia Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland 0:4 (0:3)
25. September 1988 in Busan
Sowjetunion UdSSR Australien Australien 3:0 (0:0)
25. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Brasilien 1968 Brasilien Argentinien Argentinien 1:0 (0:0)

Deutschland fuhr hier einen souveränen 4:0-Sieg gegen Sambia durch ein Tor von Wolfgang Funkel und drei Tore durch Jürgen Klinsmann ein.

Halbfinale

27. September 1988 in Busan
Sowjetunion UdSSR Italien Italien 3:2 n.V. (1:1, 0:0)
27. September 1988 in Seoul (Olympiastadion)
Brasilien 1968 Brasilien Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:3 i.E.

Holger Fach hatte Deutschland in der 50. Minute in Führung gebracht. Romario glich 11 Minuten vor Schluss aus. Nur zwei Minuten später erhielt Deutschland einen Elfmeter nach Foul an Klinsmann. Doch Wolfgang Funkel scheiterte mit dem Strafstoß an Brasiliens Torwart Taffarel. Nach 120 Minuten stand es immer noch 1:1 und im Elfmeterschießen unterlag Deutschland Brasilien.

  • Elfmeterschießen:
    • Taffarel hält Olaf Janßens Schuss
    • Joao Paolo trifft zum 1:0
    • Jürgen Klinsmann verschießt
    • Luis Carlos Winck trifft zum 2:0
    • Gerhard Kleppinger trifft zum 2:1
    • Romario trifft zum 3:1
    • Holger Fach trifft zum 3:2
    • Uwe Kamps hält Andre Cruz' Schuss
    • Taffarel hält Wolfram Wuttkes Schuss[1]

Spiel um Bronze

30. September 1988 in Seoul (Olympiastadion)
Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland Italien Italien 3:0 (2:0)

Im letzten Spiel besiegte die Deutsche Fußballolympiamannschaft Italien mit 3:0 (Klinsmann, Kleppinger, Schreier) und gewann zum ersten Mal im Fußball eine Olympia-Medaille.

Finale

Paarung UdSSR UdSSRBrasilien Brasilien
Ergebnis 2:1 n.V. (1:1, 0:1)
Datum 1. Oktober 1988
Stadion Olympiastadion, Seoul
Zuschauer 74.000
Schiedsrichter Gérard Biguet (Frankreich Frankreich)
Tore 0:1 Romário (29.)
1:1 Igor Dobrowolski (60., FE)
2:1 Juri Sawitschew (103.)
UdSSR Dmitri CharinGela Ketaschwili, Jewgeni Jarowenko, Sergei Gorlukowitsch, Wiktor LossewJewgeni Kusnezow, Igor Dobrowolski, Alexei Michailitschenko, Wladimir TatartschukVladimir Liutyij (115. Igor Skljarow), Arminas Narbekovas (46. Juri Sawitschew)
Trainer: Anatoli Byschowez
Brasilien Cláudio TaffarelLuiz Carlos Winck, André Cruz, Aloísio, JorginhoAndrade, Milton, Neto (73. Edmar) – Careca, Bebeto (75. João Paulo), Romário
Trainer: Carlos Alberto Silva
Gelbe Karten Ketaschwili, Tatartschuk, Gorlukowitsch – Careca, Winck, Aloisio
Platzverweise Tatartschuk (110.) – Edmar (112.)

Medaillenränge

Rang Medaillengewinner
Gold
Sowjetunion 
UdSSR
Alexander Borodjuk, Dmitri Charin (TW), Igor Dobrowolski, Sergei Fokin, Sergei Gorlukowitsch, Arvydas Janonis, Jewgeni Jarowenko, Gela Ketaschwili, Jewgeni Kusnezow, Vladimir Liutyi, Wiktor Lossew, Alexei Michailitschenko, Arminas Narbekovas, Igor Ponomarjow, Alexei Prudnikow (TW), Juri Sawitschew, Igor Skljarow, Wladimir Tatartschuk, Alexei Tscherednik, Wadim Tischtschenko,
Trainer: Anatoli Byschowez
Silber
Brasilien 1968 
Brasilien
Ademir, Aloísio, Batista, Bebeto, Valdo, Careca, Ze Carlos (TW), André Cruz, Edmar, Milton, Jorginho, Mazinho, Neto, Ricardo Gomes, João Paulo, Romário, Andrade, Geovani Silva, Cláudio Taffarel (TW), Luiz Carlos Winck
Trainer: Carlos Alberto Silva
Bronze
Deutschland Bundesrepublik 
BR Deutschland
Rudi Bommer, Holger Fach, Wolfgang Funkel, Armin Görtz, Roland Grahammer, Thomas Häßler, Thomas Hörster, Olaf Janßen, Uwe Kamps (TW), Gerhard Kleppinger, Jürgen Klinsmann, Frank Mill (C), Oliver Reck (TW), Karl-Heinz Riedle, Gunnar Sauer, Christian Schreier, Michael Schulz, Ralf Sievers, Fritz Walter, Wolfram Wuttke,
Trainer: Hannes Löhr

Beste Torschützen

Rang Spieler Tore
1 Brasilien 1968 Romário 7
2 Sambia 1964 Kalusha Bwalya 6
Sowjetunion Igor Dobrowolski
4 Sowjetunion Alexei Michailitschenko 5
5 Deutschland Bundesrepublik Jürgen Klinsmann 4
6 Deutschland Bundesrepublik Frank Mill 3
Italien Pietro Paolo Virdis
Argentinien Carlos Alfaro Moreno
Schweden Jan Hellström
10 Deutschland Bundesrepublik Holger Fach 2
Deutschland Bundesrepublik Wolfram Wuttke
21 Deutschland Bundesrepublik Gerhard Kleppinger 1
Deutschland Bundesrepublik Christian Schreier
Deutschland Bundesrepublik Fritz Walter
Deutschland Bundesrepublik Wolfgang Funkel
Deutschland Bundesrepublik Roland Grahammer

Den besten Sturm hatte die Olympia-Mannschaft der BR Deutschland, die insgesamt 16 Tore schoss.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. FIFA Datenbank

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